"Ja, unsere Kirche ist etwas in die Jahre gekommen", meint Christina Müller vom Evangelischen Dekanat in Karlsruhe auf Anfrage von ka-news. 1961 wurde die Petruskirche in der Nordweststadt eingeweiht. Mit etwas mehr als 50 Jahren zählt sie damit sicherlich nicht zu den Urgesteinen unter den Kirchen in der Fächerstadt. Und dennoch soll das alte Gebäude dem Erdboden gleich gemacht werden. 

Abriss sei sinnvoller als Sanierung

Die Entscheidung darüber fiel bereits 2010. Zu dieser Zeit fusionierten zwei Karlsruher Kirchengemeinden zur Petrus-Jakobus-Gemeinde und besiegelten so das Schicksal von zwei Gebäuden. Während die Jakobuskirche verkauft wurde, stand die Frage im Raum, was nun mit der Petruskirche geschehen solle. "Die Gemeinde braucht natürlich ein Kirchengebäude", erklärt die Dekanats-Sprecherin, "allerdings ist die Petruskirche derart in die Jahre gekommen, dass der Abbruch des Gebäudes notwendig ist". 

Abreißen statt Sanieren? Laut Müller passiert das äußerst selten: "Der Verkauf oder Abriss eines Kirchengebäudes ist wirklich die allerletzte Möglichkeit", versichert sie, "nur, wenn der Haushalt gar keine andere Wahl lässt, entscheidet man sich für einen dieser Schritte. Und genau dies sei hier der Fall: Bei einer Sanierung sei der Investitionsbedarf zu hoch, meint die Sprecherin.

"Ein großes Problem der Petruskirche ist die Frage nach der Barrierefreiheit", schildert sie, "momentan befinden sich die Toiletten noch im Keller und sind damit für Menschen mit Gehbehinderung oder Senioren nur mühsam zu erreichen. Bei einem Neubau lässt sich das viel leichter berücksichtigen." Doch auch aus energetischer Sicht sei ein Abriss sinnvoller als eine Sanierung. 

Neubau als Zeichen für die Zukunft

Der Abriss eines Kirchengebäudes sei dabei immer genehmigungspflichtig. Durch die Entwidmung am 14. September durch den Prälat der Prälatur Nordbaden der Evangelischen Landeskirche in Baden werde die Kirche dann zu einem ganz normalen Gebäude - und wird damit zum Abriss und anschließendem Neubau frei gegeben.

Auf dem Grundstück soll dann ein Gemeindezentrum mit moderner Kirche für die neu fusionierte Gemeinde entstehen. "Uns ist klar, dass die Menschen sehr an ihrer Kirche hängen", meint Müller abschließend, "aber wir wollen in die Zukunft schauen und ein neues Gebäude für zukünftige Generationen schaffen". 

Mehr zum Thema: 

Evangelische Kirche Karlsruhe: Neuer Dekan Thomas Schalla tritt Amt an

Politische Motive? Brandanschlag auf die "Russische Kirche" in Baden-Baden