Wer Fahrkarten für eine Reise mit der Bahn kaufen möchte, tut dies zum Großteil im Internet. Das weiß die Deutsche Bahn aus Zahlen und Erfahrung. Im Gegenzug würden in den Reisezentren immer weniger Einnahmen aus Fahrkartenverkäufen generiert. Zwischen 2005 und Ende 2010 hätten sich diese von 46 Prozent auf 22 Prozent reduziert, teilte das Unternehmen am Freitag vor einer Woche in einer Pressemitteilung mit. Von derzeit 2.350 Stellen deutschlandweit sollen daher 700 wegfallen.

Konkret bedeute das, dass der Konzern für etwa 350 Reiseberater bis 2016 andere Arbeitsplätze innerhalb des Betriebs finden wolle. Die Bahn geht davon aus, dass die andere Hälfte "durch natürliche Fluktuation oder altersbedingt aus dem Unternehmen ausscheiden" werde.

Verschiedene Interessensverbände sind von diesen Plänen keineswegs erfreut. In einer Stellungsnahme bezeichnete die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) das Vorhaben als einen "brutalen Kahlschlag", der "unverständlich, unüberlegt, unausgegoren" sei. Viele Kunden ließen sich im Reisezentrum beraten, auch wenn sie dann Tickets online kaufen, weil diese oftmals billiger seien. Der Wunsch nach Beratung sei also nach wie vor vorhanden und müsse berücksichtigt werden.

Verbände befürchten Personal- und Serviceabbau

Zwar berate die EVG derzeit mit Betriebsräten und dem DB Vertrieb über neue Konzepte. Von einer Lösung sei man - laut EVG - aber noch weit entfernt. EVG-Vorstand Reiner Bieck erinnerte in der Stellungnahme an die Aussage von Bahnchef Rüdiger Grube im Mai letzten Jahres, in der dieser versprochen hatte, dass es keinen Personalabbau im Vertrieb und in den Reisezentren geben werde. Bieck kritisierte, dass die Absicht der Bahn "das Gegenteil von dem wäre, was damals erklärt wurde."

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zeigte sich in einer Mitteilung empört über das Vorhaben der Deutschen Bahn. Die Reisezentren seien "unabdingbar, denn nur hier erfolgen Information und Beratung." Angesichts des komplizierten und vielfältigen Preissystems der Bahn sei eine persönliche Beratung am Schalter notwendig. "Vor diesem Hintergrund ist eine Stellenstreichung in der Kundenberatung nicht zu akzeptieren", schreibt der VCD in der Mitteilung.

Planungen der Bahn stehen im Detail noch nicht fest

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält das Beratungsangebot der Deutschen Bahn keineswegs für überflüssig - trotz der steigenden Fahrgastzahlen, die mit Onlinetickets unterwegs sind. "Es gibt immer Reisende, die weder mit Automaten noch Computern zurecht kommen oder die deren Nutzung scheuen", betonte der Bundesvorsitzende von Pro Bahn Karl-Peter Naumann in einer Pressemeldung. Die Reisezentren würden nach wie vor gebraucht, müssten aber mit neuen Konzepten zukunftsfähig gestaltet werden.

Genau dies beabsichtige auch die Deutsche Bahn, teilte ein Sprecher gegenüber ka-news mit. Im Detail sei aber noch nichts ausgearbeitet. Bevor konkrete Zukunftskonzepte entwickelt und entschieden werden könne, wo Stellen gestrichen werden, sei es notwendig die rund 400 Reisezentren in Deutschland einzeln zu analysieren und zu bewerten. Dies gelte auch für das Reisezentrum im Karlsruher Hauptbahnhof.

DB-Mitarbeiter durchlaufen üblicherweise mehrere Abteilungen

In Zusammenarbeit mit Arbeitnehmervertretern will der Konzern die Perspektiven der Zentren ausloten und individuelle, sozialverträgliche Lösungen für alle Mitarbeiter finden, die von der Anpassung betroffen sein werden, so der Bahn-Sprecher weiter. Für diese biete der konzerninterne Arbeitsmarkt beste Chancen auf alternative Beschäftigungsfelder. Am Donnerstag versicherte Bahnchef Grube laut dpa, dass keines der Reisezentren geschlossen werden und versprach, dass der Service dort sogar besser werden soll. "Dafür stehe ich persönlich gerade", betonte Grube.

Die Befürchtung, dass Menschen, die ihre Fahrkarten nicht online kaufen wollen, auf eine Servicewüste stoßen, wies der Bahn-Sprecher deutlich zurück. Schließlich verfüge die Bahn über unterschiedliche Vertriebswege, wie beispielsweise der Ticketverkauf in Reisebüros mit DB-Lizenz. Davon gebe es deutschlandweit rund 3.000, betonte auch der Deutsche Reise Verband (DRV). Deren Angebote würden Bahn-Kunden fleißig annehmen, versicherte der DB-Sprecher.

Inwiefern der Personalabbau auch der Karlsruher DB-Reisezentrum im Hauptbahnhof trifft, kann die Bahn zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.