Es ist klein, grün und quadratisch: Ein Büchlein, herrenlos auf einer Bank in der Günther-Klotz-Anlage platziert. Vergessene Parklektüre für einen sonnigen Nachmittag? Nein, dahinter verbirgt sich eine andere Geschichte, wie ein ka-Reporter feststellen musste: "Ich staunte nicht schlecht, als ich bemerkte, dass weitere Büchlein auf nahezu jeder Bank zu liegen schienen", schildert er seinen Fund.

Und der ka-Reporter tat, was vermutlich viele getan hätten: "Von der Neugier getrieben nahm ich eines der Exemplare auf einer leeren Sitzbank und fand eine laminierte Karte." Darauf standen folgende Worte: "Achtung: Dies ist ein Geschenk. Für Sie! Einfach so. Nehmen Sie dieses Büchlein und die Freude an ihm. Zehn Minuten schmökern, verschönern das Leben um genau diese Zeit."

Was hat es mit dem mysteriösen Geschenk auf sich?

Hinter der Aktion steckt die freischaffende Autorin Jennifer Hilgert. Seit drei Jahren lebt die gebürtige Keidelheimerin in der Fächerstadt, betreibt einen  Blog  und hat bereits das Werk "Dichtverkehr - von großen und kleinen Gedanken" veröffentlicht. "Ich schreibe einfach und gehe dieser Leidenschaft seit gut 14 Jahren nach", erzählt sie ka-news. 

Warum sie in der Günther-Klotz-Anlage und am Gutenbergplatz selbstgeschriebene Parklektüre verschenkt? "Ich habe einfach Freude daran, anderen Menschen eine Freude zu bereiten", meint Hilgert und fügt hinzu: "Außerdem ist dieser Weg der schönste, Leser zu gewinnen und auf mein Schaffen aufmerksam zu machen." Daher habe sie sich aufs Rad gesetzt und 40 Bücher in der Günther-Klotz-Anlage verteilt.

"Idee" hat die Autorin ihre Aktion getauft, ihre Website trägt den Namen "Schriftverkehr". "Dieser Begriff an sich betitelt doch eher starr und bieder den Schriftwechsel zwischen zwei Personen - für mich bedeutet er: Lyrik, Prosa, Witz und Plattform für eine gesunde Selbstdarstellung", erklärt die Wahl-Karlsruherin, "Ich möchte mit meinen Schriften bewirken, dass man sich gegenseitig zuhört, auf die kleinen Momente im Leben achtet und mich mit guten Augen betrachtet". Der Grund: "Ich schreibe und möchte gelesen werden. Weil ich etwas mitzuteilen habe."