Die SPD-Fraktion äußert sich gegenüber ka-news betont positiv zum Plan der Ditib-Gemeinde. "Wir begegnen dem Projekt für ein neues Gotteshaus mit höchstem Respekt", erklärt Fraktionsvorsitzende Doris Baitinger in einer Stellungnahme.

"Vier Minarette können wir uns nicht vorstellen"

Man vertraue darauf, dass im transparenten Dialog zwischen der Gemeinde, der Stadtverwaltung und den Anwohnern eine gute Lösung gefunden werde. "Die badische Liberalität war schon immer ein besonderes Markenzeichen unserer Stadt und ihrer Menschen. In diesem Sinne wird auch der Neubau der Ditib-Moschee in Karlsruhe ohne Aufregung und zum Wohle aller bewerkstelligt werden."

Weniger wohlwollend gibt sich die CDU: Innerhalb der Fraktion habe man sich noch nicht auf eine abschließende Meinung zum Thema geeinigt und befinde sich noch in Gesprächen und Diskussionen. "In jedem Fall wollen wir die Bürgerschaft einbinden in ein so großes Projekt", bekräftigt Fraktionsvorsitzende Gabriele Luczak-Schwarz im Gespräch mit ka-news. Man müsse sich auch überlegen, wie man grundsätzlich mit solchen Plänen umgehe, "denn die Ditib-Gemeinde ist nicht die einzige islamische Gemeinde in Karlsruhe." Fest stehe aber dennoch für die CDU-Fraktion: "Vier Minarette können wir uns nicht vorstellen."

Die Grüne Gemeinderatsfraktion unterstützt grundsätzlich den Wunsch der Türkisch Islamischen Gemeinde zu Karlsruhe, eine repräsentative Zentralmoschee in Karlsruhe zu bauen. "Allerdings ist der derzeitige Entwurf am bisher vorgesehenen Standort baurechtlich nicht auf die gewünschte Art und Weise genehmigungsfähig", verdeutlicht Stadtrat Alexander Geiger gegenüber ka-news. Wie bei jedem großen Bauvorhaben beschäftige sich der Planungsausschuss im Dialog mit dem Vorhabenträger um einen Ausgleich zwischen den städtebaulichen Vorstellungen des Gemeinderates und den architektonischen Vorstellungen des Bauherren. Hierzu seien Gespräche zwischen Ditib und Vertretern der Fraktionen geplant. "Beim derzeitigen Entwurf haben die Grünen vor allem wegen der Höhenentwicklung bei den Minaretten baurechtliche Bedenken. Wir wollen diesen Dialog offen führen und hoffen auch auf die Kompromissfähigkeit beider Seiten." Dabei sei seine Fraktion zuversichtlich, dass eine gemeinsame Lösung erreichbar sei, so Geiger.

"Gotteshaus sollte sich nicht in Hinterhof verstecken müssen"

Bedeckter hält sich die FDP: "Wir haben noch keine Stellungnahme zur Bauabsicht einer Moschee in Karlsruhe abgegeben", teilt Fraktionsvorsitzende Rita Fromm auf Anfrage mit. "Erst nach Abschluss unserer Informationsgespräche mit den muslimischen Glaubensgemeinschaften werden wir dies tun."

"Das Gotteshaus der wohl größten islamischen Gemeinde in Karlsruhe sollte sich nicht in einem Hinterhof verstecken müssen. Ich bin für einen repräsentativen, sichtbaren Standort", erklärt Lüppo Cramer, Fraktionsvorsitzender der Karlsruher Liste (KAL). Das Gebäude dürfe allerdings von der Architektur her kein "Abklatsch der Hagia Sophia" sein, sondern müsse mit einer zeitgemäßen und zum Standort passenden Gestaltung überzeugen. Die KAL erwartet daher auch einen Architekturwettbewerb, sobald mögliche Standorte bekannt seien. Cramer verdeutlicht die Rechtslage am bisherigen Standort: "Vier Minarette sind in der Käppelestraße nicht zulässig." Die KAL werde sich an einem breiten öffentlichen Diskurs mit allen islamischen Gemeinden, mit der Bürgerschaft und den kommunalpolitischen Institutionen beteiligen, heißt es abschließend.

Auch Einzelstadtrat Friedemann Kalmbach äußert sich generell positiv zum Bauvorhaben: "Der Bau eines Gebäudes für religiöse Zwecke, hier einer Moschee, ist aufgrund unserer freiheitlichen Demokratie ein ganz normaler Vorgang und deshalb ohne Ängste auch zu bejahen", schreibt er an ka-news. Er unterliege aber auch dem geltenden Bebauungsrecht. "Kritischer zu sehen ist allerdings der Plan zur Erstellung von vier Minaretten. Erstens gehört ein Minarett nicht zwangsläufig zu einer Moschee. Zweitens untersteht die Ditib der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht des türkischen Staates und damit Ministerpräsident Erdogan." Für den Ministerpräsidenten sei ein Minarett gleichbedeutend mit Machtdemonstration. "Darüber hinaus gibt es die Erfahrung aus anderen Städten, wo das Versprechen, dass vom Minarett keine Muezzinrufe zu erwarten wären, bald der Forderung nach Etablierung derselben weichen musste. Mit der Begründung, dass ja auch die Kirchenglocken läuten würden", so Kalmbach.

Planung: Vier Minarette, 15 Meter hoch

ka-news berichtete als erstes Medium bereits am 15. März von den Plänen. Demnach soll nach Ansicht der Gemeinde auf dem 2.000 Quadratmeter großen Grundstück in der Oststadt ein dreistöckiges Gebäude entstehen, das alte soll abgerissen werden. Darin soll es unter anderem Seminar- und Gebetsräume, eine Zentralküche, einen Jugendtreff und eine Bibliothek geben. Von außen soll das Gebäude architektonisch wie eine Moschee gestaltet sein. Eine Kuppel und vier Minarette, jeweils 15 Meter hoch, sind geplant. Eine Bauvoranfrage liegt bereits bei der Stadt Karlsruhe, wie die Stadt gegenüber ka-news bestätigte.

Doch das Gebäude soll nicht nur islamisches Gebetshaus, sondern als "Gemeinde-Kulturzentrum" vielmehr ein Ort des Dialogs und kulturellen Austauschs für alle Karlsruher Bürger sein. Die Moschee als Zeichen der "Integration" und ein "Wahrzeichen für die interkulturelle Stadt Karlsruhe", so die Vorstellung der Gemeinde. An den vier Minaretten will die Gemeinde nicht unbedingt festhalten. "Wir sind flexibel, aber zwei Minarette sollten es schon sein", so ein Sprecher der Ditib-Gemeinde gegenüber ka-news.

Die Türkisch Islamische Gemeinde zu Karlsruhe ist dem Dachverband der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) als rechtlich und wirtschaftlich selbstständiges Mitglied angeschlossen. Der Ditib gilt als größte Religionsgemeinschaft der Muslime in Deutschland und zählt 896 Ortsgemeinden zu seinen Mitgliedern.

Derzeit gibt es in Karlsruhe etwa 11 Moscheen verschiedener islamischer Gemeinden. Meist sind sie unscheinbar in Seitenstraßen oder Hinterhöfen versteckt. Die geplante Moschee in der Oststadt wäre die bis dahin größte und höchste ihrer Art in Karlsruhe. Bereits im Jahr 2011 hatte der Deutschsprachige Muslimkreis Karlsruhe (DMK) Pläne für den Bau einer Moschee in der Karlsruher Innenstadt öffentlich gemacht.

Siehe auch:

Karlsruher Ditib-Gemeinde will Moschee in Oststadt bauen

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