Es ist ein harter Job, den die Jungs von der Karlsruher Abfallwirtschaft jeden Tag leisten. Der Tag beginnt in aller Frühe - um 6 Uhr geht es schon los. Es ist noch stockdunkel in der Ottostraße. Doch schon aus der Entfernung sieht man orange leuchtende Männer vor dem Gebäude des Amts für Abfallwirtschaft. Wer hier nicht in der Einheitsfarbe gekleidet ist, wird gemustert, das wird einem schon beim Eintreten deutlich.

Im Büro von Roland Slabon herrscht jetzt Hochbetrieb. Slabon ist Disponent bei der Abfallsammlung und koordiniert die Wagen, ihre Besatzung und die Touren. Es ist Schlagzeit: die Fahrer müssen los, hier noch eine Nachfrage, da noch eine Vertretung, Slabon hat alle Hände voll zu tun.

Nicht zuzuschauen, anpacken.

Bevor ich mit den Fahrern auf Tour kann, bekomme ich die Arbeitskleidung ausgehändigt: Sicherheitsschuhe, orangefarbenes Shirt und Hose. Nicht zuzuschauen, anpacken. Bernd Haupt nimmt mich mit seinem Team mit auf Tour durch Neureut. Mit im Wagen sitzen Fahrer Daniele Sicurello und Dino Gargia.

Bernd ist schon seit 33 Jahren beim Amt für Abfallwirstschaft (AfA). Sein Job macht ihm immer noch Spaß. Er erinnert sich gerne an die Anfangszeit, da muss jeder als Springer ran und überall aushelfen, wo Not am Mann ist. "So lernst du ganz Karlsruhe kennen." Natürlich gibt es auch Sachen, die nicht so angenehm sind. Am schlimmsten findet Haupt, wenn es regnet. "Schnee oder Kälte sind egal, aber wenn du einmal nass bist, wird es eklig."

Tag beginnt im Morgengrauen

Der Tag fängt gerade an zu grauen, als wir in Neureut ankommen: Dino erklärt mit die Automatik. Dazu muss man die Tonnen an die Halterung schieben, den Rest erledigt die Maschine. Es ist hohe Vorsicht geboten; denn die Automatik schnellt schon im nächsten Augenblick hoch. Es ist laut, der Wagen wiegt mehrere Tonnen und die Press-Maschinen tun ihr Übriges. Haupt zeigt mir mit einfachen Handbewegungen, was zu tun ist. Zur nächsten Tonne, dran schieben, aufpassen, zurückbringen. In der Regel seien sie zu dritt unterwegs, je nach Gebiet könne das aber variieren.

Längere Strecken zwischendurch absolviert man am besten auf dem Steigbügel hinten am Wagen. An vielen Fenstern stehen Kinder und winken. "Die Kinder sind unser größter Fanclub", erklärt Haupt. Er winkt fröhlich zurück. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Menschen den Jungs vom Abfallamt mit Respekt begegnen. Das ist nicht immer so, erklärt Fahrer Daniele. "Manche haben kein Verständnis, wenn sie mit ihrem Auto nicht durchkommen. Wir tun unser Bestes, aber manchmal können wir niemanden durchlassen", erklärt er mir.

"Baustellen machen auch uns zu schaffen"

Bei der Arbeit macht man viele Meter. Das Wohngebiet, in dem wir unterwegs sind, hat hauptsächlich kleine 80 Liter Tonnen. Schwieriger sind die größeren Container. Auch "gestankstechnisch" spielen sie in einer anderen Liga. "In der Stadt sind die Behälter größer, meisten haben wir dann einen speziellen Schlüssel für die Höfe, aber bei manchen müssen wir dann erst klingeln," berichtet mir Bernd.

"Uns machen auch die vielen Baustellen zu schaffen, weil es einfach schwierig ist, sich mit den großen Wagen in der Stadt zu bewegen", so Bernd weiter. Nachdem die Tour beendet ist, geht es an den Güterbahnhof. Der Restmüll wird hier verladen und kommt dann auf den Schienen in die Verbrennungsanlage nach Mannheim. So ganz sinnig erscheint das hier niemandem. Die Arbeitszeiten sind in der Regel von 6 Uhr in der Früh bis 15 Uhr am Nachmittag. "Früher haben wir im Sommer vor 6 Uhr angefangen, aber das wurde uns jetzt wegen Lärmschutz verboten", so Bernd. 

Hut ab vor den Jungs in Orange

Bernd hat über die Jahre viele Veränderungen erlebt. Zum Beispiel erzählt er mir, dass die Tonnen früher hauptsächlich aus Stahl waren. Und auch die orangefarbene Kleidung gibt es nicht schon immer. Früher trugen die Männer Cordanzüge in Braun, dann Grün und erst dann kamen die signalträchtigen Uniformen, aus Sicherheitsgründen. Trotzdem dass er den Job schon so lange macht und dieser auch wirklich körperlich anstrengend ist, ist Bernd Haupt zufrieden damit.

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