Das Auto, mit dem Ali Demiray unterwegs ist, ist bereits von weitem zu erkennen. Wer es in seiner Nachbarschaft sieht, hat oft einen Grund zur Freude. Denn dann kommt bald die Bestellung aus dem Internet oder das Paket der fernen Familie an. Demiray lenkt fast Tag für Tag ein gelbes Paketauto durch die Straßen in Karlsruhe. Rund 160 Pakete wird er in dieser Schicht übergeben. "Eine normale Menge für den Sommer", wie er angibt. Im Winter, speziell kurz vor Weihnachten, können es dann schon mal über 200 Stücke sein.

Um 9 Uhr morgens beginnt Demiray mit seiner Schicht in einem Paketzentrum, wo er die Pakete in die Regale in seinem Fahrzeug lädt. "So weiß ich immer, für wen etwas dabei ist und wo die Pakete liegen", beschreibt Demiray. Dann geht es los zu den vornehmlich Geschäftskunden im Karlsruher Rheinhafen, wo er auch verschiedene Lieferungen abholen muss. Später am Tag wird ihn sein Weg dann durch Mühlburg führen. Ausgesucht hat er sich das Gebiet nicht, es wurde ihm so zugeteilt.

Der Job ist auch Teamwork

Feierabend hat er erst dann, wenn die Sendungen aus seinem Auto zugestellt sind: "Das kommt darauf an, wie viel es ist." Wenn er am Mittag noch viele Pakete übrig hat, kann er einen Kollegen um Hilfe bitten. Bei einem Treffen werden einige Sendungen aus dem einen ins andere Fahrzeug geladen. "Auch wenn wir alleine unterwegs sind, der Job besteht auch aus Teamwork."

An diesem Tag wird das Aufteilen allerdings nicht nötig sein. Rund ein bis zwei Minuten braucht Demiray pro Paket. Deutlich länger dauert es, wenn er die Sendung bei einem Nachbarn abgibt. Damit gerade im Sommer, wenn viele sich im Garten aufhalten, der Paketzusteller nicht überhört wird, begleitet Demiray sein Klingen oft mit einem lauten "Hallihallo, Paketpost!".

Wer in seinem Zustellbezirk etwas bestellt, weiß er recht genau: "Es sind eigentlich fast immer die gleichen." Meist seien es mehr jüngere Leute, die online einkaufen und sich dann die Ware bringen lassen. Oft weiß er auch, wer berufstätig ist und welcher Nachbar dafür mit hoher Wahrscheinlichkeit das Paket annehmen kann.

"Die Leute freuen sich auf ihre Bestellung"

Den beruflichen Weg zum Paketdienst hat Demiray eher zufällig gefunden: "Mein Traumjob war es nicht, ich habe die Stellenausschreibung per Zufall gesehen und wurde genommen." Bereut hat er die Entscheidung nicht, wie er erzählt: "Jetzt macht mir die Arbeit sehr viel Spaß."

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Der Kontakt mit Menschen ist es, was für ihn die Arbeit ausmacht. "Die Leute freuen sich auf ihre Bestellung und ich darf sie dann überreichen", erzählt Demiray auf der kurzen Fahrt zwischen zwei Lieferadressen. "Bei der Anlieferung ist eigentlich immer Zeit für ein Schwätzchen." Nur manche Nachbarn seien genervt, wenn er klingelt und etwas abgeben möchte. Aber oft genug nehme dann am nächsten Tag der eigentliche Empfänger etwas für seinen Nachbarn an", so Demiray.

"Ein Bürojob wäre nichts für mich, ich bin lieber draußen, Sommer wie Winter." Und noch ein Vorteil bringt die Arbeit mit sich: "Ich kenne mich jetzt bestens in Karlsruhe aus. Als ich angefangen habe, kannte ich fünf Straßen, jetzt sind es rund 500 - und diese kenne ich sehr genau."

"Bei Zalando-Paketen hat bei mir noch niemand geschrien"

Bis er hinter das Steuer des Paketautos durfte, musst er zunächst eine Ausbildung absolvieren. "Ein Lehrling fährt knapp drei Wochen mit einem erfahrenen Zusteller mit", beschreibt Demiray. "Anschließend fährt er einen weiteren Monat im Einlerngebiet alleine." Anschließend kehrt der Stammzusteller in seinen Bereich zurück und der Neuling bekommt ein eigenes Gebiet zugewiesen.

Mit einigen Vorurteilen muss er zu Beginn häufig aufräumen: "Bei Zalando-Paketen hat bei mir noch niemand geschrien", lacht er. "Bisher haben auch alle Belieferten zumindest ein Handtuch an gehabt. Dass die Paketboten aber aus Sicht der Hunde nicht die beliebtesten Gäste sind, das stimmt."

Nach offizieller Auskunft der Deutschen Post sind im vergangenen Jahr 1.720 Vorfälle mit Hunden in der Bundesrepublik gemeldet worden. 519 Fälle haben sich als so ernsthaft herausgestellt, dass die Mitarbeiter mindestens zwei Tage nicht zum Dienst erscheinen konnten.

Erst grüßt der Hund, dann der Besitzer

Demiray wurde davon bisher glücklicherweise verschont: Aber er kann sich vorstellen, wie es zu so vielen Hundeattacken kommen kann: "Wenn ich klingel und die Tür geöffnet wird, kommt zuerst der Hund und dann erst später der Besitzer, da kann man als Zusteller nichts machen." Welche Hunde in seinem Bezirk besonders aggressiv sind, weiß er zum Glück recht genau.

Nach rund 35 Kilometern Fahrt hat er an diesem Tag alle Pakete ausgeliefert oder abgeholt. Dass er alle Aufträge erledigt hat, sagt ihm ein kleiner Computer, mit dem er sämtliche Lieferungen quittiert. Um 17.30 Uhr fährt er in den Feierabend und damit 30 Minuten vor dem Ende seiner Arbeitszeit. "Morgen kann das schon wieder anders sein, dann brauche ich vielleicht 30 Minuten länger." Aber das sei dann eben so, solange alle Leute ihr Paket bekämen, sei er zufrieden. Damit verabschiedet sich Ali Demiray in den Feierabend.

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