Die Gewalt gegen Polizeibeamte vor allem auf dem Heimweg von Fußballspielen eskaliere stetig, so die Auffassung der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Jörg Radek, stellvertretender Vorsitzender des Bezirks Bundespolizei der GdP, sagte kürzlich: "Was die Kolleginnen und Kollegen der Bundespolizei bei der Begleitung sogenannter Fans erleben, ist kaum noch erträglich." Die begleitende Polizei werde mit einer üblen Feindseligkeit angegangen. Die Beamten würden beleidigt, bedrängt und letztlich mit großer Brutalität angegriffen.

Gewaltbereitschaft auch in Karlsruhe

Auch die Polizei Karlsruhe sieht sich bei Fußballspielen verstärkt Anfeindungen ausgesetzt. "Wir beobachten in den vergangenen Jahren eine höhere Bereitschaft Polizisten zu beschimpfen oder tätlich anzugreifen", sagte Martin Plate, Einsatzleiter der Polizei Karlsruhe bei Heimspielen des Karlsruher SC, gegenüber ka-news. So verzeichnete die Polizei Karlsruhe in der Saison 2010/11 zehn Prozent mehr Straftaten gegenüber Beamten als noch in der Saison zuvor. Dieses Phänomen sei aber überall zu beobachten und kein spezielles Problem des KSC, so Plate.

Es hänge extrem von den Partien ab, ob es zu Anfeindungen komme, berichtet Plate. Bei sogenannten Risiko-Spielen seien die Polizisten stärker Feindseligkeiten ausgesetzt als bei anderen Spielen. Die laufende Saison sei bisher zwar friedlich verlaufen, was aber nach Einschätzung Plates auch daran liege, dass die Partien mit Konfliktpotential noch bevorstünden. Gewaltexzesse würden sich zwar meist auf die Risiko-Spielen beschränken, von denen gebe es in diesem Jahr aufgrund der Zusammensetzung der Zweiten Liga aber einige. So erwartet der KSC in dieser Saison zu Hause noch Hansa Rostock, Union Berlin, Dynamo Dresden und Eintracht Frankfurt.

Viele Risiko-Spiele 2011/12

Bei Risiko-Spielen würden Rivalitäten zwischen Fans häufig zu Feindschaften, sagt der Einsatzleiter. Gewisse Fangruppierungen lebten ihre Leidenschaft bis zur letzten Konsequenz - Gewalt sei dabei eingeschlossen. Die Aufgabe der Polizei sei es zu verhindern, dass sich die rivalisierenden Fans nach Abpfiff treffen und es so zu Ausschreitungen komme. Dabei gerate die Polizei häufig zwischen die Fronten und in den Fokus der Ausschreitungen und werde so selbst Ziel von Angriffen. Bei regulären Spielen ist die Polizei Karlsruhe mit etwa 100 Beamten im Einsatz, bei Risiko-Spielen sind es bis zu über 600, so Plate.

Um Randale zu vermeiden, stehe die Polizei in engem Kontakt und ständigem Dialog mit der Karlsruher Fanszene, schildert Plate. Der KSC habe eine sehr aktive und leidenschaftliche Fanszene, die in Teilen der Polizei jedoch kritisch gegenüberstehe. So hätten Ultras häufig eine Philosophie, die eine ernstzunehmende Zusammenarbeit mit der Polizei nicht unbedingt mit einbeziehe. Grundsätzlich habe die Polizei Karlsruhe aber kein schlechtes Verhältnis zu den KSC-Fans.

Die Polizei sei immer zu einem Dialog auf Augenhöhe bereit, erwarte aber auch, dass Absprachen eingehalten würden, so Plate. "Wenn wir im Vorfeld ausmachen, die Fans sollen gewisse Bereiche meiden, um keine Eskalation mit den gegnerischen Fans zu provozieren, dann erwarten wir, dass das eingehalten wird."

Vereine sollen mehr Verantwortung übernehmen

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert, um die Gewalt einzudämmen, eine Erweiterung der DFB-Gerichtsbarkeit auf die An- und Abreisewege von Fußballfans an. Gewalttäter und Randalierer müssten nicht nur aus den Stadien, sondern aus dem gesamten Fußball-Umfeld verbannt werden. "Immer häufiger berichten uns Kolleginnen und Kollegen aus dem Einsatz, dass diesen Sport-Gewalttätern jedweder Respekt vor gerechtfertigten und rechtmäßigen polizeilichen Maßnahmen fehlt," so Gewerkschafter Radek.

DFB-Gerichtsbarkeit bedeutet, dass Vereine die Pflicht haben für die Sicherheit in ihrem Stadion zu sorgen und bei nicht Einhaltung der Sicherheitsstandards zur Verantwortung gezogen werden können. Wenn beispielsweise Bengalische Feuer im Stadion gezündet werden, so ist das ein Versäumnis des Vereins, da Stadionbesucher am Eingang nach gefährlichen Gegenständen durchsucht werden müssen. Der DFB sieht bei einem Verstoß gegen seine Statuten Sanktionen - beispielsweise Geldstrafen  - gegen den Verein vor. So musste der KSC im März dieses Jahres 4.000 Euro Strafe zahlen, weil KSC-Anhänger bei einem Spiel gegen Erzgebirge Aue Knallkörper im Zuschauerblock gezündet hatten.

Die Verantwortlichkeit der Vereine, die für das Stadion gilt, soll nach Auffassung der Gewerkschaft auch auf die An- und Abreise-Wege ausgeweitet werden. "Wir befürworten alle Maßnahmen, die die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen und damit die Polizei entlasten", findet auch der Karlsruher Einsatzleiter Plate. So wäre es durchaus vorstellbar, dass künftig vermehrt Ordner statt Polizisten Sicherheitsaufgaben außerhalb des Stadions übernehmen. Dazu könnte beispielsweise auch die Begleitung des Bustransfers vom Stadion zum Hauptbahnhof gehören.

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