Das Karlsruher Landratsamt ist der Arbeitsplatz von über 700 Menschen. Neben den Mitarbeitern gehen täglich über 150 Bürger in dem Gebäude ein und aus - rund 40.000 pro Jahr.

Derzeit wird beraten, wie es mit dem Hochhaus weitergehen soll - ob Abriss oder Sanierung. Das Verfahren gestaltet sich durch den Denkmalschutz kompliziert, doch allzu lange kann die Entscheidung nicht auf sich warten lassen. Das Gebäude ist marode - nicht nur im Sommer kann das zu Problemen führen.

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1. Hohe Schadstoffbelastung

Die Schadstoffbelastung des Gebäudes ist hoch. In der Fassade findet sich unter anderem Asbest, ein Baustoff, der heutzutage verboten ist. Ein weiterer Giftstoff verbirgt sich in den Einbauschränken: Hier wurde Formaldehyd nachgewiesen, ein Bestandteil von Klebern, der unter anderem die Schleimhäute reizt und Kopfschmerzen verursacht. 

Schadstoffbelastung Landratsamt
Schadstoffbelastung des Landratsamtes in der Übersicht. | Bild: mit freundlicher Genehmigung des Landratsamtes Karlsruhe

Um herauszufinden, ob eine Sanierung des Gebäudes überhaupt realistisch wäre, wurde in den Jahren 2017 und 2018 eine umfassende Studie angefertigt. Die Architekten stellten dabei fest: Wäre das Gebäude luftdicht, würden die Giftstoffe in der Büroluft derzeit womöglich die Grenzwerte überschreiten. 

Landratsamt Karlsruhe
Das Landratsamt Karlsruhe steht mitten in der Stadt und ragt 72 Meter in die Höhe. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Die Tatsache, dass das Gebäude nicht dicht ist, ist für uns Glück im Unglück", so Landrat Christoph Schnaudigel bei einer Bürgerinformation im Januar. Bei sensiblen Personen kann allerdings bereits die nachgewiesene Konzentration des Schadstoffes Reizungen hervorrufen.  

Landrat Dr. Christoph Schnaudigel (Landratsamt Karlsruhe) hält seine Rede.1
Landrat Christoph Schnaudigel. | Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Neben der Schadstoffproblematik herrscht im Landratsamt auch an anderen Ecken dringender Sanierungsbedarf. Vor fast zehn Jahren begann die Erneuerung der WC-Bereiche, sie musste allerdings abgebrochen werden. Zu groß war die Gefahr eines Wasserrohrbruches, der womöglich eine Stilllegung des Hochhauses nach sich gezogen hätte.

2. Defekter Aufzug - ohne Ersatzteile

Das nächste Problem ist nicht weit: Seit vergangenem Jahr steht einer der Aufzüge still, der Motor ist aufgrund einer Überhitzung beschädigt.

Defekter Aufzugsmotor Landratsamt
Seitdem der Motor überhitzt war, steht der Aufzug still. | Bild: mit freundlicher Genehmigung des Landratsamtes Karlsruhe

Eine Reparatur ist nicht möglich, denn "es gibt keine Ersatzteile mehr", sagt Landrat Christoph Schnaudigel. Ein zweiter Aufzug garantiert aktuell noch die Barrierefreiheit, sollte auch er ausfallen, wäre sie nicht mehr gegeben.

3. Lüftungsanlagen streiken

Neben dem Aufzugsmotor streikt weitere Technik: Die Kälte- und Wärme- sowie die Be- und Entlüftungsanlage. "Es ist leider nichts außergewöhnliches, dass einzelne Anlagen ausfallen", teilt Martin Zawichowski vom Landratsamt auf Nachfrage von ka-news.de mit. Das würde im Jahresverlauf mehrfach auftreten.

In Falle, dass eines der Geräte nicht funktioniert, stehen - um den Betrieb sicherzustellen - eigentlich noch zwei weitere zur Verfügung. Doch: "Auch der Extremfall, dass alle drei Anlagen ausfallen, ist bereits eingetreten", so Zawichowski weiter.

Kälte- und Belüftungsanlagen des Landratsamtes
Kälte- und Belüftungsanlagen des Landratsamtes fallen gelegentlich aus. | Bild: mit freundlicher Genehmigung des Landratsamtes Karlsruhe

"Wenn das in der wärmeren Jahreszeit passiert, würde sich das Gebäude aufgrund der Glasfassade sehr schnell aufheizen". In diesem Fall müsste das Hochhaus geräumt werden.

Wie geht's weiter?

Der Eigentümer, der Landkreis Karlsruhe, möchte den Komplex am liebsten abreißen. Das ist allerdings nicht so einfach.  Denn: Seit 2012 steht das Hochhaus unter Denkmalschutz. Bevor die Bagger für den Abriss also anrollen können, hat die Denkmalschutzbehörde ein Wörtchen mitzureden und muss ihr Urteil fällen. 

Sollte das Landratsamt saniert und nicht abgerissen werden, steht einiges an Arbeit bevor: Die Fassade, die Decken und Böden müssten abgetragen werden, bis nur noch das Rohbauskelett übrig bliebe. Ob dieser Fall eintreten wird oder der Denkmalschutz den Weg für den Abriss frei macht, bleibt weiter abzuwarten.

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