"Let's talk about Porno" heißt die Materialiensammlung, die das Onlineportal "Klicksafe.de" zusammen mit dem Landesmedienzentrum und Pro Familia erarbeitet hat. Diese liefert eine Antwort auf die Frage, wie man mit Schülern über Sexualität und Pornografie sprechen kann. Damit erhalten Lehrer und Sozialarbeiter Anregungen und konkrete Übungen, mit deren Hilfe sie mit Jugendlichen über Themen wie Pubertät, Schönheitsideale, Pornografie und sexualisierte Musik sprechen können.

Pornos seien heute sehr einfach zugänglich, wissen die Experten. "Zirka 50 Prozent der 10- bis 12-Jährigen waren schon einmal auf einer Pornoseite", gibt Wolfgang Kraft, Direktor des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg, zu bedenken. Das sei die Lebenswirklichkeit der Kinder, die in der Schule keineswege geleugnet werden dürfe und angesprochen werden müsse, fügt er hinzu.



"Wir wollen die Sprachlosigkeit zu diesem Thema überwinden", umschreibt Ingrid Bounin, leitende Redakteurin des medienpädagogischen Portals "Mediaculture Online", die Motivation für das Projekt. Zumeist sind es die Erwachsenen, die Schwierigkeiten haben, mit Kindern darüber zu sprechen. Zwar klärten Eltern ihre Kinder auf - aber Themen wie zum Beispiel Pornografie und Selbstbefriedigung seien im häuslichen Umfeld jedoch nach wie vor ein Tabu.

"Pornografie hat schon immer eine Rolle gespielt"

"Man muss das Thema offensiv angehen und in Schulen und Familien offen zur Sprache bringen", rät der Sexualforscher Kurt Seikowski. Dazu müssten auch Pädagogen ihre Scheu abbauen und bei Fragen zu Sexualität Gelassenheit an den Tag legen. Es gelte "eine Sprache zu finden, um Dinge auszusprechen, ohne zu sagen: 'Das darfst du nicht'", bemerkt Ingrid Bounin.

Moralisieren dürfe man die Thematik auf keinen Fall. "Verbieten bringt nichts", weiß Seikowski aus seiner Arbeit als Psychotherapeut. "Pornografie hat schon immer eine Rolle gespielt." Vielmehr sei es notwendig den Jugendlichen eine Chance zu geben, mit den Bildern, die sie in Netz gesehen haben, zurecht zu kommen. Durch die Bilder steige der Druck auf die jungen Leute. Sie entdeckten Schönheitsideale, denen sie krampfhaft nacheiferten. Sie sehen sexuelle Spielereien und fragten sich, ob auch die Freundin beziehungsweise der Freund solche erwarte.

Lehrmaterial für Schule und Jugendarbeit

Ein wichtiges Thema unter Schülern sei die Liebe und Aspekte der Sexualität. "Schüler wissen heutzutage mehr über Aids als über Selbstbefriedigung", sagt Ingrid Bounin. Über biologische Vorgänge zu reden, scheine den Lehrern leichter zu fallen, als über Gefühle. "Wir möchten, dass Lehrer besser mit solchen Themen zurecht kommen", verdeutlicht sie.

Beim Fachtag "Let's talk about Porno - Fachtag zum Thema Jugendsexualität, Pornografie und Internet" am Mittwoch ließen sich rund 100 Lehrer und Sozialarbeiter aus dem gesamten Regierungspräsidium Karlsruhe bei Workshops zu "Leben in der Pubertät", "Schönheitsideale in der Gesellschaft", "Pornografie im Netz" und "Sexualisierte Kommunikation" fortbilden. Schulungen solcher Art will das Landesmedienzentrum zukünftig im ganzen Land anbieten. Informationen zu Fortbildungen und dem Lehrmaterial gibt es auf der Internetseite des Landesmedienzentrums und bei Mediaculture Online.

 
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