Es ist Mitte Oktober, es nieselt, der Wind weht und die Temperaturen liegen leicht über 10 Grad. Dennoch ist der Oktober ein wichtiger Monat für Landwirt Hans-Peter Jenisch. "Im Oktober wird Winterroggen und Winterweizen ausgesät", erklärt er. Die Felder müssen hingerichtet und eingesät werden, in Jenischs Fall mit Wintergetreide. Wer also glaubt, ein Landwirt arbeitet nur bei Sommer und Sonnenschein, der irrt sich.

135 Hektar Ackerfläche bewirtschaft Hans-Peter-Jenisch im Landkreis Karlsruhe. Vor 20 Jahren hat er den "Tannenhof" von seinen Eltern übernommen. Die Eltern von Jenisch machten sich bereits 1964 in der Landwirtschaft selbstständig und bauten in den sogenannten Aussiedlerhöfen, nahe dem Schloss Stutensee, ihren Hof, den Jenisch heute selbstständig als eine Art Ein-Mann-Betrieb führt.

Ein Tag mit Landwirt

(Die Felder sind abgeerntet, dennoch gibt es viel zu tun.)

"Der Alltag eines Landwirts ist abwechslungsreich und hängt sehr stark von den Wettereinflüssen und den saisonalen Bedingungen ab", sagt der gelernte Landwirt und staatlich geprüfte Wirtschafter für Landbau. Während im Sommer oft bis spät in die Nacht gearbeitet werden muss, kann es sein, dass an kalten Wintertagen, wenn möglicherweise sogar der Boden gefroren ist, gar nichts auf den Ackerflächen geht. "An solchen Tagen mache ich viel am Hof. Maschinen müssen repariert und in Stand gehalten werden, Kartoffeln werden in Säcke gepackt und im Büro stapelt sich auch gerne der Papierkram", so Jenisch.

Eigener Hofladen

"Kartoffeln zu verkaufen" - ein Schild an Jenischs Hof lockt viele Menschen zum regionalen Kartoffelkauf in den Tannenhof nach Stutensee. Auch an diesem Mittag klingelt es an der Haustür von Hans-Peter Jenisch. Die Frage wofür sich welche Kartoffeln am besten eignen beantwortet er gekonnt und ausführlich, so dass die Kundin glücklich mit einem Sack Kartoffeln den Hof verlässt. All seine Produkte, Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben und Möhren verkauft er an regionale Händler.

"Meine Existenz ist gefährdet"

Doch das Landleben wird auch getrübt. Der Flächenfraß, wie Hans-Peter Jenisch die Bebauung von eigentlichen Ackerflächen nennt, machte auch vor den Landwirten in der Region nicht Halt. Rund 12,5 Hektar Land gingen in den letzten Jahren im Raum Stutensee verloren - auch Jenisch war betroffen. "Wenn den Landwirten weiterhin die Ackerflächen genommen werden um Baugebiete oder Ausgleichsflächen zu schaffen, dann ist meine Existenz und die vieler anderer Landwirte massiv gefährdet", erklärt er.

"Der Mensch lebt vom Boden. Es ist nicht nachhaltig was aktuell in der Region passiert", so Jenisch. Eigentlich nahrhafter Boden wird beispielsweise in Flächenstilllegungen und Naturschutzgebiete verwandelt, weil immer mehr Gebäude entstehen aber dennoch eine gewisse Anzahl von grünen Flächen vorgeschrieben wird.

Mehr zum Thema ein-tag-mit: Ein Tag mit... die neue ka-news Reportage-Reihe