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Karlsruhe Wildparkkommision entscheidet: Stadionneubau die wirtschaftlichere Variante

Mit den Beratungen der "Kleinen Kommission Wildparkstadion" am Donnerstag sind die Vorbereitungen für die Grundsatzentscheidung des Gemeinderats über ein neues Fußballstadion in Karlsruhe am 21. Oktober in die entscheidende Phase getreten.

Ende vergangenen Jahres beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, die Planungen für einen Stadionneubau bis zur Entscheidungsreife voran zu bringen und gleichzeitig alternativ Kosten, Chancen und Grenzen einer Generalsanierung aufzuzeigen. Ebenso sollten die Verhandlungen mit dem Karlsruher SC über die künftige Nutzung und die Finanzierung eines Stadions geführt werden. Seitdem wurden die einzelnen Teilgebiete von elf ämterübergreifenden Arbeitsgruppen intensiv bearbeitet.

Der umfangreiche Bericht und die Ergebnisse der mit dem Karlsruher SC als künftigem Hauptmieter geführten Abstimmungsgespräche wurden der Kommission unter Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup, in der Mitglieder des Gemeinderats und der KSC-Vereinsführung mit ihrem Präsidenten Ingo Wellenreuther vertreten waren, jetzt vorgestellt.

Auf der Grundlage dieses Berichts empfiehlt die Verwaltung, eine Generalsanierung des bestehenden Stadions nicht weiter zu verfolgen.

Die Fachleute beziffern dabei die Investitionen für den Stadionkörper insgesamt auf 49 bis 56,8 Millionen Euro (netto) 

Allein die Maßnahmen für die Beseitigung der baulichen und technischen Mängel sowie die Anforderungen der Sicherheitsbehörden würden Investitionen zwischen 35,1 und 40,8 Millionen Euro (netto) erforderlich machen, wobei wegen Sicherheitsanforderungen zwei Logen wegfielen und damit die Bewirtschaftung des Stadions eher noch verschlechtert würde.

Um einen mit anderen modernen Spielstätten vergleichbaren Standard zu erreichen, müssten nochmals zwischen 13,9 und 16 Millionen Euro (netto) in die Erweiterung der Hospitalitybereiche und der Vereinsflächen investiert werden. Erst damit wären Mehreinnahmen aus dem Betrieb zu generieren, die wiederum höhere Pachteinnahmen möglich machten. Ebenfalls ins Gewicht fiele bei einer Generalsanierung, dass man in den kommenden zehn Jahren von weiteren Investitionen in die Gebäudetechnik der Haupttribüne auszugehen hat, die bei einer Generalsanierung erhalten bliebe. Im Zuge der Untersuchung der Generalsanierung wurde auch die Schadstoffbelastung des Walls begutachtet. Die Ergebnisse der Bohrungen fielen dabei schlechter aus, als bisher angenommen und erwartet.

Die Gutachter schätzen die Kosten für die Beseitigung des Walls Stand heute auf etwa 14 Millionen Euro (netto), wobei die Kostensteigerungen für die Deponierung des vorgefundenen, stark belasteten Materials starke Steigerungsraten aufweist. Neben den reinen Kosten für den Stadionkörper sind zudem mit den Sicherheitsorganen abgestimmte Infrastrukturmaßnahmen durchzuführen, um die Verkehrssituation und die Sicherheitslage im Wildpark zu verbessern. Die Kosten dafür werden mit 14,3 Millionen Euro (netto) angenommen und sind sowohl bei einer Generalsanierung wie auch bei einem Umbau fällig.

Nach mehreren Abstimmungsgesprächen zwischen der Stadt und dem KSC, bei denen von beiden Seiten externe Stadionberater hinzugezogen waren, wird der Neubau eines Fußballstadions mit einer errechneten Gesamtinvestitionssumme von 88,8 Millionen Euro (netto) favorisiert. Stadt und Verein kamen dabei überein, dass die Kosten für den Stadionkörper bei 60 Millionen Euro gedeckelt werden sollen. In dieser Investitionssumme sind neben dem Stadionkörper auch 40 Logeneinheiten und der Neubau der Geschäftsstelle enthalten. Für die Kosten des aus Sicht des Vereins zwingend erforderlichen Hospitalityparkdecks nahe der Businessbereiche wurde eine Budgetobergrenze in Höhe von 10 Millionen Euro vereinbart.

Aus städtischer Sicht würde demnach, inklusiver veranschlagter stadionbezogener Zusatzkosten, für den Neubau ein zu finanzierendes Kapitalvolumen von 74,5 Millionen Euro (netto) entstehen. Dieser Kapitalbedarf wird um die zugesagten Landesmittel in Höhe von 11 Millionen Euro auf 63,5 Millionen Euro reduziert.

Namensrecht bleibt bei der Stadt

Bei den Verhandlungen mit dem KSC über einen angemessenen Pachtvertrag müssen von städtischer Seite zwingend Richtlinien des Kommunalrechts, des Beihilferechts und des Europarechts beachtet werden.

Gerade auf europäischer Ebene haben sich die Rahmenbedingungen verschärft: Projekte, die mit öffentlichen Mitteln realisiert werden - wie ein Stadionneubau - werden von der EU in einem sogenannten Notifizierungsverfahren detailliert geprüft. Vor diesem Hintergrund hat der KSC ein mehrteiliges Pachtmodell vorgeschlagen, das auch auf die Ligazugehörigkeit Abgestimmt ist. Für die Zweite Liga beliefen sich danach die jährlichen Pachtzahlungen auf 1,5 Millionen Euro und kletterten in der Ersten Bundesliga auf 3 Millionen Euro im Jahr. In der Dritten Liga sind 400.000 Euro angeboten. Die Beträge würden ab dem Jahr sechs des neuen Stadions alle zwei Jahre um 5 Prozent steigen. Zusätzlich zur Pacht würde der KSC jährlich bis zu 1,3 Millionen Euro der entstehenden Kosten für die Bauunterhaltung übernehmen.

Zudem sollen als Umsatzbeteiligung 20 Prozent der Einnahmen aus sonstigen Veranstaltungen und ebenfalls 20 Prozent aus den Verkäufen von Tickets oberhalb der Marke von 20.000 Zuschauern an die Stadt fließen. Das Namensrecht bliebe nach aktuellem Stand bei der Stadt.

Der Vertragsentwurf soll dem Gemeinderat nach jetziger Planung im Frühjahr 2015 zur Entscheidung vorgelegt werden. Bis dahin sollen auch die weiteren notwendigen Prozesse geklärt werden. Können diese Voraussetzungen geschaffen werden, wäre ein Baubeginn im Sommer 2017 möglich. Die Bauzeit wird mit 24 bis 30 Monate kalkuliert.

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  •   runsiter
    (11986 Beiträge)

    04.10.2014 16:28 Uhr
    Da werden aber einige
    dunkelrot anlaufen vor lauter Zorn. Ob wir auch noch Sitzblockaden auf der Baustelle erleben dürfen? Seit Mutlangen sind diese nämlich ein legales Mittel, wenn einem etwas nicht in den Kram passt.
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  •   kottan
    (78 Beiträge)

    04.10.2014 14:59 Uhr
    3.Liga, ...
    ... aber ein teures Stadion.
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  •   friend60
    (2577 Beiträge)

    04.10.2014 07:40 Uhr
    Hier scheinen wohl wieder
    alle Gegner mobilisiert worden zu sein. Typisch. Aber ich vermute, dieses Mal könnt ihr es nicht mehr verhindern. grinsen
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1673 Beiträge)

    04.10.2014 12:36 Uhr
    warum?
    vielleicht gibts einen bürgerentscheid
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  •   mixe
    (1202 Beiträge)

    04.10.2014 09:42 Uhr
    das steuergeld verschwendet wird
    kann man sicher nicht mehr verhindern. dennoch muss es erlaubt sein seine bedenken zu äussern. mir ist klar das es einem ksc fan freut wenn die allgemeinheit für dessen vergnügen aufkommt. doch auch die die einem wirtschaftsunternehmen einen neuen spielplatz finanzieren müssen haben das recht ihre meinung zu sagen. ich wäre für ein bürgerbegehren gewesen aber da wäre der ksc mit seinen wünschen sicher baden gegangen.
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  •   gabin
    (1026 Beiträge)

    04.10.2014 07:32 Uhr
    Milchmädchenrechnung
    wie groß soll das neue Stadion überhaupt werden? Habe das nirgends gelesen aber das ist doch mitentscheidend.
    Sanieren lohnt sich angeblich wegen den hohen Kosten für die Kriegsschutt-Wälle nicht mehr?
    Aber für einen Neubau sollen die doch auch entsorgt werden und dann ist das auf einmal kein Thema mehr?
    Und der fast Pleite-Club KSC soll 1,5 Mill Euro Pacht aufbringen??
    Das ist doch alles nur wieder eine Luftnummer um Bürger zu verarschen, unglaubwürdig.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (3017 Beiträge)

    05.10.2014 17:21 Uhr
    Wird noch interessanter:
    mit dem Untrehalt sagen wir sind es 2,5 Mio p.a. (wo bei ich aber glaube, dass die Pacht ungewöhnlich niedrig ist und somit rechtlich bedenklich) - dann wären das bei 20 Spielen ca 125T€ pro Spieltag, die reinkommen müssen. . Wenn man einen Schnitt von 20 T Besuchern pro Spiel ansetzt , wären das 6,25€ pro Nase - der Gesamtetat des KSC liegt irgendwo bei 20-25 Mio p.a. und die Nasenbären auf den Feld wollen für ihre "Künste" ja fürstlich entlohnt werden.
    Das ist für den KSC nie finanzierbar, weil schon in der 2ten Liga die Rechnung mit der reduzierten Pacht nicht aufgeht, wenn man im Verhältnis zu den Baukosten rechnet.
    Ein Stadion mit 25T Plätzen für 50 Mio ist das Maximale..alles Andere ist Unfug - speziell wenn man an die Spacken denkent, die sich wieder mal in lautern von der besten Seite gezeigt haben.
    Somit ein klares Nein zu dem Stadion - soll der KSc das selbst stemmen und schauen, wie ers bezahlt
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  •   friend60
    (2577 Beiträge)

    04.10.2014 07:42 Uhr
    gabin
    Wie groß das Stadion werden soll, wurde schon lange besprochen. Muss da hier jedes Mal wiederalles neu erwähnt werden?
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  •   gabin
    (1026 Beiträge)

    04.10.2014 07:48 Uhr
    ja
    weil das entscheidend ist und es würde mich nicht wundern wenn jetzt nur noch 30 T Plätze im Gespräch sind,da kann man locker mit Zahlen jonglieren...
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  •   LaCage
    (2158 Beiträge)

    04.10.2014 07:00 Uhr
    das ist doch eine gute Sache
    unser Franky bringt die Dinge voran.

    Was nun der Rest von Karlsruhe aus dm Projekt machen wird, wissen wir: befreundete Architekten, Klagen, seltene Insekten, Mauscheleien bei den Baufirmen, Inkompetenz und Verzögerung wie bei der Blödstrab.

    Aber irgendwann - vermutlich nach der WM in Katar werden wir ein neues Stadion haben...in 8 Jahren..heul
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