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Kalsruhe Wie alles begann: Als das Wildparkstadion (noch) ein Sport-Juwel war

Karlsruhe erhält ein neues Fußballstadion im Wildpark - diese Entscheidung fiel vor bald zwei Jahren im Juli 2016. Seitdem wird fleißig an der Umsetzung des 113-Millionen-Euro-Projekts gearbeitet. Aktuell fehlt noch der Baukonzern für den Stadionkörper: Im April steht der Fortgang des neuen Stadions auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Anlass für uns, einen Blick in die Entstehung des heutigen Wildparkstadions zu werfen - ein Sport-Juwel seiner Zeit....

Am 16. Oktober 1952 fusionierten in Karlsruhe der VfB Mühlburg und der FC Phönix - zum heutigen Karlsruher SC. Was dem neuen Verein jedoch fehlte, war ein passendes Stadion. Damaliger Oberbürgermeister Günther Klotz brachte nach der Fusion der beiden Vereine auch diesen Stein ins Rollen.

Neuer Verein benötigt neues Stadion

Das neue Stadion sollte auf dem alten Platz des FC Phönix entstehen, das seinerzeit dem Verfall preisgegeben war. Der Sportplatz des VfB an der Honsellstraße war städtisches Gelände und wurde für den Bau einer neuen Umgehungsstraße benötigt.

Die Lage des ehemaligen Phönix-Feldes wurde beim Umbau unverändert übernommen. Ein vorhandener, zirka drei Meter hoher Zuschauerwall um die alte Platzanlage bildete den Kern für den neuen Wall, der mit 150.000 Kubikmetern Schutt aus dem Zweiten Weltkrieg und Aushubmassen vom Bau der Schwarzwaldhalle angereichert wurde. Das neue Stadion wurde in drei Bauabschnitten von 1953 bis 1955 fertiggestellt.

Wildparkstadion
Bauarbeiten Wildparkstadion August 1954: Ein Arbeiter bei Vermessungsarbeiten. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A3/31/7/39

Wildparkstadion sollte "eine der schönsten Anlagen im Bundesgebiet" werden

1953 hieß es: Baustart! Der Gemeinderat genehmigte damals 150.000 Deutsche Mark für ein "repräsentatives Stadionfeld" und ein "Großstadion" für 70.000 Zuschauer - wie der Ausbau in einem BNN-Artikel aus dem Jahr 1953 beschrieben wird. Innerhalb von drei Jahren sollte das Stadion um ein Hauptkampffeld mit Lauf- und Sprunganlagen sowie sechs Trainingsplätzen erweitert werden. Der erste Bauabschnitt beinhaltete das Aufschütten des Zuschauerwalls um die Hauptkampfbahn und Herstellen der drei Nebenspielfelder.

Mit der Stufung der Zuschauerwälle sollen nach Bauabschluss 55.000 Zuschauer Platz finden. Zusätzlichen Stahltribünen sollen die Kapazität auf 70.000 Zuschauer erweitern können, um für Großveranstaltungen wie Länderspiele gewappnet zu sein.

Wildparkstadion
Bau des Wildparkstadions September 1954: Blick auf die Tribüne des Wildparkstadions. Eine Gruppe von Arbeitern bei Bauarbeiten. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A3/32/4/14

Zunächst entschied sich der Gemeinderat, die alte Tribüne des KSC auf dem Sportplatz in Mühlburg abzubrechen und im neuen Stadion wiederaufzubauen. Der Weg für ein Top-Stadion war geebnet - oder wie es die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) damals formulierten: Karlsruhe würde mit dem Ausbau des Wildparkstadions "eine der schönsten Anlagen im Bundesgebiet besitzen".

Pläne werden geändert, Stadion bekommt neue Tribüne

Im März 1954 - während die Umbauarbeiten für das neue Stadion im zweiten Bauabschnitt mit Einstufen der Stehränge und Erstellen des Rundbau-Umkleidegebäudes sowie einer Wirtschaftsbaracke in vollem Gange waren - verwarf man diese Idee und startete einen Gestaltungswettbewerb unter sieben Karlsruher Architekten, um eine komplett neue und moderne Tribüne zu erhalten.

In die engere Auswahl gelangten damals zwei Entwürfe: Egon Eiermann mit der kompletten Überdachung der fast kreisartig angelegten Zuschauerränge und einem separaten Gebäude für Nebenräume. Und Erich Schelling mit dem elliptischen Stadion und einer Teilüberdachung mit einer Hänge-Lösung, die bis zu 4.000 Zuschauer vor der Witterung schützen könnte. Ähnlich der heutigen Europahalle sollen zwei 51 Meter hohe Stahlträger zusammen mit einem zehn Zentimeter dicken Drahtseil das Tribünen-Dach halten. Klubräume, Gymnastikhalle und Co. sollten ebenfalls in einem Nebengebäude Platz finden.

Wildparkstadion
Bau Wildparkstadion Juni 1955: Blick auf die Zuschauertribüne. Links die Eisenkonstruktion für die nahezu 90 Meter lange Kanzel. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A3/106/1/3

Dieser Entwurf sollte sich auch auf Empfehlung des Oberbürgermeisters im Stadtgremium durchsetzen. Veranschlagt wurde der Bau damals mit 560.000 Deutschen Mark. Schlussendlich (im November 1954)  wurde die Konstruktion des Daches abgeändert: Aus Kostengründen sollte das Dach auf dünnen Stützen ruhen, die zu gegebener Zeit entfernt und das Dach dann in eine Hänge-Konstruktion umwandeln könnten. Oberbürgermeister Klotz versprach - so zitiert in einer Ausgabe des "Karlsruher Spiegel" von 1955 - dass Karlsruhe in einem Jahr ein Stadion besitzen werde, auf das nicht nur Sportler und Bevölkerung, sondern auch der Stadtrat mit Recht stolz sein könnten.

Einweihungsfeier mit Topspiel

Noch zu Beginn des Jahres 1955 befand sich das Wildparkstadion im dritten Bauabschnitt: die Tribüne wurde mit Sitzstufen errichtet und die Sportanlagen im Hauptspielfeld einschließlich Aschenbahn angelegt. Und Klotz sollte sein Versprechen halten können...

Wildparkstadion
August 1955: Teilansicht der Tribüne. Unter dem Tribünendach Zuschauende. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A3/122/4/23a

Die Feuertaufe bestand das - noch nicht ganz fertige Stadion - im Juli 1955, als mit 35.000 Zuschauern ein Leichtathletikfest des Karlsruher SC stattfand. Am 7. August wurde offiziell Eröffnung gefeiert - und zwar mit einem Topspiel. Der KSC (Deutscher Pokalmeister 1955) kickte gegen Rot-Weiß Essen (Deutscher Meister 1955) - das Spiel endete nach 90 Minuten unentschieden (2:2).

Wildparkstadion
Einweihung des Wildparkstadions im August 1955 mit einem Fußballspiel des KSC gegen Rot-Weiß Essen. | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Schlesiger A3/122/6/12a

Die Badische Allgemeine Zeitung bezeichnete das neue Stadion nach Fertigstellung 1955 als "Sport-Juwel im Hardtwald". Bundesweite Fachleute und Presse - so ist es im Stadtarchiv dem entsprechenden Zeitungsartikel zu entnehmen - zählten das Wildparkstadion nach dem Leichtathletikfest zu den "schönsten Stadien in Deutschland".

Doch der Glanz des ehemaligen Sport-Juwels ist schon lange verblasst - das Stadion entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen an den Profifußball. Nicht nur die Zuschauer leiden unter dem fehlenden Komfort und der Verkehrslage, auch Sicherheitsmaßnahmen und Vermarktungsmöglichkeiten sind nur in bescheidenem Maß umzusetzen. Höchste Zeit für einen Neubau, um das Stadion im Wildpark wieder zum Sport-Juwel werden zu lassen...

Themenreihe Wildparkstadion auf ka-news

Nach jahrelangen Diskussionen steht seit 2016 fest, dass Karlsruhe für 113 Millionen Euro ein neues Fußballstadion erhält. Gebaut wird im laufenden Spielbetrieb, Bauherrin ist die Stadt Karlsruhe mit einem kommunalen Eigenbetrieb. Der Baubeginn war ursprünglich für Frühjahr 2018 angesetzt, inzwischen liegt das Datum bei Mitte 2018 - die Bauzeit soll 24 bis 30 Monate betragen. Aktuell steht eine Entscheidung über den Baukonzern aus - sie soll bis zum Ende des Jahres fallen.

ka-news widmet sich in einer Themenreihe der abwechslungsreichen Stadion-Geschichte und Heimat des Traditionvereins KSC. Was interessiert Sie rund um das Wildparkstadion? Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anmerkungen hier in den Kommentaren, per ka-Reporter-Formular oder per Mail an redaktion@ka-news.de.

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Kommentare (24)
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  •   dope
    (79 Beiträge)

    27.03.2018 00:10 Uhr
    Guter Artikel,
    Danke!
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  •   chris
    (447 Beiträge)

    26.03.2018 22:12 Uhr
    Stadionwälle eine Frage des Anstandes
    Die Stadionwälle sind Altlasten aus dem 2. WK. Den KSC trifft hier keine Schuld. Diese Altlasten müßten doch mit Bundesfördermittel weg zu machen sein. Angeblich lagern darin sogar hochtoxische Mittel in den Wällen. Das darf doch nicht sein? Klar wäre der Standort an der Autobahn besser gewesen, aber nun ist eben der alte Standort gewählt worden. Warum wieder nur sog. Stücklewerks geplant wird? Selbst Menschen, die wenig mit Vermarktung von Stadien zu tun haben, sollten schnell mitbekommen, dass mit der alten (neuen) Haupttribüne kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Diese Hauptribüne war ohnehin ein schlechter Bau. Sehr viele Fehler. Bsp. 1. Reihe Oberrang - völlig unbrauchbar, wenn ein Fußballstadion gebaut wird. Auch die untersten Plätze - man sitzt da im Regen. Wir bräuchten mal echte Profis für den Stadionbau. Aber ich denke OB Mentrup wird sich diesmal für einen großen Wurf einsetzen. Auch der Gemeinerat will - bis auf die übliche Wir-sind-dagegen-Fraktion - endlich eine GUTE Lsg
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  •   betablocker
    (2664 Beiträge)

    26.03.2018 23:15 Uhr
    Dieses
    'angeblich' in Verbindung mit den Wällen kann ich nicht mehr hören. Ist oder ist nicht? Und wenn ja was soll da so giftig sein? Als ob man das nicht schon vor 20 oder mehr Jahren ganz einfach hätte testen können. Aber anstatt hier mal ein klares Statement abzugeben hüllt man sich in Schweigen und Untätigkeit und hält die Spekulationen am Köcheln.
    Das ist Kriegsschutt. Was glauben sie was da drin ist? Plutonium? Die haben das Zeug doch nicht mit Schubkarren da rausgefahren ohne vorher peinlichst genau alles rauszuholen was noch irgendwie brauchbar war. Grad so Zeug wie Blei zB.
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  •   bingobongo
    (162 Beiträge)

    26.03.2018 14:00 Uhr
    Und auch früher schon...
    ...hat die Politik schön in die Pläne reingepfuscht...
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  •   Rundbau-Gespenst
    (10231 Beiträge)

    26.03.2018 23:37 Uhr
    aber er war sowohl foto- als auch telegen, der
    Klotz, der heutige Amtsinhaber ist auch immer bemüht, ihm nachzueifern...
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  •   Mili
    (845 Beiträge)

    26.03.2018 11:50 Uhr
    KSC - K'lautern 5:4 n.V.
    Das war mal der Renner. Bekomme ich heute noch Gänsehaut. Damals konntest Du keine Gänsehaut bekommen. Da war's so was von Voll - da war kein Platz für Gänsehaut.
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  •   betablocker
    (2664 Beiträge)

    26.03.2018 10:51 Uhr
    Das Bild
    des Vermessers erinnert mich an die Werke einer berühmten Fotografin und Regisseurin. grinsen
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  •   Rundbau-Gespenst
    (10231 Beiträge)

    26.03.2018 23:34 Uhr
    meinst Du die, die so ähnlich heißt,
    wie die Straße, in der die betagte U-Haftanlage nach St. Petersburger Vorbild steht?
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  •   betablocker
    (2664 Beiträge)

    27.03.2018 09:49 Uhr
    Sollte
    hinkommen. grinsen

    Ehrlich gesagt wundert es mich ein bisschen, dass sich noch keiner darüber aufgeregt hat.
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  •   NackterMann
    (698 Beiträge)

    26.03.2018 17:02 Uhr
    Reni Liefenblech ?
    ... Post neo....

    Wohl derselbe Fotograf, welcher die Fotos im letzten Bundesligajahr gemacht hat - waren auch sehr heroisch
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