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Karlsruhe Was sich alles verändern wird: Ein möglicherweise letzter Rundgang durch das altehrwürdige Wildparkstadion

Es sind die entscheidenden Tage für den Neubau des Wildparkstadions: Am Donnerstag stellte die Stadt die Beschlussvorlage zum "Fußballstadion im Wildpark" vor, über die am Dienstag die Karlsruher Stadträte abstimmen werden. ka-news war vorab mit Projektleiter Fabian Herrmann im alten Wildparkstadion unterwegs, um zu sehen was sich bei Zustimmung des Gemeinderats wo verändern würde. Ein Spaziergang zwischen Nostalgie und dringend notwendiger Modernisierung.

Karlsruhe soll ein neues Fußballstadion bekommen, bei laufendem Spielbetrieb, an alter Stelle: Im Wildpark. Bis 2022 würde am Adenauerring eine moderne, kompakte Fußballarena entstehen, die 34.000 Besuchern Platz bietet, wenn am Dienstag die Gemeinderäte der Beschlussvorlage zustimmen. Fabian Hermann, Geschäftsführer der KSC Betriebsgesellschaft Stadion mbH, hat mit ka-news einen Rundgang durchs Stadion unternommen und die einzelnen Schritte erklärt, wie sich das Wildparkstadion bei grünem Licht des Gemeinderats verändern wird.

Hermann war bereits beim Stadion-Neubau des Bundesligisten Mainz 05 als Projektverantwortlicher tätig. Der große Unterschied: das heute Mainzer Wohnzimmer, die Opel-Arena, entstand auf einer grünen Wiese weit weg vom Bruchwegstadion. Die "spezielle Herausforderung" habe ihn gereizt, weshalb er vor rund zwei Jahren als Projektverantwortlicher nach Karlsruhe wechselte.

 

Rundgang durchs Wildparkstadion
Fabian Herrmann erklärt was bei einem möglichen Neubau geplant ist. | Bild: Thomas Riedel

Im Rahmen der Vorabmaßnahmen, die bei Zustimmung des Gemeinderats schon Anfang November beginnen sollen, werden zunächst vier provisorische Fluchtlichtmasten errichtet. Die vier Lichtanlagen, die den Wildpark derzeit ausleuchten werden dann zurückgebaut. Herrmann erklärt, dass diese ohnehin nicht mehr die gängigen Standards der 2. Bundesliga erfüllen, was ihre Leistungsfähigkeit angeht.

 

Rundgang durchs Wildparkstadion
Die Flutlichtmasten müssen ebenfalls weg, da sich durch die Abtragung der Wälle keinen Halt mehr hätten. | Bild: Thomas Riedel

Die beiden Hintertorkurven müssen als erstes weichen. Dort werden Provisorien entstehen, um den Spielbetrieb während des Neubaus aufrecht zu erhalten. Lediglich die Haupttribüne bleibt während der Vorabmaßnahme bestehen. Als erstes wird die Tribüne in der Nordkurve (A1 bis A4) an der Stutenseer Allee abgerissen werden und an selber Stelle eine provisorische Stehplatztribüne errichtet.

Rundgang durchs Wildparkstadion
Die Hintertortribüne im Norden wird als erste Tribüne im Rahmen der Vorabmaßnahmen fallen. | Bild: Thomas Riedel

Anschließend ereilt die gegenüberliegende Hintertortribüne im Süden (E1 bis E4), auf der Gästefan- und Familienblock sind, das gleiche Schicksal. Auch hier werden die Zuschauer auf einem Provisorium Platz nehmen.

Mit dem Abriss der Südtribüne wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Anzeigetafel aus dem Stadion verschwinden, die inzwischen über 30 Jahren auf dem Buckel hat und zumindest in Teilen modernisiert wurde. Wie vieles im Wildparkstadion ist auch die Anzeigetafel aber mittlerweile veraltet und nicht mehr zeitgemäß. Sie ins neue Stadion zu integrieren, wäre kaum machbar, erklärt Projektkoordinator Fabian Herrmann beim Rundgang.  

Rundgang durchs Wildparkstadion
Die Anzeigetafel wird bei einem Umbau nicht ins neue Stadion zurückkehren. | Bild: Thomas Riedel

Am Standort der Gegentribüne wird nach Abschluss der Vorabmaßnahme nichts stehen, das Fassungsvermögen dennoch bei über 15.000 Zuschauern liegen. Hintergrund dabei, erklärt Herrmann, sind die Lizenzierungsauflagen der DFL (Deutsche Fußball-Liga). Die geben vor, dass im Falle eines Aufstiegs 15.000 überdachte Plätze vorhanden sein müssen. Dies gilt es bei den Planungen des Umbaus zu berücksichtigen, so der Projektkoordinator.

Rundgang durchs Wildparkstadion
Blick von der Haupttribüne auf die Gegengerade. | Bild: Thomas Riedel

Auf der Gegentribüne zeigt sich während des Rundgangs am Besten, dass das Wildparkstadion in seinem derzeitigem Zustand nicht mehr zeitgemäß ist, was die Anforderungen im Profi-Fußball angeht. Das erklärt auch Fabian Herrmann: "Ohne Neuerung wird es in spätestens drei bis vier Jahren keinen Profifußball mehr in Karlsruhe geben." Die großen Holzverkleidungen und Treppen auf der Hauptribüne sind längst nicht mehr den aktuellen Standards entsprechend.

Rundgang durchs Wildparkstadion
Die Holzbänke auf der Gegengerade des Wildparkstadions sind längst nicht mehr zeitgemäß. | Bild: Thomas Riedel

Umbaukosten wären nicht im Verhältnis gestanden

Die Kosten einer Sanierung, mit denen die Mindestanforderungen von DFL, DFB und der Versammlungsstättenverordnung erfüllt werden müssten, lagen bereits vor vier Jahren bei über 40 Millionen Euro. "Eine Sanierung mit verbesserten Rahmenbedingungen wäre gar mit über 60 Millionen Euro zu Buche geschlagen und das ohne Berücksichtigung von Baupreissteigerungen", erklärt Herrmann. Dies hatte der Gemeinderat bereits im Jahr 2014 geprüft und sich deshalb für einen Neubau entschieden, so der Stadionmanager weiter. Auch mit einer Sanierung um die Lizenzen zu erfüllen, wären dem Verein mittel- und langfristig keine zeitgemäßen, modernen Vermarktungsmöglichkeiten zur Verfügung gestanden.

Rundgang durchs Wildparkstadion
Der Treppenaufgang auf der Gegentribüne. Das dominierende Bauelement dort ist Holz. | Bild: Thomas Riedel

Weil auf den Hintertortribünen derzeit wenig Dauerkarteninhaber stehen, seien diese Zuschauer, relativ einfach, auf die provisorischen Tribünen sowie der Haupttribüne zu verteilen. Problematischer werde es, sobald die Gegentribüne abgerissen wird. Dauerkarteninhaber würden bei grünem Licht der Beschlussvorlage vom Verein informiert. "Wir hoffen für jeden Fan eine passende Lösung zu finden", verspricht Herrmann mit Hinblick der beim Umbau wegfallenden Plätze.

Rundgang durchs Wildparkstadion
Die Gegengerade des Wildparkstadions würde im Rahmen der Vorabmaßnahmen als dritte Tribüne abgerissen. | Bild: Thomas Riedel

Die Wälle, auf denen das Stadion einst errichtet wurde, sollen dann abgetragen und auf den Grad der Belastung durch Fremdmaterial untersucht werden. "Von den einzelnen Haufen, die auf einem umliegenden Platz aufgeschichtet werden, sollen Proben klären, wie hoch der Grad der Verunreinigung ist. 

Rundgang durchs Wildparkstadion
Herrmann war schon Projektkoordinator beim Stadionneubau in Mainz. | Bild: Thomas Riedel

Insgesamt ist für die Vorabmaßnahme mit Abriss, Aushub und Entsorgung der Erdwälle sowie der Errichtung der provisorischen Tribünen ein Jahr vorgesehen.

 

Hauptribüne mit alter Funktionen in neuem Gewand

Die Haupttribüne wird auch nach dem Umbau das Herzstück des Stadions sein. "Allerdings in angemessener und moderner Form", so Herrmann im Gespräch mit ka-news. VIP- und Logenbereich, Pressetribüne sowie Kabinen und die Geschäftsstelle des Vereins bleiben auf der dann neu errichteten Haupttribüne.

 

Rundgang durchs Wildparkstadion
Die Haupttribüne des Wildparks soll auch im neuen Stadion seine bisherige Funktionen haben. | Bild: Thomas Riedel

Neben einem Eingangsbereich, einem Business-Bereich mit direktem Blick ins Stadion und Logen mit davor liegendem Loungebereich soll auch die gastronomische Infrastruktur optimiert werden.

 

Neues Fußballerlebnis durch Neubau

Durch den Vollumbau wird die Laufbahn rund um das Spielfeld Geschichte sein. Die Tribünen des Stadions werden deutlich näher an das Spielfeld rücken, sodass es von jedem Platz im Stadion eine gute Sicht auf das Spielgeschehen geben wird. In welcher Reihenfolge der Wiederaufbau stattfindet, steht laut Herrmann noch gar nicht genau fest.

Dadurch, dass während der Vorabmaßnahme noch mindestens ein Jahr Planungsphase bevorsteht und der beauftragte Unternehmer noch nicht feststeht, liegt die exakte Bauabschnittsplanung noch nicht genau vor. "Die Bauabschnittsplanung müssen wir zu gegebenem Zeitpunkt genau abstimmen, dabei sind viele Schritte und Einzelheiten wie zum Beispiel Kabelleitungen, Eingänge oder ähnliches zu beachten, so der Projektkoordinator im Gespräch mit ka-news. 

Rundgang durchs Wildparkstadion
Die Laufbahn rund ums Wildparkstadion sorgt für einen großen Abstand zwischen Spielfeldrand und Tribüne. | Bild: Thomas Riedel

Zudem sind nach dem Umbau alle Plätze überdacht. "Die Stimmung und das Stadionerlebnis werden durch die enge Bauweise sowie die reine Stehplatztribüne noch besser", verspricht Herrmann. Die Zäune werden mit dem Neubau einer neuen Fußballarena ebenfalls aus dem Wildparkstadion verschwinden.

Rundgang durchs Wildparkstadion
Die Stadionzäune vor den Hintertortribünen | Bild: Thomas Riedel

Anders als im aktuellen Wildparkstadion sollen die Zugänge voraussichtlich direkt am Stadion positioniert sein. Die derzeitigen Freiflächen zwischen Stadionkörper und Eingang vor dem Stadion sollen nach derzeitigen Plänen aber frei zugänglich bleiben. Wie diese Fläche genutzt werden soll steht noch nicht fest.

Dieser Artikel wurde nachträglich bearbeitet!

Die nächsten Schritte:
* 23. Oktober 2018: Gemeinderatsbeschluss
* Sofern der Gemeinderat zustimmt, folgen die weiteren Schritte:
* 24. Oktober 2018: Abforderung finales Angebot und Auswertung bis 26. Oktober.
* Anschließend die Beantragung der Landesfördermittel und Anzeige AGVO (Beihilferecht)
* 26. Oktober 2018: Beurkundungstermin Notariat zur Anpassung des Vertragswerks mit KSC
* ab 9. November 2018: Zuschlagsschreiben an Bestbieter, Unterzeichnung Totalunternehmervertrag
* 22. November 2018: Bürgerforum im Bürgerzentrum "Südwerk" - Präsentation des Stadiondesigns durch Bestbieter und dessen Architekten

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Kommentare (66)
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  •   melotronix
    (2634 Beiträge)

    23.10.2018 11:44 Uhr
    noch eins...
    ich würde mir wünschen...alle Stadiongegener bleiben doch bitte zu hause wenn die Spielstätte dann steht und der KSC wieder richtig auf die Beine gekommen ist. Aber ich könnte mir vorstellen, dass es dann wie so oft heisst: "was interessiert mich mein GESCHWÄTZ von gestern!"
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  •   chris
    (575 Beiträge)

    23.10.2018 01:07 Uhr
    Anzeigetafel
    Die Anzeigetafel bitte in die Günther-Klotz-Anlage: Das Fest! Die würden sich freuen!
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  •   stefko
    (1987 Beiträge)

    23.10.2018 12:46 Uhr
    Was willst Du dort
    mit dem Elektroschrott?
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  •   Lipa
    (529 Beiträge)

    22.10.2018 23:05 Uhr
    mann mann
    sind das negative Kommentare, ich kann sie nicht mehr lesen, KA hat ein neues Stadion verdient. Ohne neues Stadion verkommt KA immer mehr zu einer Provinzstadt (naja, ist schon immer gewesen, weil sich die Stadtverantwortlichen zu einem großen Wurf selten getraut hatten). Ich hoffe, dass es mit dem Bau endlich losgeht. Ein Manko hat das Stadion: ist meiner Meinung nach der falsche Standort und damit ist die Vermarktungsmöglichkeit etwas eingeschränkt.
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  •   LA001
    (77 Beiträge)

    23.10.2018 10:40 Uhr
    Positiv denken
    die meisten Kommentare sind so negativ und pessimistisch.
    Ja, - der KSC schafft das!
    Geht ins Stadion und mosert nicht immer herum.
    Denkt mal positiv und seit Männer, keine Mimosen.
    Jetzt geht's los...
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  •   Lipa
    (529 Beiträge)

    23.10.2018 11:54 Uhr
    JETZT GEHTS LOS!!!
    JETZT GEHTS LOS!!!
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  •   wolkenschauer
    (1335 Beiträge)

    22.10.2018 19:42 Uhr
    Zuschauerentwicklung Alemannia Aachen
    https://www.transfermarkt.de/alemannia-aachen/besucherzahlenentwicklung/verein/8

    Momentan also bei knapp 5000 pro Spiel... Regionalliga West seit 6 Jahren.

    Die Geschichte um den Tivoli und Alemannia Aachen, https://www.tagesspiegel.de/sport/von-der-bundesliga-in-die-regionalliga-was-von-alemannia-aachen-uebrig-blieb/13484026.html
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  •   melotronix
    (2634 Beiträge)

    23.10.2018 11:32 Uhr
    es wird für jedes Vorhaben...
    ...für jedes Projekt auch ein Negativbeispiel geben. Wenn Sie alles ausschliessen und Risiken minimieren möchten...dann drehen wir das Rad wieder zurück. Ohne nach vorne zu schauen, ohne Optimismus werden Sie keinen Blumentopf gewinnen und in einer kleinen öden leben müssen.
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  •   melotronix
    (2634 Beiträge)

    23.10.2018 11:33 Uhr
    da fehlt das Wort...
    .... Welt
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  •   IchKA
    (621 Beiträge)

    22.10.2018 19:41 Uhr
    Ein neues Fußballerlebnis ja
    aber auch die alten Finanzprobleme und die sportliche Performance einer wechselnden Söldnertruppe, die nicht genug Zuschauer mobilisiert, ob altes oder neues Stadion. Die paar neue Logen reißen es auch nicht raus, wenn die Zuschauer und die TV Gelder fehlen. Diese fragwürdige Stadionfinanzierung ist Betrug an der Bevölkerung.
    Auch die extreme Subventionierung des Theaters geht gar nicht. Beides in Wahnsinnsgeld für gepamperte Minderheiten steht in keinem Verhältnis.
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