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Karlsruhe Teure Tribünendächer: "Ich halte 800.000 Euro für rausgeschmissenes Geld" - Mentrup fordert KSC zum Handeln auf

So mancher würde sich wünschen, dass Ruhe in die Debatte um das KSC-Stadion einkehrt. Umbau, Neubau, Provisorien, Erdwälle, Tribünen - Pläne wurden gefasst und geändert. Aktuell sorgt ein nicht vorhandenen Dach über der provisorischen Südtribüne für Aufregung für Verwirrung, Drama und auch ein wenig böses Blut zwischen Stadt und KSC.

Die kommende Saison wirft ihre Schatten jetzt voraus: Wenn der Karlsruher SC in die 2. Liga aufsteigen sollte - das Szenario ist aktuell durchaus denkbar - verstößt der Verein gegen die Lizenzierungsauflagen der Deutschen Fußball Liga (DFL). Der Grund: Es fehlt ein Dach und die Fans - überwiegend Gäste - stehen im Regen auf der provisorischen Südtribüne.

Rundgang Wildparkstadion provisorische Tribüne
Beim Aufbau der provisorischen Nordtribüne: Für ein Dach ist alles vorbereitet, so wurde vom EIBS geplant. | Bild: Hammer Photographie

Der KSC wurde über die Ablehnung der Ausnahmegenehmigung am Dienstagabend informiert - und reagierte mit Unverständnis in einer entsprechenden Pressemeldung. Die Stadt wiederum lud daraufhin etwas überrumpelt am Mittwochmittag zur Pressekonferenz: Der Eigenbetrieb "Fußballstadion im Wildpark" (EIBS) und Stadtoberhaupt Frank Mentrup wollten ihre Sicht der Dinge darstellen und vor allem die Frage klären: Wie geht's weiter? Kritik gab es von Oberbürgermeister vor allem an der Informationspolitik des KSC.

Mentrup: "Es gab immer einen Plan C"

Die Dachtribünenfrage ist keine neue: Bekannter, bevorzugter Plan der Stadt Karlsruhe war es, beide Dächer im Februar mit Option zu bestellen. Der Gemeinderat votierte dagegen - Plan B war gefragt, man bestellte ein Dach und hoffte auf die Ausnahmegenehmigung vonseiten des Fussballbundes. Diese hat nicht geklappt, nun ist Plan C gefragt.

"Wir sind nicht blauäugig an die Sache mit den Dächern herangegangen", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup im Rahmen eines Pressegesprächs am Tag nach der Bekanntgabe des KSC. "Wir haben uns immer noch auf einen Plan C eingestellt: Dass wir bis Ende August ein Dach auf die Südtribüne bauen können!" Jedoch ist das Stadtoberhaupt von der DFL enttäuscht. "Ich nehme die Entscheidung zur Kenntnis, bin aber über die DFL befremdet", so Frank Mentrup weiter. 

PK Stadt Stadiondach
Werner Merkel, Leiter EIBS und Frank Mentrup, Oberbürgermeister der Stadt, bei einem Pressegespräch. Die schlechte Laune ist Mentrup anzusehen. | Bild: ka-news

Auch über das Vorgehen des KSC ist Frank Mentrup enttäuscht. "Dass sich das Präsidium gegenüber den Gemeinderäten so auslässt, kann ich nur mit Kopfschütteln hinnehmen", sagt der Oberbürgermeister. "Die beiden Tribünen ist ein Entgegenkommen, wenn der KSC wirklich aufsteigt!" Er fordert daher eine Entschuldigung an die Gemeinderäte. 

Widerspruch einlegen, DFL kontaktieren

Und er findet klare Worte an den Verein, hat sich bereits an Geschäftsführer Michael Becker gewandt. "Wir haben den KSC aufgefordert, Widerspruch gegen die Entscheidung einzulegen!" Das Verfahren der Lizenzierung sei sehr vielschichtig und der Karlsruher SC hat nun die Möglichkeit, Beschwerde gegen die Ablehnung der Ausnahmeregelung einzureichen. "Sieben Tage sind Zeit, daher verstehe ich die aggressive Hektik des Vereins nicht!" 

Rundgang Wildparkstadion provisorische Tribüne
Auf der Nordtribüne haben etwa 5.000 Fans Platz. Ab Mai wird die Überdachung nachgerüstet. Die ist Voraussetzung für die Lizenz in der 2. Liga. | Bild: Hammer Photographie

Denn eigentlich, so Mentrup weiter, hätte er sich ein "Hurra" vom KSC gewünscht, denn die DFL hat mit der Lizenzierung, wenn auch mit Auflage, die Wirtschaftlichkeit bescheinigt. "Was die Problematik mit dem Dach über der Südtribüne angeht, werde ich persönlich mit der DFL Kontakt aufnehmen, denn ich kann nicht erkennen, warum sie nicht in der Lage sind, eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen", so Mentrup im Pressegespräch weiter. "Die Stadt finanziert das Stadion aus öffentlichen Mitteln und über 800.000 Euro für ein Dach abzuverlangen, ist nicht nachvollziehbar!" 

Mehrkosten für zweites Dach

Da liegt nun die Krux: Hätten beide Dächer im Februar noch knapp 660.000 Euro pro Dach gekostet, lag der Preis bei der Einzelbestellung für das Dach der Nordtribüne nun wesentlich höher: 785.000 Euro soll es kosten. Wenn nun der Gemeinderat im Mai über das andere provisorische Dach abstimmt - sofern die DFL nicht der Ausnahme zustimmt - dann würden sich die Kosten für das Süd-Dach auf 820.000 Euro belaufen.

"Eine Einzelanfertigung ist teurer", erklärt Werner Merkel, Leiter des städtischen Eigenbetriebs (EIBS) auf Nachfrage von ka-news. "Und wenn wir bis zum Stichtag 1. September fertig sein wollen, müssten wir noch eine Beschleunigungszuschlag zahlen. Daher auch der höhere Preis!" 

Flutlichtmastaufstellung am 10.01.2019 beim Karlsruher SC.
Werner Merkel, Betriebsleiter des städtischen Eigenbetriebs "Fußballstadion im Wildpark". | Bild: Tim Carmele

Nun liegt der Ball zunächst beim KSC, denn der soll nach den Wünschen des Oberbürgermeisters Widerspruch einlegen. "Wir halten das für rausgeschmissenes Geld", sagt OB Frank Mentrup und verweist damit auf die Standdauer des Südtribüne von 14 Monaten. Und Werner Merkel ergänzt: "Bis zum 9. Mai brauchen wir ein Feedback von der DFL in Bezug auf die Ausnahmegenehmigung, dann tagt der EIBS einen Tag später - um am 14. Mai könnte im Gemeinderat erneut über ein Tribünendach abgestimmt werden!"

Karlsruher SC - SV Meppen, 20.04.2019, Herren, Saison 2018/2019, 3.Liga, Fußball,  Heimspiel, Wildparkstadion, Karlsruhe, Germany, GER
Die Nordtribüne wird überdacht, ab Mai beginnen die Bauarbeiten. | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Somit kann der EIBS, der verantwortlich für den Neubau ist, das Dach bereits am 15. Mai bestellen. "Sollte der KSC in die Relegation müssen, dann beauftragen wir das am 29. Mai", so Merkel im Gespräch mit ka-news weiter. Denn: "Der Beschluss des Gemeinderates wird nur unter Vorbehalt eines Aufstieges formuliert!" Heißt: ohne Aufstieg, kein Dach!

Am Mittwochabend meldete sich erneut der KSC zu Wort: Man wolle gegen die Auflage der DFL fristgerecht Beschwerde einlegen. "Bereits am heutigen Mittwochvormittag haben wir unseren Rechtsanwalt beauftragt, die Beschwerde gegen die Entscheidung vorzubereiten. Dabei stehen wir in engem Austausch mit der Stadt Karlsruhe", so das KSC-Präsidium und Geschäftsführer Michael Becker in entsprechender Pressinformation.

Der Artikel wurde nachträglich aktualisiert: Am Mittwochabend versendete der KSC die Presseinformation, dass der Verein eine entsprechende Beschwerde gegen die DFL-Entscheidung vorbereitet.

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  •   peddersenn
    (986 Beiträge)

    26.04.2019 09:25 Uhr
    Die Auflagen der DFL sind bescheuert....
    ...und zeugen davon, wie solche selbsternannten Machtinstitutionen und ihre leistungslose Bonzen regelmäßig über alle Ziele hinausschießen. Nur, weil sie es können. Das muß dringend beschnitten werden.

    Nichts gegen Sicherheitsstandards und - regeln, aber ob der Zuschauer im Regen steht - und eventuell deshalb weniger kommt oder weniger zahlt - sollte doch Sache der Vereine bleiben.

    Die haben einfach den Schuß nicht gehört - alte, machtbessessene Männer, die zu doof sind, ab einem gewissen Alter sich aufs Bienenzüchten und Enkelerziehen und anderen, verdienstvolle Tätigkeiten zu verlegen.

    Und das ist das, woran unsere Gesellschaft krankt.

    Ein Stadiondach für ein Provisorium, für überschaubaren Zeitraum und in Großwetterlagen, in denen es eher nicht regnet. Super. Das ist Umweltverschmutzung, Ressourcenverschwendung und Dekadenz in einem.

    Wundert mich, daß nicht gleich ein zweites Stadion gefordert wird, bis das neue gebaut ist.
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  •   Dobermann
    (82 Beiträge)

    26.04.2019 11:52 Uhr
    DFL
    Mit Herrn Rauball ist dort ein TOP-Mann an der Spitze. Mit Herrn Christian Seifert aus Rastatt 50 J ein Geschäftsführer der noch nicht im Rentenalter ist bzw. Bienenzüchteralter.
    Zur Wetterlage, ich denke in dem Zeitraum von 14 Monaten wird es regnen und vielleicht sogar mal schneien.
    Die Vereine sollen das entscheiden, wenn sie das auch bezahlen. Aber der KSC bezahlt ja nicht alleine, sondern auch die Stadt Karlsruhe und somit auch der Steuerzahler.
    Es ist anmassend, ältere Leute aus den Positionen zu werfen und ihnen zu diktieren was man als "Rentner" tun sollte.
    Und die Polemik mit einem 2. Station etc. bringt ausser unqualifizierter Hetzerei gar nix. .....
    Nur mal so am Rande....
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  •   Der_dunkle_Turm
    (640 Beiträge)

    25.04.2019 20:50 Uhr
    Sorry Fans,
    aber für diesen wackeligen Drittlegisten ist jeder investierte Euro einer zu viel. Für 800.000 kann man einen sehr komfortablen Sandplatz bauen. Am Besten zwischen Bruchsal und Weingarten oder anderswo in der Pampa. Die freuen sich dort sicher über spektakuläre Pyroshows und zünftige Kloppereien.
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  •   schmidmi
    (1939 Beiträge)

    25.04.2019 23:05 Uhr
    Ich bin ja sonst kein Fan von Ihnen
    Aber hier haben Sie so was von Recht....
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  •   melotronix
    (2888 Beiträge)

    26.04.2019 07:14 Uhr
    na...wie steht der Wind denn..
    ....soll ich den beiden Kommentaren wirklich einen Witz abgewinnen? Wie ist es denn recht...?
    Spielt der Verein in der 1.Liga oder hat sich in der 2. im oberen Drittel etabliert...ist es dann genehm?
    Brechen wir dann einen Bau ab wenn Gegenwind erwartet wird? Sie brächten aber so etwas von einem Planungs und Qualitäts know how mit....wahrlich...
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  •   schmidmi
    (1939 Beiträge)

    26.04.2019 09:41 Uhr
    Es wäre alles egal
    wenn das Stadion vom KSC finanziert würde, wie es sich eigentlich gehört. So aber ist das eine elende Zockerei mit Steuergeldern. Sich über die Casinomentalität der Banken aufregen, aber hier soll alles rechtens sein? nein, sage ich dazu!
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  •   Dobermann
    (82 Beiträge)

    25.04.2019 14:27 Uhr
    Verkackt....
    Butter bei den Fischen....Man wollte das Geld für ein Dach sparen und hat auf eine Ausnahmegenehmigung gehofft...
    Der Schuss ist (bis jetzt) nach hinten losgegangen.
    Dazu kommt, das 2 Einzelbestellungen teurer kommen als eine Gesamtbestellung von beiden Dächern.
    Da brauchen wir nicht mit dem Finger auf die DFL zeigen und denen die Schuld zuschieben.
    Es gibt regeln, die besagen es muss eine Überdachung da sein, und die hat der KSC nicht eingehalten. Punkt.
    Alle wussten davon und man hat es trotzdem probiert irgendwie da durchzufluppen. Pech. Und jetzt wird der ganze Spaß noch teurer als geplant.
    Aufhören mit -Die DFL will uns nicht, mag uns nicht , etc etc usw. Wir haben den Fehler gemacht und sonst keiner.
    Auflage ist Auflage. Auch für den KSC !
    Schönen Tag noch.
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  •   haku
    (4086 Beiträge)

    25.04.2019 15:50 Uhr
    Was am Wort "Ausnahmegenehmigung" hast Du nicht verstanden?
    Wenn man sich strikt an die Auflagen halten kann, braucht man keine Ausnahmegenehmigung. Die beantragt man in genau dem Fall, dass abzusehen ist, dass man sich nicht an alle Auflagen halten können wird.
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  •   Joerg_Rupp
    (2703 Beiträge)

    25.04.2019 13:53 Uhr
    angesichts
    der zu erwartenden Mehreinnahmen durch den Aufstieg soll der KSC doch einfach das Dach für 14 Monate selbst bezahlen. Aber nein, immer die Hand aufhalten.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11407 Beiträge)

    26.04.2019 14:48 Uhr
    'nix Neues in
    Malsch, Mörsch, Madrid?
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