Karlsruhe Spatenstich für Stadionumbau: Was seit dem Gemeinderat-Beschluss 2014 geschah - ein Rückblick

Etwas mehr als ein Jahr liefen die Vorabmaßnahmen zum Stadionneubau, die alten Tribünen wurden abgerissen, die Erdwälle abgebaut und provisorische Tribünen aufgebaut. Jetzt fällt endlich der Startschuss für den eigentlichen Neubau. ka-news.de wirft einen Blick auf die Ereignisse, seit im Oktober 2014 die Entscheidung für den neuen Wildpark gefallen ist. Was bisher geschah...

2014

Der 21. Oktober 2014 ist für KSC-Fans, den Verein und die Stadt ein historischer Tag: Der Karlsruher Gemeinderat hat für den Neubau im Wildpark gestimmt, 88,8 Millionen Euro soll das neue Stadion kosten. Im Dezember demonstrieren KSC und Stadt Karlsruhe Einigkeit: Man habe einen Durchbruch für eine endgültige Entscheidung in Sachen Wildparkstadion erzielt, so Oberbürgermeister Mentrup.

2015

Im "Letter of Intent" legen im April KSC und Stadt Karlsruhe die Rahmenbedingungen und die Refinanzierung für den Stadion-Neubau fest. Veranschlagt wird das Großprojekt inzwischen mit einem Budget von 74,5 Millionen Euro.

Im Sommer 2015 werden planerischen Hürden genommen: Änderungen im Regionalplan und Zustimmung des Gemeinderats zur Baufläche. Ein neues Forum soll 2016 kommen - in der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres stimmten die Stadträte für die öffentliche Planauslage des neuen Wildparkstadions.

2016

Am 19. Juli stimmt der Karlsruher Gemeinderat für ein KSC-Stadion. Am 25. September folgte das benötigte "Go" der KSC-Vereinsmitglieder. Bis Ende Oktober wollten KSC und Stadt Karlsruhe die Verträge für das neue Stadion unterschrieben haben, doch dieser Termin war nicht zu halten. Die Stadt erwirbt Ende Oktober für den Neubau benötigte Grundstücke vom Land - neue Deadline für die Vertragsunterzeichnung: 18. November.

Diese konnte von Stadt und KSC eingehalten werden: Am 18. November sitzen die Unterschriften unter den fünf Verträgen. Man konnte sich über strittige Punkte einigen: Die Stadt bleibt alleinige Bauherrin, der KSC bekommt sein Parkhaus auf dem Birkenparkplatz. Im Dezember startet das Vergabeverfahren.

Das neue Stadion wird insgesamt 113 Millionen Euro kosten - der Stadionkörper wird dabei mit 85 Millionen Euro veranschlagt. 28 Millionen Euro kommen der Verkehrsgestaltung rund um den Wildpark zugute.

Welche fünf Verträge werden geschlossen?

1. Pacht- und Betreibervertrag: Er regelt wechselseitige Rechte und Pflichten der Stadt und des KSC bezogen auf den Betrieb des neuen Stadions. Hierin unter anderem enthalten ist: Definition Pachtobjekt, Pachtzahlungen, Instandhaltung und Möglichkeit des Ankaufs des Stadions.

2. Mietvertrag über Freiflächen: Er regelt die wechselseitigen Rechte und Pflichten der Stadt Karlsruhe und des KSC bezogen auf die Freiflächen des gesamten KSC-Geländes. Der Stadionkörper ist ausgenommen. Weiterhin legt er die notwendige Infrastrukturmaßnamen fest, die auf Grund des neuen Stadions und einer veränderten Nutzung verschiedener Flächen notwendig sind. Hierzu gehören unter anderem die Trainingsplätze und das Amateurstadion.

3. Entwicklungsvertrag: Er regelt die Zusammenarbeit der Parteien und die Rechte und Pflichten während der Vergabe-, Planungs- und Bauphase für das neue Stadion. Weiterhin regelt er die Konkretisierungen und Festlegungen der Planung des Stadions unter Mitwirkung des KSC

4. Interimspachtvertrag: Er regelt die Rechte und Pflichten von Stadt Karlsruhe und KSC im Hinblick auf das Bestandsstadion während der Bauphase. Hierzu gehört neben einer reduzierten Pacht für den KSC unter anderem auch die Übernahme der Kosten für die Provisorien inklusive Ausstattung durch die Stadt und die Kosten während des laufenden Spielbetriebs.

5. Kauf- und Erbbaurechtsvertrag: Er ermöglicht dem Verein, wie im Letter of Intent vereinbart, Eigentümer des Stadions zu werden. Er beinhaltet ein Berechnungsmodell des Kaufpreises zum jeweiligen Ankaufszeitpunkt und regelt wechselseitige Rechte und Pflichten der Stadt und des KSC nach dem Ankauf des Stadions durch den KSC.

2017

Im Januar gibt der Gemeinderat erste Mittel frei: Die Tennisplätze des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) weichen und die Plätze des Männerturnvereins sollen instand gesetzt werden. Kostenpunkt für die Arbeiten: drei Millionen Euro.

Zwei Monate später wird der für den Bau und späteren Betrieb notwendige Eigenbetrieb gegründet. Unter der Bezeichnung "Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark" (Eibs) soll er sich zunächst um das Vergabeverfahren für den Neubau kümmern. Im kommenden Jahr - zum 1. Januar 2018 - sollen ihm auch die Infrastruktur und der Betrieb des bestehenden Stadions übertragen werden. Der Baubeginn wird im März 2017 von Oberbürgermeister Frank Mentrup auf 2018 angesetzt.

Dann das große Zittern: Nach dem sicheren Abstieg des KSC in Liga Drei startet im Mai in den Reihen der Stadträte erneut die Stadiondiskussion. Am Ende sollen sich die Planungen im Jahr 2017 am Stadion nicht mehr verändern: Die Stadt Karlsruhe verweist auf zeitliche Verzögerungen und finanzielle Mehrkosten, sollte man aus dem Projekt aussteigen.

Im Juni starten die ersten vorbereitenden Bauarbeiten für die Umstrukturierung des Wildpark-Areals: Die notwendigen Flächen für den Tausch und Verlagerung von Trainingsflächen und Amateurstadion werden entsprechend freigemacht: Die Verlagerung der Tennisplätze am KIT beginnt und der neue Kunstrasenplatz für die Profis wurde gebaut und im Oktober offiziell übergeben. Im gleichen Monat beginnen auch die Arbeiten an einem neuen Amateurstadion auf dem Gelände im Wildpark.

Lage neuer KSC-Trainingsplatz 8.5
Bild: Stadt Karlsruhe auf Grundlage Gestaltplan Neues Wildparkstadion Karlsruhe, AS&P - Albert Speer & Partner GmbH, Hedderichstraße 108-110, 60596 Frankfurt

Die Vergabe für das neue Stadion sollte noch 2017 erfolgen - doch die Prüfung der Bieterangebote dauert länger, als es dem zukünftigen Pächter lieb ist. Der Grund: Alle Angebote liegen über dem Kostenrahmen von insgesamt 113,7 Millionen Euro. Es müssen Lösungen gefunden werden, die Kosten zu senken. Erneut kommt das Thema "Haupttribühne erhalten" auf den Tisch - die Debatte soll sich bis ins neue Jahr 2018 hinziehen.

2018

Die Angebote sind zu teuer - wie sollen die Kosten gesenkt werden? So beginnt das neue Jahr 2018. Viele Punkte stehen daher auf dem Prüfstand, wo Kosten eingespart werden können. Man arbeitet sich durch die "Funktionale Leistungsbeschreibung" (FLB), welche zwischen Stadt und KSC für die Ausschreibung des Neubau verhandelt worden ist. 

Im April steht schließlich fest, wie es in Sachen KSC Neubau weitergehen soll: Die Kosten für das Stadion erhöhen sich auf knapp 123 Millionen Euro (82 Millionen Stadionkörper, 29 Millionen Infrastrukturmaßnahmen, 12 Millionen Vorabmaßnahmen).

Die Stadt übernimmt die Kosten für die Kampfmittelerkundung und Altlasten-Entsorgung der Schadstoffe in den Erdwällen (mit rund neun Millionen Euro veranschlagt), der KSC übernimmt dafür die Finanzierung des Parkhauses (rund zehn Millionen Euro) und verzichtet auf einige Provisorien im Bereich Hospitality und Geschäftsstelle während Umbauphase. Der Gemeinderat stimmt Ende April den Mehrkosten sowie dem geänderten Bauablauf zu.

 

Die neuen Pläne: Baubeginn für den Vollumbau des Stadionkörpers ist für November 2019 angesetzt und soll zwei Jahre dauern. Zuvor sollen die Erdwälle vollständig abgerissen und durch provisorische Tribünen ersetzt sein. Ab November 2018 soll dann der Abbruch der Wälle erfolgen.

Im Juli erfolgt die Vergabe der provisorischen Tribünen und der Erdwallarbeiten durch den Karlsruher Gemeinderat: Die Kosten fallen mit 4,8 Millionen Euro für die Entsorgung der alten Wälle dabei deutlich günstiger als bislang angenommen aus.

Im Oktober machen die KSC-Mitglieder und der Gemeinderat den Weg für die Bauvergabe frei: Nicht mehr enthalten sind nun Erdwälle und Parkhaus. Ende Oktober sollen die neuen Verträge unterschrieben, am 9. November das Zuschlagsschreiben an den Bestbieter verschickt werden.

Nach einem kurzen Schreckmoment für alle Stadionunterstützer unterzeichnen Stadt und KSC - vier Tage nach dem ursprünglich festgelegten Datum - am 30. Oktober die angepassten Verträge zum Neubau des Fußballstadions.

Bild: Thomas Riedel

 

Am 5. November starten die Bauarbeiten an den Wällen - am 3. November verabschieden sich Fans und KSC vom alten Wildparkstadion.

Spatenstich im Wildparkstadion
Bild: Tim Carmele

Danach wird nichts mehr so sein wie früher - einen letzten Rundgang gibt es hier in unserem Artikel. Wie das neue Stadion aussehen wird, wird am 22. November in einer öffentlichen Infoveranstaltung im Südwerk gezeigt: Offene Fragen rund um das neue Stadion beantworten Stadt Karlsruhe und das beauftrage Unternehmen "BAM Sports" mit Architekten. Baustart für den neuen Stadionkörper ist am 1. Dezember 2019, dann sollen die Vorarbeiten abgeschlossen sein. Im Mai 2022 will "BAM Sports" das Stadion fertiggestellt haben.

2019

Im Februar ist das KSC-Stadion erneut Thema im Gemeinderat: Denn die provisorischen Tribünen, auf denen die Fans bis zum Neubau stehen werden, sind nicht überdacht. Das Problem: Die Provisorien waren aus Kostengründen ohne Dächer vorgesehen, da dies den Vorgaben der 3. Liga genügt hätte. Doch nun könnte der KSC aufsteigen. Sollte das der Fall sein, würde das fehlende Dach gegen die Lizenzauflagen der 2. Bundesliga verstoßen.

Dennoch stimmen die Gemeinderäte gegen die 1,4 Millionen Euro teure die Überdachung der Tribünen. Stattdessen soll eine alternative Variante umgesetzt werden: Nur das Dach für die Nordtribüne wird bestellt. Die Stadträte fordern den KSC auf, einen Ausnahmeantrag für die Südtribüne zu stellen, damit diese - selbst wenn der KSC aufsteigen sollte - ohne Dach am Spielfeldrand stehen kann.

Im März ist die provisorische Tribüne der Nordkurve so gut wie fertig. Als nächstes stehen die Arbeiten an der Südkurve an. Das Besondere daran: Die Gästefans müssen umziehen und dürfen - ausnahmsweise - auf der Gegentribüne stehen. Vor dem Abriss der Tribünen dürfen die Fans ihre Lieblingssitze abschrauben und mitnehmen.

Im April folgt der große Schreck: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) lehnt den Ausnahmeantrag für die Südtribüne des KSC ab. 14 Monate - bis September 2020 - hätten die Fans ohne Dach auf der Tribüne stehen müssen. Der KSC steht aktuell in der 3. Liga auf dem zweiten Platz und die Karten für den Aufstieg stehen nicht schlecht. Bis zum 1. September muss die Südtribüne überdacht sein, um bei einem Aufstieg die Lizenzauflagen der 2. Bundesliga zu erfüllen. Der KSC reicht fristgerecht Einspruch bei der DFL ein. Ob das gut ausgeht? 

Am 2. Mai ist ein weiterer Meilenstein erreicht: Der Bauantrag wird eingereicht. Geplanter Beginn der Baumaßnahmen: Ende des Jahres. Wenige Tage später kommt außerdem die erlösende Nachricht aus Frankfurt: Der Verein bekommt die Ausnahmegenehmigung und die Südtribüne braucht daher kein Dach. Dann ist es ruhig im Wildpark, die Bauarbeiten nehmen ihren Lauf, über den Sommer passiert kaum etwas "Spektakuläres". 

Baugenehmigung Wildparkstadion
Daniel Nitsche von BAM Sports, ausführender Totalunternehmer, Werner Merkel von EIBS als Bauherr und Frank Nenninger von der KASIG als technische Projektleitung und -steuerung (v.l.) | Bild: Eigenbetrieb Fußballstadion im Wildpark/Stadt Karlsruhe

Spannend wird es wieder Anfang August: Die traditionsreiche Gegengerade muss weichen, auch sie fällt den Baggern zum Opfer. Erst kommen die mit Asbest versetzten Dachplatten herunter, mit ein wenig Verspätung, die aber wieder aufgeholt werden kann, folgt dann der eigentliche Abriss der Tribüne

Abriss Gegengerade
Bild: Hammer Photographie

Mit dem Ende des Sommers wird es wieder turbulent in Sachen Neubau im Wildpark: Der KSC hat bereits Mitte August Klage gegen die Stadt eingereicht, erst im September wurde das allerdings öffentlich gemacht. Gegenstand der Klage: Der Verein möchte Einsicht in die Unterlagen, die die Stadt mit dem Totalunternehmer BAM geschlossen hat.

Ein erster Verhandlungstermin bleibt ohne Erfolg, das Gericht vertagt sich. Das Urteil vier Tage später: Es gibt keinen Baustopp wie vom KSC gefordert und auch keine neue Kisokplanung, aber der Verein bekommt die Einsicht in die Unterlagen.

Im Oktober legt die Stadtverwaltung Berufung gegen das Urteil ein, das Verfahren geht nun an das Oberlandesgericht (OLG). Vor allem die Einsicht in die teils vertraulichen Unterlagen mit dem Bauunternehmen möchte die Stadt verhindern. Was folgt ist ein weitere Schlagabtausch zwischen beiden Parteien, die Situation scheint festgefahren. Ende des Monats rückt sogar der Gerichtsvollzieher im Karlsruher Rathaus an, muss jedoch unverrichteter Dinge wieder gehen. 

Währenddessen liegt das Verfahren beim OLG, das setzt Ende Oktober die Zwangsvollstreckung aus, die Stadt muss die Unterlagen vorerst nicht an den KSC geben. Am 8. November entscheidet dann das Gericht, dass der Verein und die Verantwortlichen Einsicht in den Vertrag erhalten und dass die Stadt diesen aushändigen muss.

Karlsruhe versus KSC
Stadion-Streit wird vor dem Landesgericht Karlsruhe verhandelt. | Bild: Melissa Betsch

Mittlerweile steht auch das Datum für die Übergabe der Baustelle: Am 6. Dezember soll der Totalunternehmer mit dem eigentlichen Neubau des Stadionkörpers beginnen, doch wenige Wochen vorher fehlen noch die Baugenehmigungen für das Großprojekt. Das sei so üblich, heißt es von den Bauherren - doch ohne die Genehmigung könnte sich der Bau verzögern und die Kosten in die Höhe treiben. An dem Termin für den Baubeginn wird jedoch weiterhin festgehalten. 

Damit die Bagger besser auf die Baustelle fahren können, wird vor der Baufeldfreigabe der "Nackte Mann" abgebaut. Über 60 Jahre lang begrüßte er die Fans vor dem Stadion, jetzt wird er restauriert um dann in neuem Glanz im neuen Wildpark seinen Platz zu finden.

Ende November ist klar: Kurz vor Weihnachten geht es nun endlich los, die alte Gegengerade - und somit die künftige Osttribüne - wird zuerst gebaut, der Termin ist zu halten. Am Montag, 9. Dezember, wird der Startschuss für den Vollumbau im Wildparkstadion fallen! ka-news.de wird vor Ort sein und von dem feierlichen Spatenstich berichten. 

Mehr zum Thema
KSC-Stadion: Aktuelle Nachrichten zum KSC-Stadion und dem geplanten Um- und Neubau im Wildpark. Alle Informationen zu Fläche, Miete und Größe und alle Neuigkeiten zum städtischen Eigenbetrieb und dem Vergabeverfahren.
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