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Karlsruhe KSC-Stadion im Wildpark: "Die Diskussion geht jetzt erst los"

Es war zwar "nur" eine Bürgerveranstaltung am Mittwochabend im Karlsruher Südwerk, mit "offener Diskussion" und ohne "endgültige Entscheidungen", wie Oberbürgermeister Frank Mentrup betonte - am Ende der über dreistündigen Veranstaltung gab es aber doch einige Fakten zum neuen KSC-Stadion: 35.000 Zuschauerplätze, ein neues städtisches Parkleitsystem, ein neuer Busparkplatz, ein umgebauter Birkenparkplatz und neue Radabstellanlagen - zudem wird das Stadion um 180 Grad gedreht: Die Gäste- und Fanseite getauscht. Erste Kostenkalkulationen gibt es auch in Sachen Neubau oder Sanierung: Letztere wäre rund zehn Millionen Euro billiger.

Es war ein Informationsmarathon, den die städtischen Verantwortlichen am Dienstagabend ab 17.30 Uhr im Südwerk absolvierten: Zeitlich streng getaktet stellten die elf Projektgruppen den aktuellen Stand der Planungen vor. Gekommen waren rund 200 Bürger - bei den Rückfragen wurde schnell klar, welche Punkte die Bevölkerung bei der KSC-Stadion-Planung besonders bewegte: Wie ist das mit der Finanzierung?

"Pacht wird beim neuen Stadion höher"

"Wir unternehmen alles, um das Projekt so günstig wie möglich zu finanzieren", versichert Stadtkämmerer Torsten Dollinger. Konkrete Zahlen bezüglich der künftigen Vermarktung des Stadions und welche Einnahmen sich daraus erzielen lassen könnten, gäbe es derzeit noch nicht, eine externe Expertise werde aber derzeit eingeholt. Damit begegnet Dollinger den Rückfragen nach der momentanen Mietvertragssituation des Karlsruher Sportclubs.

"Der langjährige Mietvertrag mit dem KSC läuft bald aus, über die Höhe der Pachtzahlungen entscheidet der Gemeinderat in nichtöffentlichen Sitzungen", so Dollinger. Fest steht aber: "Die Pacht wird beim neuen Stadion höher werden." Detailliert will man die offenen Punkte im Pachtmodell und Betreibersystematik zwischen der Stadt und dem KSC im August klären - am 19. September sollen die zentralen Inhalte des Pachtvertrags in einem Arbeitsgespräch aufgestellt werden.

Sanierung des Stadions kostet Minimum 50 Millionen

Die Einnahmesituation ist unklar und ein Investor laut KSC-Supporter-Vorstandsmitglied Martin Löffler "weit und breit nicht in Sicht". Wie viel Geld muss die Stadt in ein neues Stadion investieren? Laut Dollinger Minimum rund 50 Millionen Euro: Unter den Posten "unbedingt notwendig" fallen hierbei der Neubau der Gegentribüne, die Sanierung der Nord- und Südkurve inklusive Toilettenanlagen sowie die Verpflegungsstände und die Flutlichtanlage. Außerdem die Verbesserung der Barrierefreiheit, der Rückbau der Einrichtungen im Stadionvorfeld (heißt: eine Modernisierung des Einlassbereiches), die Erweiterung der Leitzentrale in der Haupttribüne sowie ein neuer Gästeparkplatz inklusive Weg zum Gästeblock.

"Flächen für die perspektivische Entwicklung des Vereins", der Neubau eines Hospitality-Bereichs sowie eine überarbeitete technische Infrastruktur fallen unter den Punkt "Verbesserungen" - sie würden zusätzlich bis zu 19 Millionen Euro kosten. Aus Sicht der Projektgruppe "Generalsanierung/Umbau", welche Stadtkämmerer Dollinger präsentierte, sind Verbesserungen alle Maßnahmen, welche zur "Verbesserung des Komforts und der wirtschaftlichen Grundlage des Vereins erforderlich sind". Unter die 50 Millionen fallen hingegen Anforderungen, die in Sachen Sicherheit, Flächenbedarf und bauliche Maßnahmen anhand des Stadionhandbuchs der DFL und der Versammlungsstättenverordnung beziehungsweise technisch unbedingt notwendig sind.

Fazit: Sanierung günstiger als Neubau

Stellt man beide Varianten Neubau oder Sanierung gegenüber, so ergeben sich in den städtischen Unterlagen erste Kostenschätzungen von rund 78 Millionen für ein neues Stadion und bis zu 68 Millionen für einen Wildpark-Umbau. Die Differenz liegt in der der Haupttribüne begründet: Bleibt sie stehen, spart das rund zehn Millionen Euro. Bereits eingerechnet bei den 68 Millionen für die Sanierung sind die Verbesserung. Bei beiden Varianten außen vorgelassen sind bauliche Maßnahmen der Infrastruktur beispielsweise im Bereich Parken - diese betragen laut Architekt Matthias Schöner rund 42 Millionen Euro.

Insgesamt strebt man sowohl bei der Stadt als auch beim KSC eine Obergrenze von 120 Millionen Euro für das KSC-Stadion an. "Wir sind sehr optimistisch, dass ein Stadion für insgesamt 120 Millionen Euro erstellt werden kann", so KSC-Präsident Ingo Wellenreuther. Gleichzeitig mahnt Matthias Schöner von Albert Speer & Partner (AS&P): "Die vorgelegten Zahlen sind unverbindlich und basieren auf überschlägigen Kostenkennwerten."

Auch die EU "wacht" über die Kosten des Stadions

"Das Budget kann sowohl über- als auch unterschritten werden. Es kann daher nur einen orientierenden Charakter haben", so Schöner weiter. Die Frage nach einem "Worst-Case-Szenario" könne er nachvollziehen, aber nicht beantworten: "Ein solches Szenario kann keiner definieren." Allerdings habe könne er vergleichbare Projekte anführen, wie das Regensburger Stadion, bei denen denen man nicht über den angesetzten Kosten gelangt ist.

Wie viel Geld letztendlich in das neue Station investiert werden soll, muss der Gemeinderat entscheiden, wenn es um den neuen Doppelhaushalt geht. Am 21. Oktober steht zunächst die Entscheidung über Neubau oder Sanierung sowie die Details für die Ausschreibung zur Auftragsvergabe an.

Zudem: "Mit dem anstehenden Notifizierungsverfahren, wird auch das Auge der EU darüber wachen, dass wir mit den Steuergeldern nicht falsch umgehen", so Oberbürgermeister Mentrup. Dieses soll nach städtischen Zeitplan noch dieses Jahr eingereicht und bis Ende 2015 abgeschlossen sein. Mit dem Baubeginn rechnet man Mitte 2017 - gebaggert werden soll dann 24 bis 30 Monate: Ende 2019 könnte das neue Stadion stehen. Fest steht bis dato: "Die Diskussion geht jetzt erst los", so Mentrup.

Stimmen aus der Bürgerveranstaltung

Frank Mentrup, Oberbürgermeister "Ich habe selten so gute Projekt- und Teamarbeit erlebt. Da hat sich innerhalb der Stadtverwaltung eine 'Wildparkfamilie' gegründet."
  "Wir müssen etwas für den Profifußball im Wildpark tun. Ich bin froh, dass es gelungen ist, im Gemeinderat eine umfassende Mehrheit für diese Entscheidung zu finden."
  "Eine Sanierung ist günstiger als ein Neubau. Aber eine Zukunftsfähigkeit ist in meinen Augen mit einer Neustrukturierung verbunden."
Martin Löffler, KSC-Supporters "Der Wildpark ist das Ergebnis von 'Flickschusterei' aus mehreren Jahrzehnten. Eine Sanierung macht aus unserer Sicht keinen Sinn. Uns ist ein Konsens und die breite Zustimmung der Öffentlichkeit wichtig. Weit und breit ist kein Investor in Sicht - Luftschlösser können so nicht gebaut werden."
Ingo Wellenreuther, KSC-Präsident "Wir vom KSC haben das Gefühl, dass wir ernst genommen werden und unsere Vorschläge positiv aufgenommen und verarbeitet worden sind. Diskutieren müssen wir noch bei der Frage des Betreibers und was die Pachtzahlung anbelangt. Hier können wir verschiedene Bausteine anbieten und sind uns sicher, dass wir in den nächsten Wochen eine gute Lösung finden."

Wer, wo, wie, was KSc-Stadion: Alle Unterlagen zur Bürgerveranstaltung und eine Übersicht über den aktuellen Stand der einzelnen Projektgruppen gibt es unter www.karlsruhe.de/fussballstadion. Hier können die Bürger auch per Mail Fragen und Kritik einbringen.

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Dateiname : Notwendige Verbesserungen KSC-Stadion
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Datum : 24.07.2014 12:48
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Dateiname : Zeitschema KSC-Stadion
Dateigröße : 100.87 KBytes.
Datum : 24.07.2014 12:48
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Dateiname : Neubau oder Umbau Vergleich
Dateigröße : 81.26 KBytes.
Datum : 24.07.2014 12:48
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Dateiname : Masterplan KSC-Stadion
Dateigröße : 188.90 KBytes.
Datum : 24.07.2014 12:49
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1673 Beiträge)

    25.07.2014 15:18 Uhr
    Soll sie bauen ...
    wenn der KSC dann aber auch bezahlt - wenn nicht bitte alle Sportvereine in KA ebenfalls unterstützen!!
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  •   Besserwisser
    (73 Beiträge)

    25.07.2014 15:13 Uhr
    "Die Diskussion geht jetzt erst los" !!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Spüren die noch was?
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  •   sule
    (60 Beiträge)

    25.07.2014 15:02 Uhr
    MIETE wird sich erhöhen...
    Wer richtig lesen kann konnte feststellen dass sich die Miete erhöhen wird...
    Die Stadt muss ja minimum die Abschreibung einfahren sonst spricht man ja bestimmt EU rechtlichvon beihilfe..
    Das würde bei investitionen nur fürs Stadion von 68 mio Euro bedeuten 2% Abschreibung sind 1,3 mio Miete!
    (Beachte Neubau war mal von 150 mio und mehr die rede hieße 3 mio)

    Kann der KSC 1,3 mio miete oder mehr bezahlen?

    Hier scheint es Menschen zu geben die meinen das Stadion gibt es für umme... Es sind Steuergelder die in das Stadion fließen.....
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  •   vielvordahinter
    (1453 Beiträge)

    25.07.2014 23:57 Uhr
    @Es sind Steuergelder die in das Stadion fließen.....
    immer vorausgestzt man bezahlt überhaupt Steuern zwinkern
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1 Beiträge)

    25.07.2014 11:12 Uhr
    Nicht auszuhalten!
    Umbau statt Neubau? Na Bravo! Sicher lässt sich noch mehr sparen, wenn man die alte Gegengerade auch nur saniert und bloß auf den bestehenden Schuttwällen neue Kurventribünen errichtet...das darf doch alles nicht wahr sein!
    Neubau!!!
    @chris - völlig Ihrer Meinung
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  •   vielfahrer
    (422 Beiträge)

    25.07.2014 14:10 Uhr
    wer dort war
    hat doch eindeutig gehört, dass es auf einen Neubau hinaus laufen wird.

    Das haben die Experten doch alle recht eindeutig empfohlen. Ich verstehe die Diskussion hier nicht. Zehn Millionen, die bei einer Sanierung eingespart werden könnten, sind ein viel zu kleiner Betrag angesichts der vielen faulen Kompromisse, die man dann eingehen müsste.
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  •   sky789
    (1405 Beiträge)

    25.07.2014 15:28 Uhr
    Da sollte man die Rechnung nicht ohne die KA-Politik machen
    Was empfohlen wird und gar sinnvoll ist, hat in der Vergangenheit bei verschiedenen Projekten auch nicht interessiert. Deshalb glaube ich erst an ein neues Stadion wenn es fertig und eröffnet ist.
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  •   vielvordahinter
    (1453 Beiträge)

    25.07.2014 11:31 Uhr
    @noch mehr sparen, wenn man die alte Gegengerade auch nur saniert
    ja aber....!!!?

    Die Sanierung der Gegengerade hat doch im unteren Teil schon längst begonnen!!!?Denn wer glaubt den bitte das die DFL für den letztjährigen Spielbetrieb als Auflage gemacht hat, "NUR" den unteren Teil der Gegengerade zu sanieren!?

    Und entweder einer unserer hochbezahlten entscheidungstragenden städt.Beamten hat ein geldschei...enden Goldesel im Büro oder verschwendet meiner Meinung nach, möglicher weise Millionen von Steuergeldern für das Flickwerk einer Bauruine!
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  •   chris
    (666 Beiträge)

    25.07.2014 10:55 Uhr
    Augsburg macht es vor: Spätere Erweiterarkeit einplanen!
    Hier kann man es nachlesen: http://www.sgl-arena.de/
    Die kleine Stadt Augsburg war clever, hat sich von der Statik eine Erweiterungsmöglichkeit eingebaut! (bis 50.000!!!)
    Ich denke KA muss bei der Architektenausschreibung dies zwingen mit aufnehmen!!
    Auch stände KA am Anfang ein Oberrang gut zu Gesicht! Die Tribünen sollten 37 Grad Neigung haben, also möglichst steil gebaut werden. Der Abstand der Tribünen sollte auf das zulässige Minimum beschränkt sein, als extrem nah ran.
    Mein Gott..ich habe echt die Angst, Laien könnten darüber entscheiden. Hoffentlich machen Fußballanhänger und Stadionkenner jetzt auch mal Dampf und überlassen diese extrem wichtige Entscheidung, keinen Laien! Im Rathaus gibt es einige Verwaltungsbeamte, die echt keine Ahnung davon haben. Mainz/Sinsheim sind eher Bsp für Kleinstädte...unsere Region ist viel größer...das Einzugsgebiet umfasst 550.000 Einwohner. Wenn UEFA-CUP ansteht, stehen doch wieder alle Kopf! Daher ist das Zauberwort ERWEITERBARKEIT!
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  •   sky789
    (1405 Beiträge)

    25.07.2014 11:43 Uhr
    Zustimmung.
    Im ersten Step die 35.000 und bei Bedarf ohne viel Tamtam erweiterbar. Aber dafür müsste bei den hiesigen Helden Wehnachten und Ostern auf einen Tag fallen. Daher lieber den Spatz in der Hand und überhaupt ein neues Stadion. Es gibt ja immer noch welche die bei 10 Mio Preisdifferenz allen Ernstes sanieren wollen. Meinst Du da gibts ne Ausbaureserve?
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