50  

Karlsruhe KSC-Stadion im Gemeinderat: "Reden hier nicht von einer Hinterhof-Garage"

Am Dienstag stand das neue KSC-Stadion erneut auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Nach der Grünen-Fraktion legte auch die Linke einen Antrag vor. Sie schließt sich der Forderung nach Reduzierung der Baukosten an und forderte einen Bürgerentscheid - doch beides wird es nicht geben.

Mit zwei Ja-Stimmen, acht Enthaltungen und 35 Nein-Stimmen wurde der Änderungsantrag der Linken (den Neubau des Wildparkstadions auf das Notwendige reduzieren) abgelehnt. Es wird also an den bisherigen Planungen festgehalten. Der Antrag der Grünen Gemeinderatsfraktion zur Streckung der Baumaßnamen, wurde auf Empfehlung von OB Mentrup, in den Eigenbetriebsausschuss verwiesen. Begleitet wurden die beiden Anträge mit einer rund 60-minütigen Diskussion der Fraktionsmitglieder.

Wollen nicht den "Stadion-Mord"

"Wir haben in unserem Antrag deutlich gemacht, dass wir aufgrund der aktuellen sportlichen Situation diesen Antrag stellen", erklärte Grünen-Antragsteller Ekkehart Hodapp zu Beginn. Er wies darauf hin, dass man den Verein auch vor einem großen finanziellen Schaden bewahren sollte, den die Refinanzierung mit sich bringen könnte.

Zudem solle die Stadtverwaltung sorgsam mit dem Geld der Stadt und damit dem Geld der Bürger umgehen. "Wir wollen nicht den Stadion-Mord, sondern eine Modifizierung. Wir bieten dem KSC eine sportliche Perspektive, aber eben nicht um jeden Preis", so Hodapp weiter.

Bedenken, aufgrund der aktuellen sportlichen Situation des KSC, sieht auch Kult-Stadtrat Max Braun: "Wir kritisieren auch heute noch das Finanzierungsmodell. Denn es funktioniert nur, wenn der KSC mehrere Jahre in der ersten Liga spielt. Wir vertrauen dem Vertragspartner KSC hierbei nicht. Der Verein hätte absolut keine Handlungsbasis mehr, stiege er erneut ab oder verliere die Lizenz für die dritte Liga."

Es muss umgeplant werden

Dass mit dem Stadionneubau ein zu großes Risiko auf die Stadt und seine Bürger verlagert werde, merkte Marc Bernhard (AfD) an. "Uns wurde eine schwarze Null versprochen und diese schwarze Null wird aber am Ende nicht stehen.  Es ist völlig unrealistisch, dass der KSC diese Beträge aufbringen kann. Die Rahmenbedingungen haben sich drastisch verändert. Es muss umgeplant werden, ein stufenweiser Vorgang wäre sinnvoll."

Auch Stadträtin Sabine Zürn (Die Linke) sprach sich für einen stufenweisen Neubau des Stadions aus: "Wir wollen, dass die KSC-Fans guten Fußball in einem guten Stadion bekommen. Es gibt allerdings neben dem sportlichen auch den wirtschaftlichen Aspekt. Der KSC  ist ein wirtschaftliches Unternehmen, das aktuell sehr ins Schwanken geraten ist.

Es ist ein beträchtliches Risiko, das aktuell die Steuerzahler tragen müssen und das ist nicht in Ordnung." Stehen die Bürger hinter einen Bürgerentscheid? Dies hinterfrage Jürgen Wenzel (FW). Er denkt zwar, dass so ein Thema auf Interesse stößt, allerdings jetzt der falsche Zeitpunkt sei: "Jetzt wo der Verein am Boden liegt, sollte man keinen Bürgerentscheid machen."

"Wir reden hier nicht von einer Hinterhof-Garage!"

Als "einfach nur frech" bezeichnete CDU-Stadtrat Sven Maier den Antrag auf Bürgerentscheid und die Infragestellung des Stadionneubaus: "Grüne und Linke wollen hier keinen Profifußball in Karlsruhe! Dieses marode Stadion kann so nicht vom Karlsruher SC betrieben werden. Nur mit dem Stadionbau kann der KSC wieder erfolgreich sein und sich refinanzieren."

Deutliche Worte fand auch Parsa Marvi (SPD): "Es ist noch immer klar, dass ohne einen Neubau, es keine wirtschaftlichen Verbesserungen geben wird. Der temporäre Abstieg des KSC ist für die Antragsteller natürlich ein willkommener Grund. Der Bau des Stadions ist für uns aber unabhängig von einem temporären Abstieg. Ein so aufwendiges Infrastruktur-Projekt kann nicht einfach geändert werden. Wir reden hier nicht von einer Hinterhof-Garage. Ihr Antrag wäre das Ende des Wildparkstadions."

FDP-Stadtrat Thomas Hock sieht hinter dem Zeitpunkt der Anträge ebenfalls keine Zufälligkeit und sprach die Antragsteller direkt an: "Wir führen hier diese Diskussion nicht zum ersten Mal und nach meinen Erfahrungen auch nicht zum letzten Mal. Wir müssen die Projekte, die wir demokratisch auf den Weg bringen, auch umsetzten. Dass der Abstieg jetzt kam, war natürlich ein ungünstiger Zeitpunkt. Sie (die Antragsteller) wollten dieses Projekt nie haben, und jetzt dachten sie mit dem Abstieg können sie noch einmal angreifen. Sie waren immer dagegen, wir werden weiter mit ihnen diskutieren, ich freue mich darauf, denn es macht immer wieder Spaß mit ihnen ins Gefecht zu gehen."

Eine Situation die auf Vertrauen fußt

Abschließende Worte fand Oberbürgermeister Frank Mentrup: "Wir diskutieren über ein Finanzierungsmodell dem mehrheitlich zugestimmt wurde. Wir pulvern jedes Jahr hohe Beträge in dieses Stadion hinein. Sanierungen kämen auf uns zu und ein Neubau ist die wirtschaftlich sinnvollere Lösung."

Das Thema Bürgerentscheid ist auch für OB Mentrup aufgrund des Zeitpunktes nicht praktikabel. Außerdem weist Mentrup darauf hin, dass die Situation eine ist, die auf Vertrauen fußt. "Wir haben es hier mit einem ligaabhängigen Partner zu tun. Der KSC ist nun in die dritte Liga abgestiegen, das ist aber im Refinanzierungsmodell berücksichtigt. Gäbe es einen weiteren Abstieg oder keine Lizenz müssten wir noch einmal miteinander reden. Aber an der Vertrags- und Vertrauensgrundlage hat sich nichts verändert."

Darum sieht Mentrup aktuell keinen Grund den Beschluss in Frage zu stellen: "Das Finanzierungsmodell ist nicht gescheitert, weil wir eben diese Situation mit einkalkuliert haben. Der Vergabeprozess ist bereits angelaufen, das jetzt zu kippen ist vertragstechnisch unrealistisch und würde der Stadt mehr schaden."

Mehr zum Thema
KSC-Stadion: Aktuelle Nachrichten zum KSC-Stadion und dem geplanten Um- und Neubau im Wildpark. Alle Informationen zu Fläche, Miete und Größe und alle Neuigkeiten zum städtischen Eigenbetrieb und dem Vergabeverfahren.
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (50)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   Gedankenpolizei
    (152 Beiträge)

    24.05.2017 00:01 Uhr
    Der KSC geht ob seiner unterirdischen
    Leistung und des Führungsgremiums unter. Wenn Pilly aussteigt, weil Welle nicht mehr gewollt ist, dann ist der Club platt. Da entfiele für die Stadt ein Vertragspartner. Somit auch keine Schadensersatzforderungen. Sind wir mal ehrlich, in einem neuen Stadion hätte der KSC auch nicht besser gespielt. Mehr Zuschauer wären auch nicht gekommen, dafür sorgen schon die Hohlköpfe aus der Fankurve. Entweder ständige Beleidigungsgesänge, die nicht nachvollziehbar sind, oder Krawalle auswärts und folgende Geisterspiele.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Strangeway
    (215 Beiträge)

    23.05.2017 23:14 Uhr
    Stattdessen: Mord an der Ökonomie
    Das durch Baustellen verdreckte und heruntergekommene Karlsruhe ist nur noch durch Staumeldungen im Radio und Sondersitzungen im Landtag über Fangewalt bekannt. Die Innenstadt verödet die Geschäfte geben auf. Jetzt einem Drittlligaverein das Geld hinterherzuschmeissen ist wirklich dann nur konsequent. Finis Karlsruhe. Der Mentrup ist ein totaler Versager.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gedankenpolizei
    (152 Beiträge)

    23.05.2017 23:30 Uhr
    Bevor man überhaupt über dieses neue Millionengrab nachdenkt,
    sollte der KSC ein zuverlässiges Konzept vorlegen, wie er zukünftig Karlsruhe aus den Negativschlagzeilen heraushalten will. Wie genau werden künftig die Fankrawalle verhindert? Solange hierfür nicht eindeutige , schlüssige Konzepte vorliegen, dürfte keinerlei Gedanke an das Stadion verschwendet werden. Der Verein ist in erhöhtem Maße in der Bringschuld. Wenn ich schon lese, bei der Finanzierung über dreißig Jahre wären einige Jahre in der ersten Liga eingeplant, dann wird mir schlecht. Wie kann ein OB so einen Mist unterzeichnen? Hat der eine schmiergeldfarbene Glaskugel, mit der man in die Zukunft sehen kann?

    Wenn das Fanproblem nicht gelöst wird, spielt der KSC eh ständig ohne Publikum. Wozu dafür eine Arena? Ein VIP Zelt am Spielfeldrand mit Wurschtl am Grill, und der Klüngel ist gesättigt. Kostet nicht viel und wird der Situation gerecht.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (688 Beiträge)

    23.05.2017 22:52 Uhr
    Eine Lehrstunde in Sachen Demokratie
    Gut so.

    Steine schmeissen kann jeder. Verantwortung tragen nicht.
    Und der Wähler weiss das.

    10- % . Was ich grossartig finde zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Strangeway
    (215 Beiträge)

    23.05.2017 23:17 Uhr
    und Lehrstunde in Korruption
    schon Berlusconi wollte sich beliebt machen bei den Fans. Karlsruhe ist endgültig eine Operettenstadt geworden. Mentrup,Wellenreuter, Grenke und Stadträte vergreifen sich an Steuergeldern. Das Establishment regiert durch. Nun ist auch KA in der Dritten Liga angekommen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   melotronix
    (3509 Beiträge)

    24.05.2017 07:19 Uhr
    man schreibt es sich eben
    ...schön wie man es braucht. Korruption: mal schnell einen rausgehauen. Dieses Projekt ist abgestimmt und beschlossen worden. Demokratisch! Was soll also das permanente Contrageeiere?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Rundbau-Gespenst
    (12783 Beiträge)

    24.05.2017 12:47 Uhr
    es scheint doc wieder "in" zu sein, dass man
    "anti" ist...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gedankenpolizei
    (152 Beiträge)

    25.05.2017 02:02 Uhr
    Keine Ahnung von Demokratie und ihrer
    erweiterten Möglichkeiten, aber mal blank losgehetzt. Man bedenke; nicht alles was der Vorschreier mit dem Megaphon brüllt, ist wahr. Himmel, ist das eine primitive Sportart. Das gehört generell verboten.

    Darüber hinaus möchte ich gerne von diesen Superfans erklärt haben, weshalb gewisse Feindschaften bestehen. Ich wette, keiner der Hampler kann mir eine genaue Auskunft geben.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Gedankenpolizei
    (152 Beiträge)

    23.05.2017 23:09 Uhr
    Wie wird denn da Verantwortung getragen?
    So wie unser Fenrich bei der Kombilösung? Solange Politiker nicht für ihr Handeln haftbar gemacht werden können, tragen sie auch keinerlei Verantwortung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   schlappedengler
    (366 Beiträge)

    23.05.2017 22:40 Uhr
    Gut, dass Grün, Kult und Links nichts zu melden haben ...
    Gibt es einen Bürgerentscheid für das Europabad, Europahalle oder Staatstheater? Vielleicht auch noch für eine neue öffentliche Toilette?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 (6 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.