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KSC-Stadion: Gemeinderat mit weiterem Sicherheitspass

In der Gemeinderatssitzung warf man sich gegenseitig "Krokodilstränen", "Verzögerungstaktiken" und "tiefgreifende Zerwürfnisse" vor - zumindest die Rhetorik in Sachen Stadionpläne wurde schärfer. Alles andere blieb jedoch unscharf wie immer: Wahlkampfgeplänkel gepaart mit badischer Beschaulichkeit.

Gabriele Luczak-Schwarz, Fraktionschefin der CDU, hoffte, mit dem auf die Schnelle geänderten Antrag endlich den "gordischen Knoten zu durchschlagen". Bleibt nur die Frage, ob mit diesem Knoten nicht beinahe der Faden durchtrennt wurde, an welchem das Damokles-Schwert Newport-Stadion baumelt.

50 Millionen Euro will Newport investieren, 50 Millionen Euro soll die Stadtverwaltung in die nötige Infrastruktur investieren - interessanterweise ist diese von Newport errechnete Zahl genau jene, die der Gemeinderat im Oktober für Investorenprojekte zur Verfügung zu stellen bereit war.

Das unbehagliche Wort "Ausfallbürgschaft"

Oberbürgermeister Heinz Fenrich bilanzierte mit Zahlen des Tiefbauamts neu und kam zu dem Schluss, dass die Investitionen in die Infrastruktur dreifach so hoch liegen würden wie geplant - bei satten 150 Millionen Euro. Geht man fairerweise davon aus, dass beide Seiten zu ihren Gunsten über- beziehungsweise untertreiben, trifft man sich diplomatisch in der Mitte: also 100 Millionen Euro. Der einsame Linke Niko Fostiropoulos würde an dieser Stelle (irgendwo auch zurecht) einwerfen: Damit könnte man das geforderte kostenlose Mittagessen an allen Karlsruher Schulen mehr als 33 Mal finanzieren.

Man mag für oder gegen den Oberbürgermeister sein (wie beispielsweise in der Stadionfrage die 180 Mastweiden-Kleingärtner oder auf der anderen Seite seine eigene CDU-Fraktion), aber dass Fenrich bei dem unvermeidbaren Wort "Ausfallbürgschaft" nicht ganz wohl zumute ist, kann man verstehen.

Also doch lieber die "Sicherheitslösung" Wildpark?

Sollte der KSC in die dritte Liga durchgereicht werden (ja, so etwas ist schon einmal passiert) oder der deutschlandweite Fußballboom mit durchgehend ausverkauften Stadien abebben (das geschieht ebenfalls alle paar Jahrzehnte), dann wird der private Investor verständlicherweise sein verlorenes Geld zurück haben wollen – aus dem Beutel der Stadt, letztendlich aus den Taschen der Bürger. Fenrich meinte, er könne den "Hilferuf nach der Stadt im Falle der ausfallenden Leistungsfähigkeit schon heute hören", - hätte er diese prophetische Begabung nicht erst vor wenigen Wochen erworben, die Runderneuerung des Wildpark könnte bereits in Arbeit sein.

Gut, Newports Vorschlag wird nun auf Herz und Nieren (und hoffentlich insbesondere auf Hirn) geprüft. Die "kleine Lösung Wildpark" Fenrichs, der Grünen und der SPD stellt sich alleine schon aufgrund seiner Namensgebung ins Abseits – wie wäre es stattdessen mit: "Sicherheitslösung Wildpark"?

Ja, die Krise wird kommen, da sind sich die Experten ausnahmsweise einig – aber sollte man in schweren Zeiten "klotzen statt kleckern" oder sich eher mit zurückhaltenden Schritten durch die globale Finanz-Nebelbank tasten? Die kommenden Beschlüsse zum KSC-Stadion entwickeln sich nicht nur zur Zerreißprobe, sondern auch zu einer Grundsatzdiskussion der wirtschaftlichen Politik Karlsruhes.

Überall in Karlsruhe: Eklatante Abschlussschwäche

Luczak-Schwarz wollte mit einem weiteren Bild verdeutlichen, dass der Investor ein prüfenswertes Konzept vorgeschlagen hatte: Dafür müsse man eben auch mal "zwei Schritte zurück machen, um einen Schritt voran machen zu können". Oder waren es ein Schritt nach hinten, um zwei nach vorne machen zu können? Wie dem auch sei: Nun folgen also insgesamt drei weitere Schritte in verschiedene Richtungen. Welche davon die richtige ist, wird sich wohl erst zeigen, wenn Maik Franz dem KSC keine Treue mehr schwören muss, da er seine Fußballschuhe mit knapp 40 Jahren einfach nur noch an den Nagel hängen will.

Der Vergleich der politischen Abschlussschwäche mit der Tor-Ungefährlichkeit der KSC-Profis drängt sich gerade zu auf: Man beweist immer wieder spielerisches Potential, doch vor dem Tor versagen die Nerven; ein Sicherheitspass reiht sich an den nächsten, es wird lieber "hintenrum" gespielt, man geht zwar beherzt in die Zweikämpfe, doch wenn es um die wichtigen Dinge geht (Entscheidungen und Tore), spürt man die Verunsicherung.

Klare Entscheidungen werden wohl sicherlich noch bis nach den Wahlen am 7. Juni auf sich warten lassen, erst dann wird die Angst vor unpopulären Entscheidung wie weggeblasen sein. Bis dahin wird eben noch einmal alles geprüft, noch einmal durchgerechnet, man schaut, wägt gegeneinander ab und diskutiert erneut. Und danach? Dem geneigten Fan und Steuerzahler bleibt nur eines übrig: Zuschauen und abwarten – am besten mit badischer Gemütlichkeit.

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Kommentare (30)
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  •   sky789
    (1405 Beiträge)

    24.04.2009 15:35 Uhr
    @tessarakt: So ein Blödsinn
    Klar, kann man die Strecke bequem zu Fuss gehen. Vielleicht regnet es auch ab und an mal in unseren Breiten. Vielleicht ist es aber auch nur möglich, dass es einfach nicht jedermanns Sache ist erst 20Min. zu laufen um ins Stadion zu kommen. Wenn man andere Arenen so anschaut geht es mit dem Bahnanschluss (oder Bustransfer vor und nach dem Spiel) und deshalb sollte es auch in KA möglich sein Hin und Zurück mit Bus und Bahn zu kommen. Derzeit nicht möglich zumindest das Zurück. Deshalb muss man auch hier infrastrukturelle Massnahmen am WP ins Feld führen. Ansonsten hat man ne Arena Stand 201... im Wald mit ner Anbindung auf dem Stand von 1955.
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  • unbekannt
    (94 Beiträge)

    24.04.2009 11:30 Uhr
    @tessarakt
    Moment - also ich kann sie bequem zu Fuß gehen - du wahrscheinlich auch.
    Doch gibt es auch den ein oder anderen "mobilitätseingeschränkten" (oder wie wurde das in der Straßenbahn genannt) Besucher der KSC-Spiele...
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  •   treuerkscfan
    (666 Beiträge)

    24.04.2009 09:24 Uhr
    Strecke zum Durlacher Tor
    Klar kann man die zu Fuß gehen, mich stört das nicht, dann geht es aber weiter: Sämtliche Bahnen sind überfüllt, weil keine Entlastungszüge fahren, wird bestimmt auch "normale" Fahrgäste stören. Ich habe mir angewöhnt mein Auto an der EnBW abzustellen und den Rest mit der Bahn ins Stadion zu fahren.
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  •   tessarakt
    (2356 Beiträge)

    23.04.2009 15:31 Uhr
    ...
    "Hat sich der OB mal gedanken gemacht, was es kostet die Infratruktur im WP zu verbessern? ich meine Parkplätz, Bahnanbindung und Zufahahrten denn: Parkplätze gibt es kaum, die Theodor Heuss Alee und Rintheimer Querallee sind hoffnungslos überlastet, Adenauerring gesperrt. Busse hfahren nicht zurück, was wohl die kostengünstigste möglichkeit für die Bahnanbindung währe."

    Die Strecke zum Durlacher Tor kann man bequem zu Fuß gehen.
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  • unbekannt
    (295 Beiträge)

    23.04.2009 10:56 Uhr
    Stadion jetzt
    Wohne seit 8 Jahren in Berlin und ich Dachte das der Berlinersenat mit Party-Wolvi eine Schande ist aber dieser Gemeinderat in Karlsruhe ist noch ein Zacken schärfer.Mein Tip an alle KSC-Fan`s ganz genau hinhören wer gegen den KSC ist und bei den nächsten Wahlen dementsprechend wählen.
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  •   treuerkscfan
    (666 Beiträge)

    23.04.2009 10:43 Uhr
    Gute Idee
    Dass würde das alles hoffentlich etwas beschleunigen. Hat sich der OB mal gedanken gemacht, was es kostet die Infratruktur im WP zu verbessern? ich meine Parkplätz, Bahnanbindung und Zufahahrten denn: Parkplätze gibt es kaum, die Theodor Heuss Alee und Rintheimer Querallee sind hoffnungslos überlastet, Adenauerring gesperrt. Busse hfahren nicht zurück, was wohl die kostengünstigste möglichkeit für die Bahnanbindung währe.
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  • unbekannt
    (82 Beiträge)

    23.04.2009 10:14 Uhr
    @andi-b7
    du hast vollkommen recht, so gehört es gemacht! Den OB nach nem VfB-Gastspiel übern Adenauerring heimlaufen lassen, so wie es eigentlich fast alle machen!! Anpöbeln soll er sich lassen von den gegnerischen Fans, der Polizei und soll sich mal durchwühlen. Der Mann hat doch keine Ahnung! Ein Kindergarten ist unser Gemeinderat. Jeder verfolgt nur die eigenen Interessen!! Würde er einmal nach einem solchen Spiel Richtung Durl. Tor laufen wäre er sicher für einen Neubau. Aber es spielen halt persönliche Verbindungen mit, wie bei allen Politikern, die Dreck am Stecken haben!!!
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  • unbekannt
    (228 Beiträge)

    23.04.2009 07:38 Uhr
    badener
    vielleicht sollte man den stadtrat beim nächsten spiel gegen stuttgart oder lautern in blauen schals vor dem gästeblock positionieren, sozusagen eine kleine exkursion oder besichtigungstour der zustände vor ort! bin mal gespannt welche möglichkeiten dann bzgl. sicherheitsaspekten diskutiert werden.....vermutlich wäre dann ganz schnell klar: ein neuer standort (oder stadtrat) muß her! zwinkern vielleicht nehmen die auch kinder mit, müssen im dunkeln einmal durch den halben schloßpark durch und sich von nervösen polizisten anpampen lassen um an ihre autos am durlacher tor zu gelangen!
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  • unbekannt
    (58 Beiträge)

    22.04.2009 20:35 Uhr
    OB-Stadion
    Gelöscht! Verstoß gegen Kommentarregel.
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  • unbekannt
    (1673 Beiträge)

    22.04.2009 19:12 Uhr
    @ gravedigger75
    eben darum geht es ja hast finde ich recht.
    es sollte unterschieden werden zw. den fragen wer nun baut und wo gebaut wird.
    esrt wenn ich weiss, dass ich was bauen will und wo suche ich nach dem der es für mich realisiert, nicht umgekehrt (okay bie nem fertighau vieleicht).
    es drängt sich stark der verdacht auf das intersessen dritter (unternehmer und planungsbüros) gewahrt werden egal welche seite argumentiert. ist schon sehr traurig.
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