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Karlsruhe Erst die Wälle, dann die Arena: Heute fällt die Entscheidung zum neuen Ablauf des Stadion-Baus

Ein letztes Mal vor der Sommerpause tagen ab dem Nachmittag wieder die Karlsruher Gemeinderäte. Großes Thema ist dabei mal wieder das neue Wildparkstadion, das entstehen soll. Gleich mehrere Punkte sollen dort besprochen und diskutiert werden, wie es mit dem Bau des neuen Stadions weitergehen soll.

Die Zukunft im Wildpark schreitet voran: Im Zuge des Neubaus entstand bereits ein neuer Trainingsplatz für die Profis. Mit Verzögerung ist dann auch das neue Amateur- und Jugendstadion einsatzbereit. Der Gemeinderat soll nun die Vergabe der weiteren Arbeiten beschließen.

Neues Amateurstadion
Das Gelände des künftigen Amateurstadions links vom Wildparkstadion, in dem die Profis zu Hause sind. | Bild: Tim Carmele

Zunächst soll aber ein neuer Bauablauf beschlossen werden. Grund sind zu teure Angebote der Bauunternehmen.  Als großer Kostenfaktor wurden nun die Erdwälle rings um das Spielfeld ausgemacht.  Der Abriss der Wälle und der daraufstehenden Tribünen soll nun gesondert vergeben werden - damit die Kosten für den Bau des Stadionkörpers an sich nicht zu hoch werden.

Vertrag künftig in drei Schritte gegliedert 

Am Dienstag sollen die Karlsruhe Stadträte nun diesen geänderten "Geschäftsbesorgungsvertrag" beschließen. Konkret heißt es dort, dass diese bisherige zweistufige Beauftragung um eine Stufe erweitert werden soll - eben die Vorarbeiten vor dem eigentlichen Neubau des Stadions. Der Geschäftsbesorgungsvertrag regelt den rechtlichen Rahmen des Geschäftsverhältnisses zwischen den Parteien.

Diese dritte Stufe, der eigentliche Stadionbau, soll über ein Dutzend Tätigkeiten umfassen. An der grundsätzlich vereinbarten Vorgehensweise soll sich aber nichts ändern, heißt es in der Beschlussvorlage. Die neu gefasste zweite Stufe des Geschäftsbesorgungsvertrages umfasst nunmehr auch die Planung, die Vergabe und die Durchführung der Vorabmaßnahmen des Bauherren zur Kampfmittelerkundung und zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs.

KSC-Stadion Wildpark
(Symbolbild) | Bild: Peter Eich

Spielbetrieb dank provisorischer Tribünen

Im Vorfeld des Neubaus sind umfangreiche Rückbau- und Erkundungsmaßnahmen auf Kampfmittel nötig, um dem Generalunternehmer ein kampfmittelfreies Baufeld zu übergeben. Parallel zu den Maßnahmen der Kampfmittelerkundung sind temporär zwei Tribünen mit einer Gesamtstandzeit von 30 Monaten und eine Flutlichtanlage zu errichten. So sollen jederzeit mindestens 15.000 Zuschauer Platz finden, um so den Anforderungen von DFL und DFB nachzukommen und den Spielbetrieb während des Baus zu gewährleisten.

Der Gemeinderat vergibt die Ausführung dieser Vorabmaßnahmen an die Nüssli GmbH aus Deutschland. Diese Firma zeichnet sich unter anderem für Zuschauertribünen beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding oder bei den Würzburger Kickers verantwortlich. Der Bau der temporären Tribünen soll rund 2,4 Millionen Euro kosten.

Die Spieler des KSC sollen auch während des Stadionumbaus ihre Heimspiele im Wildpark austragen. | Bild: Tim Carmele

Die verseuchten Erdwälle und die Problematik bei deren Abtragung sorgten im Rahmen des Stadion-Neubaus immer wieder für Diskussionen. Mit dem Beschluss am Dienstag soll nun ein Unternehmen mit diesen Arbeiten beauftragt werden, um eben dem mit dem Vollumbau zu beauftragenden Unternehmen ein "freies Feld" zu übergeben.

Die im Vorfeld des vollständigen Umbaus nötigen Rückbau- und Kampfmittelfreimessungsmaßnahmen beinhalten neben dem Rückbau der Stadionwälle auch den Rückbau der mineralischen Bausubstanz der Nord- und Südkurve sowie der Gegentribüne. Das Ganze soll im laufenden Spielbetrieb erfolgen und in mehrere Bauabschnitte gegliedert sein. Das Angebot der Bietergemeinschaft für rund 4,8 Millionen Euro soll nach Einschätzung der Stadtverwaltung den Zuschlag der Stadträte bekommen.

Der Stadioninnenraum des Wildparks wird sich nach dem vollständigen Umbau deutlich verringen. | Bild: Tim Carmele

Den geänderten Ablauf der Baumaßnahme beschäftigt auch die AfD, die eine Anfrage an die Stadtverwaltung zu dem Thema formuliert hat. So wollen die Stadträte wissen, ob beim Rückbau und der Entsorgung der Erdwälle im Rahmen des Stadionneubaus zusätzliche Kosten entstehen und welchen Einfluss es auf die Vergabe habe, wenn potenzielle Auftragnehmer Teile des alten Stadions in ihre Planung integrieren wollten. In ihrer Stellungnahme erklärt die Stadt, dass die Kosten des Rückbaus im Budget der vorbereitenden Maßnahmen enthalten seien und nicht dem Auftragnehmer des späteren Stadionneubaus in Rechnung gestellt werden.

Da die Planungen der Vorabmaßnahmen bereits Grundlage der ersten verbindlichen Angebote sind, hat dies keine Auswirkungen, wenn ein beauftragtes Unternehmen in seinen Plänen den Erhalt von Stadionelementen vorgesehen hätte. Doch das ist nicht eingetreten: Keiner der Entwürfe der vorliegenden  verbindlichen Angebote zum Vollumbau des Wildparkstadions integrieren bestehende Stadionteile, schreibt die Stadt in ihrer Stellungnahme.

KSC-Stadion Wildpark
(Symbolbild) | Bild: Peter Eich

Vom alten Stadion soll also nichts erhalten bleiben. Das kommt einem Neubau gleich, bestätigt auch die Stadt in ihrer Stellungnahme und zeigt sich auch an der Fläche des Innenraums: Die Gesamtfläche wird sich nämlich nach dem Vollumbau fast um die Hälfte verringern. Statt bisher 19.700 Quadratmetern wird das Wildparkstadion als reine Fußballarena "nur" noch über eine Fläche zwischen 10 und 11.500 Quadratmetern haben, da unter anderem die Aschenbahn wegfällt. 

Alle Angebote fristgerecht eingegangen

Das Vergabeverfahren wurde formell im Dezember 2016 begonnen. Die Bieter waren aufgefordert, bis Ende Mai 2018 verbindliche Angebote einzureichen. Alle Bieter haben fristgemäß verbindliche Angebote eingereicht, teilt die Stadt mit. Im Juni endete der formale und inhaltliche Prüfprozesses mit Bewertung der Zuschlagskriterien, Anfang Juli endete die Bieterverhandlungen auf Grundlage der eingereichten verbindlichen Angebote. Bis gestern waren alle Bieter zur Abgabe eines letzten verbindlichen Angebotes aufgefordert.

Bild: Peter Eich

Da die Durchführung der Vorabmaßnahmen jeweils unter einem vertraglichem Rücktrittsrecht des Auftraggebers bis 31. Oktober 2018 stehen und die Maßnahmen Voraussetzung für den Zuschlag aus dem Vergabeverfahren für den Vollumbau sind, wird sich spätestens mit dem Gemeinderatsbeschluss im Oktober 2018 entscheiden, wer für das Projekt "neues"Wildparkstadion den Zuschlag erhält - und damit auch, wie das künftige Stadion aussehen wird.

ka-news wird von der Gemeinderatssitzung berichten.

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KSC-Stadion: Aktuelle Nachrichten zum KSC-Stadion und dem geplanten Um- und Neubau im Wildpark. Alle Informationen zu Fläche, Miete und Größe und alle Neuigkeiten zum städtischen Eigenbetrieb und dem Vergabeverfahren.
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  •   betablocker
    (3670 Beiträge)

    17.07.2018 23:32 Uhr
    Mit der Diskussion
    um die Wälle lässt sich das sicher noch ein paar Jahre hinziehen. Der Baustopp liegt praktisch greifbar in der Luft.
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  •   schmidmi
    (1143 Beiträge)

    18.07.2018 13:34 Uhr
    Verzögerung
    Wird technisch begründet, ist aber ja auch sonst wegen der prekären Situation des KSC nicht ganz unvorteilhaft...
    Oder weiß jemand mit Sicherheit, wie es finanziell um den Verein steht?
    Ich würde mir da schon mehr Transparenz wünschen
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  •   kamaraba
    (647 Beiträge)

    17.07.2018 13:34 Uhr
    Das dicke Ende kommt wahrscheinlich erst noch
    ARTIKEL 55 BEIHILFEN FÜR SPORTINFRASTRUKTUREN UND MULTIFUNKTIONALE FREIZEITINFRASTRUKTUREN
    Die Sportinfrastruktur darf nicht ausschließlich von einem einzigen Profisportnutzer genutzt werden. Auf die Nutzung der Sportinfrastruktur durch andere Profi- oder Amateursportnutzer müssen jährlich mindestens 20% der verfügbaren Nutzungszeiten entfallen. Wird die Infrastruktur von mehreren Nutzern gleichzeitig genutzt, so sind die entsprechenden Anteile an den verfügbaren Nutzungszeiten zu berechnen.
    Quelle: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/C-D/checkliste-beihilfen-sportinfrastrukturen-multifunktionale-freizeitinfrastrukturen.pdf?__blob=publicationFile&v=4

    Wenn die EU nach Recht und Gesetz vorgeht ist der Fisch gegessen.
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  •   Shmuel_K
    (335 Beiträge)

    17.07.2018 12:51 Uhr
    Denkt an meine Worte:
    Der Rückbau der Wälle wird noch eine mehrere Meter tiefe Augrabung/Abtragung zur Folge haben, weil der Boden darunter mittlerweile auch kontaminiert ist.
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  •   Hartz4Bomber
    (363 Beiträge)

    17.07.2018 14:32 Uhr
    bietet sich da nicht ein Durchstich
    zum Kombitunnel an, wenn sowieso gebuddelt werden muss?
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  •   Hüttenkäse
    (421 Beiträge)

    17.07.2018 18:11 Uhr
    Sollte der KSC nicht im Kombitunnel spielen...
    ... ein Aufstieg wäre da nach jedem Duschen möglich!
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  •   betablocker
    (3670 Beiträge)

    17.07.2018 11:39 Uhr
    Nüssli GmbH aus Deutschland?
    Nie im Leben, die sind aus der Schweiz! grinsen
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  •   Rundbau-Gespenst
    (10710 Beiträge)

    17.07.2018 14:00 Uhr
    schweizer
    GmbH ???

    Die sind GmbH in D, aber haben den Sitz in CH.
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  •   Hartz4Bomber
    (363 Beiträge)

    17.07.2018 11:31 Uhr
    Bis das Ding
    mal endlich fertig ist spielt der KSC in der Regionalliga, oder ist bereits insolvent. grinsen
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  •   Rundbau-Gespenst
    (10710 Beiträge)

    17.07.2018 13:20 Uhr
    manche Leute
    scheinen sich ja mit so etwas auszukennen.
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