Karlsruhe Erst die Wälle, dann der Rest: Bauablauf für neues KSC-Stadion wird geändert

Die Erdwälle im Stadion rings um das Spielfeld des Karlsruher SC haben sich als größere Herausforderung im Neubau der Sportstätte erwiesen als zunächst angenommen. Das hat nicht nur erhöhte Kosten zur Folgen, sondern auch einen veränderten Ablauf der Bauarbeiten. Nach dem neuen Plan sollen jetzt die Wälle komplett und nicht schrittweise abgebrochen werden. Für die Fans gibt es während des Umbaus provisorische Tribünen.

Der Neubau des KSC-Stadions benötigt eine neue Freigabe der Karlsruher Stadträte: Stimmen sie der aktuellen Gemeinderatsvorlage zu, dann verteuert sich der Neubau des Stadions von 114 auf 123 Millionen Euro. Bauherrin Stadt Karlsruhe und Mieter KSC haben den Umfang der "funktionalen Leistungsbeschreibung" (FLB) anpassen müssen, um die Kosten im Rahmen zu halten. 

Konkrete Maßnahmen vorgestellt

In der FLB hatten die Stadt, der KSC und externe Berater im Spätjahr 2016 festgehalten, wie das neue Stadion ausgestattet sein soll. Damals war es den Bietern aus der Bauwirtschaft freigestellt, was sie mit den Erdwällen um das Spielfeld machen wollen, also ob sie integriert oder abgetragen werden. Im Dezember wurde bekannt: Die Bieterangebote liegen alle über dem gesetzten Kostenrahmen: Lange war nicht genau klar, wo sich die Mehrkosten verbergen - Stadt und KSC verwiesen auf die Geheimhaltungspflicht während des Ausschreibungsverfahrens.

Am Freitag legten Stadt und KSC bei einem Pressegespräch die Karten nun auf den Tisch, nannten konkrete Zahlen und Maßnahmen: Die FLB ist wie ursprünglich vorgesehen in dem Kostenrahmen nicht umsetzbar. Das hätten die Lösungsvorschläge der teilnehmenden Bieter ergeben. Alle eingegangenen Angebote liegen nicht im Kostenkorridor. Deshalb wurde nun der Rotstift angesetzt.

KSC verzichtet auf Funktionsflächen und zahlt Parkhaus, Stadt übernimmt dafür Wall-Entsorgung

Unter anderem wurde geprüft, ob der Spielbetrieb für die Bauzeit ausgelagert werden kann, was aber mangels Möglichkeiten verworfen wurde. Der Karlsruher SC verzichtet dafür auf die Einrichtung von Provisorien für den Geschäftsbetrieb und auf Nutzungsflächen im späteren Stadion. Weiter baut der Verein das Parkhaus für Gäste und Geschäftspartner des Vereins selbst - geschätzte Kosten: Rund zehn Millionen Euro. Die Stadt übernimmt im Gegenzug die "Vorabmaßnahmen zur Kampfmittelerkundung" - also den Abbau der Erdwälle - Kostenpunkt: rund neun Millionen Euro.

Grafik Stadionumbau
So soll das Stadion nach Ende des Wall-Abrisses aussehen. Die Grünen Flächen skizzieren die Laufwege der Stadionbesucher. Im blauen Tribünen-Bereich sollen die KSC-Fans Platz finden, im roten Bereich die Gästefans. Außenrum soll das neue Stadion gebaut werden. | Bild: Stadt Karlsruhe

Als Begründung für diesen Schritt nannte Mentrup eine Verringerung des Risikos, dass sich die Baukosten erheblich erhöhen und sich die Bauzeit verlängert. So könne dem späteren Bauunternehmen ein reines Feld übergeben, auf dem ohne weitere Zusatzkosten durch Kampfmittelentsorgungen gebaut werden kann.

Großteil der Erde soll im neuen Stadion verbaut werden

"Das Ziel der Maßnahme ist es, dem Totalunternehmer (Anm. der Redaktion: Das Unternehmen, das später mit dem Neubau beauftragt wird) ein kampfmittelfreies Baufeld zu übergeben", so Oberbürgermeister Frank Mentrup beim Pressegespräch. Das heißt, dass bereits vor dem Neubau die Erdwälle abgetragen werden sollen. Die verunreinigte Erde soll entsorgt werden, der Rest soll später im Neubau wieder verarbeitet werden. Mentrup rechnet damit, dass rund 80 Prozent der Erde wieder benutzt werden können.

Das macht aber eine Änderung des Bauablaufs nötig. Ursprünglich war vorgesehen, die Tribünen nach und nach abzureißen und neu zubauen. Mit dem Vorhaben, bereits im Vorfeld die Erdwälle abzutragen, ist diese Variante nun nicht mehr möglich. Stattdessen wird die Tribünenanlage rings um die Haupttribüne abgerissen, das Erdmaterial abgetragen, neben dem Stadion gesichtet und umgelagert. Das verunreinigte Material wird abtransportiert, die saubere Erde wieder verbaut.

 

Hilfs-Tribünen sollen Fans Platz bieten

Damit die Fans während des Umbaus die Spiele des Karlsruher SC verfolgen können, sollen nun Ersatz-Tribünen zum Einsatz kommen. Diese sollen an den jeweiligen Stirnseiten des Fußballplatzes für rund drei Millionen Euro entstehen (diese sind in den zwölf Millionen Euro für die Vorabmaßnahmen enthalten). An der Nordseite sollen auf den provisorischen Tribünen etwa 5.000 Heimfans Stehplätze finden. Auf der Südseite soll der Gästeblock sowie ein neutraler Block für rund 4.200 Fans auf Stehplätzen entstehen. Insgesamt würde das Wildparkstadion während der Bauphase damit 15.400 Zuschauer aufnehmen können.

Ersatz-Tribüne
Zwei solcher Ersatz-Tribüne sollen im Wildpark entstehen, um den Fußball-Fans auch während der Bauzeit Platz zu bieten. | Bild: Stadt Karlsruhe

Sofern das neue Konzept am Dienstag vom Gemeinderat abgesegnet wird, sieht die Zeitschiene vor, dass im Oktober 2018 der Vollumbau an ein Unternehmen vergeben werden soll. Im November 2018 soll dann der Abbruch der Wälle erfolgen. Bis März 2019 soll zunächst die nördliche Ersatz-Tribüne entstehen, bis August 2019 dann die südliche Tribüne. Im November 2019 könnte dann die rund zweijährige Bauzeit für das neue Stadion beginnen. Wenn alles nach Plan läuft, rollt der Ball also Ende 2021 erstmals im neuen Wildpark.

Die Diskussion unter diesem Beitrag ist geschlossen - zum Thema kann unter dem Artikel "KSC-Stadion kostet jetzt 123 Millionen Euro: Erdwälle enthalten, Parkhaus nicht" diskutiert werden.

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