"35. Division, Ihren Gefallenen. 1939-1945", prangt es in roten Lettern auf dem grauen Stein am Haydnplatz in der Karlsruher Nordweststadt. Aufgestellt wurde das Denkmal im Jahr 1964 von den Überlebenden der 35. Infanteriedivision der Wehrmacht, die ab 1936 in Karlsruhe stationiert war, in Gedenken an ihrer verstorbenen Kameraden.

Warum steht das Denkmal in der Kritik?

Heute, gut 40 Jahre später, gilt das Denkmal als düsteres Sinnbild der deutschen Nachkriegsvergangenheit: "Die 35. Division war an schweren Kriegsverbrechen in der Sowjetunion beteiligt", heißt es in einem Schreiben einer Allianz verschiedener Friedensaktivisten, die sich dafür einsetzt, das Denkmal nicht länger unkommentiert stehen zu lassen. Sie besteht aus der Deutschen Friedensgesellschaft, dem Friedensbündnis Karlsruhe und der Initiative für ein Friedensdenkmal in Karlsruhe

Tatsächlich steht das Denkmal schon länger in der Kritik. Vor mehr als einem Jahr stellte die Gemeinderatsfraktion der Linken eine Anfrage an das Gremium - Recherchen des städtischen Stadtarchivs und des Kulturamtes zeigten, wie tief die Division in die Grausamkeiten des Krieges verwickelt war.

Brandstiftung, Raub, gezielte Erschießungen, schwere Misshandlungen von Frauen und Kindern - die Liste der Gräueltaten der Division ist lang. Zusammengefasst sind diese in einem sogenannten Symposium, das das Kulturamt sowie das Stadtarchiv im November 2014 anfertigte.

Wie kann es sein, dass die Soldaten trotz ihrer Taten von ihren überlebenden Kameraden 1964 mit einem Denkmal mitten in der Fächerstadt geehrt werden konnten? "Das Denkmal ist ein steingewordener Überrest eines Umgangs mit der NS-Geschichte, der einen nicht hinterfragten Soldatenmythos pflegte. Darin erscheint die Wehrmacht als ehrbare Institution, 'sauber' gegenüber der 'verbrecherischen SS', heißt es in der Stellungnahme der Stadt zur Linken-Anfrage mit Blick auf den fragwürdigen Umgang mit den Gräueltaten nach dem Ende des Krieges.

Denkmal soll verhüllt werden

Das Denkmal stilisiere die Einsätze der Hitlerwehrmacht und besonders der 35. Division zum Opfergang, heißt es in der Stellungnahme weiter. Das entsprach, so die Verwaltung, dem damals üblichen Umgang mit der Nazi-Vergangenheit. Dieser habe den Angriffskrieg und die begangenen Verbrechen in der Sowjetunion verschwiegen. Das sehen auch die Friedensaktivisten so: "Das Denkmal stilisiert Täter zu Opfern. So wird deutsche Geschichte umgedeutet", mahnen sie an.

Die Aktivisten wollen das Denkmal am kommenden Freitag, 8. Mai ab 18 Uhr mit Stoff verhüllen. Dieser wird mit bemalten Steinen am Boden befestigt. Der 8. Mai 1945 gilt als als Tag der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht und damit als offizieller Tag des Ende des. 2 Weltkrieges. Er jährt sich am kommenden Freitag also zum 70. Mal.

Die Stadt Karlsruhe hat die Aktion genehmigt - allerdings darf die Verhüllung nur bis zum 25. Mai bleiben. Danach soll der Stein wieder enthüllt werden - dann jedoch mit einem kritischen Kommentar versehen: "Nachgedacht wird beispielsweise über eine Stele oder ein Kunstwerk", wird die Leiterin des städtischen Kulturamtes, Susanne Asche, auf Nachfrage von ka-news zitiert.

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