Für die Bürger dürfte nach dem vergangenen Corona-Gipfel ein Stein vom Herzen gefallen sein, denn: Ab März werden deutschlandweit sukzessive Öffnungen eingeführt, die wieder ein Stück weit in Richtung Normalität führen sollen. Doch die Freude wird auf der wöchentlichen Pressekonferenz der Stadt ein wenig getrübt. Der Grund: Auch wenn im Frühling und Sommer die Zahlen erfahrungsgemäß wieder nach unten sinken, so könnte es in den kalten Monaten erneut zu einer Corona-Welle kommen. 

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Das Problem: Inzwischen verlagert sich der Schwerpunkt der Neuinfektionen von den jüngeren Generationen wieder auf die älteren, ungeimpften Bürger. Das führe wieder zu mehr Todesfällen.

"Omikron ist noch lange nicht vorbei"

"ich möchte an dieser Stelle nochmal an alle über 60-Jährigen appellieren, sich jetzt noch impfen zu lassen, bevor durch die Auflösung der ganzen Einschränkungen das Infektionsgeschehen nochmal angekurbelt wird. Denn Omikron ist noch lange nicht vorbei", sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup zu Beginn der Pressekonferenz am Donnerstag.

Dies gelte auch für diejenigen, die noch keine Booster-Impfungen erhalten hätten oder deren Booster-Impfung bereits mehrere Monate zurückliege. Die zweite Booster Impfung kann aktuell jeder erhalten, der über 70 Jahre alt ist oder entsprechende Vorerkrankungen vorweisen kann.

Oberbürgermeister Frank Mentrup zeigt sich solidarisch mit allen Betroffenen des Ukraine-Russland-Krieges.
Oberbürgermeister Frank Mentrup | Bild: Carsten Kitter

Dieser Appell habe laut dem OB vor allem deswegen Gewicht, da im Herbst neue Varianten oder gar alte Varianten "aufflackern" und so eine weitere Corona-Welle entfachen könnten. Umso wichtiger sei es, neben der einrichtungsbezogenen Impfpflicht auch die allgemeine Impfpflicht weiter voranzutreiben "Wenn wir mit dieser niedrigen Impfquote in den Herbst starten, dann laufen wir Gefahr, wieder in einen Versorgungs- und Infektionsnotstand zu kommen wie im Herbst 2021", so der OB.

"Mit 20 Mill. Ungeimpften kommen wir nicht sicher in den Winter"

Doch es gibt noch einen weiteren Punkt, den Mentrup am Donnerstagnachmittag bei der Pressekonferenz anspricht. Laut neuesten Datenergebnissen zufolge soll eine überstandene Infektion mit Omikron nicht den immunologischen Schutz bieten, wie es bei den vorherigen Varianten der Fall gewesen ist. "Es ist ein Trugschluss zu denken, dass eine Infektion mit Omikron eine Grundimmunisierung ersetzen kann."

Michael Geißler ist medizinischer Geschäftsführer am Städtischen Klinikum in Karlsruhe.
Michael Geißler ist medizinischer Geschäftsführer am Städtischen Klinikum in Karlsruhe. | Bild: Thomas Riedel

Das bestätigt auch Michael Geißler vom Städtischen Klinikum. 

"Dass alle sich bis in den Sommer durchinfizieren, das löst unser Problem nicht. Der langfristige Schutz wird nur durch die Doppel- beziehungsweise dreifach Impfung, durch die Infektion plus Booster-Impfung oder durch die Impfung plus Durchbruchsinfektion erzielt. Das sind die drei Szenarien, die uns sicher durch den nächsten Winter bringen", so Geißler ergänzend. 

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Nach derzeitigem Erkenntnisstand schützte die Booster-Impfung vor einer Krankenhauseinweisung zwischen 90 und 92 Prozent. Nach etwa vier Monaten baut der Schutz auf etwa 66 bis 78 Prozent ab. "Das ist viel besser als es beispielsweise bei einem Influenza-Impfstoff der Fall ist", so Geißler. 

Es wird weiter geimpft in Deutschland gegen das Coronavirus.
Es wird weiter geimpft in Deutschland gegen das Coronavirus. | Bild: Bernd Weißbrod/dpa

Hinsichtlich der beschlossenen Lockerungsschritte blickt er allerdings mit Sorge in Richtung Herbst: "Dass auf Augenmaß gelockert wird, finde ich richtig. Aber ich halte es für inkonsequent, wenn den Bürgern erst gesagt wird 'es wird alles wie früher' und dann geht das Spiel im Herbst wieder von vorne los. Mit den 20 Millionen Ungeimpften werden wir nicht sicher in den nächsten Winter kommen." In diesem Zusammenhang macht sich Geißler auch für eine allgemeine Impfpflicht, die noch in diesem Jahr kommen solle, stark.

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