Wir haben Glück. Von all den schlechten Regierungsformen haben wir mit der Demokratie immer noch die beste erwischt. Zumindest wenn es nach Aristoteles geht. Der griechische Philosoph war der Meinung, dass ein weiser König eigentlich die beste Variante wäre. Der könnte dann selbstlos und schlau zum Wohle aller entscheiden. Dummerweise ist bei dieser Regierungsform die Gefahr groß, einen nicht ganz so weisen und nicht ganz so selbstlosen König zu erwischen, sondern einen, der eher an sich und weniger an sein Volk denkt. 

Da ist die Demokratie dann doch das kleinere Übel, findet Aristoteles - stark vereinfacht ausgedrückt. Entscheidungen dauern zwar länger und das Ergebnis ist auch nicht immer das Beste für alle, aber wenigstens durften alle mitreden.

Mitreden dürfen jetzt auch alle bei Stuttgart 21. Dass die Menschen im Land per Volksentscheid zumindest indirekt über ein solches Milliardenprojekt mitentscheiden dürfen, ist neu. Die Diskussion darüber ist es nicht - und sie wird auch nach dem Volksentscheid weitergehen. Das Problem ist nämlich, dass sich sowohl die Befürworter wie auch die Gegner des Bahnhofs für Aristoteles' weisen König halten - und eine demokratische Entscheidung damit eigentlich völlig unnötig ist. Schließlich wissen beide genau, was richtig und für das Volk das Beste ist. 

Diesen Eindruck bekommt man jedenfalls, wenn man an den Info-Ständen mit Gegnern wie Befürwortern über das Bahnhofs-Projekt diskutiert. Volksabstimmung? Gerne. Aber wehe es kommt die falsche Entscheidung dabei raus. Dass es bei einem Volksentscheid gar nicht um richtig oder falsch geht, scheinen beide Seiten im Eifer des Gefechts gerne zu vergessen. Dabei ist gerade das entscheidend. Dass mündige Bürger in einer Demokratie eben auch das Recht haben, sich für das vermeintlich falsche Kreuz auf dem Stimmzettel zu entscheiden. Welches auch immer das falsche Kreuz ist.

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