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Karlsruhe Bahnen rollen durch den Tunnel: Großer "Stresstest" im Frühjahr 2021

Wie fühlt es sich an, mit der Bahn durch den neuen Tunnel unter der Kaiserstraße zu fahren? Einen ersten Vorgeschmack hat es am Dienstag gegeben: Die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) hat zur gemeinsamen Testfahrt geladen. Wir haben die Impressionen für euch.

Eine Handvoll Journalisten, Oberbürgermeister Frank Mentrup sowie die Kasig-Geschäftsführer Frank Nenninger und Alexander Pischon durften am Dienstagmittag "unter Tage" steigen und ausprobieren, wie es sich so fährt - im Karlsruher Untergrund.

Bild: Corina Bohner

Seit Anfang August rollen die Bahnen durch den Kaiserstraßen-Tunnel und testen die Ausstattung: Gecheckt werden Abstände zu Bahngleisen und Betonwänden sowie Signalgebung und Weichenstellungen. 

Was wird getestet?

Die ersten Testfahrten fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt: Getestet wurden vor allem die baulichen Gegebenheiten. Passt der Abstand von Bahnsteigkante zu Bahntritt-Brett? Ist genügend Abstand zur Wand? Ist genug Platz, wenn sich Bahnen in der Kurve neigen? Alle diese Fragen wurden mit verschiedenen Fahrzeugtypen getestet.

Bild: Needham|Mohawkvisuals

Als klar war: Das passt alles, sei man sehr erleichtert gewesen, so Alexander Pischon, Kasig-Geschäftsführer im Gespräch mit ka-news.de. Derzeit werden die Signalanlagen auf Herz und Nieren geprüft - so auch bei der Fahrt am Dienstag.

Bild: Needham|Mohawkvisuals

Auf dem Programm stand das Zugsicherungssystem: Das System stellt den technischen Dialog zwischen den fahrenden Bahnen einerseits und den im Tunnel und den sieben unterirdischen Haltestellen eingebauten stationären Einrichtungen wie Signalen oder Geschwindigkeitsbegrenzungseinrichtungen sicher. So werden beispielsweise für die Bahnen nach zuvor festgelegten Parametern die Signale auf "rot" oder "grün" gestellt.

Fahrt bis zum Durlacher Tor

Los ging die Testfahrt durch den Karlsruher Untergrund am Dienstagnachmittag an der neuen Haltestelle Lammstraße. Schon beim Abstieg in die unterirdische Haltestelle lässt sich erkennen, wie es nach der Fertigstellung hier einmal aussehen wird. 

Bild: Corina Bohner

Nach über zehn Jahren Baustelle ist es ein fast unwirkliches Gefühl - die erste Fahrt durch den Bahntunnel der Kaiserstraße - hier durch die künftige Haltestelle Durlacher Tor:

Mit zirka 30 km/h ging es von der Haltestelle Lammstraße entlang der Haltestellen Marktplatz, Kronenplatz, Durlacher Tor bis zum Betriebshof Gerwigstraße. Dort wurde gewendet und es ging  zurück in Richtung Stadtmitte. Später werden die Bahnen mit bis zu 60 km/h durch den Tunnel fahren.

Bild: Corina Bohner

Welche Bahn darf durch den Tunnel?

Der Fuhrpark von Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) und der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) umfasst derzeit zirka 330 Bahnen - fast alle dürfen auch im Tunnel fahren. "Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Bahnen umgerüstet", so Pischon. Zirka 30 Hochflur-Fahrzeuge werden noch durch neue Modelle ersetzt - dann ist die Bahnflotte komplett tunneltauglich.

Alexander Pischon
Alexander Pischon | Bild: Needham|Mohawkvisuals

Notwendig waren brandschutzrechtliche Verbesserungen an den Sitzen (neue Polster) und der Deckenverkleidung. Zudem musste die Notbremse für die Fahrten im Tunnel angepasst werden. Auch beim Personal muss bis zur Inbetriebnahme noch geschult werden: 450 VBK sowie 420 AVG-Fahrer müssen Theorie und Praxis für die Tunnelfahrt pauken - hinzu kommt weiteres Personal wie zum Beispiel in der Leitstelle.

Großer "Stresstest" im Frühjahr 2021

Wie es mit dem Bahnbetrieb in Normalbetrieb passt, wird sich kommendes Jahr zeigen. Der große "Stresstest" soll im Frühjahr 2021 laufen: Dann werden alle Linien nach dem künftigen Fahrplan durch den Tunnel fahren. Ursprünglich war er mal für Dezember vorgesehen, inzwischen geht man bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) von der ersten Jahreshälfte aus. Rund 1.000 Fahrten stehen für den großen Test an.

Wasserschaden hat keine Auswirkungen

Ab Dezember 2021 sollen alle Fahrgäste die Tunnelfahrt antreten dürfen - dann soll sowohl der Straßenbahn- als auch der Autotunnel in der Kriegsstraße fertig sein. Eigentlich sollten die Bahnen bereits im Juli 2021 fahren können - doch ein Wasserschaden vor rund zwei Monaten machte den Projektverantwortlichen einen Strich durch die Rechnung.

"Inzwischen bin ich mir sicher, dass wir Juni 2021 als Termin hätten halten können", so Frank Nenninger im Gespräch mit ka-news.de. Doch jetzt müssen Kabel getauscht werden. Derzeit sei zwar alles betriebsbereit - "aber nicht langfristig". Um in einigen Jahren keine  weiteren Wasserschäden zu haben, müssen die Kabel jetzt umgerüstet werden.

Corina Bohner im Gespräch mit Frank Nenninger.
Corina Bohner im Gespräch mit Frank Nenninger. | Bild: Needham|Mohawkvisuals

Und was sagt die Kostenprognose?

Festnageln lassen, will man sich nicht. "Unvorhergesehenes kann immer passieren", so Pischon, "so wie der Wasserschaden im Juli." Aber bislang ist man zuversichtlich, die 1,5 Milliarden Euro Gesamtkosten halten zu können.

ka-news-Hintergrund: Die Kombilösung 

Die Karlsruher Kombilösung besteht aus dem Bau eines 2,4 Kilometer langen Bahntunnels unter der Kaiserstraße und eines 1,6 Kilometer langen Autotunnels unter der Kriegsstraße mit oberirdischen Gleisen. Seit 2010 wird an der Kombilösung gebaut. Ursprünglich sollte der Straßenbahntunnel Ende 2015 und der Autotunnel Ende 2019 eröffnet werden.

Die Bahnen werden nach Fertigstellung in der Karlsruher Innenstadt zukünftig in einem T-förmigen Tunnelsystem fahren: Vom Mühlburger Tor bis zum Durlacher Tor entsteht ein Ost-West Tunnel, ab dem Marktplatz zusätzlich ein Südabzweig bis zur Höhe Augartenstraße. Die Inbetriebnahme des Stadtbahntunnels ist für Winter 2021 geplant.

Der Autotunnel wird zwischen Karlstor und der Ludwig-Erhard-Allee gebaut.  Darüber wird eine Bahntrasse mit Fußgänger-und Radwegen angelegt.  Nach sollen oberirdische Gleise und darunterliegender Autotunnel im Dezember 2021 in Betrieb genommen werden.

Der Artikel wurde aktualisiert.

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  •   Apu
    (94 Beiträge)

    26.08.2020 21:06 Uhr
    Wundert es noch jemand
    das tickets so teuer sind? Ich denke bald wird die 3 euro marke gesprengt. Die stadt benötigt geld. Dazu bekommem die 1000 mitarbeiter der AVG rückwirkend zum 1. Januar bis kommenden jahres fast 4% mehr Gehalt oder wahlweise 3 tage mehr Urlaub.
    Alle 2 jahre eine solche Gehaltserhöhung, ich hab den flaschen job. Angestellter der stadt karlsruhe müsste man sein
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  •   Karlsruhesohn
    (87 Beiträge)

    29.08.2020 11:57 Uhr
    Aha
    Also kann jz die Stadt Karlsruhe was dafür das du kein guten Job hast.
    Wie wäre wenn du dich bei der AVG/VBK bewirbst dann hast au nix zu Meckern.
    Die Lösung liegt manchmal so Nah wenn man den Kopf einschaltet😃😎
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  •   Apu
    (94 Beiträge)

    29.08.2020 17:40 Uhr
    Lesen scheint schwerer..
    zu sein als angenommen. Texte und deren Inhalte verstehen wohl ebenso.
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  •   udoh
    (1861 Beiträge)

    26.08.2020 15:59 Uhr
    Rettungswege sehen noch schmaler als erwartet aus
    Bei dem was man auf dem Bild im Bereich einer Rampe so als "Rettungsweg" erkennen kann, kann man wirklich nur beten, dass im Tunnel nie eine brenzliche Situation entsteht, bei denen die Fahrgäste "flüchten" müssen.
    Aber zum Glück kennen wir "Betriebsstörungen" ja nur vom Hörensagen
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  •   ALFPFIN
    (7339 Beiträge)

    26.08.2020 08:27 Uhr
    Karlsruher U-Bahn
    " ist es ein fast unwirkliches Gefühl - die erste Fahrt durch den Bahntunnel der Kaiserstraße "
    Ein unwirkliches Gefühl, dass nach einer Bauzeit mit jahrelanger Verspätung und Kostensteigerungen in "luftiger Höhe" , da unten, wenn auch probeweise tatsächlich eine Bahn gefahren ist?
    Oder entsteht ein unwirkliches Gefühl , weil in diesem Tunnel (hoffentlich nicht), zum Beispiel wieder Wasser rieseln könnte und man jetzt mal im Trockenen gefahren ist.
    Aber was soll's, die frommen Kacheln unseres Karlsruher Künstlers L. geben uns dann Trost. 😊
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  •   IchKA
    (883 Beiträge)

    26.08.2020 13:01 Uhr
    Stresstest ???
    den hatte die Karlsruher eine Dekade lang, dabei sollte es nach den vollmundigen Versprechen beim Bau der kleinsten U-Bahn der Welt kaum Beeinträchtigungen geben. Eine Projekt, dass zumindest in Karlsruhe Stadt die Mehrheit nicht wollte und dessen trickreicher Durchsetzung einem Schurkenstück ähnlich sein könnte.
    Eine dritte Bürgerentscheidung wurde clever verwaltungsrechtlich abgebügelt, weil die Tendenz einer Ablehnung offenbar war, nachdem vieles an Licht kam und das mittlerweile evident geworden ist. Die Hoffnung auf Belebung der Innenstadt und Teilfinanzierung durch höhere Gewerbesteuereinnahmen haben sich jetzt bereits zerschlagen. Verzweifelt ringt das Rathaus nach Innenstadt-Konzepten um vom Milliardengrab zu retten, was zu retten ist. Die finanziellen Konsequenzen werden die Stadtgesellschaft noch sehr sehr lange beschäftigen zu Lasten von vielen wichtigen Dingen, die hinten runter fallen werden. Die Lüperz-Genesis wird zum Symbol für einen Abgesang
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  •   NeoTiger
    (725 Beiträge)

    26.08.2020 11:27 Uhr
    Rieselndes Wasser wäre kein Problem
    Wie jeder versiegelte Tunnel hat auch der Karlsruher U-Strab-Tunnel ein Drainage- und Pumpensystem welches ihn kontinuierlich trocken pumpt, da sich mit der Zeit einströmender Regen, kondensierende Luftfeuchtigkeit und durch die Tübinge-Dichtungen eindringedes Grundwasser in ihm sammeln wird. Der Rohrbruch hat es halt nur komplett überfordert.
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  •   357.Magnum
    (142 Beiträge)

    26.08.2020 06:36 Uhr
    eine völlig sinnlose Verschwendung von Steuergeldern
    nur weil sich CDU/FDP/SPD ein Denkmal errichten wollten, über Jahrzente wird der U-Strab die Finanzen von Karlsruhe ruinieren, die Wähler müssen ihnen bei den nächsten Wahlen die rote Karte zeigen!
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  •   Karlsruhesohn
    (87 Beiträge)

    29.08.2020 12:00 Uhr
    Samal
    Bist du schon mal regelmäßig von der Tullastr bis zum Entefang gefahren wenn ned dann mach des doch bitte mal bis der Tunnel frmertig ist.
    Dann weißt das die Steuergelder mehr als gut investiert waren. 💪👍😃
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  •   Buddha
    (68 Beiträge)

    26.08.2020 09:24 Uhr
    Am besten bei der OB Wahl anfangen....
    und die PARTEI wählen!
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