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Karlsruhe Verzögerung durch Wasserschaden: Stadtbahntunnel geht erst ein halbes Jahr später in Betrieb

Bis die Bahnen im Regelbetrieb durch die Tunnel der Kombilösung fahren können, wird es länger dauern als geplant: Ein Wasserschaden - ausgelöst durch den Bruch einer Bauwasserleitung Ende Juni - wirft die Planungen rund ein halbes Jahr zurück. "Wir haben uns alle angestrengt, um den Zeitplan - trotz Corona - zu halten. Dann passiert so ein Mist - das ist unerträglich", so Oberbürgermeister Frank Mentrup.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 23. bis 24. Juni, ist es passiert: Gegen 2 Uhr nachts brach die Kupplung einer fünf Zentimeter dicken provisorischen Bauwasserleitung in der unterirdischen Haltestelle Europaplatz. Rund 190.000 Liter Wasser, das unter anderem für Putzarbeiten und Kernbohrungen genutzt wird, bahnten sich daraufhin mit vier bis sechs Bar Druck ihren Weg durch das Gleisbett in Technikräume sowie Kabelschächte in Richtung der unterirdischen Haltestelle Lammstraße.

In Kabelschächten stand Wasser fast zwei Meter hoch

"Vier bis sechs Zentimeter hoch stand das Wasser unter anderem auf dem Rohfußboden, 1,80 Meter in den Kabelschächten. Schaltschränke mit der empfindlichsten Technik sind höchstwahrscheinlich aber nicht betroffen", erklärt Frank Nenninger, Geschäftsführer der städtischen Bauherrin, der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig).

In den Schächten unter dem Gleisbett wird nun heiße Luft benutzt, um alles zu trocknen. | Bild: Melissa Betsch

Man habe daraufhin versucht, das Wasser abzupumpen und mit warmer Luft und einem Kondenstrockner die Feuchtigkeit herauszuziehen. "Wir haben allerdings gemerkt, dass unsere Gerätschaften hier nicht ausreichen und haben uns am Samstagnachmittag daher entschieden, die Feuerwehr hinzuzuziehen", so Nenninger.

Kasig-Chef Frank Nenninger (l.) und Matthias Schmidt, technischer Prokurist der Kasig, | Bild: Melissa Betsch

Kabel müssen erneuert werden, Kosten im siebenstelligen Bereich

Zusammen mit Oberbürgermeister Frank Mentrup und Matthias Schmidt, technischer Prokurist der Kasig, macht er sich am Donnerstag - mehr als eine Woche nach dem Wasserrohrbruch - selbst ein Bild von dem Ausmaß der Schäden. "Man sieht nun fast nichts mehr, das ist erst einmal beruhigend", sagt Mentrup. 

Auch in den Betontrögen an den Haltestellenwänden stand das Wasser. | Bild: Melissa Betsch

Viel technisches Gerät und vor allem viele Kabel seien allerdings beschädigt worden, das alles müsse nun zurückgebaut und erneuert werden, "damit uns nach der Inbetriebnahme nicht irgendwelche Schäden Schwierigkeiten machen", so Mentrup. Ein Verschulden der Kasig schließt das Stadtoberhaupt aus. Man befinde sich derzeit in Gesprächen mit den Versicherungen und gehe davon aus, dass der Schaden - geschätzt auf einen siebenstelligen Betrag - als Versicherungsfall gehandhabt wird.

"Man kann heute schon feststellen, dass der ehrgeizige Zeitplan nicht zu halten ist"

Auf den Zeitplan hat der Zwischenfall da schon größere Auswirkungen: Weil die defekten Teile ausgetauscht werden müssen, wird sich "die Aufnahme des Vollbetriebs", die für Juli 2021 geplant war, um rund sechs Monate nach hinten verschieben, so Mentrup. "Man kann heute schon feststellen, dass dieser sehr ehrgeizige Plan nicht zu halten ist."

Oberbürgermeister Frank Mentrup | Bild: Melissa Betsch

Für den Bauablauf selbst soll der Wassereinbruch allerdings keine Folgen haben. Vorher geplante Termine wie Übergabe, Training und Probebetrieb könne man daher voraussichtlich halten. "Wir werden das geordnet, Step-by-Step, durchführen. Ich vermute aber nicht, dass uns das halbe Jahr nicht reicht", sagt Frank Nenninger. Nun gelte es aber erst einmal, sich den Wasserschäden im Tunnel anzunehmen. 

Sicherheit im Bahntunnel nicht gefährdet

"Feuer vertragen die Kabel besser als Wasser", so der Kasig-Chef. Sie drohen aufzuquellen und müssen deshalb zurück- und wieder neu eingezogen werden. Aufgebohrt werden müsse aber nichts mehr. Daher ist Nenninger auch so erleichtert, dass nur die Wasserleitung für den Schaden verantwortlich ist. "Wenn es eine Undichtigkeit gewesen und Grundwasser in den Tunnel eingedrungen wäre, dann hätten wir evakuieren müssen - das wäre der Super-GAU gewesen." 

In dieser Richtung liegt die Haltestelle Europaplatz. Von dort kam das Wasser. | Bild: Melissa Betsch

Weil die Ursache und das Ausmaß des Schadens allerdings zuerst nicht klar erkennbar gewesen seien, habe man mit der Bekanntgabe des Wasserrohrbruchs auch so lange - rund eine Woche - gewartet. "Es hat Tage gedauert, bis das Wasser überhaupt bemerkt wurde, weil es sich in den ganzen unterirdischen Anlagen aufgestaut hatte. Erst seit Montag und Dienstag klären sich so langsam die Fragen", erklärt Oberbürgermeister Mentrup. 

Bis zur Haltestelle Lammstraße (Hintergrund) zieht sich der Wasserschaden. | Bild: Melissa Betsch

Die Sicherheit des Stadtbahntunnels vor solchen Zwischenfällen sieht er, im Hinblick auf die Zeit nach der Inbetriebnahme, aber nicht gefährdet. "Es ist einfach eine unglückliche Verkettung von Umständen, die alle nur etwas mit dem Baubetrieb zu tun haben", sagt er. Frank Nenninger ergänzt: "Wir prüfen natürlich ständig die Leitungen, einen solchen Vorfall in dieser Größenordnung wird es im Endzustand nicht mehr geben."

"Das steckt man nicht so leicht weg"

Für die Verantwortlichen ist das aktuell aber nur ein schwacher Trost - gerade mit Blick auf den nicht zu haltenden Zeitplan. "Es gilt jetzt Augen zu und durch, aber natürlich ist das ein herber Rückschlag. Zuerst kämpfen wir gegen Corona und jetzt das - das steckt man natürlich nicht so leicht weg", sagt Kasig-Geschäftsführer Nenninger.

Die Inbetriebnahme der Kombilösung wird sich um mehrere Monate verzögern. | Bild: Melissa Betsch

Auch Frank Mentrup findet die nun vergeudeten Mühen, die Inbetriebnahme rechtzeitig starten zu können, "unerträglich". Dennoch: "Wenn wir den Zeitplan so jetzt weiter halten können, dann kann ich das verschmerzen. Wenn es parallel noch gelingt, die Kriegsstraße bis Dezember 2021 fertigstellen können, können wir beide Projekte gleichzeitig in den Fahrplan integrieren - und das hat natürlich auch was."

 

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  •   Weichei
    (757 Beiträge)

    05.07.2020 15:56 Uhr
    190.000 Liter Wasser das ist der reinste Wahnsinn.
    Damit koennte ich meinen POOL
    2 und 1/2 mal auffuellen. 190.000 Menschen koennten einen Liter Wasser an einem Tag, entweder zum trinken, Toilette spuelen ofer zum Duschen verwenden.
    Der Uebeltaeter der hierfuer verantworlich ist, sollte sich fuer 190.000 Tage nicht mehr waschen duerfen
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  •   IchKA
    (924 Beiträge)

    04.07.2020 17:55 Uhr
    Ähm
    kostet die kleinste U-Bahn der Welt jetzt ein klein wenig mehr oder zahlt das die Versicherung, oder vielleicht nicht wegen Fahrlässigkeit...
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  •   freigeist
    (612 Beiträge)

    03.07.2020 16:29 Uhr
    Warum die Kabel getauscht werden sollen
    erschließt sich nicht so ganz. Diese kabel werden ebenso im Erdreich vergraben und sind dort teilweise auch ständig der Feuchtigkeit ausgesetzt.Es werden ja vor in Betriebnahme verschiedene Messungen durchgeführt (Mantelfehlermessung etc)und nur wenn diese messungen positiv verlaufen sind wird tatsächlich eingeschaltet. Die kabelmäntel sind also in Ordnung und da diese nicht aus papier bestehen sollte da auch kein Schaden entstanden sein.Ebenso die Verbindungen (Muffen),auch diese sind im Normalvall Wasserdicht.
    So kann also nur an offenen Enden ein Schaden entstehen,nur dürfen offene Stellen niemals vorhanden sein .Wo waren da die Endkappen ? Und warum verlegt man nicht Längswasserdichtes kabel,was wenn es durch Brannt zu einem Schaden kommt ?Steht dann die Stadt Monatelang ohne Bahn da?
    Was für eine Planung ?!
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  •   dipfele
    (5847 Beiträge)

    03.07.2020 22:09 Uhr
    In den BNN steht heute.....
    …. die Kasig hat Befürchtung, dass die Kabelisolierung aufquellen könnte.
    Schaden am Betonbau seien nicht feststellbar. Das ist beruhigend.
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  •   freigeist
    (612 Beiträge)

    04.07.2020 00:05 Uhr
    Die Kabel z.B.
    der Telekom liegen oft Monatelang in den Kabelschächten im Wasser und quellen auch nicht auf und haben als Außenmantel das gleiche Material. Der einzige Grund wäre das Wassser in die Kabel an den offenen Enden eingetrungen ist.Eigentlich werden aber alle Kabel bei den Energieversorgern an diesen Stellen aber abgeschrumpft,eben das die dann dicht sind. Außerdem gibt es auch Längswasserdichte Kabel und dann müßte man nur einige Meter auswechseln,zwar nicht gerne gemacht bei 20kV aber auf alle Fälle machbar.
    Das mit dem aufquellen klingt für mich etwas Abenteuerlich. und habe ich in 40 Jahren Kabel und Netzbau selbst noch nie gesehen oder auch gehört.
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  •   Scheuerleiste
    (226 Beiträge)

    05.07.2020 11:30 Uhr
    Aber aber,
    Herr Freigeist,
    sehen Sie sich doch mal Bild 4 an.Und finden Sie den/die Fehler.
    Das ist keine ordentliche Kabel/ Leitungsverlegung sondern ein Elektrotechnischer Saustall! Mehr muß man da nicht sagen,kreuz und quer durcheinander.Was haben Signalkabel auf der Leistungstrasse zu suchen?
    Wenn das als ordentliche Arbeit abgeliefert wird und auch noch durchgeht möchte ich gerne die Anschlussfelder in den Schränken und Verteilern sehen.Oder lieber nicht?
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  •   freigeist
    (612 Beiträge)

    05.07.2020 20:04 Uhr
    Stimmt,saubere Arbeit schaut anders aus.
    Wahrscheinlich ist man der Meinung,da Unten schaut Eigentlich niemand so richtig hin.Auch scheint die sichtbare Kabelpritsche leer zu sein. Nicht umsonst sollen unterschiedliche Leitungen Abstände bei der Verlegung einhalten.Ich treffe ja kommende Woche in paar Leute von der NetzeBW,da muss ich echt mal nachfragen ob Ihnen schon Kabel auf Grund von Feuchtigkeit aufgequollen sind,mir ist das bisher völlig unbekannt aber man lernt ja nie aus.
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  •   Iglaubsnet
    (790 Beiträge)

    03.07.2020 15:37 Uhr
    Nicht gerade klug
    die Kabel auf der Tunnelsohle zu verlegen! Mit eindringendem Wasser ist bei Tunneln immer zu rechnen.
    Unsere studierten Verwalter haben halt nix über das reale Leben gelernt, nur viel gehört über Verwaltung.
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  •   heaven
    (852 Beiträge)

    03.07.2020 14:56 Uhr
    BER
    ist auch nicht an einem Tag abgesoffen!
    ...oder war's dort der Brandschutz?
    Verzögerungsgründe lassen sich wohl immer finden 😉
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  •   Reger
    (314 Beiträge)

    03.07.2020 13:03 Uhr
    Nichts Neues
    Klappt hier in Karlsruhe irgendetwas mal auf Anhieb?
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