2  

Karlsruhe Rundgang "im Schatten des Stadtbahntunnels": Spannende Einblicke in die Baustelle unter der Kriegsstraße

Dass in gar nicht allzu ferner Zukunft Autofahrer Karlsruhe unterirdisch durchqueren können, daran erinnert die Einwohner tagtäglich die kilometerlange Baustelle entlang der Kriegsstraße. Noch jedoch wirkt hier das meiste äußerlich mehr wie ein Rohbau als ein fertiger Autotunnel, dabei soll das Jahrhundertbauwerk schon Ende des Jahres in Betrieb gehen. Doch der äußere Schein trügt, das wird ka-news.de-Redakteur Carsten Kitter bei einem Besuch auf Karlsruhes größter Baustelle schnell klar. Wie es "unter Tage" aktuell aussieht - ein Rundgang in Bildern.

Es ist ein eisig kalter Mittwochmorgen und große Schneeflocken fallen vom Himmel, als ich mich mit Achim Winkel, Pressesprecher der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), an der Ludwig-Erhard-Allee treffe. Schon von Weitem ist die Rampe sichtbar, in der in weniger als einem Jahr tausende Autos in den Tunnel ein- und ausfahren werden. Dieser wie ein dunkler Schlund wirkende Tunnelabgang ist unser Ziel. Während oberhalb Autos und Lkws über die Straßen brummen und Fußgänger und Fahrradfahrer ihren Besorgungen nachgehen, steigen wir jetzt "unter Tage" - in den neuen Autotunnel unter der Kriegsstraße.

Achim Winkel (KASIG) links, führt durch die Kombilösung.
Kasig-Sprecher Achim Winkel (l.) führt ka-news.de-Redakteur Carsten Kitter durch den Autotunnel. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

"Der Autotunnel steht schon immer im Schatten des Stadbahntunnels. Nach dem Motto: 'Ach da wird ja auch noch was gebaut', doch auch hier gibt es viel Spannendes zu entdecken", erklärt mir Winkel zu Beginn. Und wie ich schon kurz darauf erfahre: Er sollte recht behalten.

Bis auf Höhe des Mendelssohnplatzes ist der Asphalt bereits eingebaut.
Bis auf Höhe des Mendelssohnplatzes ist der Asphalt bereits eingebaut. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Denn kaum im Tunnel angekommen, richtet sich mein Blick auf den langen "Betonschlauch", der sich vor mir scheinbar in die Unendlichkeit erstreckt. Gebaut wurde und wird die neue unterirdische Ost-West-Verbindung Karlsruhes in offener Tunnelbauweise. Das bedeutet: Im Gegensatz zum Stadbahntunnel unter der Kaiserstraße war hier kein Bohrer im Einsatz. "Baugrube ausheben und wasserdicht machen, die Außenwände und die Mittelwand betonieren und Deckel drauf", erklärt mir Achim Winkel stark verkürzt die Vorgehensweise der vergangenen Jahre.

Hier endet der Asphalt. Danach geht es auf Beton weiter.
Hier endet der Asphalt. Danach geht es auf Beton weiter. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Die Rampe hinunter und die ersten 300 Meter bis auf Höhe des Mendelssohnplatzes ist die künftige Straße schon asphaltiert. Einzig die Fahrbahnmarkierungen fehlen noch. Nichtsdestotrotz wird der Tunnel schon fleißig befahren: Kaum sind wir die Rampe hinabgestiegen, folgt ein Betonmischer. Immer wieder ziehen während unseres Rundgangs verschiedene Fahrzeuge an uns vorbei.

Ein Betonmischer fährt Material in den Südtunnel und überholt uns.
Ein Betonmischer fährt Material in den Südtunnel und überholt uns. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Neben den ersten Metern Asphalt ist auch das Abwasser und - vor allem - das Feuer-Löschsystem installiert und theoretisch auch betriebsbereit, so Winkel. Kürzlich  habe sich Feuerwehr Karlsruhe selbst von der Funktionsfähigkeit der fest montierten Hydranten überzeugt. "Wenn sie im Notfall funktionieren müssen, dann funktionieren sie auch", so der Kasig-Sprecher über die in regelmäßigen Abständen über den gesamten Tunnel verteilten "Wasserspender". Das regulär anfallende Abwasser - beispielsweise bei starkem Regen - wird dagegen über drei Hebewerke in die über dem Tunnel liegende Kanalisation gepumpt.

In regelmäßigen Abständen finden sich Notausgänge und Fahrtunnelquerungen.
In regelmäßigen Abständen finden sich Notausgänge und Fahrtunnelquerungen. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Ebenfalls in regelmäßigen Abständen - zirka alle 150 Meter - befinden sich Fluchttüren mitsamt Notausgang-Zeichen. "Im Notfall können Autofahrer so in den Tunnel flüchten, in dem kein Brand oder ein anderer Notfall ist. Dort bekommen die Autofahrer dann 'Rot' gezeigt, damit auch nichts Schlimmeres passiert", erklärt Winkel die Vorgehensweise und ergänzt: "Aus der 'schmutzigen Röhre' in die 'saubere Röhre.'" Das Sicherheitssystem im Tunnel sei hierfür auf dem modernsten Stand. 

Blick über den Asphalt, die Erhöhung (Entkopplung) zum Tunnelboden im Hintergrund ist zu sehen.
Blick über den Asphalt, die Erhöhung (Entkopplung) zum Tunnelboden im Hintergrund ist zu sehen. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Dennoch werde hier im Grunde genommen nur "ein ganz normaler Tunnel gebaut, der, wenn er fertig ist, nicht unbedingt anders aussieht als andere", meint Winkel. Die Daten des "ganz normalen Tunnels": 1,6 Kilometer lang, rund fünf Meter hoch und zwischen 350 und 400 Millionen Euro teuer. Damit nimmt der Autotunnel, an dem seit 2017 gebaut wird, mitsamt neuer oberirdischer Gleistrasse den deutlich kleineren Anteil des mittlerweile rund 1,5 Milliarden Euro großen Budgets der Kombilösung in Anspruch.

Achim Winkel (rechts)  im Interview.
Achim Winkel (r.) im Interview. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Den bereits asphaltierten Teil des Tunnels haben wir inzwischen schon eine Weile hinter uns gelassen, mittlerweile gehen wir auf nacktem, grauen Beton in Richtung Ettlinger Tor. Und auch hier gibt es einiges zu entdecken.

Links: Die Zufahrt in den Tunnel am Ettlinger Tor. Hier ordnet sich der Verkehr auf zwei Fahrspuren ein. Rechts: Die Fahrspur vom Karlstor kommend.
Links: Die Zufahrt in den Tunnel am Ettlinger Tor. Hier ordnet sich der Verkehr auf zwei Fahrspuren ein. Rechts: Die Fahrspur vom Karlstor kommend. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Da wären zu Beispiel die künftigen Ein- und Ausfahrtsrampen, die wir nun - noch zu Fuß - in Richtung Tageslicht erklimmen: Für Autofahrer wird es später durch sie möglich sein, sich auch "mitten im Tunnel" in den Verkehr einzufädeln.

Tunnelausfahrt am Ettlinger Tor. Oben angekommen stehen wir dann direkt vor dem ECE-Center.
Tunnelausfahrt am Ettlinger Tor. Oben angekommen stehen wir dann direkt vor dem Einkaufscenter. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Wer zudem vom Mendelssohnplatz in Richtung Karlstor unterwegs ist, kann die Ausfahrt nutzen und so oberirdisch über die Lammstraße in das Parkhaus des Einkaufscenters fahren, denn: Die Einfahrt ins Parkhaus über die Kriegsstraße wird es nach der Vollendung der Kombilösung nicht mehr geben. 

Blick von oben: Hier entsteht die zukünftige Tunnelanbindung des Ettlinger Tor.
Blick von oben: Hier entsteht die zukünftige Tunnelanbindung des Ettlinger Tor. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Dafür wird es "in Zukunft einen direkten Anschluss vom Tunnel in das Parkhaus geben", erklärt Winkel. Es besteht also die Möglichkeit, vom Tunnel ins Parkhaus und vom Parkhaus wieder in den Tunnel zu fahren. Dazu kommt der Weg von der Bahnhaltestelle direkt ins Center. Welche Möglichkeiten es gibt, erklärt Achim Winkel auch noch einmal im Video.

Zurück im Autotunnel geht es jetzt in Richtung Karlstor ans westliche Ende des Autotunnels. Hier spielt sich momentan die meiste Arbeit am Tunnelbauwerk ab - das macht uns auch einer der riesengroßen roten Kräne klar, die um das Karlstor verteilt sind. "Der kommt in den nächsten Wochen auf die andere Seite, dann können wir auch hier den Deckel drauf machen", sagt Achim Winkel. Aktuell ragt der Kran nämlich noch imposant aus dem Tunnel heraus in die Höhe. 

Blick unter das Karlstor.
Blick auf einen Baukran unter dem Karlstor. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Wenige Schritte weiter - unter einem Gerüst hindurch - sehen wir wieder Tageslicht und stehen plötzlich direkt unter der provisorischen Brücke für die Bahnen, die in Richtung Europaplatz fahren. "Hier am Karlstor finden gerade die letzten zehn Prozent des Tunnel-Rohbaus statt, während ja zeitgleich im Tunnel schon der Innenausbau läuft", meint Winkel.

Am Karlstor, direkt unter den Behelfsbrücken für die Stadtbahnen. Hier ist der Tunnel noch im Rohbau.
Am Karlstor, direkt unter den Behelfsbrücken für die Stadtbahnen. Hier ist der Tunnel noch im Rohbau. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Die provisorische Bahnbrücke wird noch bis April ihren Dienst verrichten, "dann wird sie ausgehoben und es kommt auch hier der Deckel drauf. Dann haben wir es geschafft", blickt Winkel in die Zukunft. Fast ein wenig Erleichterung ist ihm anzumerken, als er mir erklärt, dass es beim Autotunnel - im Gegensatz zum Stadtbahntunnel - bislang keine zeitlichen Verzögerungen zu verzeichnen gebe.

"2016 sollten die Bahnen eigentlich schon fahren, beim Autotunnel hat bisher alles geklappt wie geplant", so Winkel und ergänzt: "Wir sind optimistisch, dass wir im Dezember planmäßig eröffnen können." 

Alle Eindrücke von unserem Baustellenrundgang in der Galerie:

Mehr zum Thema
Kombilösung Karlsruhe | ka-news.de: Baufortschritt, Mehrkosten, Sperrungen und Verzögerungen: Mehr Infos und Fotos von der Karlsruher Kombilösung finden Sie in unserem Dossier!
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (2)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   IchKA
    (1117 Beiträge)

    02.02.2021 10:34 Uhr
    Superspannend
    besser als ein Krimi. Interessant auch zu sehen, dass der Beton von einer Firma aus Stuttgart herangekarrt wird. Siehe Foto. Offensichtlich gibt es in der Region zwar Sand und Kies aber wohl keinen Beton.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Waterman
    (6525 Beiträge)

    01.02.2021 08:56 Uhr
    Danke für den informativen Bericht.
    Wäre auch gerne dabei gewesen.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.