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Karlsruhe Karlsruher "Straßenbahnpapst" Dieter Ludwig gestorben: Der Mann, der uns das Bahnfahren erleichterte

Dieter Ludwig, Straßenbahn-Visionär aus Karlsruhe, ist am Donnerstag im Alter von 81 Jahren - einen Tag nach seinem Geburtstag - gestorben. Er war ein Macher, ein Denker und hat sich bis ins hohe Alter nie zurückgelehnt. Sein "Vermächtnis" für Karlsruhe und viele Städte weltweit: er hat das innerstädtische und außerstädtische Eisenbahnnetz miteinander verschmelzen lassen.

Dieter Ludwig galt als Visionär im Verkehrswesen. Über 30 Jahre lang war er bei der Stadt Karlsruhe angestellt - im Dienste der Straßenbahn. Selbst in seinem Ruhestand hat sich Ludwig nicht zurückgelehnt und war als Berater aktiv. Als die ka-news.de-Redaktion im vergangenen Jahr ein Interview mit ihm vereinbaren möchte, stellte sich heraus: bei seinem vollen Terminkalender gar nicht so leicht.

"Ich komme viel herum und kenne überall Leute", sagte Dieter Ludwig, damals 80 Jahre alt. "Ich muss etwas gestalten können!" Morgens lange ausschlafen, beim ausgiebigen Frühstück gemütlich die Zeitung lesen, ein Mittagsschläfchen machen und sich dann aufs Abendessen freuen - das sei nicht seine Welt.

1976: Ernennung Stadtoberbaurat Dieter Ludwig zum Leiter VBK
1976: Ernennung Stadtoberbaurat Dieter Ludwig zum Leiter VBK | Bild: Stadtarchiv Karlsruhe: 8/BA Schlesiger A/31/10/3/19

Die wohl größte Erfindung Ludwigs ist das "Karlsruher Modell" - die Verknüpfung städtischer Straßenbahnen und überregionalem Eisenbahnverkehr. Er entwickelte Fahrzeuge, die durch eine doppelte technische Ausstattung auf beiden Schienennetzen fahren konnten. Jungfernfahrt war im Jahr 1992 - auf der Strecke von Karlsruhe nach Bretten.

Heute profitieren viele Bahngäste, nicht nur in Karlsruhe sondern auf der ganzen Welt, von seiner Innovation. Keine Umstiege, kein langes Warten an den Haltestellen, stattdessen die durchgängige Fahrt vom Land in die Stadt. Das haben wir Dieter Ludwig zu verdanken.

Auch Oberbürgermeister Frank Mentrup würdigt das Leben und Wirken des Karlsruher Ehrenbürgers: "Mit ihm ist eine geschätzte und profilierte Persönlichkeit von uns gegangen, die sich beispielhafte Verdienste um Stadt und Gemeinwohl erwarb", so der Rathaus-Chef in einer Pressemeldung.

Frank Mentrup (SPD), Oberbürgermeister von Karlsruhe, aufgenommen beim Rathaus Karlsruhe.
Frank Mentrup (SPD), Oberbürgermeister von Karlsruhe, aufgenommen beim Rathaus Karlsruhe. | Bild: Uli Deck/Archivbild

"Gegen den scheinbaren Trend für den motorisierten Individualverkehr erkannte er die Zeichen der Zeit und setzte auf einen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Im wahrsten Wortsinn hat er viel in und für Karlsruhe bewegt."

Dieter Ludwig: Lebenslauf und Engagement

15. Juli 1939: 
geboren in Dortmund
5. März 1958: Reifeprüfung am humanistischen Karl-Friedrich-Gymnasium in Mannheim
1958 bis 1963: Studium des Bauingenieurswesens an der Technischen Universität in Karlsruhe, Schwerpunkt: Verkehrswesen. Diplom-Abschluss am 15. Januar 1964
1965 bis 1967: Baureferendariat bei der Deutschen Bundesbahn
7.Juli 1967: Ablegung der Großen Staatsprüfung für den höheren technischen Verwaltungsdienst
8. Juli 1967: Übernahme in die Dienste der Deutschen Bundesbahn
1. Januar 1971: Übernahme in die Dienste der Stadt Karlsruhe
6. September 1972: Bestellung und Bestätigung als weiterer stellvertretender Betriebsleiter der Straßenbahnbetriebe der Stadt Karlsruhe (Verkehrsbetriebe)
1. Januar 1976: Ernennung zum Werkleiter der Stadtwerke (Verkehrsbetriebe)
11. Mai 1976: Bestätigung als verantwortlicher Betriebsleiter der Straßenbahnbetriebe der Stadtwerke Karlsruhe (Verkehrsbetriebe)
1. Januar 1978: Bestellung zum Geschäftsführer und oberster Betriebsleiter der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG)
15. November 1993: Bestellung zum, Geschäftsführer des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV)
25. Juli 2003: Bestellung zum Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft mbH (Kasig)


Weitere Tätigkeiten und Engagement … 

… im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)
… im Internationalen Verband für öffentliches Verkehrswesen (UITP)
… in der Vereinigung Kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA)
… im Versicherungsverband Deutscher Eisenbahnen (VVDE)
… in der Berufsgenossenschaft der Straßen-, U-Bahnen und Eisenbahnen
… im Bundesverband Deutscher Eisenbahnen, Kraftverkehre und Seilbahnen e.V. (BDE)
… im Versicherungsverband deutscher Eisenbahnen
… im Kommunalen Arbeitergeberverband Baden-Württemberg (KAV)
… im Arbeitgeberverand Deutscher Eisenbahnen e.V.
… in der Berufsgenossenschaft der Straßen-, U-Bahnen und Eisenbahnen
… im Verein für den zwischenbetrieblichen Vergleich der öffentlichen Verkehrsbetriebe
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  •   FCKSUV
    (426 Beiträge)

    18.07.2020 21:30 Uhr
    De mortuis nil nisi bene
    Über die Toten nur Gutes!

    Pfui, die Tunnelgegner lassen keine Gelegenheit aus, um nachzutreten. Akzeptiert endlich eure Niederlage, und geht eure Wunden lecken.
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  •   Freigeist1
    (1422 Beiträge)

    19.07.2020 12:21 Uhr
    So lange der Tunnel den
    Haushalt der Stadt stark beeinträchtigt kann man als Steuerzahler nur aufmerksam und kritisch bleiben. Wenn ich für den Tunnel gestimmt hätte um dann nach und nach mitkriegen würde, was da abgeht, würde ich mich maßlos ärgern. Das eigene Verhalten zu hinterfragen, das ist nicht jedem gegeben. Manchen Menschen ist gar nichts peinlich.
    PS.: Unnütze Ausgaben ohne Nutzen für die Fahrgäste als solche zu kritisieren, das ist auf jeden Fall ganz klar im Sinne des Verstorbenen. So kann man Verstorbene würdigen, indem man den Gesit ihres segensreichen Wirkens aufgreift. Bei Herrn Ludwig war das: Schnelleres, besseres, komfortableres Bahnfahren möglichst vielen Menschen zu ermöglichen. Chappeau.
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  •   Freigeist1
    (1422 Beiträge)

    18.07.2020 15:16 Uhr
    "...der das Bahnfahren revoluzionierte"
    würde ich sagen, statt "Der Mann, der uns das Bahnfahren erleichterte".
    Schade dass beim KVV und der Stadt, der revoluzionäre Geist, tatsächlich echt besseres Bahnhfahren für ganz viele Menschen zu ermöglichen (auch gegen Widerstände), völlig verschwunden zu sein scheint.
    Dabei wäre diese Denkrichtung aktuell notwendiger denn je.
    Millarden zu verballern, ohne Nutzen für die Fahrgäste (im Saldo) - das hätte es bei Lugwig nicht gegeben.
    Um gute Ansätze für die Zukunft zu finden muß man heute nach Strasbourg oder Innsbruck gehen.
    Ein Trauerspiel, was aus Ludwigs Erbe gworden ist.
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  • unbekannt
    (3017 Beiträge)

    18.07.2020 12:09 Uhr
    Das Grundkonzept von Ludwig war ok bis es an den
    Punkt kam, wo die schiere Ausdehnungsgrösse und die damit sichtbaren Nachteile einer Korrektur des Konzeptes bedürft hätten. Das Einzige was von KVV Gottkönig zugelassen wurde, war der schwachsinnige Tunnel und den hat Hr Ludwig trotz der schon am Anfang sichtbaren & beweisbaren Nachteile mit einer Vehemenz verteidigt, dass dafür nicht mal Altersstarrsinn als Begründung ausreicht. Als Chef muss er ganz spezielle Eigenarten gehabt haben, so dass viele Leute einen grossen Bogen um diese Person gemacht haben. Er hat zweifellos seine Verdienste am ÖNV ,allerdings hat sein dogmatisches Konzept der Stadt einen Schuldenberg aufgezwungen , der das Stadtsäckel komplett überlasten wird und technisch die Schlechteste aller Möglichkeiten darstellt
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  •   freigeist
    (610 Beiträge)

    17.07.2020 18:20 Uhr
    Herr Ludwig mag für ein Konzept stehen
    welches über die Ländesgrenze bekannt ist. Aber er war es auch der die U Strab mit allen Mitteln wollte.
    So hat er dafür gesorgt, das soweit möglich, jede Bahn durch die Kaiserstraße gejagt wurde um politisch gewollte Ziele zu erreichen.
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  •   dipfele
    (5829 Beiträge)

    17.07.2020 23:22 Uhr
    Stimmt nicht ganz....
    ..... Ludwig wollte 1996 einen Tunnel für die Regionalbahnen unter der Kaiserstrasse, was von der Bürgerschaft abgelehnt wurde. Die Straba sollte oberirdisch bleiben !!
    Der CDU Fenrich und die SPD waren die treibenden Kräfte für eine strassenbahnlose Shopping- und Flaniermeile. Ludwig und der Baubürgermeister Schott waren Erfüllungsgehilfen vom Fenrich.
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  •   mueck
    (11748 Beiträge)

    18.07.2020 10:11 Uhr
    !
    Und ursprünglich war er ganz gegen eine U.Bahn.
    Das Rausreißen der Gleise oben muss er nun nicht mehr miterleben ...
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  •   acn128
    (5 Beiträge)

    17.07.2020 12:03 Uhr
    Lektor kaputt
    Leider ist Euer Lektor mal wieder kaputt, gerade bei einem solchen Artikel hätte es gut getan, ihn nochmal zu lesen, bevor man auf "Veröffentlichen" klickt.
    Denn die Aussage "Jungfernfahrt war im Jahr 1972 - auf der Strecke von Karlsruhe nach Bretten." kann irgendwie nicht ganz stimmen...

    Und zum Thema:
    Möge er in Frieden Ruhen!
    Dieter Ludwig war ein Visionär, der aber vor allem seinen Job von der Pike auf gelernt hat und auch eine ganz klassische "Karriere" gemacht hat - innerhalb seines Betriebs.
    Er hat sich die Stelle als Betriebsleiter redlich verdient - und war in dieser Position geachtet und respektiert, vor allem auch von seinen Mitarbeiter*innen.
    Und er fuhr auch noch selbst Bahnen durch die Stadt, um auch "Bodenhaftung" zu haben, wie man so schön sagt.

    Derartige Qualitäten findet man bei heutigen "Managern" praktisch gar nicht mehr, leider.

    Es wäre zu wünschen, wenn es heute noch mehr Menschen wie ihn gäbe.
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  •   vielvornichtsdahinter
    (1130 Beiträge)

    17.07.2020 16:19 Uhr
    Also
    ich wünsche mir keine Choleriker in führenden Positionen.
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  •   Freigeist1
    (1422 Beiträge)

    18.07.2020 15:59 Uhr
    Das ist kein schöner
    Charakterzug, da hast du recht. Wobei es glaube ich bei den VBK gerede nach Ludwigs Zeit eine ernste Mitarbeiterbehandlungsproblemtik (lt. Presse) gab.
    Aber den Nahverkehr vor sich hin dümpeln zu lassen wie heute, ohne Pep und Esprit, anscheinend vor allem darum bemüht, keine Fehler mit Rechtsfolgen zu machen, ist für die Bürger und Fahrgäste natürlich weit schlimmer.
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