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Karlsruhe ka-news zu Besuch unter dem Durlacher Tor: So sieht es derzeit in den unterirdischen Haltestellen der Kombilösung aus

Sieben Haltestellen soll die Kombilöung unter der Erde haben, wer von Osten in die Innenstadt fährt, der kommt zuerst in die Haltestelle Durlacher Tor. Während es oben schon fast wieder aussieht wie früher, muss bis Ende 2020, wenn die ersten Bahnen durch den Tunnel fahren sollen, noch einiges getan werden. Ein guter Grund für ka-news-Kollegin Anya Barros sich in den Tiefen des Straßenbahntunnels umzusehen und auf einen exklusiven Rundgang mit Achim Winkel zu gehen.

Montagmorgen acht Uhr in Karlsruhe: Pressesprecher der Kasig, der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft, Achim Winkel, erwartet mich am Durlacher Tor. Gut gelaunt und mit festen Schuhen starten wir Richtung Baufeld, das fast nicht mehr als solches zu erkennen ist. Das sah früher auch anders aus, denke ich mir. Schlimmer, mehr nach Baustelle. Vor dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) steigen wir in den Tunnel ein.

Der Straßenbahntunnel ist ein Teil der Karlsruher Kombilösung: Er verbindet unterirdisch das Durlacher Tor mit dem Mühlburger Tor, am Marktplatz führt der sogenannten Südabzweig ebenfalls unterirdisch in die Ettlinger Straße, wo die Trasse wieder ans Tageslicht überführt wird und die Straßenbahnen in Richtung Hauptbahnhof leitet. Der zweite Teil der Kombilösung besteht aus dem Autotunnel, welcher derzeit zwischen Mendelssohnplatz und Karlstor gebaut wird.

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Abstieg in die aktuelle Baustelle der Kombilösung am Durlacher Tor. | Bild: Tim Carmele

Vorbei an aufgerauten Betonplatten und einer eingepackten Rolltreppe führt eine Holztreppe unter die Erde. "Dass man an den Wänden hier oben die Steinchen sieht, das ist so gewollt. Die glatten Betonwände werden 'gestockt', und dann sieht das so aus", erklärt Achim Winkel, Sprecher der Kasig. Ich staune, denn ich war noch nie in einer der unterirdischen Haltestellen.

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Achim Winkel schreitet zum Interview. | Bild: Tim Carmele

Doch das soll erst der Anfang sein, verspricht mir Achim Winkel. Ein paar Schritte weiter, linker Hand ist ein leerer Aufzugschacht - wir laufen aktuell über die sogenannte Verteilerebene, die sich wie eine Brücke über die Haltestelle spannt. "Das hat jede Haltestelle, die Fahrgäste müssen sich also nicht schon oben entscheiden, welchen Eingang sie nutzen, um zu ihrem Gleis zu kommen!"

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Über eine Brücke können die Passagiere über die Gleise kommen - das ist die Verteilerebene. | Bild: Tim Carmele

Von oben bestaune ich die riesige Haltestelle. "100 Meter sind die Bahnsteige lang, da passt locker eine Doppeltraktion drauf, die hat nämlich nur 80 Meter. Und barrierefrei ist hier auch noch alles", erzählt mir Achim Winkel.

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Die Haltestelle wirkt so riesig. Bis in etwa 4 Meter Höhe werden die Platten auf den Gerüsten angebracht, darüber kommen, ebenfalls in weiß, Trockenbauwände. So soll die Haltestelle sehr freundlich wirken. | Bild: Tim Carmele

Mein Blick richtet sich aber eher auf die Wandverkleidung: An Gerüsten hängen Betonplatten, jede etwa 50 Kilo schwer. Auch für die Kunstwerke von Markus Lüpertz ist noch Platz frei - und für Schaukästen und Infotafeln.

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
An Metallgerüsten hängen die Betonplatten. Die werden erst gegossen und dann gesägt und zum Schluss millimetergenau in der Haltestelle verbaut. | Bild: Tim Carmele

"Die werden aufgehängt, denn mit Fliesenkleber würde das natürlich nicht gehen. Millimetergenau werden die Platten dann ausgerichtet, die Fugen sind alle sehr präzise!" 

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Kein Knick ist in der Fuge, alles wurde millimetergenau angepasst. Davon vergewissern wir uns persönlich. | Bild: Tim Carmele

An manchen Stellen, so kommt es mir vor, hat echt wer mit gedacht, etwa beim Abschluss der Wandverkleidung: "Hier liegen Hohlkehlsteine, die sind halb rund, so können sie besser gereinigt werden", sagt Achim Winkel bei unserem Rundgang im Durlacher Tor. 

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Die Hohlkehlsteine sind die Verbindung zwischen Bodenplatten und Wandverkleidung. Durch ihre halbrunde Form sind sie gut zu reinigen. Nur am Ende einer Wand gibt es eine eckige Kante. | Bild: Tim Carmele

Gut was los hier unter der Erde, ständig piepst ein Baustellenfahrzeug wenn es vorbei fährt - Sicherheit geht schließlich vor. 

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Bild: Tim Carmele

Unter dem Bahnsteig werden später alle Kabel, ob Strom, Telekommunikation oder für die Signale, verlegt. Alle Strippen werden durch Kabelpritschen gezogen. 

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Unzählige Stromleitungen verlaufen entlang den Bahnlinien. | Bild: Tim Carmele

Unter dem Bahnsteig können die Elektriker nur in Hocke arbeiten. Alle paar Meter ist ein Serviceschacht für die Kabel, die hier entlang laufen. So kommen die Mitarbeiter "ein Stockwerk tiefer".

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Kabelmanagment unter dem Gehsteig der Haltestellen. | Bild: Tim Carmele

Jede der Haltestellen bekommt noch einen Technikraum. "Die Aufenthaltsräume für die Fahrer bleiben oberirdisch", bestätigt der Kasig-Sprecher, Achim Winkel. 

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Einer der Serviceräume in den Haltestellen. | Bild: Tim Carmele

"Etwa zehn Meter ist die Haltestelle hoch und der Deckel ist etwa vier Meter unter der Erde. Wäre die Verschalung nicht, dann würden wir hier im Karlsruher Grundwasser stehen", weiß Achim Winkel zu berichten. Ich fühle mich derweil ganz klein der riesigen, unterirdischen Baustelle. 

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Achim Winkel und ka-news-Redakteurin Anya Barros auf ihrem Rundgang durch die Haltestelle. | Bild: Tim Carmele

Das Durlacher Tor ist mit am weitesten fortgeschritten, was den Innenausbau angeht, doch an allen Haltestellen wird parallel gearbeitet. "Auch am Marktplatz hängen schon teilweise die Wandverkleidungen", so Achim Winkel. Wie viel Prozent der Haltestelle sind hier schon fertig, will ich wissen. "Das kann ich so schlecht abschätzen, aber es wird alles bis zur Eröffnung beziehungsweise einem Testbetrieb fertig - es muss fertig werden, und wir liegen gut im Plan!" Das wäre dann 2020 der Fall - das ist momentan der aktuelle Eröffnungstermin für den Tunnel unter der Kaiserstraße.

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Die Rolltreppe ist bereits installiert, aber natürlich geht hier noch nichts - nur die wacklige Holztreppe führt nach unten oder nach oben. Je nach dem wo man hin möchte. | Bild: Tim Carmele

Auf gleichem Weg, wie wir unter die Erde gekommen sind, verlassen wir auch die Haltestelle wieder. Leider funktionieren die Rolltreppen noch nicht, auch wenn sie teilweise schon eingebaut sind. Also ab auf die etwas wacklige Holztreppe und wieder nach oben.

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  •   KA300
    (71 Beiträge)

    22.11.2018 16:27 Uhr
    Kombilösung
    am Dienstag, den 20.11. 2018 war in Frontal 21 ein Bericht zur Kombilösung in Karlsruhe. Die Kosten die anfänglich 425 Mio Euro betrugen belaufen sich mittlerweile auf 1,1 Milliarden Euro. Fertigstellung, wenn überhaupt, nicht vor 2021. Bei einer ZDF Umfrage in Karlsruhe äusserten sich die Passanten äusserst negativ über die Entscheidung sowie den Verlauf dieser Untertunnelung. Und Tunnel-Heinz, nicht Mentrup, war natürlich, auch nach 3 Anfragen vom ZDF, für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Wer soll das alles zahlen? Hinzu kommen noch die mind. 211 Mio Euro für das neue Wildparkstadion! Ich sehe schwarz. Nächstes Jahr werden garantiert wieder die ÖPNV Preise und die Grundsteuer angehoben.
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  •   bingobongo
    (204 Beiträge)

    15.11.2018 09:22 Uhr
    Größenwahn
    Das ist keine U-Bahn, das sind unterirdische Kathedralen. Normale U-Bahn-Haltestellen sind seitliche Erweiterungen der engen und niedrigen U-Bahn-Röhren. Oder solche breiten niedrigen Hallen wie z.B. in Berlin.

    Die Haltestellen in Karlsruhe sind der absolute Wahnsinn von den Abmessungen her, das gibts nicht oft auf der Welt.
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  •   microbit
    (50 Beiträge)

    16.11.2018 21:32 Uhr
    Mal sehen...
    https://de.wikipedia.org/wiki/U-Bahnhof_Olympia-Einkaufszentrum
    https://de.wikipedia.org/wiki/U-Bahnhof_Georg-Brauchle-Ring
    https://de.wikipedia.org/wiki/U-Bahnhof_Hasenbergl

    In den letzten 20 Jahren ist die Tendenz immer mehr zur "großen Halle", gerne auch bis zur Decke des Zwischengeschosses gegangen. Lässt den Raum offener wirken.
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  •   lenkdreiachser
    (390 Beiträge)

    14.11.2018 20:00 Uhr
    Reinigungsfreundlichkeit
    Es ist ja schön, dass man mit den abgerundeten Abschlusssteinen mitgedacht hat. Leider wird man aber mit einem (noch) reinweißen Fußboden reichlich Lehrgeld bezahlen, was den Reinigungsaufwand bzw. den Erhalt eines optischen vertretbaren Zustandes angeht. Manchmal schadet es einfach nicht, aus den Fehlern anderer U-Bahn-Städte zu lernen.
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  •   lenkdreiachser
    (390 Beiträge)

    14.11.2018 20:03 Uhr
    Dieser Link....
    ... sollte nun funktionieren
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1005 Beiträge)

    14.11.2018 19:33 Uhr
    Erfreuliche Nachrichten,
    mit guten Fotos zu den richtigen Details, auch wenn mich doch noch mehr interessieren würden.

    Das Ganze in erfrischend flottem Stil kommentiert.

    Da macht das Lesen Spaß.
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  •   auchmalsenfdazu
    (3143 Beiträge)

    14.11.2018 13:29 Uhr
    Beeindruckend
    "Ich staune, denn ich war noch nie in einer der unterirdischen Haltestellen."

    Dass man als 32jährige Redakteurin tatsächlich noch nie im Leben U-Bahn gefahren ist. zwinkern
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  •   barrosa
    (18 Beiträge)

    14.11.2018 13:31 Uhr
    Das kann ich so...
    ...nicht auf mir sitzen lassen lieber @auchmalsenfdazu! Ts, Frechheit! grinsen
    Ich war schon in einigen U-Bahnen in Europa unterwegs, aber ich war noch nie in einer der Karlsruher U-Strab-Haltestellen - das wollte ich damit sagen. Besser? Sind wir nun wieder gut? :D
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  •   auchmalsenfdazu
    (3143 Beiträge)

    14.11.2018 13:36 Uhr
    ups
    Entschuldigung , mein Fehler. Ich hatte das Wörtchen "der" überlesen. grinsen

    Macht dann von der Bedeutung natürlich was ganz anderes daraus.
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  •   barrosa
    (18 Beiträge)

    14.11.2018 13:38 Uhr
    Passt schon...
    ...man kann ja miteinander reden grinsen
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