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Karlsruhe ka-news auf der Kombi-Baustelle: 20.000 Tonnen Stahl für den Autotunnel verbaut, Platzmangel lässt Arbeiten zur Herausforderung werden

Nicht nur die Straßenbahn wird die Karlsruher Innenstadt in Zukunft unterirdisch durchqueren, sondern auch die Autofahrer können abtauchen: Zur Kombilösung gehört nämlich neben dem U-Strab-Tunnel auch der Autotunnel unter der Kriegsstraße. Und die Bauarbeiten laufen auch Hochtouren: ka-news-Mitarbeiterin Sophia Wagner hat sich das Treiben im Untergrund einmal angeschaut.

Vom Karlstor bis zur Ludwig-Erhard-Allee: Auf einer Länge von 1,6 Kilometern wird sich der Autotunnel ab 2021 unter der Kriegsstraße hindurchziehen, und so den Verkehr in der Innenstadt entlasten. In den vergangenen Monaten wurden für den weiteren Erdaushub Prüfungen auf Dichtigkeit durchgeführt und außerdem betoniert, verfüllt und verdichtet, was das Zeug hält.

Bei laufendem Betrieb durch die Baustelle

Nach meinem ersten Besuch im U-Strab-Tunnel vor wenigen Wochen, nun also ein Rundgang auf der Baustelle in der Kriegsstraße: Ich habe mir den Fortschritt bei einer Baustellenbesichtigung der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) einmal aus nächster Nähe angeschaut.

Tunnelrundgang Kombilösung
Hautnah dabei: Besichtigung der Baustelle bei laufendem Betrieb. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Bei gutem Wetter und guter Laune sind wir hautnah am Geschehen auf der Baustelle dabei. Unser "Reiseleiter" für den Rundgang, der uns alles erklären wird, ist Thomas von Gierke. Er ist seit 2010 bei den Baustellen der Kasig dabei und hat das Projekt Kombilösung von Anfang an mitbetreut.

Tunnelrundgang Kombilösung
Thomas von Gierke führte durch die Besichtigung. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Wir starten unsere kleine Reise am Mendelssohnplatz. Bahnen rauschen auf der Rüppurrer Straße vorbei, überall auf der Kriegsstraße sind die Baustellen zu sehen. Doch wo ist denn nun der Eingang zum Tunnel? Gut getarnt, mitten im oberirdischen Baufeld, führt eine kleine, verwinkelte Holztreppe hinab in die Tiefe.

Tunnelrundgang Kombilösung
Baustellenbesichtigung unter de Ludwig-Erhard-Allee zum Baustand der Kombilösung. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Wir befinden uns nun acht Meter unter der Erde im Tunnel - besser gesagt im östlichen Tunnelabschnitt O2. Eine riesige, rostfarbene Spundwand trennt dieses Stück noch vom nächsten. "Wir bauen den Tunnel in mehreren abgegrenzten Teilen, um die Sicherheit in der Baugrube zu gewährleisten", so von Gierke.

Tunnelrundgang Kombilösung
Baustellenbesichtigung unter der Ludwig-Erhard-Allee zum Baustand der Kombilösung. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Immer wieder rattern unter dumpfem Getöse die Bahnen über unsere Köpfe hinweg. "An Pfingsten wird die Gleisbrücke für die Bahnen über uns ausgebaut und neu verlegt, damit wir hier weiterbauen können. Der Verkehr wird dann oben kreuzungsähnlich gelotst", erzählt uns Thomas von Gierke.

Tunnelrundgang Kombilösung
Unter der provisorischen Bahnbrücke am Mendelssonplatz: Thomas von Gierke erklärt die kommenden Baumaßnahmen. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Dieser Teil des Bauwerks hat auf jeden Fall schon Form angenommen, aber ganz nach Tunnel sieht das noch nicht aus: Das Sonnenlicht strahlt mitten in den Tunnel, da die Decke noch gebaut werden muss. "Die Wände und der Boden sind schon fertig. Wie man sieht, fehlt nur noch das 'Dach'. Doch wir sind sportlich unterwegs", meint von Gierke motiviert.

Kein Gegenverkehr im Tunnel 

Anders als bei meinem Besuch des Kombibauwerks im Straßenbahntunnel kommt es mir hier unten ganz schön eng vor. "Hier wird es je Richtung auch nur eine Spur mit Pannenstreifen geben", klärt mich von Gierke auf. "Der Tunnel wird durch eine Mittelwand getrennt, sodass es keinen Gegenverkehr geben wird." Also nicht wie es die Karlsruher bisher gewohnt waren, zweispurig die Ost-West-Achse zu befahren. 

Tunnelrundgang Kombilösung
Thomas von Gierke im Gespräch mit ka-news-Mitarbeiterin Sophia Wagner. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Das Grundwasser in Karlsruhe liegt ungefähr vier Meter unter der Oberfläche. Der Autotunnel liegt mit seinen acht bis neun Metern Tiefe darunter. Damit die Autos nun keine nassen Füße kriegen müssen, werden Weichgel-Injektionssohlen eingebaut und Dichtigkeitstests gemacht: "Wir pumpen die Grube aus und schauen dann, wie viel Wasser noch nachläuft", so Thomas von Gierke.

Tunnelrundgang Kombilösung
Baustellenbesichtigung unter der Ludwig-Erhard-Allee zum Baustand der Kombilösung. Das Grundwasser muss aufwändig abgehalten werden. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Nun geht es wieder nach oben. Gegenüber des Scheck-In Centers am Rüppurrer Tor habe ich einen weitläufigen, wenn auch nicht ganz schwindelfreien Überblick auf den östlichsten Tunnelabschnitt O1: Baustelle, soweit das Auge reicht. Die Einfahrts- und Ausfahrtsrampe des Tunnels ist hier schon deutlich zu erkennen. Auch Löschwasser- und Entwässerungsleitungen für die Innenausstattung des Tunnels schauen aus dem Beton heraus.

Tunnelrundgang Kombilösung
Die beiden Verkehrstunnelröhren sind zu sehen, dahinter wird der Verkehr wieder oberirdisch geführt. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Es ist einiges los: Zahlreiche Stahlflechter arbeiten auf einem etwa 10 Meter breiten Feld in der Baugrube am Rohbau des Tunnels. "Wir verwenden hier Eisen mit 28 Millimeter Durchmesser. Zum Vergleich: Wenn Sie beim Hausbau 10 Millimeter-Eisen verwenden, ist das schon ziemlich viel", erklärt von Gierke. Denn Sicherheit geht vor: Der Tunnel soll stabil genug sein, um  Erdbeben standzuhalten .

20.000 Tonnen Stahl für den Tunnel

In der Mitte ragen zahlreiche Eisenpfähle aus dem Boden - hier entsteht die Trennwand, die noch betoniert und später dann verputzt werden muss.

Tunnelrundgang Kombilösung
Die mächtigen Armierungen werden einzeln eingelassen und eingegossen. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Thomas von Gierke verrät einige beeindruckende Fakten zum Tunnel: "Pro Abschnitt bestehen die Decken  aus etwa 34 Tonnen Stahl, die Bodensohle aus etwa 52 Tonnen Stahl und die Wände aus etwa 26 Tonnen Stahl. Im gesamten Tunnel befinden sich 20.000 Tonnen Stahl." Damit das Bauwerk keine Risse bekommt, etwa durch Vibration der fahrenden Autos oder durch Erdbeben, muss es sich selbstständig bewegen können. Dafür haben die Wände der Baugrube einen Glattstrich, der aus Spritzbeton, einer Noppenfolie und einer Gleitfolie besteht.

Herausforderungen beim Bau: der fehlende Platz

Und was muss hier sonst noch getan werden? "Ein Durchgang zum Entwässerungsschacht in der Kapellenstraße muss noch gebohrt werden", so von Gierke. Hier fließt das ganze Wasser hin, das sich bei Starkregen im Tunnel eventuell sammelt. 

Tunnelrundgang Kombilösung
Die Verschalung der Tunnel schreitet voran. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Wir bewegen uns - oberirdisch - weiter in Richtung Ettlinger Tor, mitten durch den laufenden Baustellenbetrieb. Nicht mal zwei Meter neben mir hebt ein Bagger Schutt und Erdreich aus, Staub wirbelt auf. Unsere Gruppe muss aufpassen, den Maschinen nicht in die Quere zu kommen. Unter meinen Füßen befindet sich der - noch nicht fertige - Tunnelabschnitt O3.

Tunnelrundgang Kombilösung
Baustelle auf der Kriegstraße. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Ein paar Meter weiter, auf dem Abschnitt in Höhe der Meidingerstraße: Hier wurden bereits die Bohrpfahlwände und 15 Meter tiefe Schlitzwände mit eingestellten Spundwänden, sowie eine Leitwand eingebaut. Diese sieht man aus dem Boden herausschauen. "Aus Platzgründen aufgrund der zweispurigen Straße neben der Baustelle, zählt für uns hier jeder Quadratmeter ", sagt von Gierke. "Wir wollen ja nicht, dass uns die Autos in die Baustelle fallen."

Tunnelrundgang Kombilösung
Baustellenlandschaft in Karlsruhe | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Schadstoffe im Boden?

Anders als der Straßenbahntunnel wird der Autotunnel in offener Bauweise gebaut. Das heißt: Erst Wände bauen, dann Loch baggern, zum Schluss Deckel drauf. "15 bis 20 Meter lange Seile spannen Ankerdurchführungen auf die Spundwände, damit diese rückverankert werden und die Baugrube auf bis zu drei Lagen stabil umschließen können. Es gibt permanente und temporäre Anker, die mit der Zeit durchrosten.", so von Gierke. Ganz schön riesig, solche Anker, mit denen diese Spundwände gesichert werden. 

Tunnelrundgang Kombilösung
Verankerungen der Baustelle. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Neben uns klafft ein kleines Loch, gerade einmal so groß wie eine Badewanne. Sieht aus, als wäre es von einem Spielzeugbagger ausgehoben worden. Thomas von Gierke erklärt: "Hier wurden vorhin Bodenproben entnommen. Es ist wichtig, dass kostentechnisch geklärt wird, zu welcher Schadstoffklasse das Erdreich gehört. So können wir feststellen, wo es entsorgt werden muss." Damit musste sich auch der KSC beim Stadion-Neubau beschäftigen. 

Tunnelrundgang Kombilösung
Baustelle Kriegstraße. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Auf meine Nachfrage, ob die Fertigstellung des Bauwerks im Zeitplan liege, zeigt sich von Gierke zuversichtlich: "Ende dieses Jahres beginnt der oberirdische Gleisbau, Ende 2020 der Bau der Tunnelausstattung. Wir werden auf jeden Fall bis 2021 fertig sein!" Laut Prognose eines Verkehrsgutachtens werden dann täglich etwa 30.000 Autos durch den Tunnel fahren.

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  •   chris
    (666 Beiträge)

    26.05.2019 10:49 Uhr
    Einspurig?
    Ist der Tunnel nur einspurig pro Fahrbahn? Wie sehen denn die Abfahrten aus dem Tunnel aus in die Karlstraße aus? Stimmt es, dass man vom Tunnel unterirdisch ins Parkhaus des ECE fahren kann?
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  •   mueck
    (10490 Beiträge)

    26.05.2019 12:50 Uhr
    !
    Guckst Du hier, Streckenführung (nicht von der punktstrichlierten Tunnelmittellinie irritieren lassen) und Querschnitte etc.: Ab Ettlinger Tor ostwärts 2 Spuren, sonst reicht eine. Und ja.
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  •   Nico1966
    (242 Beiträge)

    26.05.2019 16:23 Uhr
    Reicht eine .....
    Aha! Siehe ECE-Center wenn sich heute schon (oberirdisch)die Parkhaus-Besucher auf der Kriegstraße zurückstauen.Oder wird die Parkhaus-Zufahrt 500m lang?Ach,ich vergaß wir leben ja in einer Beamten und Studenten-Stadt die kommen ja jetzt alle mit dem Rad !Oder der Straba aus Bruchsal,Ettlingen und Bretten!Wem gehören denn dann die ganzen Autos in der „Schlange“???
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