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Karlsruhe Nach Wasserschaden: Im neuen Karlsruher Bahntunnel müssen dicke 20-Kilovolt-Kabel ausgetauscht werden

Ein Wasserschaden im neuen Karlsruher Bahntunnel zieht die Fertigstellung ein halbes Jahr in die Länge. Welche Kabel beschädigt sind und wie es nun - nach diesem Fiasko - auf der Baustelle unter dem Asphalt der Stadt weitergeht, gibt die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) in ihrem wöchentlichen Baustellenupdate bekannt.

Beim Innenausbau des Stadtbahn- und Straßenbahntunnels ist ein Wasserschaden aufgetreten: "Es wird mit Hochdruck an der Beseitigung gearbeitet", teilt die Kasig in einer Pressemeldung mit.

Der Schaden hat den Planungen einen gewaltigen Strich durch die Zeitplanung gemacht und wird die Inbetriebnahme des Tunnels und der Haltestellen der Kombilösung um sechs Monate verzögern. Statt wie ursprünglich geplant im Juni 2021 werden die Bahnen unterirdisch nun im Dezember 2021 den Fahrgastbetrieb aufnehmen können.

Die Planungen zum Austausch der beschädigten Elektroleitungen laufen: Der Bruch einer provisorischen Bauwasserleitung in der Haltestelle Europaplatz sorgte dafür, dass etwa 200.000 Liter Wasser – das entspricht ungefähr 1.300 Badewannenfüllungen - ins Gleisbett dieser Haltestelle und auch in den Tunnelabschnitt in Richtung der Haltestelle Lammstraße geflossen sind.

Trocknen: In Betriebsräumen unter dem Europaplatz sind Trockner im Einsatz, um die Schalt-schränke vor weiterer Feuchtigkeit zu schützen
Trocknen: In Betriebsräumen unter dem Europaplatz sind Trockner im Einsatz, um die Schaltschränke vor weiterer Feuchtigkeit zu schützen | Bild: Kasig

Auf seinem Weg in den Tunnel gelangte das Wasser auch in Technikräume und in im Beton eingegossene Kabelkanäle, in Kabelschächte und Kabeltröge mit dort bereits verlegten elektrischen Leitungen. Diese - dicke 20 Kilovolt-Kabel ebenso wie dünne Datenkabel – müssen herausgenommen und durch neue Leitungen ersetzt werden.

Baustrom versorgt die Geräte mit Elektrizität

Parallel zu diesen Arbeiten wird der Innenausbau des Stadtbahntunnels weiterhin vorangetrieben. Über den bisher schon genutzten "Baustrom" – ähnlich wie beim "Bauwasser" provisorisch bereitgestellten Leitungen – können die Handwerker ihren Tätigkeiten weiter nachgehen.

Prüfen und ersetzen: Durch den Wasserschaden nass gewordene elektrische Leitungen wer-den wie hier am Europaplatz geprüft
Prüfen und ersetzen: Durch den Wasserschaden nass gewordene elektrische Leitungen wer-den wie hier am Europaplatz geprüft | Bild: Kasig

Bei den laufenden "normalen" Arbeiten des Innenausbaus ist eine weitere Etappe erreicht: Die Klappen für den Rauchabzug funktionieren – das wird derzeit sichergestellt. Immer mal wieder sind derzeit Alarmtöne beispielsweise in der Fußgängerzone Kaiserstraße zu hören, mit warnenden Blinkleuchten öffnet sich eine zuvor unauffällig in den Boden eingelassene große Klappe.

Diese Klappen bedecken Schächte, die durch die Haltestellendecke reichen. Über die Schächte und die im Bedarfsfall geöffneten Klappen wird künftig Rauch aus den Haltestellen abziehen können oder von elektrischen Ventilatoren abgesaugt. Die so genannten "RWA" (Rauch-Wärme-Abzug) gibt es in allen sieben unterirdischen Haltestellen als Teil der Sicherheitsausstattung.

Eingemessen: Der Gleisbau im Tunnel wird immer wieder kontrolliert und optimiert.
Eingemessen: Der Gleisbau im Tunnel wird immer wieder kontrolliert und optimiert. | Bild: Kasig

Von oben sind die Klappen zumeist nur wahrzunehmen, wenn sie sich öffnen. Auf dem Marktplatz beispielsweise erhalten die Klappen denselben Granitbelag wie die gesamte Fläche der neugestalteten "guten Stube" von Karlsruhe. In der Ettlinger Straße liegen die Klappen dagegen im Grünstreifen in der Straßenmitte – bei der sehr nah unter der Oberfläche liegenden Haltestelle Kongresszentrum dienen die Schächte gleichzeitig tagsüber als Lichteinlass.

Lüftungsrohre sorgen für ein gutes Klima unter der Stadt

Indirekt zum Thema Sicherheit gehört auch der Einbau von Lüftungsanlagen für die Betriebsräume: Diese Räume – 4.000 Quadratmeter sind es insgesamt – müssen wegen der dort untergebrachten elektrischen, aber vor allem auch elektronischen Technik trotz der Lage tief unter der Erde stets von Luft durchströmt sein. Sanitärinstallateure arbeiten den Auftragskatalog mit dem Einbau zahlloser Lüftungsrohre ab.

Eingetaktet: Von Osten wächst der Tunnel Richtung Ettlinger Tor – allerdings fehlen hier noch etliche Meter
Eingetaktet: Von Osten wächst der Tunnel Richtung Ettlinger Tor – allerdings fehlen hier noch etliche Meter | Bild: Kasig

Beim Ausbau des neuen Karlsruher Autotunnels bestehen die Arbeiten derzeit aus dem Herstellen der Tunnelsohlen, der Tunnelaußenwände und der Mittelwand, die die Fahrspuren voneinander trennt. Am Karlstor sind noch den Ingenieurbau vorbereitende Bautätigkeiten zu sehen: Die Verlegung eines Kanals ist abgeschlossen, die Gleise über der Kanalbaugrube neu verlegt.

An der Stelle, an der die Autos im Osten der Stadt künftig in den Tunnel einfahren, entstehen die endgültigen Fahrbahnen für Autos und Radfahrer und die Gehwege. Am Mendelssohnplatz müssen für Autofahrer daher noch bis Mitte August Einschränkungen im Bereich der Abbiegespuren hinnehmen.

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  •   IchKA
    (819 Beiträge)

    04.07.2020 00:17 Uhr
    Ähm
    kostet die kleinste U-Bahn der Welt jetzt ein klein wenig mehr oder zahlt das die Versicherung, oder vielleicht nicht wegen Fahrlassigkeit...
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  •   patrickkk
    (1577 Beiträge)

    03.07.2020 17:28 Uhr
    ...
    Zitat von Kasig Diese Räume – 4.000 Quadratmeter sind es insgesamt – müssen wegen der dort untergebrachten elektrischen, aber vor allem auch elektronischen Technik trotz der Lage tief unter der Erde stets von Luft durchströmt sein.


    Sind bei der Flut eigentlich die elektrischen oder die elektronischen Kabel beschädigt worden?
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  •   barheine
    (335 Beiträge)

    03.07.2020 16:08 Uhr
    Shit happens! Wenigstens ist kein Gebäude umgefallen.
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  •   Reger
    (219 Beiträge)

    03.07.2020 15:52 Uhr
    Unglaublich
    Es ist ein Skandal, was dem Karlsruher Bürger hier geboten wird.
    Wir sind ein technologisch hochentwickeltes Land, anscheinend. Aber erst müssen 200 Kubikmeter Wasser auslaufen, bevor die Leitung abgestellt wird. Unfassbar. Wer wird hier zur Verantwortung gezogen?
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  •   dipfele
    (5795 Beiträge)

    03.07.2020 21:50 Uhr
    Der Wachmann.....
    .. der die geplatzte Leitung nicht/zu spät bemerkt hat wird zur Rechenschaft gezogen.
    Aber warum wurde das erst eine Woche später öffentlich gemacht? Nenninger: "Es bestand die Sorge, das am Tunnel etwas undicht sei". Bekanntlich wurde vier-fünf Jahre lang versucht, den Untergrund in der Euro-Haltestelle dicht zu kriegen. Dort muss der Untergrund besonders schlammig sein.
    Wenns wirklich die Bauwasserleitung war, das kann vorkommen. Und wenn der Tunnel 1/2
    ein halbes Jahr später befahren wird, ist auch kein Schaden. Nur wenn das nicht versichert ist und der Steuerzahler wieder aufkommen muss, dann wird's happig.
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  •   silberahorn
    (10365 Beiträge)

    04.07.2020 03:46 Uhr
    Bei Wasserschäden
    kann es durchaus sein, dass es zuerst kaum zu sehen ist. Zweimal in meinem Leben habe ich es gehabt. Das erste Mal war es eine Leitung in der Straße und der ganze Keller eines Mehrfamilienhauses war komplett zwei Meter unter Wasser.
    Beim zweitem Mal war es im Bad einer Wohnung und zuerst dachten wir, dass beim Duschen etwas daneben ging. Das ging stundenlang ganz langsam und immer wieder war etwas Wasser am Boden. Auf einmal wurde es schlimmer und das am Wochende mit Handwerkernotdienst.

    Also, ohne die Bauaufsicht jetzt in Schutz nehmen zu wollen, könnte ich mir als Möglichkeit auch vorstellen, dass man mit Herzklopfen sogar zuerst einmal befürchtet hat, dass Grundwasser eingedrungen ist.
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