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Karlsruhe "Zukunft Innenstadt": Wie geht es in Karlsruhe nach der Kombilösung weiter?

Die Kombilösung schreitet weiter voran. So langsam wird es Zeit, sich die Frage zu stellen, wie es nach Beendigung der Baumaßnahme in der Karlsruher Innenstadt weitergehen soll. Dabei spielt vor allem das Leitprojekt "Zukunft Innenstadt" eine große Rolle.

Um die Bevölkerung über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren, lud die Bürgerinitiative "Ja zur Kombilösung" am Donnerstag zu einer Diskussionsrunde in den K-Punkt, den Informationspavillon der Kombilösung, ein. 

Neben dem Vorsitzenden der Initiative, Dieter Thomann, waren auch der Chef der Karlsruher Schienen-Infrastrukturgesellschaft (Kasig), Uwe Konrath, und Oberbürgermeister Frank Mentrup zu Gast. Die rund 90-minütige Veranstaltung stand unter dem Motto "Blinker gesetzt, Zielgerade voraus" und thematisierte vor allem die Frage, wie es nach dem Bau der Kombilösung in Karlsruhe weitergehen soll. 

K-Punkt Karlsruhe
Im Infopavillon der Kombilösung "K-Punkt" informierten Oberbürgermeister Frank Mentrup und Kasig-Chef Uwe Konrath die Bevölkerung über die aktuelle Sachlage und wie es nach der Kombilösung weitergeht. | Bild: Eric Dewald

Über 50 Bauschritte für eine Haltestelle

Von der Fahrgastinformation bis hin zur Anbringung von Defibrillatoren: Der Ausbau der unterirdischen Haltestellen umfasst laut Kasig-Chef Konrath insgesamt 52 Schritte. Hierbei kam es aufgrund von Problemen im Vergabebereich zu zeitlichen Verzögerungen. So konnte beispielsweise nicht immer ein passender Anbieter oder ein akzeptables Preisangebot für die verschiedenen Arbeiten gefunden werden. "Wir werden nie davor gewappnet sein, bei dieser Vielzahl an Gewerken,  die ein oder andere Behinderung in Kauf nehmen zu müssen. Wir müssen aber in der Lage sein, kreativ damit umzugehen", erklärte Konrath. Verlorene Zeit wolle man hingegen durch den frühzeitigen Einbau der Gleisanlage wieder auffangen. Dieser soll im Januar 2019 erfolgen. 

Auch Oberbürgermeister Mentrup warnte davor, den Ausbau der unterirdischen Haltestellen als "banale Standardarbeit" abzutun. Allein für die über 50 baulichen Schritte bedürfe es 50 bis 70 Ausschreibungen, um die ganzen Gewerke zu organisieren. Die Tatsache, dass jede Haltestelle andere Gegebenheiten aufweise, mache das ganze Unterfangen zu einer logistischen Herausforderung. "Jede Haltestelle hat eine andere Größenordnung und daher andere Zeitabläufe. Man kann nicht einfach siebenmal das selbe bauen", betonte Mentrup. Für die geplante Fertigstellung bis Ende 2020 drückt er weiterhin die Daumen: "Die letzten zwei Jahre erscheinen auf einmal ganz schön kurz, wenn man sieht, was man alles in so einer Haltestelle unterbringen muss!"

Kombi-News
Unterirdische Baustelle der Kombilösung (Symbolbild). | Bild: Kasig

Innovativ und quer

In seiner Rede ging es Mentrup vor allem darum, den Bürgern Ausführungen und Überlegungen aufzuzeigen, wie es nach dem Bau des Stadtbahntunnels in der Karlsruher Innenstadt weitergehen soll. "Mit der Fertigstellung der Kombilösung ist es nicht getan", meinte Mentrup weiter. Man merke derzeit, dass man in absehbarer Zeit nie an einen Punkt kommen werde, "an dem auf einmal alles fertig ist". Nach jedem Ende folgt ein neuer Anfang: etwa die Neugestaltung der Innenstadt nach Fertigstellung der Kombilösung

Der Oberbürgermeister ging auch auf die neuartige IQ-Arbeitsweise der Stadtverwaltung ein. Die Abkürzung IQ stehe dabei für "innovativ" und "quer". Innovativ im Sinne einer agilen, kreativitäts- und innovationsfördernden Arbeitsweise; "quer" stehe hingegen für die beabsichtigte Quervernetzung über Fach- und Hierarchiegrenzen hinweg. 

Ziel des Konzepts sei die frühzeitige Absprache und Vernetzung bei dezernatsübergreifenden Projekten, um so effizienter Entscheidungen zu treffen und Projekte gestalten zu können. Dass das funktionieren kann, zeigte sich laut Mentrup bereits bei Großprojekten wie dem Bau des ECE-Centers oder den Planungen zum neuen Wildparkstadion. Nun wolle man diese positiven Projekterfahrungen in einen dauerhaften Prozess in die Stadtverwaltung integrieren. 

Das Leitprojekt "Zukunft Innenstadt"

Im Zuge dieser mordernisierten Arbeitsweise erhalte jedes der insgesamt sechs Dezernate im Karlsruher Rathaus ein sogenanntes Korridorthema, für welches es die Verantwortung trägt. Das Dezernat 1 rund um Oberbürgermeister Mentrup beschäftigt sich beispielsweise mit dem Korridorthema "Zukunft Innenstadt".

Dass die Gestaltung der Innenstadt nicht immer ganz einfach sei, liege laut Mentrup auch an ihrem besonderen Charakter: "Wir haben eine einzigartige Innenstadt, wo man nicht nur einkaufen, arbeiten oder Dienstleistungen in Anspruch nehmen, sondern auch wohnen kann." Außerdem zeichne sich das Stadtinnere dadurch aus, dass nahezu alle Kultureinrichtungen, die wichtigsten Hochschulgebäude, der Zoo, Grünanlagen und auch der Hauptbahnhof schnell zu erreichen sind. All dies bringt gewisse Herausforderungen mit sich, da man bei der Weiterentwicklung verschiedene Bevölkerungsschichten und deren Bedürfnisse vereinen müsse.  

Kaiserstraße
(Symbolbild) | Bild: Felix Haberkorn

Drei Themen sollen Innenstadt attraktiver machen

Grundsätzlich habe man aktuell drei Leitprojekte, welche man im Rahmen von "Zukunft Innenstadt" verfolgen möchte. Erstes Vorhaben ist das Gutachten zur Zukunftsfähigkeit der City als Einzelhandelsstandort. Mit der Weiterentwicklung der Angebotsvielfalt sowie der Schaffung neuer Flanier- und Aufenthaltsqualitäten will man negativen Trends, wie dem vermehrten Wechsel in den Online-Handel oder Karlsruhes Image als Baustellenstadt, entgegenwirken. Auch im zweiten Leitprojekt "Sanierungsgebiet Innenstadt-Ost" will man vieles im Bereich von Marktplatz bis Durlacher Tor voranbringen. Hier war die Rede von Investitionen in Höhe von rund 90 Millionen Euro. 

Zu guter Letzt wolle man Karlsruhe, nach Aussage von OB Mentrup, stärker durch die Brille der Studierenden betrachten. Mit knapp 40.000 Einwohnern seien die Studierenden eine wichtige Bevölkerungsgruppe der Fächerstadt, die sich vor allem in der Innenstadt aufhalte. Es sei daher wichtig herauszufinden, wie sie die Stadt erleben. Zu diesem Zweck wurde bereits eine Online-Umfrage mit mehr als 1.000 Karlsruher Studierenden durchgeführt; weitere Maßnahmen, wie etwa eine Zukunftswerkstatt im Tollhaus, sollen im Juli folgen. 

Schinkelleuchten statt Flutlichtmasten

Straßenlaterne
Schinkelleuchten sollen historische Plätze aufwerten (Symbolbild). | Bild: pixabay.com @ manfredrichter

Dass die Gestaltung der Innenstadt ein interessantes Thema für die Karlsruher darstellt, zeigte sich an der anschließenden Diskussionsrunde. Dabei war vor allem die Beleuchtung des Marktplatzes ein kontrovers diskutiertes Thema. So forderte beispielsweise die Initiative "Ja zur Kombilösung" die Rückkehr der Schinkelleuchten. Diese könne man im Gegensatz zu sterilen Beleuchtungsmasten, wie man sie bereits in der Kaiserstraße vorfindet, nachweislich weder bekleben noch beschmieren. Außerdem tragen sie nach Meinung der Initiative zur Ausstrahlung des historischen Platzes bei und würden so auch das Erscheinungsbild der "Via Triumphalis" vervollständigen, während die Beleuchtungsmasten eher einer Flutlichtanlage gleichen würden.

Bäume sollen umziehen

Symbolbilder Kaiserstraße 2018
Die Bäume in der Kaiserstraße sollen umziehen. | Bild: Thomas Riedel

Bei ihrer Forderung, den Marktplatz und die Innenstadt gestalterisch separat zu betrachten, berufen sie sich auch auf einen ehemaligen Lichtplan der Stadt. Der besagt, dass jeder historische Platz mit historischen Beleuchtungen ausgestattet werden sollte. "Man kennt Karlsruhe nicht, wenn man behauptet, der Marktplatz sollte gleich gestaltet werden wie die Kaiserstraße", so eine der kritischen Stimmen im Saal. 

Laut Mentrup sieht es die Planung so vor, die Grundgestaltungselemente entlang der Kaiserstraße einheitlich zu halten. Dennoch wolle man an Kreuzungen und Plätzen - wie dem Marktplatz - Individualität zulassen, sodass sie ihren eigenen Charakter nicht verlieren. Darüber hinaus sollen die bisherigen Bäume entlang der Einkaufsstraße entfernt und umgesetzt werden. Der neue Baumbestand in der Innenstadt solle nicht nur vergrößert, sondern auch geschickter platziert werden. 

Marktplatz Karlsruhe ohne Bauzäune
Lange war auf dem Marktplatz nur Baustelle, jetzt soll der Platz wiederbelebt werden. | Bild: Lukas Hiegle

Weitere Einwände seitens der Bevölkerung war die Funktionslosigkeit des Marktplatzes. Dort herrsche aktuell "gestaltungstechnisch tote Hose"; der Ursprungsgedanke eines Besuchs- und Verkaufsplatzes sei schon lange nicht mehr gegeben, man finde dort lediglich Behörden. Würde man den Marktplatz nicht wiederbeleben, so könne dieser seine eigentliche Funktion nicht mehr erreichen. Die Wiederbelebung sei auch das Ziel: Ein attraktiver großer Veranstaltungsplatz in der Mitte der Stadt, von welchem man die ganze Innenstadt erschließen könne. 

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  •   Rino
    (280 Beiträge)

    30.03.2019 03:17 Uhr
    Ales ganz einfach
    Raus aus der Einöde ist die Devise:
    Schuhe gibts in Grötzingen und Kandel,
    Klamotten in Ettlingen, Landau und Mannheim,
    PC-Teile kommen aus dem hohen Norden,
    nur TV etc. werden beim Händler vor Ort (nicht den 4 Grossen)
    gekauft.
    Karlsruhe seine hirn- und einfallslose Beamten, "Macher" sowie Politiker sind einfach nur noch zum davonlaufen.
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  •   Robert1959
    (1931 Beiträge)

    25.05.2018 07:27 Uhr
    Quo Vadis Kaiserstr!
    Durch die lange Bauzeit haben sich viele Zentren in den Seitenstrassen entwickelt- Ich bezweifle, dass sich mehr Kunden zur Kaiserstrasse hinbewegen werden. Das ECE wird weiter der Hit bleiben, weil man dort auch bei Regen nicht nass wird! Das sieht in der Flaniermeile schon anders aus. Schon wenn man die Treppe bei Regen oder Schnee hinauf- und heruntergeht, dürfte es sehr gefährlich werden.
    Unsere Feste halte ich für phantasielos, immer die gleichen Buden. Da fehlt die Hauptattraktion, was zum Beispiel eine Musikbühne sein könnte!
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  •   teflon
    (2676 Beiträge)

    23.05.2018 16:52 Uhr
    Dem Klüngel im Rathaus dämmert wohl
    so ganz langsam, was der Kombiunfug schon angerichtet hat und was als bittere Konsequenz noch folgen wird.
    Jetzt wird scheinheilig rumgeschwafelt & rumlaviert , bis der grosse Knall der Wahrheiten augenscheinlich und nicht mehr versteckbar ist. Mit der Kombilösung hat sich das Karlsruher Modell ganz alleine den Stecker gezogen und wird zudem die Innenstadt ruinieren - natürlich hat auch das veränderte Einkaufsverhalten durch das Onlineshopping gewaltigen Einfluss, aber das teure KVV-Gemurkse setzt der Sache noch die Krone auf. Mich würde es wirklich freuen, wenn man einen der Verantwortlichen für sein Versagen bei der Arbeit privatrechtlich belangen könnte - nur die Politik schützt immer die Seinen. Der ganze Sumpf in Schilda stinkt zum Himmel und der nächste OB wird den grossen Misthaufen als Arbeitspaket auf dem Tisch haben - willkommen auf der Stufe von Wuppertal und Duisburg
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  •   Bessunger
    (20 Beiträge)

    22.05.2018 21:33 Uhr
    Wo bleiben die Karlsruher?
    Ich fürchte, die Innenstadt soll zu einem Event-Areal umgestaltet werden, für die, die es sich leisten können. Auch als Ausgleich für die immensen Kosten der Kombilösung. Die Nachfrage ist da, nicht nur von Seiten des KIT-Komplexes, auch des durchaus erfolgreichen Tourismus, den man noch weiter antreiben möchte. Liest man die BNN, gibts jeden Tag mindestens ein Fest - warum nicht bald 5 Feste an jedem Tag? - Auch die Nachfrage nach entsprechend teuren Wohnungen, um innerstädtisch im Event-Karlsruhe zu leben, ist bereits da. - Die Frage ist, wo bleiben dann die "alten" Karlsruher, die das Leben der Stadt gestaltet und geprägt haben?
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  •   dipfele
    (5448 Beiträge)

    26.05.2018 15:38 Uhr
    Eigentlich müsste gefragt werden......
    ..... warum wehren sich die Karlsruher nicht? Nächstes Jahr sind Wahlen....
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  •   betablocker
    (4089 Beiträge)

    23.05.2018 01:18 Uhr
    Denen
    passiert das gleiche wie in allen anderen Städten mit dieser Entwicklung auch. Sie werden rausgedrängt. Gentrifizierung eben.
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  •   vielvornichtsdahinter
    (1071 Beiträge)

    22.05.2018 19:02 Uhr
    Man kann Prima
    einkaufen unter www.amazon.de. Chapeau Herr Mentrup.
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  •   dipfele
    (5448 Beiträge)

    22.05.2018 16:44 Uhr
    2002 gab es schon einmal...
    .... ein Bürgerbeteiligungsforum mit diversen Arbeitsgruppen "City 2015". Da sollte die Stadt zum 300 Jahr Jubiläum neu erstrahlen.Wobei damals alle Teilnehmer die Strabas "OBEN" haben wollten und keinen Tunnel. Raus gekommen ist lediglich der unnütze Straba-Tunnel, tituliert als "Stadtumbau". Aber die hässlichen Nachkriegsfassaden bleiben. Und der lange Schlauch Kaiserstrasse wird auch nach noch so teurer Kosmetik weder Flaneure noch Shopper zuhauf anziehen.
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    22.05.2018 19:31 Uhr
    Ich bin immer noch der Meinung,
    Das man lokale Trams weiterhin oben fahren lassen sollte, und nur die sperrigen und ellenlangen S-Bahnen in den Tunnel verbannen sollte.

    Wäre das bessere Konzept, als alles durch die zu enge Röhre zu quetschen.
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  •   andip
    (9750 Beiträge)

    23.05.2018 12:13 Uhr
    Das war der erste Entscheid zum Tunnel
    Da sollten nur die S-Bahnen unten fahren, die Trams weiterhin oben.
    Das wurde mit grosser Mehrheit abgelehnt und deshalb kam dann die Kombilösung.
    Die wurde dann angenommen.
    Könnte man langsam mal akzeptieren.
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