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Karlsruhe "Was erlebst du heute?" Kasig-Chef Uwe Konrath spricht über seine Zeit bei der Kombilösung, von schlaflosen Nächten und erhebenden Momenten

Zehn Jahre lang managte Uwe Konrath als Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) die Karlsruher Kombilösung: Zum 31. März geht der 66-Jährige in Pension, zwei Jahre später als geplant. In wenigen Tagen wird er seinen Schreibtisch als Kasig-Chef räumen und seinem Nachfolger Frank Nenninger überlassen. Im Gespräch mit ka-news-Redakteurin Anya Barros blickt Konrath auf seine Kasig-Zeit zurück - vom schwierigen Start mit schlaflosen Nächte bis zum Tunneldurchstich und seinen schönsten Erlebnissen auf den Baustellen.

Zum 1. April 2009 trat Uwe Konrath sein Amt bei der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) an - erst als Prokurist, später als Geschäftsführer. 2009 ging Konrath als Prokurist zur Kasig, im "zarten Alter von 55 Jahren", wie er mit einem Schmunzeln erzählt.

"So ein Projekt zu begleiten - eine einmalige Gelegenheit"

2012 wurde er technischer Geschäftsführer. "Das war schon eine große Sache", sagt der heute 66-Jährige, "dass dieses hoch komplexe Projekt eine Herausforderung wird, konnte ich mir schon vorstellen. Aber ich konnte nicht ahnen, dass die Herausforderungen noch größer sind, als ich vorher angenommen hatte! Aber mit der Größe des Projekts wächst man auch mit." 

Weihnachtsgrüße - Konrath
Bild: ps

Herausforderungen, die sich Konrath vorher nicht vorstellen konnte, gab es in seiner Zeit als Kasig-Chef einige: Schwierigkeiten beim Bau der beiden Tunnel entstanden etwa, als sich der Tunnelbohrer verkeilt hatte oder  sich ein Loch in der Kaiserstraße auftat. 

Die Tunnelvortriebsmaschine auf dem Werksgelände in Schwanau. | Bild: (mda)

Keine einfache Zeit für den Geschäftsführer der Kasig. "Sie war immer geprägt unter der Erwartung 'was erlebst du heute?' oder 'wer ruft dich diese Nacht an?'", sagt Konrath und lacht. Er hat für sich selbst eine Strategie entwickelt, mit solchen überraschenden Hiobsbotschaften umzugehen - eine Art Galgenhumor. Den braucht man als Herr über das Karlsruher Jahrhundertprojekt wohl auch.

Interview und Tunnelrundgang Uwe Konrath
Bild: Gustav Holzwarth

"Es war aber die ganze Situation zu Beginn des ersten Teils: schleppender Baubeginn und damit direkt schon Verzögerungen in den ersten zwei, drei Jahren", erinnert sich Konrath zurück. "Und dann in dieser Phase von einem Tag auf den anderen zu hören, dass die Alpine Bau morgen Insolvenz anmeldet - das sind schon so Ereignisse..."

Alpine-Pleite: "Was uns da alles durch den Kopf ging..."

Die Nachricht im Jahr 2013 hat ihn die meisten Nerven gekostet. "Ich kann mich noch gut an diesen Dienstag im Juni erinnern, es war in der Pause der Gemeinderatssitzung als der Arge-Projektleiter anrief und sagte 'Herr Konrath, morgen meldet Alpine Insolvenz an' - was uns da alles durch den Kopf ging, unsere Gesichter waren erstarrt!", so Konrath im Gespräch mit ka-news. Rückblickend ist er zufrieden wie die Arge - die Arbeitsgemeinschaft Stadtbahntunnel - die Probleme gemeistert hat.

Interview und Tunnelrundgang Uwe Konrath
Bild: Gustav Holzwarth

Obwohl er es nicht dramatisieren möchte, die ein oder andere Nacht war nicht an Bettruhe zu denken. "Vor allem während des maschinellen Vortriebs vom Durlacher zum Mühlburger Tor, weil wir da auch zwei Stillstände von Giulia hatten", erzählt Konrath.

Einbau eines Tunnelteilstücks (Tübbing).
Tunnelbohrer "Giulia" beim Tübbingbau. | Bild: cob

Dennoch möchte der 66-jährige Familienvater die Zeit bei der Kasig nicht missen. "Als Bauingenieur - wer hat schon die Gelegenheit so ein Riesenprojekt durchzuführen? Da gibt es nicht allzu viele!", sagt er mit einer gewissen Dankbarkeit und auch Respekt, dass er diesen Job machen durfte - und auch noch wenige Tagen machen darf. 

Eine neue Episode beginnt: Konrath bleibt Berater

Trotz aller Widrigkeiten gibt es für den Kasig-Chef viele Kombilösungsmomente, die ihm sehr viel Spaß gemacht haben. "Die Tage der offenen Baustelle und dort die erstaunten Gesichter der Besucher zu sehen", sagt Uwe Konrath und schwärmt von den großen Info-Veranstaltungen 2014 und 2018.

Interview und Tunnelrundgang Uwe Konrath
Bild: Gustav Holzwarth

Ein weiterer schöner Moment für Konrath: Als Tunnelvortriebsmaschine Giulia Anfang September 2015 am anderen Ende der Kaiserstraße wieder ins Tageslicht kam. "Das war ein erhebendes Gefühl, als das Schneidrad in der Zielgrube zum Vorschein kam. Das war schon einer der schönsten Momente!"

Bild: (ks)

Ob er froh ist, das Arbeitsleben und die Baustellen hinter sich zu lassen? "Ja!" Aber Uwe Konrath bleibt der Kasig noch erhalten. "Es beginnt zwar eine neue Episode, aber es beginnt kein kompletter Bruch. Ich werde noch etwa einen Tag in der Woche als Berater tätig sein, vielleicht noch bis Ende des Jahres", erklärt der gebürtige Trierer. 

Interview und Tunnelrundgang Uwe Konrath
Bild: Gustav Holzwarth

Trotzdem freut er sich auf den Ruhestand, der ab dem 1. April auf ihn wartet. "Ich werde mit meiner Frau erstmal ein paar Tage wegfahren, etwas Distanz gewinnen", sagt Uwe Konrath im Gespräch mit ka-news. "Und in der zweiten Aprilhälfte schauen wir mal, wie das hier aussieht!"

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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  •   lenkdreiachser
    (395 Beiträge)

    19.03.2019 09:09 Uhr
    Ausgebremste Bahnen
    Dafür wird man es im Tunnel vermehrt mit 'belegten Gleisabschnitten und noch besetzten Stationen' zu tun haben, fürchte ich. Alleine die sieben(!) Tunnelstationen auf derart kurzer Strecke werden die ansonsten möglichen Tunnelerrungenschaften ad absurdum führen.
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  •   Waterman
    (6225 Beiträge)

    19.03.2019 09:22 Uhr
    Die Haupterrungenschaft
    bleibt wohl, dass sich die Befürchtungen unterirdisch abspielen werden....
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  •   Nico1966
    (164 Beiträge)

    18.03.2019 14:25 Uhr
    Mit 66 Jahren...
    Warum macht er es nicht bis zum Schluss?Soll ja nicht mehr so lange gehen!Rente mit 68 oder arbeiten jenseits der 70 ist ja nichts neues.
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  •   dipfele
    (5159 Beiträge)

    18.03.2019 19:29 Uhr
    Das bittere Ende.....
    …..nämlich die Schlussabrechnung präsentiert zu bekommen, wird er sich nicht antun wollen.
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  •   malerdoerfler
    (5090 Beiträge)

    18.03.2019 18:13 Uhr
    In naher Zukunft sicherlich
    aber momentan darf man auch noch in den 60ern in den wohlverdienten Ruhetand gehen.
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  •   Waterman
    (6225 Beiträge)

    18.03.2019 13:21 Uhr
    Zum Glück wird die Zukunft durch Optimisten gestaltet
    und nicht durch Bedenken- und Ängsteträger. Es ist auch nie eine Momentaufnahme von der aus sich nichts mehr verändern wird.

    Die Kaiserstraße mit Nebenstraßen wird sicher eine Eigendynamik entwickeln und es wird auch auch durch die Bevölkerung angenommen werden.

    Zumindest können die Bedenkenträger ihre Protestmärsche dort jetzt angstfrei durchführen.
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  •   dipfele
    (5159 Beiträge)

    18.03.2019 19:20 Uhr
    Aber mal ehrlich.....
    …. haben sich der Stress und der 1,5 Milliardenaufwand wirklich gelohnt?
    Für die Fahrgäste sicherlich nicht. Lediglich die Autofahrer kommen am Mühlburger Tor und am Durlacher Tor schneller voran und werden nicht mehr durch die Strabas belästigt.
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  •   likeka
    (431 Beiträge)

    18.03.2019 23:01 Uhr
    Übrigens
    Übrigens werden die Bahnen auch nicht mehr durch Autos, Radfahrer und Fußgänger ausgebremst.
    Vorrangschaltung hin oder her: Bei der hohen Taktdichte mussten die Bahnen auch oftmals warten.
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  •   Waterman
    (6225 Beiträge)

    18.03.2019 07:08 Uhr
    Die Tunnelfahrt mit dem Fahrrad war schon cool.
    Vielleicht könnte zum Abschied noch ein Schienenschwellenlaufwandertag als Sternlauf von den Rampen zum Marktplatz organisiert werden?
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  •   chris
    (634 Beiträge)

    17.03.2019 22:38 Uhr
    Bald ist es soweit!!!
    Bin mal gespannt, wenn die Kaiserstraße neu gepflastert ist, keine Bahnen mehr fahren...flanieren zur Selbstverständlichkeit wird, Cafes und das Leben sich auf der Kaiserstraße breit machen....freue mich drauf!
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