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Karlsruhe Unterwegs mit dem VBK-Schienenpfleger: "Gleisbau ist wie Lego für Erwachsene"

Seit Beginn der Pfingstferien geht im Nahverkehr vor dem Karlsruher Hauptbahnhof nichts mehr: Auf rund 250 Metern werden die Gleise erneuert. Was bei einer Baustelle dieser Größenordnung alles beachtet werden muss, warum sie in diesem Zeitraum stattfindet und wie lange die Schienen halten werden - darüber haben wir mit Christian Homagk gesprochen. Er ist Abteilungsleiter Instandhaltung bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK). Ein Zeitplan.

Herbst 2017: Gleise sind nach 15 Jahren abgefahren

Wir starten chronologisch lange vor den eigentlich Bauarbeiten: Im Herbst 2017 sind rund 120 Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe ständig unterwegs, um den Zustand der Gleisanlage im Auge zu behalten und die Anlagen zu pflegen. An der westlichen Ausfahrt der Haltestelle "Karlsruhe Hauptbahnhof Vorplatz" sind die Schienen aller vier Gleise abgefahren und müssen ausgetauscht werden.

Warum? "Ansonsten ist Entgleisungssicherheit nicht gewährleistet oder es kann zum Schienenbruch kommen", erklärt Christian Homagk bei einer kleinen Baustellenbesichtigung gegenüber ka-news. Dadurch, dass die Metallräder der Bahn über die Schienen "schleifen", verliert das Gleis nach und nach an Profilhöhe.

15 Jahre haben die Gleise vor dem Hauptbahnhof durchgehalten: Eine geringe Lebensdauer im Vergleich zu anderen Streckenabschnitten, aber in Hinblick auf die Verkehrsfrequenz auch nicht auffällig kurz. Zum Vergleich: An anderer Stelle, wie beispielsweise in der Waldstadt, wo weniger Bahnverkehr herrscht, halten Gleise auch mal 40 Jahre, bevor ein Austausch stattfinden muss.

Frei von Baustellen zeigte sich der Vorplatz bis zum Beginn der Pfingstferien. | Bild: ka-Reporter: Peter Eich

Es steht fest, die Gleise müssen getauscht werden: Nun beginnt die Planung für das Bauprojekt: Die geforderten Leistungen müssen ausgeschrieben werden. Zur gleichen Zeit werden auch die benötigten Gleise bestellt, diese werden von den VBK später an die Baustelle geliefert und vom Bauunternehmer eingebaut.

Fest steht dann auch schon, wann die Arbeiten durchgeführt werden müssen. Da eine Vollsperrung des Bereichs unabdingbar ist, stehen nur die Oster-, Pfingst- und Sommerferien zur Verfügung. Zu diesen Zeiten sind rund ein Drittel weniger Fahrgäste unterwegs. Im Herbst gibt es keine Möglichkeit, da das Wetter dann wieder zu unbeständig ist. Ideal für den Gleisbau sind trockene Verhältnisse bei etwa 26 Grad.

Januar 2018: Umleitungen werden erarbeitet

Bei den Verkehrsbetrieben wird ein Umleitungskonzept erarbeitet. Dieses muss in die verschiedenen Apps eingepflegt und später auch an den Haltestellen ausgehängt werden. Aber nicht nur das: Auch die Dienstpläne der Fahrer müssen angepasst werden. Logisch: Wenn beispielsweise ein Fahrer sonst zum Hauptbahnhof fährt und dort abgelöst wird, muss er nun an einer anderen Haltestelle Feierabend machen.

März 2018: Kosten stehen fest

Die Leistungen wurde mittlerweile bei den Bauunternehmern bestellt. Die Firma hat den Bau für rund 330.000 Euro zugesagt. Hinzu kommen noch Kosten für das Baumaterial. Zudem beantragt die VBK zu diesem Zeitpunkt verschiedene Genehmigungen bei der Stadtverwaltung: Fahrbahnsperrung, die Baumaßnahme und die Erlaubnis Lärm machen zu dürfen.

Da es in den Pfingstferien einige Sonn- und Feiertage gibt, müssen Sondergenehmigungen verhandelt werden, wann und wie laut gebaut werden darf. Später wird der Kompromiss getroffen, dass am Pfingstsonntag leisere Arbeiten stattfinden dürfen, am Pfingstmontag die Arbeit aber ruht.

Vor dem Hauptbahnhof wurde eine provisorische Holz-Haltestelle für den Schienenersatzverkehr errichtet. | Bild: Florian Kaute

Montag, 14. Mai 2018: Anwohner werden informiert

Die Sperrung steht in nur wenigen Tag an. In den Bahnen und an den Haltestellen wurden die Umleitungspläne ausgehängt. Bereits in der Woche zuvor wurden auch die Anwohner und die angrenzenden Firmen über den Bauablauf informiert.

In den folgenden Tagen werden nun die ersten Absperrungen aufgebaut und Parkverbote eingerichtet. An der östlichen Seite vor dem Bahnhof wird eine provisorische Bushaltestelle für den Ersatzverkehr eingerichtet. Zudem werden erste vorbereitende Arbeiten unternommen.

Die rote Tafel mit weißem Rand zeigt den Triebfahrzeugführern an, dass es hier nicht mehr weiter geht. Die Bauzäune unterstreichen diese Botschaft nochmal. | Bild: Florian Kaute

Samstag, 19. Mai 2018: Streckenabschnitt wird gesperrt

Um 6.45 Uhr rollt die letzte Bahn vom Vorplatz des Hauptbahnhofs: Ab jetzt ist die Strecke für rund zwei Wochen gesperrt. Um das zu gewährleisten werden Schilder an den Abzweigen vor der Baustelle aufgestellt, die die Bahnfahrer auf die Sperrung hinweisen.

Zudem werden die Weichen außer Betrieb genommen, dass erst gar niemand mehr in Richtung Baustelle fahren kann. Zuletzt wird im Teilabschnitt auch der Strom abgeschaltet - auch falls während der Baumaßnahme ein Baggerfahrer gegen die Fahrleitung kommt. Die Oberleitung wird zudem sicherheitshalber geerdet.

Eine Verbindung zwischen der Fahrleitung und der Schiene - so wird die Oberleitung geerdet. | Bild: Florian Kaute

Mittwoch, 23. Mai 2018: Alte Schienen werden entsorgt

Nach ersten vorbereitenden Arbeiten am langen Pfingstwochenende, starten die Arbeiten am Mittwoch erst richtig. Das Pflaster wird mit einem Bagger mit Meißel gelöst und später abtransportiert. Danach werden die Schienen mit einem Schweißgerät in etwa fünf Meter lange Stücke geschnitten und entsorgt. Zuletzt kommen die Schwellen und der Schotter weg. Für die Entsorgung ist das Bauunternehmen zuständig.

Erst das Pflaster, dann die Schienen und später der Schotter: Nach und nach wird alles abgetragen. | Bild: Florian Kaute

Die Schottersteine sind nach den vielen Jahren im Einsatz durch die Vibration durch die Bahnen an den Kanten abgerundet. Das Material kann zum Teil wieder neu gebrochen werden, wodurch neue Kanten entstehen und die Steine wieder irgendwo eingebaut werden können.

"Die Schienenreste werden eingeschmolzen und vielleicht sogar zu neuen Schienen verarbeitet", so der Leiter der Abteilung Instandhaltung bei den VBK, Christian Homagk gegenüber ka-news. Was nicht mehr gebraucht werden kann, wird entsorgt.

Vielleicht fahren irgendwann wieder Bahnen auf diesen Schienen, wenn sie eingeschmolzen und neu verarbeitet wurden? | Bild: Florian Kaute

Die Arbeiten werden sich noch bis zum Freitag ziehen. "Etwas weniger als die Hälfte, rund 40 Prozent der Zeit, brauchen wir für den Abbruch der alten Gleise", sagt Homagk. Erst ab Samstag wird neu gebaut.

In die freie Baugrube kommen später Schotter, Schwellen und Schienen. | Bild: Florian Kaute

Samstag, 26. Mai 2018: Neue Gleise werden eingebaut

Die Arbeiten laufen jeden Tag im Zweischichtbetrieb von 6 bis 22 Uhr. Mittlerweile sind alle alten Gleise samt Unterbau entfernt worden. Zum Teil wurden schon wieder neue Schottersteine in die Baugrube gekippt, die ersten Schienenstücke werden darauf platziert.

Nach der Bestellung wurden diese bei der Bahnmeisterei in der Maybachstraße gelagert - und auch vorbereitet. So wurden dort Gleise gebogen, damit sie auch an die vorgesehenen Kurven passen. Später wird jedes rund 18 Meter lange, vorgefertige Gleisteil, einen genauen Platz haben. "Das ist wie Legospielen für Erwachsene", so Homagk über die Bauarbeiten.

Jedes Schienenstück ist durchnummeriert, damit die Arbeiter wissen, wo es platziert werden muss. | Bild: Florian Kaute

Sonntag, 3. Juni 2018: Geplantes Ende der Baustelle

Wenn alles nach Plan läuft, sind die Arbeiten pünktlich fertig - und es muss nach Plan laufen. "Die Fertigstellung der Baustelle ist in Stein gemeißelt, da kann man nicht dran rütteln", gibt Homagk zu Bedenken.

Wenn beispielsweise unvorhergesehen eine Hydraulikleitung an einem Bagger reißt, dann muss schnell für Ersatz gesorgt werden. "Oder wenn der Bagger defekt ist, bestellt man am Besten gleich zwei als Ersatz, um die Zeit wieder aufzuholen", so Homagk weiter. Die Verantwortung über den pünktlichen Bauabschluss liegt jedoch beim Bauunternehmer.

Endstation Baugrube: Bis zum Ende der Pfingstferien muss wieder eine durchgängige Verbindung der Gleise bestehen. | Bild: Florian Kaute

Montag, 4. Juni 2018: Bahnen fahren wieder über den Hauptbahnhof

Um 4.30 Uhr soll die erste Bahn wieder über den Vorplatz fahren. Bis dahin müssen die neuen Gleise erst auf ihre Verkehrssicherheit geprüft und abgenommen werden. Erst dann können die Absperrungen abgebaut werden und der Bahnbetrieb wieder anlaufen. Komplett abgeschlossen ist die Baumaßnahme aber noch nicht - die nächsten rund zwei Wochen werden noch weitere Arbeiten erledigt.

Mittwoch, 27. Juni 2018: Gleistausch ist abgeschlossen

Mittlerweile wird auch die letzte Absperrung entfernt sein, die Arbeiten sind abgeschlossen. Die Gleise werden wieder rund 15 Jahre halten. Wie lange genau lässt sich schwer einschätzen, da beispielsweise noch gar nicht klar ist, wie der Netzplan in der Fächerstadt in der Zukunft aussehen wird.

Die neuen Bahnen belasten die Gleise im Übrigen mehr, als die alten: "Die Fahrzeuge werden immer schwerer", so Christian Homagk im Gespräch mit ka-news. Das hängt mit immer höheren Anforderungen an die Crashsicherheit, aber auch mit dem Komfort für die Fahrgäste zusammen: "Mittlerweile fahren die Bahnen beispielsweise mit Klimaanlagen."

(Symbolbild)
(Symbolbild) | Bild: ka-news

Christian Homagk selbst hat die Baustelle am Hauptbahnhof schon längt wieder abgehakt. Er ist schon jetzt mit den konkreten Planungen für die Baustellen im Jahr 2019 beschäftigt. "Dann kommt zum Beispiel die Weiche am Gottesauer Platz in den Tunnel." Auch für 2020 hat er schon Ideen, was dann im Karlsruher Schienennetz erneuert werden soll.

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Kommentare (19)
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  •   80er
    (6189 Beiträge)

    28.05.2018 15:49 Uhr
    Ich kann manchmal schon...
    ....verstehen, warum Behörden, Verkehrsbetriebe etc. nicht von Öffentlichkeitsarbeit halten. Wenn man - wie Bericht geschehen - konkret darlegt, wie so ein Projekt abläuft, kommt bestimmt einer und meint alles besser machen zu können oder meckert rum, dass was gemacht wird. Von daher könnte man auch Öffentlichkeitsarbeit verzichten. Es wird eh nicht honoriert.
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  •   andip
    (11348 Beiträge)

    29.05.2018 08:27 Uhr
    So ist das heutzutage
    Da tauchen dann ständig die selbsternannten Experten auf, die zwar im wahren Leben keine zwei Legosteine unfallfrei aufeinander stapeln können, aber so tun, als könnten und wüssten sie alles viel besser als die richtigen Planer und Baufachleute.
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  •   dipfele
    (6033 Beiträge)

    28.05.2018 17:30 Uhr
    Schnelles, kundenfreundliches ....
    und anwohnerfreundliches Bauen wird schon honoriert. Wenn aber Strassen oder Gleise rund um die Uhr gesperrt sind und es tut sich nichts auf der Baustelle, dann ist das ärgerlich. Ausserdem stehen solche Baustellen im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Und hätten unsere weitsichtigen Stadtväter die Gleise in der Ettlinger Str. belassen, wie versprochen, dann hätten die ZR Strabas bis auf den Bahnhofsvorplatz fahren und dort umsetzen können. Dazu kommt noch die mangelhafte Information vor Ort.
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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    28.05.2018 17:22 Uhr
    Auf dumme Lautsprecher
    und notorische Nörgler würde ich überhaupt nichts geben.

    Die fühlen sich nur dann wohl, wenn sie etwas in den Dreck ziehen können.

    Interessant für Psychologen, nervig für alle anderen.
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  •   dipfele
    (6033 Beiträge)

    28.05.2018 14:30 Uhr
    Am Hauprbahnhof und am Tivoli......
    ..... wurde an Pfingsten überhaupt nicht gearbeitet. Die am Samstag zuvor erbrachte Leistung, hätte auch locker nach Pfingsten erbracht werden können. Was wichtig ist: Den Fahrgästen hätten drei Tage SEV erspart geblieben werden können. Ausserdem ist die Hinweisbeschilderung auf die Ersatzbusse mehr als dürftig.
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  •   Marco911
    (2 Beiträge)

    28.05.2018 10:18 Uhr
    Komfort
    In den neuen Bahnen kann man nicht von Komfort sprechen.
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  •   Marco911
    (2 Beiträge)

    28.05.2018 10:16 Uhr
    Komfort
    In den neuen Bahnen kann man nun wirklich nicht von höherem Komfort sprechen.
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  •   dipfele
    (6033 Beiträge)

    28.05.2018 14:24 Uhr
    Dafür haben sie......
    ...... Halteschlaufen, damit die Fahrgäste bequem stehen können.
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  •   bingobongo
    (675 Beiträge)

    28.05.2018 10:06 Uhr
    Die Weiche am Gottesauer Platz in den Tunnel
    Die hätte man halt schon einbauen können. Stattdessen lieber zwei Gleisbögen hingelegt. Nuja, baut man halt zweimal.
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  •   NeoTiger
    (749 Beiträge)

    28.05.2018 13:15 Uhr
    Hätte man ...
    ... aber dann hätte man aus Sicherheitsgründen gegen eine Fehlfunktion der Weiche laut Vorschrift vermutlich auf dem Stumpfgleis auch einen Gleisabschluss wie z.B. einen Prellbock einbauen müssen, was den Zugang für Baustellenfahrzeuge massiv behindert hätte.
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