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Karlsruhe "Tunnelfeuerwehr" für Karlsruhe: Was passiert, wenn "Giulia" brennt?

Die Tunnelbaumschine "Giulia" ist mittlerweile eine kleine Berühmtheit der Fächerstadt. Mit allerlei technischen Kniffen ausgestattet gilt sie auch als sehr sicher. Sollte sie aber doch einmal Feuer fangen, dann muss die Feuerwehr ran. Dafür braucht es ganz besondere Technik und Ausbildung. Am Samstag wurde zum ersten Mal der Ernstfall im Tunnel geprobt. ka-news schaute der Karlsruher "Tunnelfeuerwehr" über die Schulter.

Schon von weitem ist die Feuerwehr zu hören, als sie an diesem verregneten Samstagmorgen die Durlacher Allee heranbraust. Martinshorn und Blaulicht zerschneiden jäh die relative Stille rund um das Durlacher Tor. Wenige Minuten später steht die Fahrzeugkolonne auf dem Baustellengelände, Feuerwehrleute laufen hektisch hin und her.

"Es brennt auf dem zweiten Nachläufer der Tunnelbohrmaschine. Wie ich soeben von der Bauleitung erfahren habe, sind drei Personen im Rettungscontainer eingeschlossen", gibt Einsatzleiter Bernhard Ganter per Funkgerät durch. Die Teilnehmer wussten zwar von einer Übung, aber nicht wo und was sie dort erwartet.

Tunnelbohrer Giulia hat wenig Brandrisiko

Konkret erwartet die Einsatzkräfte Arbeiten unter besonders schwierigen Bedingungen: Der mit Disconebel simulierte Brandherd befindet sich auf der Tunnelvortriebsmaschiene (TVM) "Giulia" kurz vor dem Marktplatz - vom Eingang der Röhre sind das immerhin 800 bis 900 Meter.

Wie es das Sicherheitskonzept im Echtfall vorsieht, hat sich mit Ausbruch des Feuers automatisch die Lüftung des Tunnels abgeschaltet, um ihm Sauerstoff zu entziehen. Gleichzeitig soll eine Wasserwand hinter "Giulia" die Ausbreitung von Rauch verhindern. Auch die drei zu bergenden Mineure im Rettungscontainer gibt es wirklich.

"Die TVM hat eigentlich nur wenig Risiko zu brennen - es gibt kaum entflammbares Material, dafür automatische Löschanlagen und Handfeuerlöscher an der Maschine selbst", sagt Markus Pulm, Pressesprecher der Karlsruher Feuerwehr vor Ort. Die Frage sei: "Was tun, wenn sie sich einmal doch nicht von selbst löscht?".

Genau das passierte erst Anfang Februar 2015 im österreichischen Koralmtunnel. Für solche Fälle sind die Vorschriften besonders streng - jeder Tunnel mit mehr als 200 Metern Länge braucht eine spezielle Tunnelfeuerwehr. In Karlsruhe hat diese Aufgabe die Berufsfeuerwehr übernommen. Dafür musste sie sich aber erst einmal qualifizieren. Gut ein Jahr dauerte die intensive Vorbereitung.

"Tunnelfeuerwehr" wurde 1.500 Stunden ausgebildet

"Etwa 1.500 Stunden - ein Wahnsinnsaufwand", so Pulm. Im Frühjahr 2014 wurden zehn Trainer in ein Übungszentrum in der Schweiz geschickt, die nach ihrer Rückkehr wiederum die eigenen Leute ausbildeten. So verfügt Karlsuhe mittlerweile über eine Tunnelfeuerwehr mit fast 150 Mitgliedern - "mehr als wir eigentlich bräuchten", freut sich Pulm. Geübt wird vor allem im neuen Rettungsstollen des Wattkopftunnels. An diesem Samstag geht es zum allerersten Mal auch unter die Kaiserstraße.

Rund 20 Berufsfeuerwehrleute mit mehreren Fahrzeugen inklusive großem Einsatzleitwagen sind bei der Übung im Einsatz. Unterstützt werden sie planmäßig von der Freiwilligen Feuerwehr Hagsfeld, die mit 18 Personen und zwei Löschfahrzeugen anrückt. "Die Freiwillige Feuerwehr leistet logistische Unterstützung und sorgt für Materialnachschub, den Tunnel selbst dürfen sie mangels Ausbildung aber nicht betreten", sagt Pulm.

Alles ist beim Einsatz im Tunnel anders sonst: Während beim normalen Küchenbrand stets zwei Feuerwehrleute gemeinsam arbeiten, müssen es unter Tage schon fünf sein. Dort versuchen sie immer erst den Brand zu löschen und dann erst Eingeschlossene aus dem Sicherheitscontainer zu retten - quasi in umgekehrter Reihenfolge zur gewöhnlichen Vorgehensweise.

Ein Rettungscontainer befindet sich direkt auf der Tunnelbohrmaschine. Sobald die Röhre länger als ein Kilometer lang wird, muss unterwegs ein zweiter installiert werden. In solche Container flüchten sich Arbeiter, wenn sie es nicht mehr schaffen sollten, vor einem Feuer zu fliehen. Zwölf Stunden lassen sich hier aushalten, mit eigener Klimatisierung, Toilette und Getränken. Zum Schutz vor der Hitze von Außen werden die Stahlcontainer mit Wasser berieselt.

Rettungseinsatz: Atemluft wird bis zu 45 Grad heiß

Zur Ausrüstung der Tunnelfeuerwehr gehören neben Wärmebildkameras für die Orientierung im Rauch auch besondere Atemschutzgeräte. Die üblichen Preßluftflaschen mit Sauerstoff für maximal eine Stunde sind wegen der längeren Wege im Tunnel zu riskant. Deshalb benötigt man so genannte "Kreislaufgeräte". Hier wird die ausgeatmete Luft nicht aus der Maske gelassen, sondern durch einen chemischen Prozess wiederaufbereitet. So reicht der Sauerstoff bis zu vier Stunden.

Allerdings heizt sich die Atemluft mit der Zeit immer weiter auf, erreicht Temperaturen von bis zu 45 Grad! Außerdem ist die Technik teuer: 10.000 Euro kostet so ein Kreislaufgerät. Die Karlsruher Feuerwehr konnte ihre insgesamt 18 Stück etwas günstiger weil gebraucht von Baden-Baden erwerben. Bei einem echten Einsatz werden sicherheitshalber sofort weitere Geräte geliefert - aus Stuttgart. Mannheim und Pforzheim etwa verfügen gar nicht über diese Technik.

Um auf den langen Wegen zu einem Brandherd tief im Tunnel keine Zeit und Energie zu verschwenden, fahren die Einsatzkräfte mit kleinen Zügen auf den ohnehin schon verlegten Schienen. Ein Zug steht immer fertig beladen am Tunneleingang bereit. Damit sein Motor auch in der Nähe von Feuer noch funktioniert, wird er mit Luft aus eigenen Flaschen versorgt. Die Kabine bietet genug Platz für die fünf Einsatzkräfte und weitere Personen. Sie lässt sich außerdem per Kran direkt aus der Grube am Tunneleingang heben, um Verletzte nicht erst über den langen Treppenaufgang bergen zu müssen.

Während bei der Übung der Zug mit der ersten Einsatzgruppe langsam in der Tunnelröhre Richtung Brandherd verschwindet, wird schon ein zweiter mit Material beladen: Als Reserve. Falls das erste Team Schwierigkeiten bekommen sollte, steht schon ein Sicherheitstrupp zum Aushelfen bereit.

Neben Sauerstofflaschen laden die Feuerwehrleute zahlreiche Schläuche und Kannister mit Schaummitteln auf den Zug. Zum Einsatz kommt der Sicherheitstrupp an jenem Tag aber nicht. Nach einer halben Stunde ist der Brand bereits gelöscht und die erste Gruppe mit den drei geretteten Mineuren auf dem Rückweg.

Feuerwehr: "Wir sind gut gerüstet"

"Ich bin sehr zufrieden mit meinen Leuten und denke wir sind gut gerüstet", so Zugführer Holger Neufeld. Es sei alles so wie vorher geübt auch umgesetzt worden, Technik und Zusammenarbeit mit der Bauleitung hätten einwandfrei funktioniert. "Das größte Problem vor Ort war die Sicht, wegen der starken Verrauchung. Das hat das hat etwa das Verlegen der Schläuche schwierig gemacht - da braucht man viel Konzentration", sagt Neufeld.

Man habe auch die menschlichen Grenzen schnell zu spüren bekommen: "Theoretisch sind mit den Kreislaufgeräten vier Stunden Einsatz möglich, aber nach zwei Stunden ist man ja total dehydriert". Einen echten Notfall wünscht sich Neufeld natürlich nicht: "So etwas braucht kein Mensch".

Die erste Übung im Stadtbahntunnel ist bisher eigentlich auch als einzige ihrer Art geplant. "So etwas geht natürlich nur, wenn die TVM mal steht und normalerweise arbeitet sie ja", sagt Pulm. Zuletzt hat "Giulia" planmäßig Pause gemacht, die verlängert sich jetzt allerdings um zwei bis drei weitere Wochen. Ob es in dieser Zeit nun doch noch weitere Feuerwehrübungen geben wird, steht noch nicht fest.

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  •   deem
    (12 Beiträge)

    24.02.2015 11:56 Uhr
    Pressluft, kein Sauerstoff
    Die Atemschutzflaschen bei der Feuerwehr sind mit Pressluft gefüllt, nicht mit Sauerstoff (genauso wie bei Tauchern).
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  •   sabba
    (410 Beiträge)

    23.02.2015 17:13 Uhr
    Was tun wenns brennt?
    Brennen lassen!
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  •   ObenLang
    (2745 Beiträge)

    23.02.2015 18:29 Uhr
    Feuer sollte bei der Entwurmung von Karlsruhe tatsächlich helfen
    Dann können gewisse Leute anfangen zu denken bevor der Wurm da ist grinsen
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  •   bergdoerfler
    (1634 Beiträge)

    23.02.2015 14:31 Uhr
    und S21 hat so etwas nicht?
    die bauen doch auch Tunnel oder ist das eine andere Technik ohne evtl. Brandgefahr?
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  •   Exil-Hohenzoller
    (561 Beiträge)

    03.03.2015 11:53 Uhr
    Natürlich gibt es das in S auch
    Wie kommen Sie darauf, daß es sowas in Stuttgart nicht geben sollte? Wahrscheinlich kommen sogar genau davon die im Ernstfall als Zusatz angeforderten Reservegeräte. Wird andersrum sicher auch so laufen.

    Bei S21 (und erst recht bei der NBS Wendlingen-Ulm) wird übrigens nach diversen Vorarbeiten schon längst an den Tunneln gebaut. Bei S21 wurde erst vor kurzem mit den richtigen Tunneln angefangen, da sind inzwischen ca. 6% der Gesamtlänge gegraben. Bei der NBS sind sogar schon 20% fertig gegraben. Und wöchentlich kommen mehrere hundert Meter hinzu.
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  •   andip
    (9818 Beiträge)

    23.02.2015 15:59 Uhr
    Und woher
    weisst du,dass es dort keine solchen Übungen gibt bzw.geben wird,wenn man da mal mit dem Tunnelgraben angefangen hat?
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  •   Josh92
    (20 Beiträge)

    23.02.2015 14:15 Uhr
    Interessant..
    ...da läuft der Bohrer schon eine ganze Weile, aber eine Übung vor Inbetriebnahme wurde nicht gemacht? Gut, dass es nicht gebrannt hat.
    Bis die Atemschutzgeräte aus Stuttgart im Einsatzfall eintreffen, braucht die in KA aber wahrscheinlich auch niemand mehr...
    Und: warum in aller Welt, steht dieser elendig teure (aber eben auch notwendige) Tunnelbohrer über 1 Monat planmäßig still? Das muss doch auch noch Geld verschlingen...Zeit ist Geld sagt man doch so schön.
    Aber trotz allem sage ich: Pro Kombilösung!
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  •   dipfele
    (5556 Beiträge)

    24.02.2015 10:01 Uhr
    die Kosten....
    ... für die Ausbildung der 150 Feuerwerker sind die auch den Tunnelkosten angerechnet worden? Oder ist da wieder was "unter der Hand" gelaufen ?
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  •   likeka
    (482 Beiträge)

    23.02.2015 14:29 Uhr
    Weil
    die Bauabläufe am Marktplatz falsch geplant wurden!!
    Das relevante Stück "Gleisdreieck" ist noch nicht fertig, während auf dem Marktplatz schon zwei Teildeckel betoniert sind, die der Tunnelvortriebsmaschine aber gar nichts bringen.
    Das hat schon beim Schlitzwandbau angefangen, war beim eindüsen der Sohle nicht anders und ist jetzt auch beim Deckelbau so. Der wichtige Deckel am Gleisdreieck fehlt noch, deshalb muss dort ein Provisorium eingebaut werden und Gulia muss warten!!!
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  •   kommentar4711
    (2300 Beiträge)

    23.02.2015 15:56 Uhr
    und weil...
    ... Giulia eben bislang deutlich schneller voran kam als geplant und damit auch früher an der Stelle gelandet ist die nun zum Problem wurde.
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