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Karlsruhe Tiefbauarbeiten vergeben, der neue Marktplatz kann kommen - eine Zeitreise

Die Wunden im Herzen der Stadt sind geschlossen, auch wenn sie bald wieder aufgerissen werden: Der Marktplatz in Karlsruhe bekommt nun sein endgültiges Aussehen. Wasserspiel, der Umriss der Konkordienkirche und ein nigelnagelneuer Granitbelag - so soll der Marktplatz künftig aussehen. Nun geht es einen großen Schritt voran. Der Karlsruher Gemeinderat hat sich nun auf einen Anbieter für den Tiefbau geeinigt.

Wer sich noch an den alten Marktplatz erinnern kann, weiß wie eng es mitunter zuging, etwa dann wenn Markt war und eine Bahn an der Haltestelle stand. Schon seit November 2013 kam zumindest neben der Pyramide keine Bahn mehr an, nachdem der Südabzweig, die Ettlinger Straße, gesperrt wurde. Seit Mai 2018 ist der Marktplatz nun fast baustellenfrei. Ein provisorischer Asphaltbelag wurde aufgebracht und im Oktober erstrahlte sie zum Stadtfest in neuem Glanz

Jetzt geht es dem Marktplatz erneut an den Kragen. Ab April wird die provisorische Asphaltdecke wieder herausgerissen und die gute Stube der Stadt neu gestaltet. Besonders erfreulich sei laut Pressemeldung der Stadt im Februar, dass sich auf die EU-weite Ausschreibung auch viele regionale Unternehmen beworben hätten. Wer aber letztendlich den Zuschlag erhält, den Platz umzubauen, hat sich in der Gemeinderatssitzung am Dienstag entschieden. Es soll die Firma Schempp aus Karlsruhe werden.  

Was ist geplant? 

Im März 2010 hat sich die Stadt für das Konzept der Architektengemeinschaft Mettler und AV1 entschieden. Ihr Entwurf setzte sich in einem Wettbewerb gegen andere Konkurrenten durch. Die Idee von Mettler: einheitliche Beläge aus Granit und ornamentale Bänder aus farbigem Natursteinpflaster. So soll der Marktplatz zusammen mit der Kaiserstraße ein einheitliches Bild abgeben. 

Ebenfalls im Gewinnerentwurf: eine begrünte Innenstadt. Der Unieingang beispielsweise soll am Berliner Platz eine Baumreihe am südlichen Platzrand bekommen. 

Der Marktplatz selbst soll zudem noch neue Sitzbänke bekommen. "Die für Sitzbänke eingesetzten Materialen, wie Messing und Thermoholz erfüllen diesen Anspruch auf eine sehr kreative Art und Weise", heißt es vor acht Jahren in der Begründung der Jury.

Keine Bäume auf dem Platz

Zwei Jahre später, im April 2012, hatten die Stadtplaner schon ziemlich genaue Vorstellungen vom späteren Look der Innenstadt. Der Marktplatz sollte baumfrei bleiben, "die Architektur steht dann für sich", erläuterte Georg Gerardi, Stadtplaner bei der Stadt Karlsruhe einst. "Nach der Umgestaltung wird es aber mehr Bäume in der Innenstadt geben als jetzt!"

Wer den Zugang zur unterirdischen Haltestelle am Marktplatz sucht, hält nicht, wie in anderen Städten mit U-Bahn, nach einem blauen U Ausschau. Die Stationen werden mit einem schlichten, metallenen U markiert. "Insgesamt sollen der Marktplatz und die Kaiserstraße, also die Innenstadt, hochwertiger werden", so der Stadtplaner schon 2012. 

Brunnen und Blumen verschwinden vom Marktplatz

Im Oktober 2013 hieß es dann Umzug, nicht nur für die Blumenstände, sondern auch für den Christkindlesmarkt und den Ludwigsbrunnen. Der Weihnachtsmarkt wanderte erstmals auf den Friedrichsplatz und der Brunnen in sein Depot beim Gartenbauamt. Für kurze Zeit war auch die Pyramide offen: Ingenieure haben im Innern des Karlsruher Wahrzeichens Messungen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die unterirdischen Bauarbeiten die Pyramide nicht beschädigen. 

Mit der Sperrung des Südabzweigs in der Ettlinger Straße nahmen erstmal Baustellen den Marktplatz in Beschlag, das Thema Umgestaltung der "guten Stube" war somit erst einmal in Vergessenheit geraten. 

 

Der Marktplatz etwa zu Beginn der 1960er Jahre und zu Beginn 2014:

  • Alt: Stadtarchiv Karlsruhe 8/Bildstelle II 933 / Neu: Corina Bohner
    before
    after

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jahrelang war der Marktplatz nicht mehr als solcher zu erkennen, die Christkindlesmarkt wurde an anderer Stelle aufgebaut, die Blumenhändler verschwanden und die Pyramide versteckte sich hinter einer Holzfassade - zum Schutz vor Staub, Dreck und Beschädigungen. Bei den Bauarbeiten kamen im November 2013 jedoch die Fundamente der Konkordienkirche zum Vorschein, Karlsruhes erster evangelischer Stadtkirche. 

Weil die Kirche, geweiht 1722 und abgerissen 1807, nun mitten auf dem Marktplatz stand - heute findet sich dort die Pyramide, unter der Stadtgründer Karl Wilhelm seine letzte Ruhe gefunden hat - sollte auch die Gestaltung entsprechend angepasst werden. Das forderten die Gemeinderäte der Fächerstadt im Juni 2014. Eines der wenigen Ereignisse, bei dem über alle Fraktionen hinweg Einigkeit herrschte. 

Dann hatten lange Zeit die Baustellen für die Kombilösung den Marktplatz fest im Griff. Im Juni 2017 ging es aber einen großen Schritt Richtung Neugestaltung der Innenstadt voran.

Die Musterfläche für den Bodenbelag wurde an einem kleinen Stück verlegt. Sie sollte für einen Testlauf dienen: Wie barrierefrei ist der neue Belag und wie wirkt er. Auf etwa 100 Quadratmetern konnten sich die Karlsruher ein Bild vom späteren Aussehen machen, der bis heute an der Kaiserstraße Ecke Kreuzstraße liegt. 

Musterfläche für die Neugestaltung der Kaiserstraße.
Musterfläche für die Neugestaltung der Kaiserstraße. | Bild: Stadt Karlsruhe

Wenige Monate nach dem Verlegen der Musterfläche entschied sich die Stadt für eben diesen Bodenbelag aus Granitstein, die Testfläche hat die Gemeinderäte überzeugt. Insgesamt war 2017 die Rede von Kosten von bis zu 45 Millionen Euro für die Umgestaltung des Marktplatzes und der Kaiserstraße. Jedoch gaben die Stadträte ihre Zustimmung nur unter Einschränkungen. 

 

Bild: Mettler Landschaftsarchitektur/Stadt Karlsruhe

Ein Wasserspiel sollte auf dem Marktplatz installiert werden - für ein besseres Klima auf dem Granitplatz. Auch kamen erste Bedenken, denn der Naturstein Granit sei "nicht ungefährlich, er kann strahlen". Deswegen sollte die Musterfläche auch nach Radioaktivität untersucht werden. 

Bild: Stadtplanungsamt

Marktplatz ohne Baustellen - vorerst

Im Mai 2018 war es dann so weit: Die Baugerätschaften sind vom Marktplatz verschwunden, eine provisorische Asphaltschicht hat die "Wunden der Stadt" vorläufig wieder geschlossen. Einzig die eingepackte Pyramide hat noch an die langen Bauarbeiten erinnert.

Der Asphalt wurde aufgebracht, weil die Stadt den Marktplatz als Ganzes verschönern wollte und weil die Bauherrin der Kombilösung, die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) zugesichert hat, den Platz wieder wie früher zu übergeben - und da hatte er einen Bodenbelag. 

Im Juli letzten Jahres waren die Verantwortlichen bei der Stadt davon überzeugt, dass der provisorische Bodenbelag besser sei, als "ewige Baustellen". Bei einem Stadtrundgang erläuterte der damalige Baubürgermeister Michael Obert zudem das neue Lichtkonzept: Die Pyramide wird von unten beleuchtet, Laternen oder Leuchtkörper am Rand des Markplatzes rahmen diesen ein. 

Arbeitsauftrag erteilt

Nach 1.778 Tagen unter einer Holzverkleidung hat endlich die Pyramide wieder das Licht erblickt. Lange war sie zu ihrem eigenen Schutz versteckt, schließlich sollte dem Grabmal von Stadtgründer Karl Wilhelm nichts passieren während der Bauarbeiten. Seit August steht sie wieder für alle sichtbar auf dem Marktplatz und im Oktober, zum Stadtfest, gab es dann eine große "Willkommensfeier". 

Nun neigt sich der Bau der Kombilösung dem Ende entgegen, schließlich sollen ab Dezember 2020 die Bahnen über die unterirdischen Gleise fahren. Und dann soll auch der Marktplatz in einem neuen Glanz erstrahlen. Damit der auch rechtzeitig fertig wird, wurden am Dienstag von der Stadt Karlsruhe die Bauarbeiten vergeben. Den Zuschlag hat die Karlsruher Firma Schempp bekommen, sie hat das beste Angebot abgegeben. 

Wie die Stadt Karlsruhe mitteilt, soll der Marktplatz in mehreren Bauabschnitten neu gestaltet werden. Während der Arbeiten sollen "alle fußläufigen Beziehungen über den Marktplatz zu den jeweils angrenzenden Einrichtungen aufrechterhalten werden". 

Verstrahlter Marktplatz durch Granit? 

Die Platten für den Bodenbelag sind aus Granit und kommen laut Stadtverwaltung aus "europäischen Steinbrüchen, hierbei liegen alle erforderlichen Zertifikate vor". Das der Marktplatz aus Granit gefällt der AfD-Fraktion allerdings nicht. Sie fürchten, dass der Naturstein strahlt und fordern daher, einen weniger radioaktiven Bodenbelag zu wählen.

"Wenn man sich an der Dosis von einem Millisivert pro Jahr orientiert, ist festzustellen, dass die Bauprodukte selbst bei großflächiger Anwendung uneingeschränkt verwendbar sind", antwortet die Stadt. "Daher sieht die Verwaltung die Verwendung der ausgeschriebenen Granite gerade im Außenbereich als unbedenklich an!"

Bild: Stadtplanungsamt

Ab April sollen die Bauarbeiten am "Herzen der Stadt" beginnen und voraussichtlich 2020 abgeschlossen sein. Dann erstrahlt der Marktplatz in neuem Glanz, samt Wasserspiel, Umriss der Konkordienkirche, neuem Wasserspiel und dem alten Ludwigsbrunnen an alter Stelle. 

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Kombilösung Karlsruhe | ka-news.de: Baufortschritt, Mehrkosten, Sperrungen und Verzögerungen: Mehr Infos und Fotos von der Karlsruher Kombilösung finden Sie in unserem Dossier!
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  •   Hartz4Bomber
    (619 Beiträge)

    27.02.2019 12:58 Uhr
    Schade Karlsruhe, wieder
    einmal eine große Chance vertan. traurig
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1273 Beiträge)

    27.02.2019 09:08 Uhr
    Eine Zeitreise, mag ja sein.
    Fragt sich nur in welche Richtung.
    Keine Bäume wegen U-Strab. Die Strab reicht doch nicht über die gesamte Platzbreite !
    Viel Spaß im nächsten Sommer.
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  •   MACHTEL
    (208 Beiträge)

    28.02.2019 10:25 Uhr
    Baeume
    Gleich einen ROT KREUZ WAGEN mit aufstellen wegen Hitzeopfer
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  •   andip
    (10905 Beiträge)

    27.02.2019 08:29 Uhr
    ??
    Ausgerechnet die AfD sorgt sich wegen dem angeblich strahlendem Granit?
    Das wäre doch eigentlich ein Thema für die Grünen, also müsste die AfD den Granit doch um so mehr bevorzugen.
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  •   lenkdreiachser
    (411 Beiträge)

    28.02.2019 09:58 Uhr
    Granit
    Das verstehe ich auch nicht - ist doch Granit ein Werkstoff, der bis zu 1.000 Jahre haltbar sein dürfte....
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  •   Skudder
    (469 Beiträge)

    27.02.2019 08:36 Uhr
    Bei der AfD
    sind aber auch einige Aluhut-Träger. Die müssen den dann nur aufsetzen und sind geschützt.
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  •   yokohama
    (3445 Beiträge)

    27.02.2019 08:16 Uhr
    Der beste Marktplatz aller Zeiten
    wenn man mit alten Bildern vergleicht. Weinbrenner hatte keine Straßenbahnen vorgesehen.
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  •   dipfele
    (5863 Beiträge)

    28.02.2019 17:11 Uhr
    Die gibts leider erst seit 1877....
    … weil die aber die Autofahrer nicht brauchen, lässt es sich der betuchte Steuerzahler eine Milliarde kosten, die Strabas unter die Erde zu verbannen. Assis- Auszubildende-Arbeitslose- Ausländer und Rentner, ggfs. auch Ökomanen kommen dann schneller durch die City.
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  •   uffmugger
    (363 Beiträge)

    28.02.2019 15:39 Uhr
    bester Marktplatz aller Zeiten?
    ach war das schön, wo man vor der Sparkasse noch parken konnte zwinkern
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  •   mueck
    (12031 Beiträge)

    27.02.2019 12:39 Uhr
    !
    ... weil es zu seiner Zeit noch keine Straßenbahnen gab.
    So wie er sich, ganz modern und auf der Höhe seiner Zeit, um die Erreichbarkeit der Stadt für Schiffe Gedanken gemacht hat, wäre stark zu vermuten, dass er von einer Straßenbahn ebenso begeistert gewesen wäre und heute denkmalgeschützte und hochgelobte Wartehäuschen etc. entworfen hätte ...
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