Karlsruhe "Spritzen" für die Kriegsstraße: So bleibt die Baustelle der Kombilösung trocken - ein virtueller Rundgang

Auch bei strömendem Herbstregen müssen die Bauarbeiten auf den Baustellen der Kombilösung weitergehen. Eine kleine Gruppe Interessierter hat sich von Wind und Wetter ebenfalls nicht abschrecken lassen und ist - bewaffnet mit Gummistiefeln und Schutzhelm - am Mittwoch in die Baugruben hinabgestiegen, um den Fortschritt der Kombilösung am Ettlinger Tor zu besichtigen. Dieses Mal führte der Weg aber nicht unter die Erde, sondern auf die Oberfläche der alten Kriegsstraßenunterführung. ka-news.de-Kollegin Verena Müller-Witt hat sich unter die Teilnehmer gemischt und sich den Fortschritt der Baufelder O5 und W4 genauer angeschaut.

Pünktlich um 16 Uhr findet sich die Gruppe interessierter Baustellenbesucher am Infopavillon "K" an der Kriegsstraße am Ettlinger Tor zusammen. Ausgestattet mit umhängbaren Audio-Guides, Helm, Gummistiefeln und Warnweste geht es los. Geführt werden wir von Erich Serbinski, Leiter der Baustellenrundgänge bei der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig). Das Baufeld O5, also das direkt östlich des Ettlinger Tors, ist unser erstes Anlaufziel. 

Erich Serbinski, Leiter der Baustellenrundgänge der Kasig. | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Hier wird aktuell die alte Kriegsstraßenunterführung abgebrochen, um Platz für den neuen Tunnel zu schaffen. Damit das aber funktioniert, wird hier das sogenannte Weichgel - ein wackelpuddingähnliches, wasserabweisendes Silikat - in großen Gefäßen aufbewahrt und wartet auf seine Weiterverarbeitung. Es wird benötigt, um die Unterführung vor hochsteigendem Grundwasser zu schützen.

Injektionsrohre auf dem Baufeld O5 | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Weichgelsohle soll Grundwasser fernhalten

Das funktioniert so: Mittels "Injektionsrohre" wird das Weichgel zirka 20 Meter durch die Betondecke des alten Tunnels in die Erde injiziert. So entsteht eine sogenannte "Weichgelsohle", die zusammen mit der Erde das Grundwasser nach unten presst. Von den Seiten sollen Betonwände die zukünftige Unterführung trocken halten.

Auch die Seitenwände werden mit Weichgel In Position gebracht | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Erst wenn die Baugrube dicht ist, kann der alte Tunnel unter unseren Füßen abgetragen werden.

Die alte Unterführung befindet sich direkt unter uns | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Richtige Verteilung des Weichgels hat Priorität

Der kontrollierte Fluss des Gels stellt dabei die größte Herausforderung dar. "Das Material kann man nicht einfach reindrücken, weil das Silikat sich mit dem Erdreich verbindet. Deshalb sind auch die Rohre unterschiedlich angeordnet und mit verschiedenen Farben gekennzeichnet ", erklärt uns Serbinski. So kann genau verfolgt werden, wie das Gel verteilt werden muss.

Rot bedeutet "im Betrieb" | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Weichgelsohle bei W4 fertiggestellt

Auf dem Baufeld W4 westlich des Ettlinger Tors ist bereits die nächste Bauphase eingeleitet worden. Rund vier Meter unterhalb der Erde befindet sich die neue Weichgelsohle. Der alte Tunnel wurde bereits abgetragen, sodass hier demnächst mit dem Betonieren begonnen werden kann.

Gegenüber wurde die alte Unterführung bereits entfernt | Bild: Paul Needham/Mohawkvisuals

Fertigstellung 2021 soll nichts im Wege stehen

Laut Serbinski sei die Unterführung bis 2021 vollständig fertiggestellt. "Da ist nichts mehr, was groß zum Stillstand führen könnte", so der Leiter der Baustellenrundgänge. Damit seien die Bauarbeiten der Kombilösung im angegebenen Zeitplan. 

Der Artikel wurde nachträglich bearbeitet.

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