47  

Karlsruhe Sparpläne für Kombilösung: Bleibt der Marktplatz gleisfrei?

Beim Bau der Kombilösung sollen Zeit und Kosten gespart werden: Ein aktueller Vorschlag von Oberbürgermeister Frank Mentrup und der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) sieht vor, auf die bislang geplanten oberirdischen Gleise auf dem Südabzweig am Marktplatz zu verzichten. Die Gleise sollten von Mitte 2016 bis Ende 2018 als Übergangslösung fungieren, bis der Stadtbahntunnel in Betrieb genommen werden kann.

Ursprünglich sahen die Planungen vor, dass nach dem Abschluss der sogenannten Rohbauarbeiten die Gleise auf den Südabzweig am Marktplatz zurückkehren sollten. Bis zur Einmündung Augartenstraße in die Ettlinger Straße sollten sie über beziehungsweise neben den Tunnel verlegt werden. Das Provisorium sollte Mitte 2016 eingerichtet werden und bis Ende 2018 bestehen bleiben.

OB will Karlsruhern nicht noch mehr zumuten

Ohne den Südabzweig am Markplatz stünden von 2014 bis 2018 nur die beiden Südabzweige Fritz-Erler-/Rüppurrer Straße und Karlstraße zur Verfügung. Denkbar wäre laut Kasig eine Verlängerung der Buslinie 10 von Süden kommend in die Karl-Friedrich-Straße in Richtung Marktplatz, um die Direktanbindung zwischen Hautpbahnhof und Stadtzentrum zu verbessern.

Durch den Einbau und Abriss der Gleise würden weitere Baustellen entstehen, die Oberbürgermeister Frank Mentrup als nicht notwendig erachtet. Damit verbunden seien Fahrplanänderungen und Sperrungen - Belastungen, die das Stadtoberhaupt den Einwohnern nicht zumuten möchte. "Die Menschen kommen so langsam an ihre Grenzen, sich auf einen immer neuen Fahrplan einstellen zu müssen", so Mentrup am Montag im Rahmen eines Pressegesprächs.

Zeit und Kosten sparen

Allein für den Einbau des oberirdischen Gleisdreiecks müsse man laut Kasig-Geschäftsführer Uwe Konrath mit einer rund 14-tägigen Vollsperrung und dementsprechenden Umleitungen rechnen. In der Ettlinger Straße würden die oberirdischen Gleise die ohnehin schon engen Verhältnisse noch erschweren.

"Das aktuelle Netz hat sich als sehr tragfähig erwiesen", sagt Mentrup, "es hat bisher gut funktioniert und wurde gut von der Bevölkerung angenommen." Die Entscheidung, den stillgelegten Südabzweig nicht wiederzubeleben, bezeichnet der OB als "Weichenstellung im weiteren Verlauf der Baumaßnahmen". Es ist die zweite Beschleunigungsmaßnahme im Bau der Kombilösung nach der Sperrung der östlichen Kaiserstraße im Sommer 2013.

Konkret soll der Verzicht auf die oberirdischen Gleise sieben bis acht Millionen Euro einsparen, die durch den Auf- und Wiederabbau sowie den Verzicht auf Gleise, Gleisdreieck, Weichen und Haltestellen entfallen. Zeitlich soll sich die Bautätigkeit im Bereich des Südabzweigs um bis zu sechs Monate verkürzen.

Baustellenfreier Marktplatz: Schon 2016 statt 2019

Die Oberflächen in der Karl-Friedrich- sowie in der Ettlinger Straße könnten bereits im kommenden Jahr wieder so hergerichtet werden, wie es ursprünglich erst nach dem Entfernen der Gleise im Laufe des Jahres 2019 möglich gewesen wäre. Ein Großteil der oberirdischen Arbeiten wäre somit bereits Ende 2016 statt erst 2019 beendet. Für Weihnachtsfans bedeutet dies: Durch die Bauzeitverkürzung könnte der Karlsruher Christkindlesmarkt bereits zu Weihnachten 2018 auf den dann schienenfreien Marktplatz zurückkehren.

Noch endgültig ausgetüftelt werden muss, wie die Großbaustelle Mendelssohnplatz ohne den Südabzweig bewältigt werden soll. Hier stehen im ersten Halbjahr 2017 die Bauarbeiten für den Autotunnel in der Kriegsstraße an. Die Einrichtung einer sogenannten Hilfsbrücke erfordert eine vierwöchige Sperrung der Nord-Süd-Verbindung. Damit stünde in der Innenstadt nur noch der Südabzweig in der Karlstraße für den Bahnverkehr zur Verfügung - hier war der Abzweig am Marktplatz als Ausweichmöglichkeit vorgesehen.

Der Verzicht auf die oberiridischen Gleise wird am Dienstag, 3. Februar, im Gemeinderat auf der Tagesordnung stehen. OB Mentrup plant zudem eine Bürgerveranstaltung im Sommer diesen Jahres zu diesem Thema.

Mehr zum Thema

Alle Artikel im Überblick: Zum Dossier "Kombilösung"

Gemütlicher Blick auf die Baustellen: Hier geht's zu unseren Webcams

Straßenbahnen in Karlsruhe: Sinkt das Unfallrisiko mit der U-Strab?

Mega-Baustelle Ettlinger Tor: Hier entsteht das "Kombibauwerk"

Kombilösung: Schon 1970 gab es Vision der "Unterpflaster-Straßenbahn"

Mehr zum Thema
Kombilösung Karlsruhe | ka-news.de: Baufortschritt, Mehrkosten, Sperrungen und Verzögerungen: Mehr Infos und Fotos von der Karlsruher Kombilösung finden Sie in unserem Dossier!
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (47)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   heikoka
    (307 Beiträge)

    26.01.2015 16:39 Uhr
    DAS klingt ja mal richtig durchdacht ..
    hoffentlich kann er sich damit durchsetzen !!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (5440 Beiträge)

    27.01.2015 10:30 Uhr
    wer...
    .... der Mentrup oder der mueck ? Wenn die Gleise nicht wieder auf den Marktplatz kommen, ist das ein Verstoss gegen den Planfeststellungsbeschluss! Jetzt wurde so viel Geld verbrannt, da kommt es auf 7 Mio auch nicht mehr drauf an. In der Ettlinger Str. wurde extra deshalb die Fahrleitungsanlage umgebaut für den Betrieb, wie im Planfeststellungsbeschluss gefordert. Ab Ende November 2013 wurde die neue Anlage wieder abgebaut. Die masten dienen jetzt der Strassenbeleuchtung.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   haku
    (4075 Beiträge)

    26.01.2015 16:47 Uhr
    Zum Glück...
    ...haben wir rechtzeitig einen neuen OB bekommen. Ein OB Fenrich müsste doch auf Biegen und Brechen die alten Pläne, für die er selber geworben hatte, durchziehen. Mentrup hat es da einfacher, pragmatisch zu handeln, auch wenn die Entscheidung nicht populär sein wird. Hat ja schon bei der Sperrung de östlichen Kaiserstraße gut funktioniert.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (5440 Beiträge)

    27.01.2015 10:33 Uhr
    auch der Mentrup kann nicht...
    .. machen was er will. Das wäre ein Verstoss gegen den Planfeststellungsbeschluss, der besagt, dass die Gleise oben bleiben bis zum bitteren Ende.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   heikoka
    (307 Beiträge)

    26.01.2015 16:52 Uhr
    da fällt mir ein Zitat ein ..
    Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern,
    als ihr treu zu bleiben.

    Friedrich Hebbel (1813-63), dt. Dichter
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (5440 Beiträge)

    27.01.2015 10:42 Uhr
    der Mentrup kann aber nicht...
    .. gemeint sein ? Denn der hält ja am Geldverbrennen fest, nur jetzt halt etwas weniger.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   haku
    (4075 Beiträge)

    26.01.2015 16:34 Uhr
    Ist das jetzt schon so beschlossen oder nicht?
    Bei der KASIG liest sich das, als wäre es schon beschlossen.
    http://www.diekombiloesung.de/presse/2015/anzeige/article/verzicht-auf-provisorische-oberirdische-gleise-spart-auf-dem-suedabzweig-zeit-und-kosten.html

    Und tagt der Gemeinderat am kommenden Mittwoch???
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   dipfele
    (5440 Beiträge)

    27.01.2015 10:39 Uhr
    beschlossen ist...
    ... im Planfeststellungsbeschluss, dass die Gleise wieder rein kommen. Die Planfeststellung hat Gesetzeskraft. Alles andere wäre ein Verstoss, so wie das Falschparken auch geandet wird.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   haku
    (4075 Beiträge)

    27.01.2015 11:04 Uhr
    Ich kenne mich da nicht so aus...
    Aber da ist doch sicher ein Unterschied in so einem Planfeststellungsbeschluss, ob es sich um die Beschreibung der Durchführung oder um die Beschreibung des Endzustands handelt. Zum Schluss muss natürlich rauskommen, was beschlossen war. Aber für die Durchführung muss es doch eine gewisse Flexibilität geben. Man weiss bei so einer großen Baumaßnahme ja nicht vorher genau, auf welche Probleme man stoßen und wie man darauf reagieren wird.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (10735 Beiträge)

    27.01.2015 16:55 Uhr
    Hallo Greif!!!!!
    Komm mal hergeflogen, das ist eine Frage für Dich!

    Im Prinzip müssten auch die Angaben zur Durchführung eines Bauverfahrens eine gewisse Verbindlichkeit haben können. Man denke nur an Auflagen wie
    "Während des Baus sind ide Ruhezeiten der benachbarten Feldhamster zu beachten"
    oder
    "die Pyramide bleibt während der Bauzeit erhalten udn ist vor Beschädigungen zu schützen"
    Habe jetzt nicht nachgeschaut, ob und wo letzteres drin steht, aber solche Auflagen müssten verbindlich drinstehen können. Wie weit der fragliche Bauablauf dazu gehört, das muss jemand sagen, der in solchen Fragen bewanderter ist, Greif bspw. zwinkern
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 (5 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.