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Karlsruhe Sicherheitskonzept im künftigen Straßenbahntunnel: Viel Licht, Videoüberwachung und übersichtliche Haltestellen für ein sicheres Gefühl

Mit dem Beginn der Baustellen zur Kombilösung hat sich das Stadtbild Karlsruhes verändert und vor große Herausforderungen gestellt. Und mit Inbetriebnahme des Straßenbahntunnels werden noch mehr davon auf die Stadt zukommen. Denn: Viele Menschen fragen sich, wie es um die Sicherheit im künftigen Tunnel gestellt ist.

Anlass für den Infoabend im K-Punkt, bei dem das Sicherheitskonzept für den U-Strab-Tunnel präsentiert wurde, war die Anregung einer Karlsruher Frauengemeinschaft. "Immer wieder kam das Thema bei ihren regelmäßigen Treffen auf", sagt Karin Schulz von der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen. gegenüber ka-news. 

"Bei den VBK und der Kasig sind wir damit gleich auf offene Ohren gestoßen", so Schulz. Da vor allem Frauen ein mulmiges Gefühl hätten, wenn sie in den Abendstunden alleine in die unterirdischen Haltestellen müssten, sei man bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe (VBK) und der Kasig zu dem Entschluss gekommen, dass ein Infoabend die einzige Lösung wäre, um drängende Fragen zu beantworten. 

Uwe Konrath, der Geschäftsführer der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), erklärte, dass die Sicherheitskonzeption im Tunnel in Betriebs- und Personensicherheit unterteilt ist. Heißt: "Wir als Bauherrin schaffen die Grundlage für die Sicherheit im Tunnel, etwa damit sich keine Platten von den Wänden lösen. Nach der Inbetriebnahme des Tunnels übergeben wir das Sicherheitskonzept der Fahrgäste in die Hände der VBK", so Konrath.

Infoabend zur Sicherheit im Tunnel
Kasig-Geschäftsführer Uwe Konrath. | Bild: Alexander Hammer

Durch Videoüberwachung kann im Erstfall eingegriffen werden

Der 65-jährige Bauingenieur stellte das Prinzip bei der Haltestellenplanung vor: So werden alle Bahnsteige barrierefrei erreichbar sein, pro Bahnsteig soll es je einen Aufzug geben. Außerdem wird es an jeder der insgesamt sieben Haltestellen vier Notrufsäulen geben, bei denen Anrufer direkt mit der VBK-Leitstelle verbunden werden. In jeder Haltestelle wird es als Erste Hilfe-Maßnahme auch zwei Defibrillatoren geben.

An den Bahnsteigen sowie den Zu- und Abgängen zu den Gleisen wird es auch eine ausgedehnte Videoüberwachung geben. "Denn anders als im öffentlichen Straßenraum hat ein U-Strab-Tunnel die Funktion eines geschlossenen Raumes, in der wir als Betreiber mit Videoüberwachung zur Sicherheit beitragen können", erläutert VBK-Betriebsleiter Ralf Messerschmidt.

Infoabend zur Sicherheit im Tunnel
VBK-Betriebsleiter Ralf Messerschmidt. | Bild: Alexander Hammer

Keine Kioske oder Gewerbeflächen im Tunnel

Auch beim Brandschutzkonzept wurde eine Vielzahl an Sicherheitsmaßnahmen aufgestellt. Neben unabhängigen Notausgängen an den Bahnsteigen wird es Rauchschürzen sowie Brandschutzverglasungen geben. Auch eine maschinelle Entrauchung durch Ventilatoren wäre bei dem vorgesehen Sicherheitskonzept möglich.

Im Zuge des Brandschutzkonzeptes der Kasig wird von einer kommerziellen Nutzen der Tunnelflächen abgeraten. Kioske oder andere Läden wird es nach derzeitigem Planungsstand in der U-Strab also nicht geben. Neben der Brandlast begründen die Verantwortlichen die Empfehlung auch mit dem Gedanken, dass man dadurch "die Ansiedlung eines gewissen Klientels" verhindern wolle.

Helle, übersichtliche Haltestellen und keine "dunklen" Ecken

Die beiden Verantwortlichen versichern, dass man im Vorfeld der Planungen alles dafür getan habe, damit niemand ein mulmiges Gefühl haben müsse, wenn er auch zu später Stunde im Tunnel auf die Bahn wartet. Konrath spricht von einer "großen, hellen Ausleuchtung" die, weil sie oberhalb der Leitungen angebracht ist, hohe und daher gut einsehbare Haltestellen bieten wird.

"Insgesamt orientiert sich auch der U-Strab-Tunnel an europäischen Sicherheitsstandards", erklärt Ralf Messerschmidt. Durch die Videokameras, immerhin soll eine dreistellige Zahl an Geräten installiert werden, und die helle Ausleuchtung seien die U-Strab-Haltestellen die, bei denen im Ernstfall schneller eingegriffen werden könnte als an dunklen und einsamen Haltestellen in der Region, stellten die Verantwortlichen klar.

Infoabend zur Sicherheit im Tunnel
Den Teilnehmern lagen viele Fragen auf der Seele rund ums Thema Sicherheit. | Bild: Alexander Hammer

Einige Besucherinnen hatten dennoch Zweifel: Dass sie den Notrufknopf nicht rechtzeitig vor einem Überfall erreichen können und man nicht direkt mit der Polizei verbunden wird. Zudem komme, dass die Kameras zwar in Betrieb sind, aber nicht dauerhaft überwacht werden, sondern erst auf den Bildschirm in der Leitstelle gespielt werden, sobald ein Notrufknopf aktiviert wurde.

"Eine dauerhafte Beobachtung der geplanten Kameraanzahl ist personell nicht machbar", stellt Messerschmidt klar. Der VBK-Betriebsleiter weist darauf hin, dass das Personal in der Leitstelle speziell auf die Entgegenahme von Notrufen geschult ist. Zudem sind auch Streifendienste der Polizei und des Ordnungsamtes oder anderer Sicherheitskräfte geplant. "In welchem Umfang das durchgeführt wird, darüber sind wir derzeit noch in Abstimmung", erklärt Kasig-Chef Uwe Konrath.

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  •   KFZfreak
    (131 Beiträge)

    27.10.2018 15:44 Uhr
    Sicherheit
    Bevor man sich an Sicherheit in Tunneln versucht, sollte man ersteinmal die Kriminalität an der frischen Luft eindämmen. Gruppenvergewaltigung in Freiburg, getötete Frau in Berlin, wahrscheinlich wieder ein Haufen Körperverletzungen und Diebstähle die gar nicht in der Zeitung landen.
    Wohl dem der ein Auto hat und diese "U-Bahn" nicht benutzen muss, das ist ein vorprogrammiertes Kriminalitätsloch. Da wird auch eine durch links-grüne Gehirnwäsche verweichlichte Polizei nichts helfen.
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  •   dipfele
    (4968 Beiträge)

    27.10.2018 15:26 Uhr
    Weil die Rettungswege....
    ….zu schmal sind, können bei liegenbleibenden Bahnen im Tunnel sich Rollstuhlfahrer und andere mobilitätseingeschränkte Leute nicht selbst retten. Das Thema wird ausgeklammert.
    Damit im Notfall die Bahnen bis zur nächsten Haltestelle fahren können, werden Notbremsüberbrückungen eingebaut. Zusätzlich Notrufsprechstellen und feuerfeste Sitzbezüge. Kosten der Umrüstung für die vorhandenen Bahnen rund 25 Mio . Zusatzkosten, die den einfältigen Briganden beim Bürgerentscheid nicht genannt worden waren. Ebenso unerwähnt waren die Brandschutz-und Überwachungseinrichtungen. Kein Wunder läuft das Ganze auf 1,5 Milliarden hinaus.
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  •   IchKA
    (630 Beiträge)

    27.10.2018 11:13 Uhr
    Ich verstehe das nicht
    "die helle Ausleuchtung seien die U-Strab-Haltestellen die, bei denen im Ernstfall schneller eingegriffen werden ..., stellten die Verantwortlichen klar."

    Also, wenn es hell ist, soll Hilfe schneller vor Ort sein und die Videoüberwachung greift erst dann, wenn ein Notruf gedrückt wird, weil die Personalresourcen für einen kontinuierliche Überwachung nicht ausreichen ?

    In dieser unterirdischen Falle kommt niemand mehr heraus, wenn Übergriffe passieren und man keinen Notruf drücken kann. Wenn überhaupt ein Notruf abgesetzt werden kann ist "das Ding" schon gelaufen bis Einsatzkräfte vor Ort sind.
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  •   ALFPFIN
    (6325 Beiträge)

    26.10.2018 11:41 Uhr
    Trotz dieser Sicherheitsmaßnahmen
    haben zum Beispiel die Städte Frankfurt und Hamburg zusätzlich Bahnwachen, in Frankfurt ist der Ordnungsdienst rund um die Uhr eingesetzt an den Haltestellen und besonders in "kritischen Linien". Diese Leute sind speziell hierfür geschult. Ob dies in Karlsruhe in diesem Umfang erforderlich ist, kann man prüfen. Aber die angedachten Maßnahmen in Karlsruhe, ohne anwesenden Sicherheitsdient werden meiner Meinung nach, insbesondere nachts nicht genügen.
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  •   dipfele
    (4968 Beiträge)

    27.10.2018 15:01 Uhr
    Sicherheitsdienste.....
    ....waren nie kalkuliert, auch die Kameraüberwachung nicht. Daher sollte ja das Ganze nur 500 Mio kosten.
    Mit allem Sicherheits-und Brandschutzdrumunddran dürften die 1,5 Milliarden locker erreicht werden. Da wurde das Volk beim Bürgerentscheid ganz schön genasführt.
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  •   Prof.Baerlapp
    (605 Beiträge)

    26.10.2018 09:16 Uhr
    Streifendienste von Polizei und Ordnungsamt
    Na toll, wenn die Personaldecke bei KOD und Polizei so dünn bleibt wie bisher, dann ist das nur ein Wunschtraum.

    Dabei wäre es die beste Maßnahme, um wirklich dauerhaft eine höhere Sicherheit zu schaffen. Das Risiko, dass jederzeit Ordnungskräfte auftauchen können, schreckt ein bestimmtes Klientel nämlich durchaus ab. Wenn die aber wissen, dass höchstens ein Mal in zwei Tagen ein Uniformierter autaucht, dann haben die Störer und Kriminellen doch "freie Bahn". Kapuzenpulli hochgezogen, dann ist auch eine Identifizierung über die Videoüberwachung schwer.
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  •   andip
    (9233 Beiträge)

    26.10.2018 08:36 Uhr
    Es wäre mal interessant zu erfahren
    was eigentlich die Kriminalitätsstatistik zu dem Thema sagt.
    Wie sieht es eigentlich in all den Städten auch in Deutschland aus, die bereits über U-Bahnstationen verfügen?
    Finden dort ständig Raub und Totschlag oder sonstige schlimme Sachen statt?
    Oder passiert da wenig bis gar nichts?
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  •   dipfele
    (4968 Beiträge)

    27.10.2018 15:15 Uhr
    Höchstens harmlose......
    ...Taschendiebereien. Man muss abwarten, ob überhaupt jemand mit der Tunnelbahn mit fährt. In Ludwigshafen ist die Anzahl der Wartenden sehr übersichtlich.
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  •   stoersender
    (1198 Beiträge)

    26.10.2018 13:40 Uhr
    Ab und zu
    wird auch ein Obdachloser an einer U-Bahn-Haltestelle angezündet. Sind aber Einzelfälle.
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  •   Prof.Baerlapp
    (605 Beiträge)

    26.10.2018 09:19 Uhr
    Die Kriminalstatistik sagt
    dass in unserem Lande alles bestens ist. Das können Sie doch bald jeden Tag irgendwo lesen. Höchstens ein paar nicht erwähnenswerte Einzelfälle von Kriminalität, kein Thema über das sich die Bürger Gedanken machen sollen.
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