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Karlsruhe Mentrups Prognose: "Die Kombilösung kostet 788 Millionen"

Viele Plätze waren leer geblieben am Donnerstagabend im Stephansaal. Nur gut 150 Bürger waren der Einladung von Oberbürgermeister Frank Mentrup zum "Infoabend Kombilösung" gefolgt. Dabei wagte der erstmals eine durchaus gewagte Prognose: "Wo landen wir mit den Kosten im Jahr 2019?", lautete die vom OB an sich selbst gestellte Frage - "bei 788,6 Millionen Euro" die Antwort für das Saalpublikum - über 140 Millionen Euro mehr als aktuell veranschlagt. Und noch weitere Ankündigungen hatte Mentrup parat.

Einen Überblick nicht nur über den an diesem Wochenende zu legenden "Bypass", sondern ein Rundumschlag mit Rückblick, Ausblick und Fragerunde - nicht weniger versprach Oberbürgermeister Frank Mentrup dem Publikum. Und er hielt Wort. Margret Mergen, Erste Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), gab zunächst einen kurzen Rückblick auf die bisherige Entwicklung, Kasig-Projektleiter Uwe Konrath referierte über den aktuellen Stand der Bauarbeiten und Verkehrsbetriebe Chef Walter Casazza erläuterte die Konsequenzen der ab dem kommenden Wochenende geltende Vollsperrung der östlichen Kaiserstraße für den Fahrplan - soweit bekannte Fakten.

"Nicht blauäugig": Kostensteigerung von 495 auf 788 Millionen Euro

Der spannendere Teil folgte im Anschluss. Mit sichtlicher Freude ließ Frank Mentrup zunächst die kommenden Bauabschnitte per animierter Powerpoint-Präsentation über die Leinwand fliegen, gab einen Überblick über die bisher eingegangenen Anträge auf Entschädigung (288) und die bisher entstandenen Entschädigungskosten (2,030 Millionen Euro), bevor er sich größeren und für das Publikum wohl auch spannenderen Zahlen widmete: der Kostenentwicklung der Kombilösung: Beginnend mit 495 Millionen Euro, die 2002 veranschlagt worden waren über 648 Millionen Euro zum Dezember 2012 bis hin zu den voraussichtlich für Dezember 2013 veranschlagten 674 Millionen Euro zu einer Zahl, die zwar "realistisch" sei, aber eben dennoch erstmal - das betonte Mentrup mehrfach - "nur eine Prognose": 788,6 Millionen Euro Gesamtkosten im Jahr 2019. 

"Ich will nicht, dass mir 2019 jemand sagt, ich sei blauäugig gewesen", so der Oberbürgermeister. Rechne man allerdings die bisherige Entwicklung hoch, müsse man einfach mit Kosten von 566,3 Millionen Euro für den Stadtbahntunnel und weiteren 222,3 Millionen Euro für die Kriegsstraße rechnen. Beim Stadtbahntunnel sei man hier von einer Kostensteigerung von 3,5 Prozent ausgegangen, die sich aus einer normalen Baupreisentwicklung (2 Prozent) sowie Kosten für Unvorhersehbares (1,5 Prozent) zusammensetzen. Bei der Kriegsstraße habe man rückwirkend eine Steigerung von 2 Prozent angesetzt. "Insgesamt werden wir insgesamt zwischen 750 und 800 Millionen Euro liegen", so Mentrups mutige Schätzung. Dieser Wert sei auf Basis der bisherigen Erfahrungen realistisch. Allerdings stehe für Prognosen bewusst er ein - schließlich sei er kein Betriebswirt und könne daher etwas grober schätzen. 

Wie diese Kostensteigerung zustande kommen dürfte, erklärte Walter Casazza. Ein Grund seien Schlüsse aus dem Unglück beim U-Bahnbau in Köln, die auch Einfluss auf die Karlsruher Planung haben dürften. Überhaupt sei bis 2019 ist eine lange Zeit, "da muss man immer damit rechnen, dass noch etwas passiert", so der VBK-Chef.

Mentrup: "Wir brauchen kein neues Baustellenmanagement"

Nicht nur beim Thema Kosten sprach Mentrup Tacheles. "Was wir nicht brauchen, ist ein neues Baustellenmanagement", so der OB, der sich noch im Wahlkampf für eine deutliche Verbesserung an eben dieser Stelle ausgesprochen hatte. Hier sei er inzwischen allerdings klüger. "Tolle Experten" habe man bei Stadt und den übrigen beteiligten Stellen: "Wenn Sie wüssten, welche Baustellen alle nicht stattfinden, Ihnen würde Hören und Sehen vergehen", so Mentrup an das Publikum gerichtet. 

Wohl aber zu verbessern sei das Informationsmanagement. Bis Juni solle daher auch das Thema Kombilösung in die Behördenrufnummer 115 eingebunden sein. Hier liefen schon jetzt 17 verschiedene städtische Nummern zusammen - und das mit Erfolg. 86 Prozent der Anfragen könnten direkt beantwortet werden. Auch die Kombilösung solle hier künftig mitbedient werden. Informationsmaterial zur Kombilösung solle zudem vereinheitlicht werden und die Baustellenübersicht der Stadt im Internet um eine Baustellenprognose ergänzt werden, bei der man sich generell auch die geplante Baustellen für die kommenden Monate anzeigen lassen könne. 

Sperrung der Kaiserstraße muss im Zeitplan bleiben

Spannend dürften die kommenden Monate vor allem wegen der Sperrung der östlichen Kaiserstraße werden. Daran, dass man hier unbedingt im Zeitplan bleiben müsse, ließen Kasig-Projektleiter Uwe Konrath und Arbeitsgemeinschaft Stadtbahntunnel-Projektleiter Peter Dobler keinen Zweifel. "Dafür stehen Herr Dobler un ich gerade", so Konrath. Und wenn es trotzdem nicht klappt. "Dann wird es ein Notfallkonzept geben", so Konrath. Zum Weihnachtsgeschäft sei die Kaiserstraße wieder frei - in jedem Fall. 

Alle übrigen Artikel zur Kombilösung in der Übersicht

Informationswebseite der Kasig zur Kombilösung

Infos zur Sperrung der Kaiserstraße 

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  •   Fragensteller
    (730 Beiträge)

    26.04.2013 17:39 Uhr
    aber
    für jeder Alternartive etc. gilt in einer Demokratie immer noch, dass sie eine Mehrheit braucht - und jeder Alternative hat nun mal Vorteile und Nachteile.
    Beispielsweise der viel diskutierte Direktanschluß an die Innenstadt ohne Umsteigen - in den Stadtteilen, die den bei einer Lösung verlieren würden, wird eine Tendenz gegen dieses Vorhaben zu stimmen größer.
    Keine "Aternativlösung" hat es geschafft im Gemeinderat eine Mehrheit zu erhalten - dann gibt 3 Varianten: 1.) man lässt alles wie es ist 2.) jeder versucht möglichst viele Leute von seiner Variante zu überzeugen oder 3.) man sucht einen Kompromiss. ob 1.) gut wäre weiß ich nicht, 2.) wurde bestimmt versucht ist aber schwer - dann kam die Idee auf 3.) und man hat die Kombi gefunden. Wenn man den Vorgang mal unabhängig von Emotionen, Lobby-Vorwürfen, Denkmälern betrachtet eigentlich eine logische Sache.
    Ich hoffe z.B. auch, dass Mentrup es schafft bei Themen wie Stadion und Rheinbrück Kompromisse zu finden!
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  •   exsued
    (430 Beiträge)

    26.04.2013 18:31 Uhr
    So ist es
    .
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (3577 Beiträge)

    26.04.2013 09:56 Uhr
    die üblichen Unwahrheiten der Kombi-Gegner
    durch die Volksabstimmung ist es kein Projekt des Ex-OB Fendrich und auch keines des Stadtrates, sondern ein Projekt der Mehrheit der Karlsruher.
    Das hatten Aktivisten zu allen Zeiten an sich: Sie halten sich für geistig dem gemeinen "Pöbel" überlegen, glauben mit religiösem Fanatismus an ihre Sache und können nichts mit abweichenden demokratischen Mehrheiten anfangen.
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  •   dipfele
    (5944 Beiträge)

    26.04.2013 15:57 Uhr
    bitte die Luft...
    .. anhalten! Dem Volk wurde 2002 vorgegaukelt, dass das alles so gut wie nichts kosten würde (80 Mio für Stadt) und das die meisten Oberflächenarbeiten ("Deckel") in ZWEI Jahren erledigt sind! Wenn die Zuschussgeber nicht mit ziehen bleiben an der Stadt 300 -400 Mio
    hängen. Damit ist die Grundlage von 2002 überhaupt nicht mehr gegeben. Die Wähler haben sich selbst verarscht.
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  •   Hasehirn
    (154 Beiträge)

    26.04.2013 11:21 Uhr
    Und was hatten obrigkeitstreue
    Fortschrittsgläubige wie Du schon immer an sich: Wider jeglicher Vernunft und - mittlerweile - besserer Erkenntnisse klammert man sich stur an demokratisch gefasste Beschlüsse und beruft sich auf den vermeintlichen Willen der vermeintlichen Mehrheit der Karlsruher Bürger. Man verschließt die Augen vor dem, was sich mittlerweile in vielen Bereichen leider bewahrheitet hat (logisch, Bedenken wurden ja immer als unnötige Panikmache abgetan und vom Tisch gewischt ...) und bezichtigt kurzerhand alle Gegner dieser "Augen-zu-und-durch"-Politik als Feinde der Demokratie, läßt sich obendrein noch zu solch lächerlichen Vergleichen mit religiösen Fanatikern herab.... Hör doch mal endlich mit dieser Sch*** auf, das ist mindestens so unerträglich wie ObenLang's Millionengrab-Gequengel!
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (3577 Beiträge)

    26.04.2013 11:42 Uhr
    Karlsruher haben sehr viel Hirn
    und lassen sich mehrheitlich nicht vom Fanatismus einiger Kombi-Phobiker abschrecken.
    Und solche Töne
    Zitat von Hasehirn vermeintlichen Willen der vermeintlichen Mehrheit der Karlsruher Bürger
    sind eine verbale Verachtung der andersdenkenden Mehrheit durch radikaliserte Fanatiker.
    Ein tumber Griff in die politische Klamottenkiste ist es, Gegner als "obrigheitshörig" zu definieren, wenn die "Obrigkeit" den Willen der Bürger umsetzt.
    Auch der von Obennix benutzte Begriff "Fenrichröhre" zeugt von Verachtung des Willens der Mehrheit der Karlsruher.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (999 Beiträge)

    26.04.2013 14:52 Uhr
    Sie übersehen, daß es sich hier um Betrug handelt
    es ist durchaus relevant, daß bei einer Volksentscheidung alle relevanten Daten zum Objekt vorliegen.
    Diese wären gewesen:

    Anzahl der Baustellen und Belästigungen
    Dauer derselben
    Kosten

    In allen 3 Aspekten wurde dem obrigkeitssabbelnden Bürger Scheisse in Augen und Ohren geschmiert.

    Die Abstimmung ist nichtig!
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  •   Fragensteller
    (730 Beiträge)

    26.04.2013 15:32 Uhr
    schwierig
    einerseits verstehe ich die Argumentation, andererseits spekuliert man damit über die Gründe warum wer für oder gegen was gestimmt hat.
    Manche hätten vielleicht nicht zugestimmt wenn sie gewußt hätten, das es mehr kostet und oder das es so viele Baustellen sind. Es kann aber auch sein, dass manche ihr Kreuz bei "Nein" gemacht haben aufgrund einer "Falschinformation" der Gegnerseite. (z.B. falls am Ende die Zuschüsse fließen sollten und jemand aufgrund der Befürchtung dass dies nicht geschieht mit "Nein" gestimmt hat, so wäre das ebenfalls ein Grund das ganze anzufechten.). Ebenso dürften die Kosten aller Alternativen zwischen 2002 und jetzt gestiegen sein, ebenso könnten sie Verkehrsprognosen geändert haben.
    Man würde wohl für fast jede Abstimmung eine Aussage finden, die sich als "kritisch/falsch" herausstellt von jeder Seite finden... Man muss aber jedem Wähler zutrauen, dass er sich damit beschäftigt abwägt und entscheidet. Tut man das nicht, dann sollte man keine BE durchführen!
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (4144 Beiträge)

    26.04.2013 16:38 Uhr
    Wenn ich immer diesen Stuss wegen der Zuschuesse lese
    dan wird mir echt schlecht.
    Wo denkt ihr Hohlpfosten eigentlich was diese Zuschuesse sind?
    Denkt ihr eigentlich Zuschuesse wachsen auf Baeumen, oder es sind Geschenke reicher Oelscheichs?
    Nein das sind auch STEUERGELDER !!!
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  •   Fragensteller
    (730 Beiträge)

    26.04.2013 17:26 Uhr
    langsam
    nicht alle die nicht 100% deiner Meinung sind sind automatisch Hohlblöcke.
    Wenn ich 2 Varianten habe, die eine Kostet Summe X und ich muss die als Stadt alleine Zahlen, die andere kostet Summe Y>X aber ich muss nur einen Teil davon zahlen, der Rest wird aus anderen Steuern genommen, dann muss ich da als Stadt abwägen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was sonst mit dem Geld des Bundes/Landes passiert und ob ich dann nicht egoistisch bin (Bsp.: "Bevor es nach Griechenland fließt kann es auch hier ausgegeben werden").

    Viele verzichten ja auch nicht auf legale Absetzmöglichkeiten bei der Steuer, Zuschüsse für ihren Sport-Verein etc., BAFÖG, subventionierte Produkte - auch das Geld dafür fällt nicht vom Himmel...
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