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Karlsruhe Marktplatz wandle dich: Vom Skatepark zur Liegewiese - ein "Projektfeld" könnte entstehen

Die "Speakers' Corner" im Londoner Hyde Park ist berühmt: Jeder, der Lust hat, kann dort ohne behördliche Genehmigung Reden vor Publikum halten. In Karlsruhe könnte ein ähnliches Modell entstehen - zumindest, wenn es nach der Gemeinderatsfraktion Die Linke geht. Sie fordert, einen Teil des Marktplatzes als Projektfeld auszuweisen. Was genau dahintersteckt - ka-news.de hat mit Linke-Stadträtin Mathilde Göttel über die Idee gesprochen.

Die Neugestaltung des Marktplatzes im Zuge des Baus der Kombilösung ist in vollem Gange. Neben der Frage, wie der Platz künftig einmal aussehen wird, stellt sich nun auch die Frage der Nutzungsmöglichkeiten. Zu diesem Thema hat die Fraktion der Karlsruher Linken im Oktober einen außergewöhnlichen Antrag in den Gemeinderat eingebracht: Sie möchten, dass ein "klar definierter Bereich" des Areals als Projektfeld für "temporäre Projekte zur Verfügung gestellt wird", heißt es darin. 

"Die Bevölkerung ist im öffentlichen Raum zu anonym"

"Die aktuelle Diskussion um die neue Gestaltung des Marktplatzes zeigt deutlich, dass die Stadtverwaltung ohne ernsthafte Einbeziehung der Karlsruher Bevölkerung geplant und mit den Umbaumaßnahmen begonnen hat. Die Reaktionen und die Kritik sind mehr als deutlich", schreibt die Linke weiter.

Bauarbeiten Marktplatz
Die Linken-Fraktion fordert, die Karlsruher stärker in den Planungsprozess des Marktplatzes mit einzubeziehen. | Bild: Hammer Photographie

Mit dem Projektfeld möchten die Stadträte die Bürger stärker in den Planungsprozess einbeziehen. "Die Bevölkerung ist im öffentlichen Raum noch zu anonym. Wir möchten, dass die Karlsruher sich so selbst als Person im Stadtbild wiederfinden können und realisieren: 'Ich kann die Stadt mitgestalten'", erklärt Linke-Stadträtin Mathilde Göttel die Idee im Gespräch mit ka-news.de.

Mathilde Göttel, Die Linke
Die Linke-Stadträtin Mathilde Göttel. | Bild: Linke Karlsruhe

Skulpturenpark, Urban Gardening oder Skateranlage?

Konkret wünsche man sich laut Göttel ein "relativ kleines, auf dem Boden aufgezeichnetes und als feste Fläche definiertes Feld". Darin könnten dann, so die Idee der Fraktion, unterschiedlichste Projekte über eine Dauer von mehreren Tagen oder Wochen realisiert werden. "Das könnte beispielsweise eine Ausstellung mit einem Skulpturenpark sein, eine Liegewiese, ein Skateranlage, ein Urban Gardening-Projekt, ein Demokratieforum, eine Kleinkunstbühne und vieles mehr", so Göttel.

Insbesondere Jugendliche wollen die Linken mit der Idee ansprechen. Einzige Bedingung: Die Projekte müssen ein Aufenthaltsangebot für den Marktplatz bieten. "Die Fußgängerzone und der Marktplatz sind aktuell nicht attraktiv und zu steril. Wir möchten, dass sie persönlicher werden und die Menschen einladen, immer wieder aufs Neue auf den Platz zu kommen und dort zu verweilen", sagt die Stadträtin gegenüber ka-news.de.

Möblierung Marktplatz
Statt Bauzäunen könnte auf dem Platz künftig Skateranlage, Gärterprojekt oder eine Kleinkunstbühne stehen. | Bild: ka-news

Eine Idee, die dem Vorbild der Speakers' Corner in London folgt? Nicht ganz, so Mathilde Göttel. Im Gegensatz zum Original aus Großbritannien soll hier nicht einfach das Feld besetzt und losgelegt werden können. Die Projekte sollen sich im Voraus bewerben müssen, ein Kuratorium aus Jugendlichen solle dann eine Auswahl treffen. "Eine gewisse Vorlaufzeit würde es also geben."

Projektfeld würde Marktplatznutzung einschränken

Doch noch ist die Entscheidung über das Projektfeld nicht gefallen. Die Stadtverwaltung lobte zwar das Engagement der Fraktionsmitglieder, den Jugendlichen "mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen", empfahl dem Gemeinderat im Oktober allerdings dennoch, den Antrag abzulehnen.

Bauarbeiten Marktplatz
Die Stadt fürchtet, dass der Marktplatz mit dem Projekt zu sehr eingeschränkt würde. | Bild: Hammer Photographie

Der Grund: "Der Ansatz, ein generell freizuhaltendes 'Projektfeld' einzurichten, würde auf der einen Seite die Nutzbarkeit des Marktplatzes einschränken und auf der anderen Seite die Platznutzung durch die Jugendlichen auf einen festgelegten Bereich limitieren", so die Stadt in ihrer Stellungnahme.

"Hier ist die Angst da, Dinge aus der Hand zu geben"

Mathilde Göttel kann diese Haltung nicht unbedingt nachvollziehen. "Ich glaube, mangelnde Flexibilität ist nicht das Problem. Ich denke eher, hier ist die Angst da Dinge aus der Hand zu geben", erklärt sie im Gespräch mit ka-news.de. "Hier wäre das aber ein kontrolliertes Aus-der-Hand-geben, denn die Projekte würden durch das Kuratorium ja überwacht werden", so Göttel.

Wie es mit der Idee des Projektfeldes nun weitergeht, ist aktuell noch offen. Ganz vom Tisch ist die Idee aber noch nicht, sie wurde in den Planungsausschuss zurückverwiesen. Wann dort darüber beraten wird, steht noch nicht fest. Die Karlsruher "Speakers' Corner" - sie wird also noch ein wenig auf sich warten lassen.

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  •   andip
    (10022 Beiträge)

    06.12.2019 15:51 Uhr
    Jaja
    Immer wieder diese blödsinnigen Verschwörungstheorien.
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  •   fahrbahnteiler
    (295 Beiträge)

    06.12.2019 17:55 Uhr
    Glaubt halt nicht jeder alles
    Naiv sein hat Vorteile.
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  •   Poldi1971
    (55 Beiträge)

    06.12.2019 10:23 Uhr
    Super Idee
    Um die Innenstadt attraktiver zu machen wäre doch grundsätzlich zu überlegen, ob man an ausgewiesenen Stellen Straßenkünstler, Musiker, .. zulässt. Denn wenigstens dieses Erlebnis kann Amazon beim Einkaufen (noch) nicht ersetzen.
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  •   andip
    (10022 Beiträge)

    06.12.2019 11:20 Uhr
    Strassenkünstler und Musiker
    gibt es doch schon immer mal wieder.
    Oder ist das bisher illegal gewesen, wenn jemand in einer Ecke seine Künste vorführt?
    Ich halte das auch für eine schöne Idee.
    Aber wenn man das immer vorher anmelden muss, dann ist nichts mit einer spontanen Rede wie auf dem Speakers' Corner .
    Andererseits, wenn man da einen Skulpturenpark oder eine Skateranlage aufbauen will, da braucht es die entsprechende Fläche, da könnte es schon zu Platzproblemen kommen.
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  •   haku
    (4116 Beiträge)

    06.12.2019 11:11 Uhr
    Straßenkünstler und -musiker...
    ... sind schon heute zulässig. Im Prinzip brauchen sie eine Genehmigung, um die sich aber kaum einer bemüht und die auch kaum einer sehen will, solange kein Ärger gemacht wird. Es gibt keine ausgewiesenen Plätze; wenn ich mich richtig erinnere darf man aber nur eine gewisse Zeit an einem Ort spielen und muss dann eine deutliche Strecke weiterziehen.
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  •   schmidmi
    (2218 Beiträge)

    06.12.2019 19:24 Uhr
    Die Straßenkünstler
    waren mit ihren Altöl ja schon da
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  •   johannesburgel
    (1 Beiträge)

    06.12.2019 07:31 Uhr
    "Nicht ganz"?
    Die einzigen relevanten Punkte eines Speakers' Corner sind: unangekündigt und ohne Erlaubnis sprechen zu dürfen. Ist das - wie in diesem Fall - nicht gegeben, kann man den Vergleich auch lassen.
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