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Karlsruhe Lüpertz-Streit: Könnte Karlsruhe von den Majolika-Tafeln profitieren?

Majolika-Reliefs in den unterirdischen Haltestellen: Dieser Vorschlag des Künstlers Markus Lüpertz spaltet die Fächerstadt. Die Kritik an dem Projekt reißt nicht ab: Längst hat sich eine Gruppe von Künstlern und Kunstschaffenden zu einer "Anti-Lüpertz-Aktion" zusammengetan. Im Gespräch mit ka-news verteidigt Initiator Anton Goll sein Projekt.

Ein Künstler, sieben Haltestellen, 14 Keramiktafeln: "Genesis - die sieben Tage des Herrn" lautet der Titel eines Vorschlags, mit dem Künstler Markus Lüpertz im April für Aufsehen in der Fächerstadt sorgte. Die Idee: In Zusammenarbeit mit der Karlsruher Keramikmanufaktur Majolika möchte Lüpertz zwei mal viereinhalb Meter messende Keramiktafeln gestalten. Ihren Platz sollen sie nach aktueller Planung an der Stelle finden, an der die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) Werbevitrinen vorgesehen hatten. 

Initiator rechnet mit Millionen-Gewinnen für die Stadt 

Grundsätzlich machbar wäre eine solche Installation in den künftigen unterirdischen Haltestellen. Im Architekturkonzept ist das "Grundprinzip bewusst offen gehalten, sodass Veränderungen in der Zukunft denkbar und möglich sind", so das Urteil der zuständigen Jury im Jahr 2005. Soll heißen: Eine Ergänzung mit Kunstwerken ist, solange sie mit dem Architekturkonzept harmoniert, durchaus im Rahmen des Möglichen. Initiator des Projektes ist Anton Goll, seinerzeit Chef der Majolika. Mit der Idee von Lüpertz-Kunst in den unterirdischen Haltestellen ist er schon drei Jahre unterwegs. 

Seine ursprüngliche Idee: Er wollte ein Nachhaltigkeitsprojekt zum Stadtgeburtstag im Jahr 2015 initiieren, schildert er im Gespräch mit ka-news. Dabei dachte Goll an ein Geschenk des Künstlers Markus Lüpertz an die Fächerstadt. "Karlsruhe ist kunsterfahren, kann sich mit seinen Kunst -und Kulturinstitutionen, durchaus mit älteren und größeren Städten wie Stuttgart messen und hat als Leuchttürme noch das ZKM und die 'Art Karlsruhe' obendrauf. Und so könnten die Karlsruher am Ende doch noch stolz auf das Bauwerk sein und Karlsruhe kann Kunst auch erfahren", ist sich Goll sicher.

Der Initiator ging auf Sponsorensuche, inzwischen hat er 600.000 Euro und damit mehr als die Hälfte der benötigten Gelder zusammen, berichtet er im Gespräch mit ka-news. Von Einzelhändlern, Bürgern und der Karlsruher Kunstszene habe er positive Rückmeldungen für sein Projekt erhalten. "Die waren durchweg alle begeistert", freut sich Goll. Den Wert der Lüpertz-Tafeln schätzt er auf drei bis vier Millionen Euro, rechnet in den beiden Jahren nach einer möglichen Eröffnung mit fünf Millionen Euro an Werbekontakten für die Stadt Karlsruhe. Ein Gesamtkonzept hat er Stadt nach eigener Aussage bereits vorgelegt. 

Konkrete Entwürfe, wie die die Majolika-Tafeln am Ende aussehen sollen, gibt es bislang noch nicht. Ein paar Details verrät Goll im Gespräch mit ka-news dann aber doch: Thematisch sollen sich die Motive an den Einrichtungen orientieren, die sich Umkreis der Haltestellen befinden. An der Haltestelle Kongresszentrum, nahe des Karlsruher Zoos, wäre beispielsweise das Thema "Tiere des Wassers und der Luft" denkbar. Am Durlacher Tor, nahe des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) könnten "Sonne, Mond, Astronomie" das Thema sein. Der siebte Tag, der Tag der Ruhe, soll am Marktplatz umgesetzt werden, verrät Goll. Sein Konzept mit dem Titel "Karlsruhe Kunst Erfahren" (externer Link) soll ab Mitte der kommenden Woche online sein. 

Künstler und Kulturschaffende stellen sich gegen Projekt

Doch längst nicht alle konnte Goll von der "Genesis-Idee" begeistern. Unter Karlsruher Künstlern, Künstlerinnen und Kulturschaffenden regt sich Widerstand gegen den Vorschlag. Eine Gruppe von ihnen hat die "Aktion Anti-Lüpertz" (externer Link) ins Leben gerufen. Eine ganze Liste von Ablehnern, mit Namen und anonym, erhebt auf der Seite Einspruch gegen die Kunst von Lüpertz. "Damit wollen wir eine politische Diskussion über Kunst anstoßen", so Mitinitiator Ulrich Steinberg.

Die Gruppe kritisiert vor allem das künstlerische Schaffen Lüpertz'. Diese wird von den Gegnern als "reaktionär" bezeichnet, man wolle keinen Großkünstler, der sich gegen Veränderungen in der Kunst stelle. "Dass sich der Karlsruher Keramikzyklus die Religion vornehmen soll, setzt dem Ganzen die Krone auf", kritisiert die Gruppe, "dass dazu das Verfahren der Auftragsvergabe höchst fragwürdig ist, passt nur allzu gut ins Bild."

Undurchsichtige Vergabe und finanzielle Interessen?

Mit dieser Kritik hatten sich bereits die Karlsruher Grünen an die Öffentlichkeit gewandt. "Es soll ohne Juryverfahren eine bestimmte Kunstrichtung im öffentlichen Raum über einige Jahre fest verankert werden", so Stadträtin Renate Rastätter. Eine Auftragsvergabe ohne öffentliche Ausschreibung wollen die Grünen nach eigener Aussage nicht mittragen. Drei Künstlerinnen haben zudem angekündigt, am Freitag eine Petition gegen das Lüpertz-Projekt online stellen zu wollen. 

Doch auch Kritik an finanziellen Interessen der Beteiligten steht im Raum. In einem Interview hatte der Karlsruher Oberbürgermeister Golls Auftreten kritisiert: "Goll vertritt die Idee semiprofessionell, verdient auch sein Geld damit", wird Mentrup zitiert. Darauf angesprochen bestätigt der ehemalige Majolika-Chef, dass er sich eine "kleine Provision" verspricht, sollte das Lüpertz-Projekt in die Tat umgesetzt werden - immerhin engagiere er sich schon seit fünf Jahren für die Idee. "Für Geld mache ich das aber nicht", betont Goll gegenüber ka-news."Vielmehr ist das Ganze für mich eine Herzensangelegenheit." 

Gespaltener Gemeinderat entscheidet im Juli 

Noch bis Mitte Juli wird das Projekt in den Aufsichtsräten der VBK und der Kasig sowie der städtischen Kunstkommission beraten. Im Juli landet das Thema dann im Gemeinderat. Unter den Stadträten herrscht bislang noch Uneinigkeit: Während FDP, GfK, AfD und die Freien Wähler sich hinter das Projekt stellen, haben sich die Karlsruher Grünen und die Linken bereits als Gegner positioniert. Auch die Kult-Fraktion zeigt sich bislang noch skeptisch. 

Spannend wird, wie sich die Karlsruher CDU und die SPD in dieser Frage positionieren werden. Beide Fraktionen stellen im Gemeinderat die meisten Stadträte. Mit 23 von insgesamt 48 Sitzen könnten die beiden Fraktionen die Entscheidung in eine Richtung lenken - vorausgesetzt, es herrscht Einigkeit zwischen Christ- und Sozialdemokraten. Auf Anfrage von ka-news hatten beide Fraktionen angegeben, noch kein abgeschlossenes Meinungsbild zu haben. Nach der Sitzung am 25. Juli herrscht in Karlsruhe dann Gewissheit. 

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  •   reinermoysich
    (30 Beiträge)

    11.07.2017 20:26 Uhr
    Es gibt eine sehr gute weltanschauungsneutrale Alternative zum Lüpertz-Projekt
    Zum Glück gibt es eine – wie ich meine - sehr gute weltanschauungsneutrale Alternative:
    So finde ich die vor dem Lüpertz-Projekt angedachten gegenwarts- und zukunftsorientierten temporär gestaltbaren Videowände sehr gut. Da in der „U-Strab“ leider wohl kaum natürliche Pflanzen und Blumen gepflanzt werden können - um so neben der vielen Technik und Kultur auch etwas Natur haben zu können -, könnte wenigstens auf den Videowänden etwas von der vielfältigen schönen Natur gezeigt werden: z.B. viel grüne Natur zur Beruhigung gestresster Fahrgäste, an heißen Sommertagen kühlende Wasser- und an kalten Wintertagen wärmende Sonnenlandschaften.
    Hierbei könnte auch zusammen mit einem Fotowettbewerb für schöne Bilder gesorgt werden, z.B. über die Schönheiten von Karlsruhe und Umgebung, Baden-Württemberg, Deutschland, Europa, Weltall.
    Oder es könnten Zyklen gezeigt werden, wie „Weltall – Erde – Mensch“, wie sie sich in Raum und Zeit entwickelt haben.
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    11.07.2017 22:15 Uhr
    Hört sich
    sehr vernünftig an, nicht nur Kritik sondern auch gleich Vorschläge. Sehr gut. Gefällt mir auch inhaltlich.
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  •   reinermoysich
    (30 Beiträge)

    11.07.2017 20:18 Uhr
    Lüpertz-Projekt ist rechtswidrig und spaltend!
    Im Deutschen Grundgesetz wird die Bevorzugung irgendeiner religiösen oder nichtreligiösen Weltanschauung verboten.
    Zudem hat das Bundesverfassungsgericht vor einem Jahr extra bekräftigt, dass auch das Christentum nicht bevorzugt werden darf.

    Die Religionsfreiheit wird auch so verstanden, dass man in öffentlichen Räumlichkeiten das Recht hat, von Religion frei zu sein. Dies wäre bei jenem Projekt aber nicht gegeben, da bei den sieben Haltestellen, bei denen jeweils zwei der riesigen Lüpertz-Wandreliefs angebracht würden, es nicht möglich wäre, jene streng religiösen Werke nicht zu sehen.

    Hinzu kommt, dass die Kunstrichtung von Herrn Lüpertz allgemein höchstumstritten ist, sowohl von Kunstexperten wie auch in der Bevölkerung.

    Wie aus den sehr gegensätzlichen BNN-Leserbriefen und Internet-Kommentaren hervorgeht, spaltet die Lüpertz-Idee ganz massiv die multiweltanschauliche und multikünstlerische Gesellschaft von Karlsruhe - und sogar den Gemeinderat.
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  •   reinermoysich
    (30 Beiträge)

    11.07.2017 20:10 Uhr
    Lüpertz-Projekt ist realitätsfern!
    Ich ärgere mich sich sehr darüber, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, eine längst als völlig falsch bewiesene religiöse Geschichte in Form eines so genannten „Kunstwerkes“ dem nichtreligiösen Teil der Bevölkerung als wahr zu präsentieren; zumal meines Wissens nicht vorgesehen ist, bei jedem dieser „Kunstwerke“ in großer Schrift beizufügen „MYTHOS!“ oder „FAKE!".
    Der jetzige - hoffentlich nur noch für eine kurze Zeit amtierende - US-Präsident Trump ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie außerordentlich wichtig es ist, sehr genau zu unterscheiden zwischen nicht überprüften Ideen und überprüften Tatsachen.
    Karlsruhe sollte jenem Trump auf keinem Fall nacheifern, indem bewiesene Unwahrheiten als Wahrheiten präsentiert werden.
    Karlsruhe würde sich sonst weltweit lächerlich machen!
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  •   reinermoysich
    (30 Beiträge)

    11.07.2017 20:07 Uhr
    Lüpertz-Projekt ist unchristlich!
    Das Lüpertz-Projekt „Genesis - die sieben Tage des Herrn“ ist ein rein religiöses Projekt eines streng religiösen Künstlers. Herr Lüpertz sieht sich als „Abgesandten“ seines so genannten „Herrn“. Er bekennt, an die Katholische Kirche zu glauben.
    Seltsam ist dabei aber, dass jedoch selbst die Katholische Kirche mittlerweile von der biblischen Schöpfungsgeschichte Abstand genommen und den Urknall nebst Milliarden Jahre langer Evolution anerkannt hat.
    Weiterhin seltsam finde ich, dass Herr Lüpertz sich entgegen der christlich geforderten Bescheidenheit als „Genie“ bezeichnet.
    Indem er sich bereit erklärt hat, dieses jüdisch-alttestamentliche Werk zu verwirklichen, lässt er jegliche für einen Christen unerlässliche Nächstenliebe vermissen. Denn sonst hätte er sich in die sehr vielen anderen Karlsruher Bürgerinnen und Bürger hineinversetzt, welche eine ganz andere religiöse oder nichtreligiöse Weltanschauung als er haben - und hätte dann natürlich sofort Abstand von jenem Projekt genommen.
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  •   Bimbo
    (70 Beiträge)

    10.07.2017 19:33 Uhr
    Es ist doch eindeutig...
    was Herr Lüpertz und seine Kumpels wollen!
    Geld! und das nicht wenig!
    Er und seine Kumpels möchten auf den Zug aufspringen um ordentlich daran zu verdienen!

    Wenn er Karlsruhe ach so liebt und schetzt dann soll er das für Umsonst machen!
    Genauso soll er auch die nötigen Kosten dafür voll und ganz tragen!

    Aber das ganze wird wieder hinter irgendwelchen, verschlossenen Türen abgemacht!

    Zum Thema Kunst, ob schön oder nicht das liegt im Auge des Betrachters.

    Ich für mich wünsche mir helle, freundliche, moderne Haltestellen! Und wenn schon diverse Stadträte wegen Theater Dienstreisen nach London und sonstwo machen müssen, dann könnten sie sich paar Projekte im Ausland ansehen!
    Wird auf jeden fall Billiger sein als Honorrar für Lüpertz und Co.!
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  •   fontipex
    (55 Beiträge)

    10.07.2017 13:43 Uhr
    Lüpertz anachronistische Werke gehören Museum! Die Kunst hat mehr zu bieten....
    Fragwürdige Vergabeverfahren und arrogante Attitüde des Künstlers hin oder her...

    Wenn ich mal eine Google-Bildersuche mit "Markus Lüpertz" als Suchbegriff starte, kann ich nur sagen: Den Stil dieses Künstlers will doch heute niemand mehr sehen, schon gar nicht an allen (?!?) Haltestellen... Nach meinem Empfinden gehören die Werke ins Museum!

    Ok, seine expressionistisch anmutenden Werke mögen vor Jahrzehnten mal bahnbrechend gewesen sein ... Aber wenn es denn Kunst sein soll: Die Welt der Kunst hat so viel mehr zu bieten!!! Ich finde, die neuen Haltestellen sollten abwechslungsreich und individuell gestaltet werden.
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  •   bergdoerfler
    (1556 Beiträge)

    09.07.2017 20:52 Uhr
    Kunst im Untergrund
    wie ist das zu verstehen? Vergraben?
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  •   Ein_Gravierend
    (110 Beiträge)

    10.07.2017 11:47 Uhr
    Exakt
    Zusammen mit der StraBa
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  •   Ozeiger
    (1459 Beiträge)

    09.07.2017 12:00 Uhr
    Wie man
    auf die 5 Millionen an 'Werbekontakten' kommt würde mich mal interessieren. Da werden einfach frei erfundene Zahlen in den Raum geworfen.
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