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Karlsruhe Kosten der Kombilösung: Stadträte machen Druck auf Kasig

Drei von fünf Kombilösungsbaustellen befinden sich derzeit nicht im Zeitplan. Das führt zu Mehrkosten bei dem Großprojekt, wie die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) in vergangener Zeit immer wieder mitteilte. Doch wie der weitere Zeitplan aussieht und was die Verzögerungen kosten werden, darüber schweigt die Kasig. Ein Zustand, den mehrere Karlsruher Stadträte für unzumutbar halten. Die Planer sollen die Karten endlich auf den Tisch legen, so die Forderung.

"Schöne Botschaften werden grafisch animiert und dargestellt. Umleitungen, Verzögerungen und Mehrkosten werden aber nicht ausreichend thematisiert", kritisiert Eberhard Fischer, Stadtrat bei der Karlsruher Liste (KAL), die Informationspolitik der Kasig. So würde man beispielsweise auf der Webseiteder Gesellschaft vergeblich einen Bauzeitenplan und Informationen zu aktuellen Verzögerungen suchen. "Die Kasig muss auch negative Botschaften kommunizieren und die Bürger früher, offensiver und klarer informieren", fordert er.

KAL: Keine Kombilösung-Light

Die KAL stehe nach wie vor zur Kombilösung, betont der Stadtrat. "Sicher ist es unvermeidbar, dass bei einem solchen Großprojekt Verzögerungen entstehen. Aber die Öffentlichkeit muss darüber informiert werden." Fischer findet es zwar bemerkenswert mit welcher Gelassenheit die Karlsruher Bürger die Einschränkungen durch die Baustellen hinnehmen, aber gerade deshalb dürfe man die Geduld der Bürger nicht überstrapazieren. Die Kombilösung sei schließlich ein Projekt der ganzen Stadt.

Zudem habe der Gemeinderat als Vertretung der Bürgerschaft ein Recht darauf, ausführlich über das Projekt informiert zu werden. Selbst der Aufsichtsrat der Kasig wisse nur bruchteilhaft über Verzögerungen und Kostensteigerungen Bescheid, empört sich Fischer. Seiner Auffassung nach ein unhaltbarer Zustand.

Offenbar Streit zwischen Bauherr und Baufirma

Fischer sieht einen Grund für die mangelnde Informationspolitik in Streitigkeiten zwischen dem Bauherrn - der Kasig - und der ausführenden Baufirma - der Arge Stadtbahntunnel. "Man merkt doch, dass es hier Unstimmigkeiten zwischen Bauherr und Baufirma gibt", mutmaßt Fischer. Zwar sei normal, dass nicht jedes Verhandlungsergebnis gleich an die Öffentlichkeit gelange. "Ich erwarte ja keine genauen Zahlen, aber wenigstens einen Korridor", so Fischer.  "Ich denke, man will hier keine Zahlen an die Öffentlichkeit geben, da das Verhältnis zwischen Kasig und der Baufirma derzeit offenbar problematisch ist." Es sei nicht akzeptabel, dass angeblich noch keine Zahlen vorlägen.

Zudem befürchtet die KAL, dass durch die drohenden Mehrkosten an der Ausstattung der Tunnel-Haltestellen und bei den anschließende Baumaßnahmen in der Kriegsstraße gespart werden könnte. "Wir wollen keine Kombilösung-Light", betont Fischer. Zudem kritisiert er mögliche Pläne des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) im Winter die Preise für Fahrkarten zu erhöhen. "Ich halte es nicht für vermittelbar, dass von den Fahrgästen für einen schlechteren Service mehr Geld verlangt werden soll."

Grüne und Linke fordern auch mehr Infos

Die KAL hat angekündigt, in der nächsten Gemeinderatssitzung einen Antrag zu stellen, in dem sie fordert, dass der Gemeinderat und die Öffentlichkeit über den genauen Bauzeitplan und die Kostensteigerung informiert werden soll. Ob dieser Antrag eine Mehrheit im Gemeinderat findet, ist offen. Doch die KAL ist nicht die einzige Gemeinderatsfraktion, die die Informationspolitik der Kasig bemängelt.

Auch die Karlsruher Grünen äußern sich besorgt über die aktuelle Entwicklung beim Bau des Stadtbahntunnels und fordern in einer Gemeinderatsanfrage einen öffentlichen, detaillierten und aussagekräftigen Sachstandsbericht zur Umsetzung der Kombilösung. "Immer noch informieren Stadtverwaltung und Kasig nur unzureichend über die Probleme beim Bau des Stadtbahntunnels", so Fraktionssprecherin Bettina Lisbach. "Bis heute liegen die Karten nicht offen auf dem Tisch. So gibt es keinerlei Aussage dazu, welche Rolle die Kontroversen zwischen Kasig und der Arge Stadtbahntunnel bei den enormen Verzögerungen der Bauzeiten spielen."

Die Grünen fordern Informationen darüber, welche Kostensteigerung für die Kombilösung durch die Verzögerungen im Zeitplan und die damit einhergehenden Veränderungen im Bauablauf zu erwarten sei. "Wir erwarten, dass uns zeitnah eine aktualisierte Prognose zu den Gesamtkosten vorgelegt wird", erklärt Stadtrat Johannes Honné, Mitglied im Aufsichtsrat der Kasig. Die Grünen wollen sich nicht damit zufrieden geben, dass weitere Informationen erst Ende des Jahres vorgelegt werden sollen.

Kasig will erst Ende des Jahres mit den Kosten rausrücken

Die Karlsruher Linke befürchtet sogar eine "Kostenexplosion bei der U-Strab". Sie fordert deshalb, Kostenentwicklungen für jedes Großprojekt transparent zu machen. In jedem Planungsstadium und jedem Stand der Maßnahme müssten den Bürgern, die aktuellen Zahlen und Berechnungen offengelegt werden. Die Linke ist sich sicher: "Es werden weit mehr Steuergelder in dieses Projekt fließen, als von offizieller Seite bisher zugegeben wird."

Die Kasig lässt immer wieder verlauten, sie stehe zur Optimierung des Bauzeitenplans und der Kosten in ständigem und intensivem Austausch mit der Arge Stadtbahntunnel. Ein optimierter Bauzeitplan und eine aktuelle Kostenschätzung werde allerdings erst Ende dieses Jahres veröffentlicht. "Eventuelle Mehrkosten durch Verzögerungen und auch durch Beschleunigungsmaßnahmen bei der Optimierung des Bauzeitenplans können erst nach umfangreichen Abklärungs- und Abstimmungsprozessen ermittelt werden", teilte die Kasig bereits im Juni in einer Stellungnahme auf ka-news-Anfrage mit.

Durch die Verzögerungen werde sich der Kostenrahmen von bisher 637 Millionen Euro erhöhen, sagte Kasig-Chef Walter Casazza in der vergangenen Woche. Eine Kostenexplosion sei aber keinesfalls zu erwarten. Nach Angaben der Kasig sei die Baustelle in der Lammstraße ein Jahr in Verzug. Am Europaplatz sei man sieben Monate, am Kronenplatz fünf Monate verspätet. Dennoch halte die Kasig daran fest, dass die Kombilösung wie geplant 2019 fertiggestellt sei.

Verhältnis zwischen Kasig und Arge Stadtbahntunnel

Zum derzeitigen Verhältnis zwischen Kasig und Arge Stadtbahntunnel gab die Kasig am Dienstagmittag gegenüber ka-news folgende Stellungnahme ab: "Mit der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Stadtbahntunnel steht die Kasig derzeit in einem intensiven Austausch über Fragen zum Baufortschritt und zur Optimierung der weiteren Bauabläufe. Die Kasig wird auf Grundlage des aktualisierten Bauzeitenplanes den Kostenplan anpassen und, wie zugesagt, dem Gemeinderat vorlegen. Für die Kasig und für die Arge Stadtbahntunnel gilt generell, dass Sicherheit und risikominimierende Bauverfahren höchste Priorität besitzen."

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Kombilösung Karlsruhe | ka-news.de: Baufortschritt, Mehrkosten, Sperrungen und Verzögerungen: Mehr Infos und Fotos von der Karlsruher Kombilösung finden Sie in unserem Dossier!
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  •   lynx1984
    (3169 Beiträge)

    23.09.2011 11:04 Uhr
    Kommunikationspolitik großer Katastrophen
    Also man muss sagen, dass die Beteiligten in Sachen Kommunikation alles richtig machen.
    Man muss große Katastrophen häppchenweise kommunizieren, damit die Leute nach und nach abstumpfen, so dass dann neue Schockmeldungen irgendwann nicht mehr stören und kein großes Aufbegeheren mehr stattfindet.

    Das hat z.B. prima mit Tchernobyl & der Finanzkrise geklappt. Klappt in kleinen Bauprojekten so einigermaßen unbemerkt und bei so großen Projekten noch besser.

    Ich überlege mir den armen zahlenaffinen Menschen, der solche Projekte durchrechnen muss, dann zu einem Ergebnis z.B. 1Mrd€ kommt und dann der Vorgesetzte vorbei kommt und sagt ich brauche die Rechnung mit dem Ergebnis dass es nur 550 Mio € kosten soll. Naja traue keiner Statistik die Du nicht selbst gefälscht hast.

    Beste Grüße
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  •   Insider
    (746 Beiträge)

    23.08.2011 13:48 Uhr
    Alles abzusehen!
    Dass es so kommt, wie es gekommen ist, überrascht mich überhaupt nicht. Im Vorfeld hat die KVV, die Stadtverwaltung der Bürgerschaft und der Öffentlichkeit schön Sand in die Augen gestreut. Casazza ist ein Meister des Herunterspielens von Problemen. Dass nun ausgerechnet ein Stadtrat, der diese Kombilösung befürwortet, Kritik äußert, ist heuchlerisch. Denn diese Stadträte haben es erst ermöglicht, dass nicht genügend Transparenz durch Gründung einer GmbH überhaupt entsehen kann. Also dann beklagt Euch auch nicht. Die Befürworter sehen nun langsam ihre Felle davonschwimmen und versuchen zu retten, was möglich ist. Irgendwann wird der Unmut überschwappen, wenn z.B. die ersten Risse in Häuser zu sehen sind.
    irgendwann ist die behauptete Gelassenheit auch aufgebraucht.
    Eine Unverschämtheit der KVV war schon die Fahrpreise im letzten Herbst/Winter zu erhöhen. Und als Entschädigung gab es für Abonnenten für einen Monat freien Eintrii in den Zoo, der auch eine Baustelle ist. Ganz toll!
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  • unbekannt
    (386 Beiträge)

    23.08.2011 12:07 Uhr
    Hätte man
    der Kasig genug Personal gegönnt, wäre alles im Lot.
    Jetzt sollen die auch noch regelmäßig den Wasserstand durchgeben. Dabei reicht das Personal noch nicht einmal für eine richtige Bauleitung.
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  •   Greif
    (1516 Beiträge)

    23.08.2011 13:10 Uhr
    Hätte man
    eine vernünftige Bauleitung bzw. Bauüberwachung, würden die "verlangten Wasserstandsmeldungen" praktisch ohne nennenswerten Mehraufwand als Nebenprodukt anfallen.
    Schließlich kann auch eine ganze Hundertschaft an Mitarbeitern nur dann sinnvolle Entscheidungen treffen und brauchbare Ergebnisse erzielen, wenn auf aktuellen Informationen zu Erledigungsstand und Risiken als Arbeits- und Entscheidungsgrundlage aufgebaut werden kann...
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  • unbekannt
    (104 Beiträge)

    23.08.2011 10:55 Uhr
    nöh
    Zitat von tkfischer heucheln Überrchung


    nein

    Zitat von s.o. wussten sie als besserwissende Hellseher es doch alles eh schon vorher


    ja

    Zitat von s.o. mit Begeisterung U-Strab fahren


    nein
    Zitat von s.o. MPK heute die Stuttgarter Messe lobt und auf Autobahnen fährt die er mit allen mit verhindern wollte


    wahrscheinlich ungern
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  •   tkfischer
    (499 Beiträge)

    23.08.2011 10:46 Uhr
    Was wesentiches passiert ?
    Ist etwas passiert, mit dem niemnd gerechnet hat ? Die grünen Kombihasser heucheln Überrchung, dabei wussten sie als besserwissende Hellseher es doch alles eh schon vorher . In 10 Jahren werden sie mit Begeisterung U-Strab fahren, genauso, wie MPK heute die Stuttgarter Messe lobt und auf Autobahnen fährt die er mit allen mit verhindern wollte.
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  • unbekannt
    (116 Beiträge)

    23.08.2011 10:58 Uhr
    Schubladendenken
    TK Fischer Grüne nein danke.
    Leider muß ich Ihnen mitteilen, dass ich kein Grüner bin und auch nicht Sympahisant einer anderen Partei. Ich bin Bürger dieser Stadt und habe das Wohlergehen der Menschen hier im Auge und das sehe im Hinblick auf die Intransparenz bedroht.
    Ihre Argumente lassen den Eindruck entstehen, dass Sie vielleicht eine polemisierende Dumpfbacke sind und das unterstreicht den Eindruck, den man von Ihren anderen Ergüssen hier bereits leider 176 mal gewonnen hat mit Verlaub.
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  • unbekannt
    (116 Beiträge)

    23.08.2011 10:45 Uhr
    Verheimlichen
    Die unglaubliche Informationspolitik der Stad fördert schlimmste Befürchtungen der Verantwortlichen zu Tage, sonst würde man in demokratischer Tradition zumindest mit Transparent arbeiten
    Warum ist das nicht der Fall ?
    1. Insider, die mit dem Projekt operativ und planerisch befasst sind wissen es schon lange: Das Projekt der kleinsten U-bahn der Welt
    wird mindestens 30% teuerer und geht Richtung einer Milliarde Euro.
    2. Da es in der Karlsruher Bevölkerung immer noch massive Widerstände gegen das Projekt gibt, die einfach nicht leiser werden wollen, fürchtet man auch bei den langmütigen Badenern einen
    Stuttgart 21 Effekt, vorallem angesichts einer eigentlich von allen Beteiligten erwarteten dramatischen Kostenexplosion.

    Dass es den im Rathaus vertretenen Parteien immer noch nicht gelingt
    fundierte Informationen zu erhalten läßt tief blicken in das System
    des Verschweigens und Verschleierns.
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  • unbekannt
    (31 Beiträge)

    24.08.2011 09:17 Uhr
    Kleinste U-Bahn?
    Die ist in der Vatikanstadt mit 200m!
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  • unbekannt
    (104 Beiträge)

    23.08.2011 09:22 Uhr
    jedenfalls ...
    ... kostet´s zum schluss ungefaehr so viel wie die gegner geschaetzt haben und viel mehr als die proler behauptet haben. wer hat nun recht? wenigstens beim naechsten mal dran denken, bitte.
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