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Karlsruhe Kombilösung: Problemzone Marktplatz - wie wurde die Erde geprüft?

Im März hieß es für Tunnelbohrer "Giulia" mit einem Mal "Stopp und das Schneidrad still halten". Lockeres Erdreich bereitete den Verantwortlichen unterhalb des Marktplatzes Probleme. Hätte man diese vorhersehen können? In einer Anfrage gehen die Freien Wähler einigen Fragen rund um "Giulias" Zwangspause auf den Grund.

Eigentlich galt das Szenario als unwahrscheinlich. Doch dann musste Tunnelbohrer "Guilia" unter dem Marktplatz über einen längeren Zeitraum eine Zwangspause einlegen. Und das, obwohl die Stadt in einer Stellungnahme im September das Risiko für ein Festsitzen des Fächerwurms als "sehr unwahrscheinlich" eingestuft hatte. "Nun hat die Realität unsere Befürchtungen eingeholt", schildert Stadtrat Jürgen Wenzel von den Freien Wählern in einer Anfrage vor der kommenden Gemeinderatssitzung.

Der Grund für "Giulias" Zwangspause war lockeres Erdreich, welches verhinderte, dass der Tunnelbohrer den im Bereich der Abbaukammer notwendigen Stützdruck aufbauen konnte. Das lockere Erdreich befand sich oberhalb des Schneidrads, aber unterhalb des bereits fertiggestellten Haltestellen-Deckels und somit im abgeschlossenen unterirdischen Bauwerk. Seit Mai heißt es für Tunnelbohrer "Giulia" Stop-and-Go: Die Problemzone am Marktplatz hat Tunnelbohrer "Giulia" zwar erfolgreich hinter sich gelassen, jetzt steht sie jedoch aufgrund von Revisionsarbeiten wieder still.

Waren die Probleme vorhersehbar?

Hätte man die Probleme vorhersehen können? Genau das beschäftigt die Freien Wähler in ihrer Anfrage: Sie erkundigen sich, nach welchen Prüfkriterien und Methoden die Standfestigkeit des Bodens und der Dichtsohle innerhalb der Haltestellen-Schachteln überhaupt festgestellt worden ist.

"Die Ermittlung der für die Bauausführung maßgeblichen Bodenkennwerte erfolgt Grundlage der im Vorfeld durchgeführten Baugrundbeschlüsse", beschreibt die Stadt das Verfahren. Man habe dabei die Kennwerte -darunter auch die Standfestigkeit- mit Analyse- und Messverfahren in dafür zugelassenen Prüflabors bestimmt. Der Nachweis über die Qualität der hergestellten Dichtsohle wiederum sei durch Kernbohrungen und Druckversuche erfolgt.

Das Resultat: Bei den Untersuchungen und Prüfungen hätten sich alle Ergebnisse im Rahmen der zulässigen Parameter und Grenzwerte bewegt. "Bei der Deckelherstellung im betreffenden Bereich des Gleisdreiecks gab es im Rahmen der standardmäßigen Qualitätsüberwachung keine Erkenntnisse über eine Instabilität des anstehenden Erdreichs", so die Stadt weiter. Andere Kriterien, wie möglicherweise fehlerhafte Berechnungen oder der im November von der Arge angedrohte Baustopp, hätten auf den Stillstand keinen Einfluss gehabt.

Könnte die Vollsperrung der Kaiserstraße Thema werden?

In ihrer Anfrage haben die Freien Wähler aber auch künftige Maßnahmen im Blick: Was passiert, sollte "Giulia" bei ihrem weiteren Weg durch den Untergrund der Fächerstadt auf Hindernisse stoßen? Kann es durch eine Bergung von oben zu einer Vollsperrung der Kaiserstraße kommen? "Es bestehen mehrere Möglichkeiten zur Bergung von Hindernissen im Vortriebsbereich", antwortet die Stadtverwaltung.

Bei Hindernissen, die "aufgrund besonderer Umstände" nicht vor dem Schneidrad geborgen werden können, müsse man tatsächlich eine Beseitigung von der Oberfläche in Betracht ziehen. "Wie eine Bergung in diesem sehr unwahrscheinlichen Fall im Detail erfolgt, kann nur anhand der konkreten Randbedingungen entschieden werden", so die Stadt weiter. Ohne konkretes Ereignis sei es allerdings schwierig zu beantworten, ob und wie lange eine Vollsperrung der Kaiserstraße notwendig werden könnte.

Am Dienstag ab 15.30 Uhr tagt der Karlsruher Gemeinderat. Die Vorlagen zu den einzelnen Tagesordnungspunkten gibt es im Internet. Interessierte können sich über einen Liveticker oder über eine elektronischen Anzeigetafel im Eingangsbereich des Rathauses informieren. ka-news berichtet wie immer live vor Ort.
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Kommentare (27)
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  •   Sandhas
    (1286 Beiträge)

    19.05.2015 14:16 Uhr
    Als ich 9 Jahre alt war
    hat uns unser damaliger Lehrer auf der Volksschule (!!) waehrend der Heimatkunde (!!) erzahelt, dass das Oberrheintal ein Urstromtal ist, das in erster Linie aus aufgeschwemmtem Sand besteht in dem heute noch starke unterirdische Fliessbewegegungen bekannt sind.
    Vermutlich waren die "Experten" besser auf Bohrarbeiten in den Alpen vorbereitet, und kein Schwein hat ihnen den Unterschied zwischen Schwmmsand und Kalksandstein erklaert??
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  •   DonDraper
    (1 Beiträge)

    26.05.2015 12:33 Uhr
    Nicht korrekt
    Lieber Sandhas, das mit dem aufgeschwemmten Sand ist richtig - der Rest der Geschichte, aber falsch. 1. Das Oberrheintal ist eine Region an der schweizerisch-österreichischen Grenze, Kanton St. Gallen. Das hat nichts mit unserer Region zu tun. 2. Wir wohnen in der Oberrheinische Tiefebene (auch Oberrheinisches Tiefland genannt) Eine Tiefebene ist eine Ebene oder ein breites Flusstal mit einer Höhe über dem Meeresspiegel unter etwa 150 Meter. 3. Urstromtäler sind Talniederungen, die in den Eiszeiten gebildet wurden und durch das Abfließen der Schmelzwasser entstanden sind. Insofern hätte auch ihr Volksschullehrer, oder die "verzerrte Erinnerung" an die Lehren ihrer Volksschule hier nicht geholfen. Die Frage bleibt warum Kernbohrungen und Druckversuche so falsche Ergebnisse liefern bzw. warum diese Ergebnisse falsch interpretiert wurden - insbesondere wenn man auf die gleichen Probleme schon früher (etwa Höhe Karstadt) gestoßen war. Hier sollten sich der Verantwortlichen hinterfragen!
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  •   Exil-Hohenzoller
    (561 Beiträge)

    19.05.2015 16:20 Uhr
    Vermutlich
    haben die Experten der TBM weitaus mehr Erfahrung mit allen möglichen verschiedenen Bodenarten, als Sie und alle anderen hier im Forum je haben werden. Und auch die Alpen bestehen nicht nur aus Granit...
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  •   Sandhas
    (1286 Beiträge)

    19.05.2015 18:43 Uhr
    Mehr zu wissen als diese "Experten" ist echt nicht schwierig.
    Hat denen keiner gesagt, dass es im Oberrheingraben starke Grundwasserstoemungen gibt, die staendig ihre Bahnen und Stromgeschwindigkeiten aendern?
    Wer hat uebrigens behauptet, dass die Alpen nur aus Granit bestehen? Niemand, aber es sollte bekannt sein, das Sandhuegel dort eher selten anzutreffen sind!
    Ist es kein Unterschied ob ich durch relativ massiven Fels ein Loch bohre oder in einem riesigen Grabenbruch der angefuellt ist mit mehr oder weniger nassem Schwemmsand??
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  •   JeSuisCharlie
    (236 Beiträge)

    19.05.2015 14:42 Uhr
    Urstromtal?
    Das Oberrheintal ist kein Urstromtal.
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  •   Sandhas
    (1286 Beiträge)

    19.05.2015 18:37 Uhr
    Also gut, dann fuer die "Gebildeten" hier.
    Das Oberrheintal hat das europaweit groesste Aquifer, d.h. ein Grundwasserstrom fliesst standing von Sued nach Nord mit einem Volumen von etwa 50 Milliarden Kubikmeter.
    Frueher nannte man das zur Vereinfachung Urstormtal, zufrieden?
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  •   DreiFragezeichen
    (1402 Beiträge)

    19.05.2015 10:33 Uhr
    Eine völlig sinnfreie Anfrage der Freien Wähler.
    Solche Fragen hätte man vorher stellen müssen, nicht erst wenn die halbe Stadt umgegraben ist.
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  •   Freibeuterin
    (228 Beiträge)

    19.05.2015 13:35 Uhr
    Da muss ich dipfele RECHT geben...
    ...wenn es eine politische Gruppierung in Karlsruhe gab und gibt, die es ernsthaft kritisch mit der Kombilösung sah und sieht, dann die Freien Wähler! Immerhin sind einige Aktive der Freien Wähler ehemalige BüKA-
    Aktivisten, die sich aus ge- und enttäuschten Teilnehmern des Bürgerbeteiligungsverfahren zur Kombilösung gegründet haben.
    Und wie dipfele richtig schreibt: Haben die FW bereits vor dem Einsatz des Tunnelbohrers kritische Anfragen gestellt!
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  •   dipfele
    (4968 Beiträge)

    19.05.2015 10:40 Uhr
    das haben die FW....
    .... ja bereits 2014 vor der Bohraktion getan. Ausserdem fragen die ja ob es beim Bau der Haltestellen- Schachtel schon mögliche Abweichungen fest gestellt worden waren. Wie kann es auf einmal lockeres Erdreich geben, wenn beim Bau alles stabil war?
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  •   haku
    (4005 Beiträge)

    19.05.2015 11:29 Uhr
    Details wären schon interessant
    In der Schachtel am Berliner Platz gab es ja anscheinend keine Probleme. Abe dort lag schon ein ordentlicher Deckel, was am Marktplatz nicht der Fall ist. Und bei der Erstellung der Schachtel, beim Düsen des Bodens und Abpumpversuchen wurde das Erdreich durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Hätte das ordentlich verdichtet werden müssen, wenn schon kein Meter Stahlbeton drauf zu liegen kommt?
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