Browserpush
33  

Karlsruhe Kombilösung: Kein Plan B bei Firmenpleite? Hoffen reicht nicht!

Großprojekte werden fast immer teurer und dauern länger als geplant. So wohl auch die Karlsruher Kombilösung. Ok, das ist vielleicht auch der Komplexität von Jahrhundertprojekten geschuldet. Dennoch erwarte ich von den Verantwortlichen sorgfältige Planung, genaue Kalkulation und einen Plan B für ein Katastrophenszenario. Ein solches Szenario beinhaltet auch den Fall, dass ein maßgeblich an dem Bau beteiligtes Unternehmen pleite geht. Doch die Kasig vermittelt den Eindruck, dass eigentlich keiner so genau weiß, was dann passiert. Hoffen reicht nicht, findet ka-news-Redakteur Moritz Damm.

Jahrhundertprojekte werden - wie ja der Name schon sagt - nicht allzu oft in einer Stadt realisiert. Aber eines haben diese Projekt häufig gemeinsam: Sie werden teurer als geplant und dauern länger. Aber gerade weil diese Projekte so komplex sind und die Bauphase eine Stadt Jahrzehnte lang beeinträchtigen kann, müssen sie eben besonders gut geplant werden.

Und auch weil diese Projekte oft umstritten sind und eigentlich immer verdammt viele Steuergelder kosten, kann der Bürger erwarten, dass nichts dem Zufall überlassen wird. Es muss alles präzise geplant sein, auf alle Eventualitäten muss es eine Antwort geben, alle möglichen Szenarien müssen in Betracht gezogen worden sein. Und hierzu gehört auch der Fall, dass eines der beteiligten Bauunternehmen pleite geht - was so selten nun auch wieder nicht vorkommt. Erst Anfang Oktober hatte die Nachricht über den in Zahlungsschwierigkeiten steckenden Baukonzern Alpine auch die Kasig überrascht. Das Unternehmen ist maßgeblich an der Umsetzung der Kombilösung beteiligt und hat selbst finanzielle Probleme eingeräumt.

Ok, ein solches Pleiteszenario ist rein hypothetisch und keiner sagt, dass es so kommt. Auch wird das niemand wollen. Dennoch wirft diese Situation eine Frage auf: Was wäre, wenn...? Umso erstaunlicher, dass keiner der Verantwortlichen eine konkrete Antwort dazu parat hat. So bekamen wir auf unsere Fragen, was eigentlich in so einem Fall passiert und wer daraus resultierende Mehrkosten bezahlt, keine befriedigende Antwort.

Bei der Kasig zeigte man sich vor einigen Wochen auf ka-news-Anfrage wortkarg: "Es gibt derzeit keine neuen Entwicklungen." Mehr ließ das Unternehmen nicht verlauten. Keine Antwort auf die Frage, wer etwaige Mehrkosten bei einem eventuellen Ausfall von einem mit der Durchführung der Kombilösungs-Arbeiten betrauten Unternehmen übernehmen würde. Und auch die Frage, ob bei den Planungen der Kombilösung über ein mögliches Pleite-Szenario eines an der Kombilösung beteiligten Baukonzerns und den daraus resultierenden Konsequenzen nachgedacht wurde blieb unbeantwortet.

Am Montag erklärte Marget Mergen, Kasig-Aufsichtsratsvorsitzende, bei einem Vor-Ort-Termin auf ka-news-Nachfrage: "Wir beobachten die Entwicklung bei Alpine zur Zeit sehr genau." Bislang habe man aber kein Signal erhalten, dass sich für Karlsruhe etwas signifikant ändern werde. Man hoffe, dass Alpine solide konsolidiert werden könne. Prinzip Hoffnung bei einem Millionen-Projekt? Na, wenn das mal gut geht.

Und was sagt das baden-württembergische Verkehrsministerium (beteiligt an der Finanzierung der Kombilösung) dazu? Auch hier scheut man sich vor einer konkreten Aussage. Das Ministerium könne  zum jetzigen Zeitpunkt keine definitive Aussage darüber machen, ob zusätzliche Mehrkosten im Fall einer Firmen-Pleite vom Land übernommen würden.So hieß es in einer Stellungnahme auf ka-news-Anfrage.

Ein Jahrhundertprojekt - geplant und realisiert mit Steuergeldern - und keiner weiß, was in einem solchen Pleite-Fall passiert? Ein Unding! Egal ob Gegner oder Befürworter des Projekts - ich erwarte einfach von den Verantwortlichen, dass sie pflichtbewusst mit den Geldern der Bürger umgehen und informieren. Dazu gehört auch ein Plan B. Entweder sie sagen aktuell einfach nicht was sie wissen, oder sie wissen es schlichtweg nicht. Ich kann für uns alle nur hoffen, es ist ersteres. Denn für Fehler zahlt letztlich nur einer - der Bürger!

Siehe auch:

Kombilösung: Entspannung am Durlacher Tor - hoffen auf Alpine Bau

Pleite-Szenario bei Kombilösung - Land hilft nicht unbedingt

Kombilösung: Alpine Bau mit "erheblichen Verlusten" - wer zahlt bei Pleite?

Kombilösung: Alpine-Finanzprobleme haben auch Kasig überrascht

Alle weiteren Informationen zur Kombilösung finden Sie im Dossier von ka-news.

Mehr zum Thema
Kombilösung Karlsruhe | ka-news.de: Baufortschritt, Mehrkosten, Sperrungen und Verzögerungen: Mehr Infos und Fotos von der Karlsruher Kombilösung finden Sie in unserem Dossier!
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Das könnte Sie auch interessieren
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (33)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   andip
    (11287 Beiträge)

    06.11.2012 12:01 Uhr
    In
    der Regel werden Baufirmen nach jeweils fertig gestellten Bauabschnitten bezahlt,hier hoffentlich auch.
    D.h.,die Baufirma geht jeweils in Vorkasse und bekommt später vom Auftraggeber ihr Geld zurück.
    Geht jetzt die Alpine pleite,kann die Stadt dann entscheiden,wie es weitergeht.
    Aber solange das noch nicht der Fall ist,muss man nicht schon im vorraus eine andere Baufirma in der Hinterhand halten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   haku
    (4193 Beiträge)

    06.11.2012 11:35 Uhr
    Wie sollte denn ein solcher Plan B aussehen?
    Hätte die KASIG eine zweite Firma dafür bezahlen sollen, ständig für den Fall einer Pleite der primären ausführenden Firma bereitzustehen? Personal und Gerät bereitzuhalten, dass immer die laufenden Arbeiten eingebunden ist um jederzeit die Baustellen übernehmen zu können?
    Die Alpine ist ja keine unbekannte Klitsche gewesen. Wie wäre die Reaktion gewesen, würde die Kasig jedes Jahr viel Geld dafür ausgeben, damit irgendwo ein Haufen Maschinen und Arbeiter bereitstehen, deren Einsatz eher unwahrscheinlich gewesen wäre?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (12399 Beiträge)

    06.11.2012 12:34 Uhr
    !
    Nein, es müssen nicht zwei Tunnelbohrer rumstehen, es reicht, wenn man das genaue Procedere im Pleitefalle kennt und eine Taktik dafür in der Schublade hat. Derzeit hat man aber eher den Eindruck, es herrsche in dieser Schublade gähnende Leere ...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 (4 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.
ka-news-logo

Es gibt neue Nachrichten auf ka-news.de

Abbrechen