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Karlsruhe Kombilösung: Kein Plan B bei Firmenpleite? Hoffen reicht nicht!

Großprojekte werden fast immer teurer und dauern länger als geplant. So wohl auch die Karlsruher Kombilösung. Ok, das ist vielleicht auch der Komplexität von Jahrhundertprojekten geschuldet. Dennoch erwarte ich von den Verantwortlichen sorgfältige Planung, genaue Kalkulation und einen Plan B für ein Katastrophenszenario. Ein solches Szenario beinhaltet auch den Fall, dass ein maßgeblich an dem Bau beteiligtes Unternehmen pleite geht. Doch die Kasig vermittelt den Eindruck, dass eigentlich keiner so genau weiß, was dann passiert. Hoffen reicht nicht, findet ka-news-Redakteur Moritz Damm.

Jahrhundertprojekte werden - wie ja der Name schon sagt - nicht allzu oft in einer Stadt realisiert. Aber eines haben diese Projekt häufig gemeinsam: Sie werden teurer als geplant und dauern länger. Aber gerade weil diese Projekte so komplex sind und die Bauphase eine Stadt Jahrzehnte lang beeinträchtigen kann, müssen sie eben besonders gut geplant werden.

Und auch weil diese Projekte oft umstritten sind und eigentlich immer verdammt viele Steuergelder kosten, kann der Bürger erwarten, dass nichts dem Zufall überlassen wird. Es muss alles präzise geplant sein, auf alle Eventualitäten muss es eine Antwort geben, alle möglichen Szenarien müssen in Betracht gezogen worden sein. Und hierzu gehört auch der Fall, dass eines der beteiligten Bauunternehmen pleite geht - was so selten nun auch wieder nicht vorkommt. Erst Anfang Oktober hatte die Nachricht über den in Zahlungsschwierigkeiten steckenden Baukonzern Alpine auch die Kasig überrascht. Das Unternehmen ist maßgeblich an der Umsetzung der Kombilösung beteiligt und hat selbst finanzielle Probleme eingeräumt.

Ok, ein solches Pleiteszenario ist rein hypothetisch und keiner sagt, dass es so kommt. Auch wird das niemand wollen. Dennoch wirft diese Situation eine Frage auf: Was wäre, wenn...? Umso erstaunlicher, dass keiner der Verantwortlichen eine konkrete Antwort dazu parat hat. So bekamen wir auf unsere Fragen, was eigentlich in so einem Fall passiert und wer daraus resultierende Mehrkosten bezahlt, keine befriedigende Antwort.

Bei der Kasig zeigte man sich vor einigen Wochen auf ka-news-Anfrage wortkarg: "Es gibt derzeit keine neuen Entwicklungen." Mehr ließ das Unternehmen nicht verlauten. Keine Antwort auf die Frage, wer etwaige Mehrkosten bei einem eventuellen Ausfall von einem mit der Durchführung der Kombilösungs-Arbeiten betrauten Unternehmen übernehmen würde. Und auch die Frage, ob bei den Planungen der Kombilösung über ein mögliches Pleite-Szenario eines an der Kombilösung beteiligten Baukonzerns und den daraus resultierenden Konsequenzen nachgedacht wurde blieb unbeantwortet.

Am Montag erklärte Marget Mergen, Kasig-Aufsichtsratsvorsitzende, bei einem Vor-Ort-Termin auf ka-news-Nachfrage: "Wir beobachten die Entwicklung bei Alpine zur Zeit sehr genau." Bislang habe man aber kein Signal erhalten, dass sich für Karlsruhe etwas signifikant ändern werde. Man hoffe, dass Alpine solide konsolidiert werden könne. Prinzip Hoffnung bei einem Millionen-Projekt? Na, wenn das mal gut geht.

Und was sagt das baden-württembergische Verkehrsministerium (beteiligt an der Finanzierung der Kombilösung) dazu? Auch hier scheut man sich vor einer konkreten Aussage. Das Ministerium könne  zum jetzigen Zeitpunkt keine definitive Aussage darüber machen, ob zusätzliche Mehrkosten im Fall einer Firmen-Pleite vom Land übernommen würden.So hieß es in einer Stellungnahme auf ka-news-Anfrage.

Ein Jahrhundertprojekt - geplant und realisiert mit Steuergeldern - und keiner weiß, was in einem solchen Pleite-Fall passiert? Ein Unding! Egal ob Gegner oder Befürworter des Projekts - ich erwarte einfach von den Verantwortlichen, dass sie pflichtbewusst mit den Geldern der Bürger umgehen und informieren. Dazu gehört auch ein Plan B. Entweder sie sagen aktuell einfach nicht was sie wissen, oder sie wissen es schlichtweg nicht. Ich kann für uns alle nur hoffen, es ist ersteres. Denn für Fehler zahlt letztlich nur einer - der Bürger!

Siehe auch:

Kombilösung: Entspannung am Durlacher Tor - hoffen auf Alpine Bau

Pleite-Szenario bei Kombilösung - Land hilft nicht unbedingt

Kombilösung: Alpine Bau mit "erheblichen Verlusten" - wer zahlt bei Pleite?

Kombilösung: Alpine-Finanzprobleme haben auch Kasig überrascht

Alle weiteren Informationen zur Kombilösung finden Sie im Dossier von ka-news.

Mehr zum Thema
Kombilösung Karlsruhe | ka-news.de: Baufortschritt, Mehrkosten, Sperrungen und Verzögerungen: Mehr Infos und Fotos von der Karlsruher Kombilösung finden Sie in unserem Dossier!
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Kommentare (33)
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  •   Bernd
    (334 Beiträge)

    07.11.2012 15:36 Uhr
    Kombilösung
    Die Kombilösung war doch von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wenn man nur die ganzen Argumente zusammenzählt, die begründet waren und die die Verantwortlichen in den Wind geschlagen haben dann fragt man sich, warum man überhaupt damit begonnen hat. Aber diese vielen Argument, die keiner geanu wusste, wie Firmenpleiten und sonstige Dinge, die man nicht einmal ahnen kann wie der Brandschutz im Flughafen Berlin macht mir Angst. Was ist, wenn tatsächlich keine Straßenbahn durch die Tunnel passen? Oder wenn es tatsächlich Schwierigkeiten mit dem Karlsruher Kanalsystem gibt, wie viele vorausgesagt haben?
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1673 Beiträge)

    06.11.2012 18:50 Uhr
    minocyclin und waterman haben recht ...
    ... dem schreiber des artikels mangelt es offensichtlich an fachwissen und eigentlich auch gesundem menschenverstand - das insolvenzrecht (in österreich nicht soooo viel anders) regelt den rest, denn auch ein insolvenzverwalter führt die geschäfte erst einmal weiter.
    laut vergaberecht muss der günstigste anbieter genommen werden falls es nicht andere alleinstellungsmerkmale gibt.
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  •   Waterman
    (6735 Beiträge)

    07.11.2012 06:30 Uhr
    Danke für den Hinweis auf das Insolvenzrecht.
    Dazu ein Beispiel:

    Als die Firma Holzmann Insolvenz erklärte, schlug dies auch auf eine, eigentlich gesunde, Tochter-Firma Johnson aus den USA durch, die sich darauf spezialisiert hatte US- Botschaften zu bauen. Die wurden dann auch unter einen Insolvenzverwalter (receivership) gestellt und haben ihre Projekte zu Ende gebracht. Dann wurden die Gläubiger befriedigt und die Fa. aufgelöst bzw. verkauft.
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  •   Waehler
    (200 Beiträge)

    06.11.2012 18:01 Uhr
    Wenn Plan A nicht aufgeht
    warum sollte dann Plan B aufgehen?
    Es ist doch nur logisch, dass dann ein Plan B nicht gebraucht wird.
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  •   Petrolhead
    (972 Beiträge)

    06.11.2012 21:27 Uhr
    Excellente Logik
    Bedeutet dies doch, unabhängig des Themas oder einer Aufgabenstellung, dass ein Plan B grundsätzlich obsolet ist.

    Warum ist darauf bloss niemand vorher gekommen ?
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  •   patrickkk
    (2175 Beiträge)

    06.11.2012 16:13 Uhr
    Es scheint
    Als wäre unser Staat nicht mehr fähig Projekte dieser Größenordnung vernünftig und verantwortungsvoll zu planen und zu koordinieren.

    Die Pleite eine beteiligten Firma wäre sicher ein Unglück, aber keine unvorhersehbare Katastrophe wie etwa ein Erdbeben oder ein Anschlag. Schließlich ist die Insolvenz fester Bestandteil unserer Wirtschaftsordnung, und auch grade bei großen Baukonzernen keine allzu seltene Erscheinung.

    Trotzdem kann ich die Ratlosigkeit bis zu einem bestimmten Punkt nachvollziehen, zumindest bei den kommunalen Politikern. Wie der Artikel beschreibt haben sie keine Erfahrung mit Projekten dieser Größe, und werden sie danach auch nicht nocheinmal machen. Allerdings sollte man/frau sich dann auch jegliche Großkotzigkeit bzw. Arroganz verbieten.
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  •   80er
    (6120 Beiträge)

    06.11.2012 18:19 Uhr
    Deinem ersten Absatz....
    ....kann man nur zustimmen. Das Mautsystem als Beispiel, der Berliner Flughafen, die Philharmonie in Hamburg und was weiß ich noch alles. Aber das kommt auch daher, dass man sich mittlerweile viel zu wenig Zeit läßt, solche Projekt wirklich bis in das kleinste zu planen und zu finanzieren. Alles muss schnell schnell gehen. Heute Baubeginn und morgen schon Eröffnung.
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  •   Petrolhead
    (972 Beiträge)

    06.11.2012 14:31 Uhr
    Nutzen Kosten Faktor
    Angenommen es gibt einen Plan B. Dieser würde sich garantiert kostensteigernd auf das Gesamtprojekt auswirken. Wäre ein solcher auch dann statthaft (sprich die Förderung durch Bund und Land weiter gegeben), wenn sich hierdurch der Kosten Nutzen Faktor ins negative verkehrt ?

    Sofern nicht, wäre dies die einzig logische Erklärung für die Schmallippigkeit der befragten Akteure.
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  •   mueck
    (12316 Beiträge)

    06.11.2012 18:03 Uhr
    !
    Ins Negative wohl nicht gleich, zwischen 0 und 1 reicht schon völlig für ein massives Problemchen, WENN er bei sowas neu gerechnet werden müsste und genau das ist die m.E. spannendste Frage, da der NKF vermutlich nur sehr knapp über 1 liegen dürfte ...
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  •   mueck
    (12316 Beiträge)

    06.11.2012 18:06 Uhr
    !
    Die zweitspannendste Frage wäre, wenn die Frage mit dem NKF mit >1 geklärt wäre (ansonsten wäre Schluss), die Frage der Festbetragsfinanzierung durch das Land
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