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Karlsruhe Kombilösung: Kaiserstraße wird 7 Monate gesperrt - Mentrup will Bauzeit verkürzen

Die Karlsruher Kombilösung steht mächtig unter Zeitdruck. Das Megaprojekt liegt in Teilen bis zu 18 Monate hinter dem Plan zurück. Doch die Baustelle muss bis 2019 fertig sein, sonst verliert die Stadt Millionen an Fördergeldern. Der neue Oberbürgermeister Frank Mentrup will jetzt die Kaiserstraße zwischen Kronen- und Marktplatz ab Ende April für sieben Monate komplett sperren. So soll die Bauzeit um bis zu 15 Monate verkürzt werden. Ein Unterfangen, das die Karlsruher Bürger weiter einschränkt.

Bereits am Dienstag kursierten Meldungen, der neue OB Frank Mentrup wolle die Kaiserstraße zwischen Kronenplatz und Marktplatz ab April für mehrere Monate voll sperren. Damit sollen die Bauarbeiten für das Großprojekt beschleunigt werden. Mentrup hat diese Pläne nun am Mittwochmittag bestätigt.

Bei einer Pressekonferenz wurden die Kernpunkte für das "Konzept zur Verkürzung der Bauzeit für die Kombilösung" vorgestellt. Es wurde von der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) und der Arbeitsgemeinschaft Stadtbahntunnel (Arge) erarbeitet.

2019: "Wir müssen den Termin halten"

Demnach wird die östliche Kaiserstraße zwischen Marktplatz (Modehaus Schöpf) und Kronenplatz (Buchhandlung am Kronenplatz) von Ende April bis November 2013 für sieben Monate für den Bahnverkehr komplett gesperrt - acht Wochen davon sind Schulferien. In dieser Zeit sollen die Bauarbeiten dann "konzentriert" abgewickelt werden können. Die Bauzeit soll dadurch zwischen 12 und 15 Monaten verkürzt werden.

"Wir müssen bis zum 31. Dezember 2019 alle Bauarbeiten abgerechnet haben", so OB Frank Mentrup. Derzeit rechne man mit einer Fertigstellung im Sommer 2019. Doch sollte "etwas Unvorhersehbares passieren", hätte die Stadt "ein echtes Problem". Denn dann gingen der Stadt Millionen an Fördergeldern flöten. Daher will der OB mit der Maßnahme die Bauzeit verkürzen, um den Termin 2019 zu halten. "Die Baufelder am Marktplatz und Kronenplatz können so gemeinsam bearbeitet werden - statt hintereinander", erläutert Mentrup. Die Kasig selbst habe dem neuen OB diese Maßnahme vorgeschlagen.

"Ziel muss es sein, dass für alle Kunden egal ob mit Straßenbahn, S-Bahn, Fahrrad oder Auto, die Geschäfte in der Innenstadt erreichbar bleiben." Bis zum Weihnachtsgeschäft soll die Maßnahme beendet sein, versichert Mentrup. Die betroffenen Anwohner und Einzelhändler würden noch rechtzeitig und ausführlich informiert, verspricht Mentrup. Auch eine Veranstaltung im April für alle Bürger sei geplant. Transparenz, Verständnis und Akzeptanz für die Maßnahme wolle der OB bei den Bürgern erreichen. "Ich habe im Wahlkampf versprochen, die Bürger rechtzeitig, transparent und verständlich zu informieren. Ich stehe persönlich im Wort", so Mentrup.

Bahnen werden umgeleitet - längere Fahrzeit

Der Zeitgewinn ergebe sich dadurch, dass Arbeiten auf größeren Baufeldern möglich und dadurch leichter durchzuführen seien, so Erste Bürgermeisterin und Kasig-Aufsichtsratsvorsitzende Margret Mergen. "Seit drei Jahren beobachten wir, das wir den Zeitplan nicht einhalten können." Das liege daran, dass im Jahr 2004 die Baufelder zu klein dimensioniert wurden. Man wollte hierdurch die Einschränkungen für Passanten so gering wie möglich halten, konnte aber deshalb nicht mit dem gewünschten Tempo arbeiten.

Die Straßen- und Stadtbahnen werden in dieser Zeit statt über die östliche Kaiserstraße über den "Bypass" Baumeisterstraße (Fritz-Erler-Straße, Baumeisterstraße, Ettlinger Straße) umgeleitet. Um den zusätzlichen Bahnverkehr aufnehmen zu können, wird der "Bypass" entsprechend ausgestattet: Autos und Bahnen sollen eigene Fahrwege erhalten. Die Haltestellen Marktplatz, Kronenplatz und KIT seien mit dem ÖPNV während der gesamten Zeit erreichbar. "Es wird Einschränkungen geben", so Mergen. Fahrgäste des KVV müssten durch die Umleitungen eine längere Fahrzeit von 5 bis 10 Minuten in Kauf nehmen. Der Fahrplan werde vermutlich für diesen Zeitraum aufgehoben. Geänderte Ampelschaltungen hätten auch für den Autoverkehr längere Wartezeiten an Kreuzungen und Rückstau zur Folge.

Jeder weitere Monat kostet eine Million Euro

Doch die Experten hätten Vor- und Nachteile abgewogen und seien zu dem Ergebnis gekommen, dass die Maßnahme sinnvoll sei."Jedes Jahr länger kostet mehr Geld", so Mergen. Alleine für die Kaiserstraße koste jeder weitere Monat rund eine Million Euro. "Wir haben das in der Realität noch nicht ausprobiert. Das ist ein Sprung ins kalte Wasser", so Mergen zu den Plänen. Auch Kasig-Geschäftsführer Uwe Konrath spricht von einem "Rest-Riskio". Der Zeitplan von sieben Monaten sei "extrem sportlich".

Alle Zugänge zu Häusern, Wohnungen und Geschäften blieben erhalten, verspricht die Kasig. Wo nötig, greife das Entschädigungsmanagement. Konrath rechnet allerdings nicht mit mehr Entschädigungsforderungen. Ohne die Sperrung sei die Belastung für die Anwohner und Einzelhändler zwar "etwas geringer, aber dafür wesentlich länger."

Gemeinderat muss nicht entscheiden

Die Sperrung sei noch nicht endgültig beschlossen, aber Kasig und Arge hätten bereits intensiv verhandelt und seien sich einig, so OB Mentrup. " Das Papier ist fertig, eigentlich fehlen nur die Unterschriften", sagte er am Mittwoch. Höchstwahrscheinlich sei dies am Donnerstag der Fall. Der Karlsruher Gemeinderat muss an dieser Entscheidung nicht beteiligt werden. Dennoch werde der OB am 9. April die Stadträte über die Maßnahme informieren. Diese Debatte habe aber "keinen Einfluss" auf die Entscheidung.

Wie hoch die Kosten für die spezielle Maßnahme seien, konnte die Kasig aktuell nicht beziffern. "Erst wenn die sieben Monate erfolgreich abgeschlossen sind, können wir sagen, ob es auch finanziell etwas gebracht hat", so Konrath.

Kombilösung aktuell in dritter Bauphase

Frank Mentrup hatte nach seiner Wahl im Interview mit ka-news angekündigt, das Thema Baustellen unmittelbar nach seinem Amtsantritt angehen zu wollen.Dies sei eines der Themen, "für die in den ersten Wochen und Monaten schon ein klares Signal kommen muss."

Die Kombilösung befindet sich derzeit in der dritten Bauphase. Insgesamt sind acht Phasen vorgesehen. Das Gesamtprojekt Kombilösung soll, obwohl manche Baustellen bis zu 18 Monate hinter dem Zeitplan zurückliegen, bis zum Jahr 2019 fertig gestellt sein. Arbeiten, die danach realisiert oder abgerechnet werden, werden nicht mehr gefördert. Die Kombilösung wird nach dem Bundes-GVFG (Bundes-Gemeindeverkehrsfinanzierungs-Gesetz) gefördert. Der Bund beteiligt sich mit 60 Prozent an den förderfähigen Kosten, das Land Baden-Württemberg bezuschusst das Vorhaben mit 100,8 Millionen Euro. Die Gesamtkosten liegen derzeit bei 645 Millionen Euro - ursprünglich waren knapp 500 Millionen Euro kalkuliert.

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  •   FRF
    (16 Beiträge)

    08.04.2013 12:44 Uhr
    Dilletantismus oder vorsätzliche Informationshinterziehung ?
    Zitat von KA-News Frank Mentrup hatte ... im Interview mit ka-news angekündigt, das Thema Baustellen unmittelbar nach seinem Amtsantritt angehen zu wollen. Dies sei eines der Themen, "für die in den ersten Wochen und Monaten schon ein klares Signal kommen muss.


    Es ist unverständlich, dass alle Verantwortlichen scheinbar den Überblick komplett verloren zu haben scheinen. Das Verkehrschaos rund um die Großbaustellen ist schon jetzt unerträglich. Zusammen mit der Sperrung der Kaiserstraße führt das dazu, dass kaum noch jemand von Auswärts in die Innenstadt möchte. Die Gewerbetreibenden werden ein Lied davon singen können ! Und ... wir sind erst in Bauphase 3. Was wohl geschieht, wenn die Mauwürfe erst einmal richtig loslegen ?

    Ist es Unfähigkeit, Dilletantismus, Ignoranz, Gleichgültigkeit oder beabsichtigte Informationshinterziehung der Veranwortlichen, dass unberücksichtigt zu bleiben scheint, dass jede Baustelle Auswirkungen auf den gesamte städtischen Verkehrsfluß hat ?
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  •   abakus
    (1066 Beiträge)

    17.03.2013 12:35 Uhr
    Zuhören? Verbinden? Gestalten?
    Der Karlsruher Gemeinderat muss an dieser Entscheidung nicht beteiligt werden.
    Na dann, kaum sieben Arbeitstage im Amt schon ists vorbei mit Zuhören. Die Innenstadt für mindestens 7 Monate zu sperren ohne die Bürger an der Entscheidung zu beteiligen ist jetzt nicht das, was im Wahlprogramm versprochen wurde. Andererseits hätte er sich an sein Wahlprogramm gehalten und würde nicht gleich nach seiner Wahl alles vergessen, dann wär ich von ihm als Politiker auch enttäuscht gewesen, zumal von einem SPDler... Zughört hat er wohl nur das KASIG, verbinden wird er wohl nur die Schienen und gestalten darf die KASIG ganz allein. Willkommen im Amt, das können ja noch heitere 7 Jahre, 11 Monate und 2 Wochen werden. Aber danach ist definitiv Schluss!!!
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  •   DonHasi
    (927 Beiträge)

    15.03.2013 04:35 Uhr
    Schwachköpfe..... 2.Teil
    Das ganze gepaart mit einer österreichischen "Pleitefirma", die von Karlsruhe so viel Ahnung hat wie der neue Papst von einem Bordell. Das alles nur, weil uns "Wertarbeit" zu teuer war. Ich wünsche Herrn Dr. Frank Mentrup so viel "Chuzpe", das er seinen "Schlafttabletten" in der Stadverwaltung und der "österreichischen "Chaostruppe" mitsamt der KASIG mal ordentlich in den "Allerwertesten" tritt. Karlsruhe hat nämlich sonst nach 2019 nicht nur ein paar "Löcher" zuviel.
    Aber wie gesagt, da wahrscheinlich kaum einer der "hohne Herren" in der Innestadt wohnen, muß gings ihne bisher am A...h vorbei.
    Aber jetzt drängt offenbar schon die Zeit und Karlsruhe ist noch löchrig wi ein Schweizer Käse.
    Gut gemacht, Ihr Pfeiffen...
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  •   DonHasi
    (927 Beiträge)

    15.03.2013 04:17 Uhr
    Schwachköpfe.....
    Hätte man die Kriegsstr. zuerst gebaut zusammen mit einer Umfahrung über die Zähringerstr. und von mir aus noch die "Südoststadtbahn" als "Ausweichstrecke" dann hätte man zügig die unterirdischen Haltestellen bauen könen um zum Schluß mit dem großen "Makronenbohrer" unter der Stadt durchzubohren. Aber nein, die "Reihenhausbesitzer" in den Vorstädten, die sich in unserem Gemeinderat den "Arsch breit sitzen" und Karlsruhes "Innenstadt" nur zum schwadronieren auf irgendwelchen "Wichtigtuerveranstaltungen" brauchen machen ausser unserer "Innenstadt" auf Jahre einen "Dreckstall"
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  •   phileas04
    (26 Beiträge)

    14.03.2013 18:54 Uhr
    Schluss mit dem Weiterbau
    dann wäre wenigstens di Kostenexplosion gestoppt. Und die Baugrube zuschütten kannja nicht die Welt kosten. Die Bahnen können dann in Zukunft außen rum fahren. Gabs da mal eine Abstimmung, das warja wohl ein grenzenloser Irrtum, seit wann leben wir in einer Demokratie?? das Ergebnis war gefälscht, gilt jetzt nicht mehr, ab sofort , basta!
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  •   Insider
    (744 Beiträge)

    14.03.2013 14:29 Uhr
    Keine Verkürzung!
    Um eine Verkürzung der Bauzeit geht es nicht! Es ist eine Verkürzung der Verlängerung! zwinkern
    Ich warte nur noch auf die exorbitante Kostenexpolsion. Das wird Fenrich Mentrup auch noch vererbet haben.
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  •   Caipichris
    (698 Beiträge)

    14.03.2013 12:50 Uhr
    Hut ab - mutige und vernünftige Entscheidung...
    ... statt "Augen-zu-und-durch"wie unter H.F.! Letztlich sicherlich auch besser für den Einzelhandel da absehbar! Nur funktionieren muss es!
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  •   JeanneDarc
    (363 Beiträge)

    14.03.2013 12:45 Uhr
    Österreicher halt...
    Ich hab wirklich nix gegen andre Nationalitaeten - auch nicht gegen Österreicher - aber - wir hatten das doch schon einmal dass ein Österreicher viel gutes versprochen hat und Zerstörung hinterlassen hat..und als ich gesehen hab dass ein Teil der Ausbildung des grossen Chefs sogar mit meiner teilweise uebereinstimmt...tja -da dachte ich nur - haettens doch micht genommen zwinkern - denn - schlimmer könnte es auch bei mir nicht werden zwinkern
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  • unbekannt
    (195 Beiträge)

    14.03.2013 12:20 Uhr
    Endlich mal.....
    eine Initiative und Entscheidung! Das ewige schönreden und vertrösten wird durch Taten ersetzt! Danke Herr Mentrup, dass sie schnell die Problemlösungen angehen, die Ihr Vorgänger nur verursacht aber nicht eingestehen und beheben wollte.
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  •   Beiertheimer
    (958 Beiträge)

    14.03.2013 11:44 Uhr
    Komplettsperrung
    Also wenn wir den Laden (Ich meine Karlsruhe mit Beginn der Ortsschilder) für 6 Monate komplett zumachen müßten doch alle Baustellen erledigt sein oder hab ich etwas übersehen?
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