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Karlsruhe Kombi-News: Gleise werden immer länger, Kräne prägen das Bild der Kriegsstraße - Innenausbau der Haltestellen kommt gut voran

Jede Woche gibt es von der Bauherrin der Kombilösung, der Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig), Neuigkeiten aus dem Tunnel unter der Kriegs- und der Kaiserstraße.

Beim Bau oder besser: Innenausbau des Stadtbahn- und Straßenbahntunnel unter der Kaiserstraße mit dem Südabzweig vom Marktplatz bis in die Ettlinger Straße wächst auf dem "Ost-Ast" der Gleisstrang immer weiter in Richtung Rampe Durlacher Allee. Nachdem in den Haltestellen Durlacher Tor und Kronenplatz sowie in den Tunnelabschnitten zwischen Gleisdreieck unter dem Marktplatz und der Rampe in der Durlacher Allee das südliche Gleis bereits im Januar verlegt wurde, arbeiten sich die Gleisbauer jetzt auch auf der anderen, der nördlichen Seite vor.

Kombi-News 1. März 2019
Schotter satt: In der Haltestelle Durlacher Tor werden die Gleiszwischenräume mit Schotter verfüllt. | Bild: Kasig

Zunächst wird auf den Sohlbeton eine Unterschottermatte aus zentimeterdickem Schaumgummi geklebt, um die Übertragung des Körperschalls der Bahnen auf den Beton der Tunnelröhre und der Haltestellen und damit auf die darüber liegenden Gebäude zu unterbinden. Anschließend folgt eine dicke Lage Schotter, auf den dann die vormontierten Schwellen mit den Gleisen gelegt werden.

Haltestellen als solche bald erkennbar

In den Monaten April bis Juni folgt der Gleisbau auf dem West-Ast zwischen Gleisdreieck und Rampe Mühlburger Tor, und zu guter Letzt in den Monaten Juli, August und September der Süd-Ast zwischen Gleisdreieck und der Rampe in der Ettlinger Straße auf Höhe der Augartenstraße.

Kombi-News 1. März 2019
Unten durch: Die Gleisbauer sind mit beiden Gleissträngen vom Gleisdreieck Marktplatz kommend an der Rampe Durlacher Allee angekommen. | Bild: Kasig

Die Verkleidung der Haltestellenwände und das Belegen der Bahnsteigoberflächen mit den bis zu 70 Kilogramm schweren Betonwerksteinen arbeiten sich weiter nach Westen voran: In den Haltestellen Kronenplatz und Durlacher Tor stehen nur noch Restarbeiten auf dem Programm, in der Lammstraße und am Europaplatz wird die Unterkonstruktion auf den Rohbau-Beton montiert. Hier sind auch bereits die Bahnsteigkanten mit den Werksteinen gestaltet, in der Lammstraße auch die Bahnsteigoberfläche.

Rundgang Haltestelle Durlacher Tor
Bild: Tim Carmele

Wo das bereits geschehen ist wie in der Haltestelle Durlacher Allee, wird auf beide Bahnsteige ein Raumgerüst gestellt, das hoch oben über den Gleisen ein Arbeiten an den oberen Wandflächen der Haltestellen sowie unter der Haltestellendecke zulässt. Der Rohbaubeton erhält in den Haltestellen im Trockenbauverfahren eine Verkleidung beziehungsweise Deckenabhängung, die ebenso hell ist wie die Betonwerksteine.

Kombi-News 1. März 2019
Zeitweise eng: Das Raumgerüst unter dem Durlacher Tor füllt fast die ganze Haltestelle aus, erlaubt aber Arbeiten unter der Decke und oben an den Haltestellenwänden. | Bild: Kasig

Ein weiteres umfangreiches "Gewerk" des Innenausbaus sind die Aufzüge und Fahrtreppen: Derzeit laufen die Montagen in den Haltestellen Europaplatz, Lammstraße und Durlacher Tor. Elektriker verlegen aktuell Leitungen für den Bahnstrom und Kabel für Kommunikationssysteme wie beispielsweise Brandmeldeanlagen.

Tunnel unter der Kriegsstraße frisst sich voran

Beim zweiten Teilprojekt der Kombilösung, dem Bau des Autotunnels in der Kriegsstraße mit der darüber liegenden neuen Gleistrasse, "zieren" seit Anfang der zurückliegenden Woche zwei Hochbaukräne die Silhouette der Kriegsstraße: Die mehr als 40 Meter hohen Stahlriesen heben mit ihrem 60 Meter langen Ausleger im Baufeld O 2 unter, östlich und westlich vom Mendelssohnplatz sowie im Baufeld W 3 zwischen Ettlinger Tor und Lammstraße beim jeweils hier anstehenden Bau des Autotunnels in der bis auf die Endtiefe ausgehobenen Baugrube Lasten wie etwa die Bewehrung hinunter oder lassen beim Umsetzen Schalelemente scheinbar leicht über der Grube schweben.

Kombi-News 1. März 2019
Tanz der Geräte: Bagger haben westlich des Ettlinger Tors alle Löffel voll zu tun - überragt vom Hochbaukran. | Bild: Kasig

Im Baufeld O 2 beginnt im westlichen Bereich der Tunnelbau. Im östlichen Bereich geht der Erdaushub weiter, nachdem die Dichtigkeitsprüfung darüber Auskunft gegeben hat, dass die Baugrube durch das in den Boden injizierte Weichgel von unten und durch die seitlichen Schlitz- beziehungsweise Dichtwände abgedichtet ist.

Fußgänger bekommen neuen Weg über die Straße

Im Baufeld W 3 nähern sich im westlichen Bereich die Arbeiter beim Erdaushub der Endtiefe. Parallel zum Aushub werden immer wieder die Spundwände mit Spritzbeton geglättet sowie Verankerungen gebohrt. Im östlichen Teil von W 3 ist der Betontrog der alten Unterführung unter dem Ettlinger Tor inzwischen soweit abgebrochen und der Erdaushub bis zur ersten Ankerlage erfolgt, dass hier die Bohrungen für die Weichgelinjektionen erfolgen. Dabei müssen die noch im Erdreich vorhandenen tieferen Teile der alten Unterführung durchbohrt werden. Diese tieferen Teile befinden sich im Grundwasser und können erst im Zuge des Restaushubs der Baugrube nach der Dichtigkeitsprüfung abgebrochen werden.

In den Baufeldern W 4 unmittelbar westlich des Ettlinger Tors und O 5 unmittelbar östlich des Ettlinger Tors werden Großbohrpfähle als Verbau der zukünftigen Baugruben hergestellt. Dafür muss ab Mittwoch, 6. März, für etwa sechs Wochen die Fußgängerquerung der Kriegsstraße von der Ostseite auf die Westseite der Kreuzung Ettlinger Tor verlegt werden.

Alte Haltestelle am Karlstor wird abgerissen

Östlich davon im Baufeld O 4 zwischen Kreuzstraße und Meidingerstraße werden die Schlitz- beziehungsweise Dichtwände fertiggestellt, die hier den seitlichen Verbau der zukünftigen Tunnelbaugrube vervollständigen. Danach werden die beiden großen Seilbagger weiter nach Osten rücken, um im Baufeld O 3 zwischen Meidingerstraße und Mendelssohnplatz mit der Herstellung der Dicht- und Schlitzwände zu beginnen, die dem Schlitzwandgreifer die exakt senkrecht nach unten laufende Führung zum Aushub der bis zu 20 Meter tiefen Schlitze geben.

Im Baufeld W 1 am Karlstor werden auf beiden Seiten der Kriegsstraße noch die Fahrbahnen für den Autoverkehr gebaut, der während der Arbeiten am Tunnel in der Mitte der Kriegsstraße dann an den äußersten Rändern verläuft. Am Mittwoch, 6. März, wird mit dem Teilrückbau der ehemaligen Straßenbahnhaltestelle nördlich des Karlstors begonnen, um die Ost-West-Fahrbahn der Kriegsstraße und die nördliche Fußgängerfurt am Karlstor nach Norden verschieben zu können.

Kreuzung Kriegsstraße/Karlstraße
(Symbolbild) | Bild: Thomas Riedel

Damit wird das Baufeld für den Tunnelbau frei gemacht. Linksabbiegen ist dann für von Norden kommende Autos am Karlstor nicht möglich. Fahrzeuge, die aus der Innenstadt von Norden kommend am Karlstor nach Osten abbiegen wollen, nehmen die Umleitung über die Karlstraße zunächst geradeaus nach Süden bis zur Mathystraße, dort nach links in Richtung Kongresszentrum bis zur Ritterstraße und dort weiter nach Norden (wieder links) zurück zur Kriegsstraße.

Provisorische Verkehrsführung eingerichtet

Westlich des Karlstors auf Höhe der Querung der Hirschstraße sind auch schon Bauarbeiten zu beobachten: Hier wird eine provisorische Verkehrsführung eingerichtet für die Zeit nach dem 8. April, wenn die Unterführung der Kriegsstraße unter der Karlstraße dauerhaft gesperrt ist. Nebenbei wird hier ein Schacht der Fernwärmeversorgung saniert, damit diese Arbeiten nicht während der anstehenden Sperrung der Unterführung die Zufahrt von Westen in die Innenstadt blockieren.

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Kommentare (9)
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  •   BMWFahrer
    (200 Beiträge)

    03.03.2019 19:15 Uhr
    Schotter im Tunnel
    Auf Wikipedia sind Fotos der Kölner Nord-Süd-Bahn zu sehen, die seit 10 Jahren im Bau ist. Mit der Karlsruher Baustelle durchaus vergleichbar.

    Allerdings werden dort die Schienen direkt auf dem Betonboden der Tunnelröhre verschraubt ("Feste Fahrbahn"). Warum schüttet man in Karlsruhe Schotter auf und verlegt darin Schwellen? Das ist doch völlig veraltete Technik.

    Feste Fahrbahn ist bekanntermassen wartungsarm und viel leichter zu reinigen.

    Könnte KA-News das bitte mal recherchieren?
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  •   Waterman
    (6277 Beiträge)

    03.03.2019 20:25 Uhr
    Rechts ran fahren
    Und Artikel lesen. Da steht warum...
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  •   BMWFahrer
    (200 Beiträge)

    03.03.2019 20:38 Uhr
    Nicht wirklich
    Auch in Köln baut man unter Gebäuden - die kriegen den Schallschutz doch auch in den Griff
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  •   Waterman
    (6277 Beiträge)

    04.03.2019 10:02 Uhr
    Quelle: Gleisbau-Welt.de
    Vorteile der festen Fahrbahn

    Weitgehende Wartungsfreiheit
    Reduktion der Instandhaltungskosten
    Erhöhung der Kapazität
    Kein Schotterflug bei hohen Geschwindigkeiten
    Uneingeschränkter Einsatz der Wirbelstrombremse

    Nachteile der festen Fahrbahn

    Hohe Investitionskosten
    Schlechte Luftschalleigenschaften
    Risiko von Lageänderungen durch schwer mögliche Korrektur
    Hohes Gewicht
    Hoher Instandhaltungsaufwand durch Entgleisungsschäden
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  •   Waterman
    (6277 Beiträge)

    03.03.2019 20:43 Uhr
    Vielleicht
    ist Schotter billiger
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11083 Beiträge)

    04.03.2019 08:57 Uhr
    und muß öfters
    ausgetauscht werden (viel Dreck, Staub...)
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  •   NeoTiger
    (664 Beiträge)

    04.03.2019 09:58 Uhr
    Für die Restaurierung von Gleisbettschotter gibt es spezielle Schienenfahrzeuge, die da einmal durchfahren und das Schotter sieben, reinigen und neu schleifen. Bei den Strecken der Bahn wird das etwa alle 25 Jahre gemacht. Beim U-Strab Tunnel wird es wahrscheinlich noch seltener nötig, da die Straßenbahnen leichter sind und der Schotter in der Tunnelröhre nicht den selben starken Witterungseinflüssen wie an der Oberfläche ausgesetzt ist.
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  •   Rundbau-Gespenst
    (11083 Beiträge)

    04.03.2019 12:45 Uhr
    ei, ei, ei...
    "das Schotter sieben, reinigen und neu schleifen."

    Das Schotter neu schleifen? Der Schotter wird, soweit mir bekannt ist, gebrochen.
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  •   mueck
    (10451 Beiträge)

    04.03.2019 23:39 Uhr
    !
    Das gibt doch eklig scharfe Bruckanten!!!11
    Die muss man rund schleifen, damit sich besoffene Gleislatscher nicht dran schneiden!!!111elf

    zwinkern

    Gleise schleifen latürnich ...
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