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Karlsruhe Kasig-Chef Uwe Konrath geht: Ein Rückblick auf zehn Jahre Kombilösung

Mit der Kombilösung wird sich das Bild der Fächerstadt nachhaltig verändern. Die Bahnen verschwinden aus der Innenstadt, die Autos von der Kriegsstraße. Was ursprünglich schon 2016 hätte fertig sein sollen, zieht sich noch bis 2020 hin. Der Kriegsstraßentunnel wird sogar erst 2021 in Betrieb gehen. Nun geht der Chef der Kombilösung, Uwe Konrath - ebenfalls mit zwei Jahren Verspätung - in Rente. Ein Rückblick, was in der letzten Dekade passiert ist.

Am 31. März geht Uwe Konrath in Rente. Dann war er zehn Jahre bei der Kombilösung, zuerst als Prokurist, später dann als Geschäftsführer. Und es war nicht immer alles Gold, was glänzte - der Bau der beiden Tunnel hat dem gebürtigen Trierer die ein oder andere schlaflose Nacht beschert.

Das ist nun vorbei: Mit 65 Jahren und damit zwei Jahren verspätet, gibt Uwe Konrath nun sein Amt an seinen Nachfolger ab. ka-news lässt noch einmal Revue passieren, was in den letzten zehn Jahren alles passiert ist. 

Am Anfang war der Spatenstich

Es war ein Donnerstag, der 21. Januar 2010. Pünktlich um 14 Uhr erfolgte am Europaplatz der Spatenstich für das Karlsruher Jahrhundertprojekt, die Kombilösung. Begleitet von Demonstrationen, die in dem Projekt ein Millionengrab sehen. Doch laut OB Heinz Fehnrich war dieser Donnerstag "ein großer Tag für Karlsruhe, an dem eine neue Zeitrechnung beginnt". 

Damit war der Startschuss erfolgt und Baustellen prägten ab sofort das Bild der Fächerstadt. Zunächst wurden vorbereitende Maßnahmen ergriffen, etwas das Denkmal mit dem Greif vor der Postgalerie wurde abgebaut. Zwischen Juli und Dezember 2010 wurden in der Haltestelle Europaplatz 139 Bohrpfähle gesetzt.

Im Zuge dieser ersten Baumaßnahmen wurde eine alte Mauer vor dem Karstadt gefunden. Hier kamen die Bauarbeiten das erste mal ins Stocken, denn es musste überprüft werden, ob diese Mauer in Verbindung mit dem Kaufhaus steht. 

Trotzdem sorgte dieses Mauerstück, das zuvor nicht bekannt war, für eine erste Verzögerung von elf Monaten. 

Viele Baufelder laufen 2011 parallel

Zeitgleich wird in der Innenstadt an vielen Baustellen gearbeitet. Die U-Strab-Haltestelle Europaplatz bekommt eine Dichtsole gegen Grundwasser, der Aushub kann beginnen. Ab Februar wird das Kaufhaus Karstadt abgesichert, bevor im Mai für die Haltestelle Lammstraße der erste Bohrpfahl gesetzt wurde. Am Kronenplatz lief es hingegen gar nicht rund, hier hatten die Bauarbeiten im August 2011 schon vier Monate Verspätung. 

Im September wurde das alte Substage, dass in einer der Fußgängerunterführungen am Ettlinger Tor war, entkernt und für die Abbrucharbeiten vorbereitet. 

Eines der größten Baufelder wurde am Durlacher Tor eingerichtet, denn hier wurde später die Tunnelbohrmaschine zusammengesetzt. Zwei Baufelder prägten am östlichen Ende der Kombilösung das Bild der Stadt. Seit Ende 2018 ist es aber so gut wie baustellenfrei. 

2012 steht im Zeichen des Geldes

Auch in 2012 sind die Bauarbeiter ober- wie unterirdisch fleißig. Die Baustellen wachsen - wenn auch langsamer als geplant. So liegen die Arbeiten schon ein Jahr im Rückstand. In der Dezembersitzung des Karlsruher Gemeinderates war sogar von 15 bis 18 Monaten Verzögerung die Rede. Lediglich am Durlacher und am Ettlinger Tor ist man im Zeitplan. Schon 2012 ist daher klar, das der Straßenbahntunnel erst 2017 fertig sein würde. 

"Der schleppende Baubeginn, direkt größere Verzögerungen in den ersten zwei, drei Jahren, das waren schon sehr große Herausforderungen", sagt Uwe Konrath im Gespräch mit ka-news wenige Tage vor seinem Ruhestand. Wesentlich schlimmer aber war die Pleite der Alpine. Eine Pleite mit Ansage: Schon im Oktober 2012 zeichnete sich ab, dass die Alpine Bau Österreich finanzielle Probleme hatte. Der damalige Kasig-Chef, Walter Casazza, sieht darin aber kein Grund zur Besorgnis. 

2013 - das Jahr des Pools in der Innenstadt

Um die Verzögerungen wieder aufzuholen beziehungsweise die Bauzeit zu verkürzen, gab Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup im März bekannt, dass ein vorübergehender Fahrplan gelten sollte. Und so wurde ab dem 29. April die östliche Kaisertraße gesperrt und sämtliche Bahnen umgeleitet. Bis November sollte das dauern. 

Um Kunden in die östliche Kaiserstraße zu locken, wurde die Stadt Karlsruhe kreativ: Ein mobiler Pool lud zum Baden ein, später gab es eine Freiluft-Kunstausstellung. 

Doch dann traf es die Kasig und die Stadt mit aller Wucht: Alpine Österreich und Alpine Deutschland sind insolvent. Im Juni platzt die Bombe - bis heute einer der größten Schreckensmomente für Uwe Konrath. "Da sind die Gesichter vom OB Mentrup und der damaligen Bürgermeisterin Mergen eingefroren", sagt der Kasig-Chef gegenüber ka-news kurz vor seiner Pensionierung. "Was uns da alles durch den Kopf ging... Aber ich denke, das haben wir gut gelöst!" 

Ab November 2013 kommt die Sperrung des Südabzweigs hinzu, Bahnen werden für mindestens zwei Jahre Umleitung fahren. Davon erhoffen sich die die Stadt und die Kasig eine Zeitersparnis. Währenddessen gehen die Bauarbeiten an den Haltestellen ihren gewohnten Gang. 

Lange Jahre Vorarbeit für 2014: Giulia kommt

Alle Vorarbeiten haben sich ausgezahlt - der Tunnelbohrer wird sich 2014 seinen Weg unter der Kaiserstraße hindurchfressen. Im Sommer 2013 wurde die 80 Meter lange Maschine bei Herrenknecht bestellt. Geplant ist der Einsatz ab Oktober. Und so kam es dann auch. 

Nachdem der Fächerwurm im Juni geliefert und am Durlacher Tor montiert wurde, ist das Anschlagsfest für Ende Oktober geplant. Dazu haben Stadt und Kasig herzlich eingeladen, schließlich gibt es etwas Großartiges zu feiern. Und mit dem Segen der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Mineure, der Taufe des Tunnels auf den Namen Gerlinde und der Taufe der Tunnelmaschine durch Gerlinde Hämmerle, Regierungspräsidentin a.D., konnte nichts mehr schief gehen. 

Am 18. November 2014 beginnt der Tunnelvortrieb durch Giulia, sechs bis acht Meter schafft sie pro Tag. Doch weit kommt sie nicht. 

Pleiten, Pech und Pannen 2015

Die Pause, die Tunnelbohrer Giulia einlegen muss, ist geplant. Nachdem sie sich Meter um Meter durch das Erdreich frisst - und das teilweise sogar schneller als gedacht - muss sie nun unter dem Marktplatz für einige Tage verschnaufen. Der Grund: Reversion und Überprüfung der Schneidwerkzeuge. Das war Mitte Februar. Doch die Revisionsarbeiten dauerten zwei Wochen länger als eingeplant. Aber schon wenige Tage, nachdem Giulia die Arbeit wieder aufgenommen hatte, folgte der nächste Stillstand. Das Erdreich unter dem Marktplatz ist zu locker. Am 22. März stand der Tunnelbohrer noch immer unter dem Marktplatz, nichts geht mehr - bis in den April hinein. 

So richtig nimmt Giulia erst im Juni 2015 wieder Fahrt auf. Doch es dauert nicht lange bis zur nächsten Panne: Ein Hohlraum unter der Kaiserstraße zwingt Tunnelbohrer zum Stillstand und Bahnen zur Umleitung. 

Für Uwe Konrath, Geschäftsführer der Kasig, ein weiterer Grund für schlaflose Nächte: "Immer wieder habe ich daran gedacht 'Was passiert morgen?', insbesondere während des Vortriebs in der Ost-West-Achse mit den beiden Stillständen", so Konrath im Exklusivinterview mit ka-news. 

Im Jahr des Tunnelvortriebs gibt es nicht nur Schreckensmeldungen, sondern auch gute Nachrichten. Am 7. September 2015 erreicht Giulia das westliche Ende des Tunnels, das Mühlburger Tor. Statt der geplanten neun Monate war der Tunnelbohrer einen Monat länger unterwegs, 32 Meter hat sich die Maschine am Tag unter der Kaiserstraße hindurchgefressen. Für Uwe Konrath ein Moment, der ihm besonders in Erinnerung bleiben wird: "Als wir dann am Mühlburger Tor, also dort wo wir auch rauskommen wollten gelandet sind, und das Schneidrad in die Zielgrube kam - das war ein erhebendes Gefühl!"

Geplante Inbetriebnahme 2016? Von wegen

Da sich schon in den ersten Jahren große Verspätungen im Bauablauf zeigten, ist schon lange klar, dass die geplante Eröffnung für 2016 nicht mehr zu halten ist. So wird etwa die für 2013 geplante unterirdische Haltestelle Kongresszentrum fertig, das gleiche gilt für die beiden Rampen in den U-Strab-Tunnel. 

Im Januar beginnt der Bau des Tunnels unter dem Südabzweig, am Mühlburger Tor hingegen gehen die Bauarbeiten in den Endspurt. Dann stocken die Arbeiten erneut. Der Grund: Der Bundesrechnungshof findet, dass der Kriegsstraßentunnel nicht notwendig ist und stellt diesen in Frage. Die Bauarbeiten liegen auf Eis. Erst im Oktober dann die erlösende Nachricht. Der Autotunnel, der zweite Teil der Kombilösung, kann gebaut werden. "Wir hatten den Tunnel quasi so weit zur Vergabe und dann kamen die Bedenken des Bundesrechungshofes. Aber ich denke, dass war nicht so schwerwiegend und wir haben alles gut gelöst", erinnert sich Uwe Konrath im Gespräch mit ka-news. "Aber das ging mir trotzdem an die Nieren!"

2017: Spatenstich, Klappe die 2. 

Seit Anfang April 2017 rollen auf der Kriegsstraße die ersten Bagger um für den Autotunnel alles bereit zu machen. Daher kann am 24. April der Spatenstich für den zweiten Tunnel der Kombilösung erfolgen. 

Wenige Wochen zuvor wurde bekannt, dass der Bau der Kombilösung teurer wird, als geplant. Ursprünglich sollen die beiden Tunnel 500 Millionen Euro kosten - das war 2010. Nun ist von mehr als einer Milliarde Euro die Rede.

Haltestelle für Haltestelle feiert 2017 zudem ihr Richtfest. Den Anfang hat im April die Haltestelle Kongresszentrum gemacht, im September folgte das Durlacher Tor. Auch hier ist die Haltestelle im Rohbau fertig. 

Innenausbau beginnt 2018, ebenso wie der Bau für den Autotunnel

Die oberirdischen Baustellen ziehen sich immer weiter zurück, denn der Rohbau der Haltestellen unter der Kaiserstraße neigt sich dem Ende entgegen. Jetzt geht es an den Innenausbau und das finale Aussehen der Bahnsteige und Co. Immer mehr lässt sich erkennen, dass durch den U-Strab-Tunnel mal Bahnen fahren sollen und Menschen auf ihre Züge warten. 

Den größten Fortschritt in Sachen Ausbau macht das Durlacher Tor. Hier sind im November die Bauarbeiten schon sehr weit. 

Auch oberirdisch ist am Durlacher Tor fast nichts mehr zu sehen von den Baustellen. Seit September herrscht hier für Autos wieder freie Fahrt. Seit Anfang Dezember halten auch wieder die Bahnen an der alten neuen Haltestelle. 

Derweil graben sich die Bauarbeiter Meter für Meter durch die Kriegsstraße, der Autotunnel wächst Stück für Stück. Immer wieder muss deswegen nach Kampfmitteln sondiert werden, doch alles in allem läuft der Verkehr auf der Stadtautobahn. 

2019 kommen endlich die Gleise - und die Rente

Das neue Jahr fängt gut an: Seit Mitte Januar werden im U-Strab-Tunnel die Gleise verlegt. Das Herzstück also, denn ohne Gleise geht für eine Bahn schließlich nichts. Schon im Herbst sollen alle Schienen im Tunnel verlegt sein. 

Auch in der Kriegsstraße läuft es gut, der Zeitplan stimmt. "Seit fast zwei Jahren läuft es dort gut, fast schon zu gut. Wir sind im Zeitplan und ich denke - oder hoffe - dass wir da keine Überraschungen mehr erleben", sagt Uwe Konrath im Abschieds-Interview mit ka-news. 

Nun ist es so weit und die Pension rückt näher. Zum 31. März geht Uwe Konrath in Rente - mit fast zwei Jahren Verspätung. "Die Kombilösung war eine große Herausforderung", sagt er rückblickend - aber er war und ist gerne Teil des Karlsruher Jahrhundertprojekts. 

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  •   MACHTEL
    (84 Beiträge)

    01.04.2019 22:49 Uhr
    Looser
    Viel verdient geile Rente fuer ein Millionengrab...DANKE FENRICH
    SCHAUT AUF DIESE STADT ...
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  •   udoh
    (1753 Beiträge)

    02.04.2019 12:33 Uhr
    Kleine Korrektur:
    Inzwischen ist das Loch ein MILLARDENGRAB !
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