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Karlsruhe KIT-Professor über Mehrkosten: "Großprojekte werden zu knapp kalkuliert"

Erneut Wirbel um Stuttgart 21: Die Kosten für den umstrittenen Tiefbahnhof sollen weiter in die Höhe schießen. Doch auch Berliner Flughafen, Hamburger Elbphilharmonie und die Karlsruher Kombilösung fallen aus dem Kostenrahmen. Fritz Gehbauer ist Professor am Institut für Technologie und Management im Baubetrieb am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Der Experte für Bauprojekte erklärt im ka-news-Interview, warum Großprojekte eigentlich immer teurer werden als ursprünglich geplant. Und was städtische Bauherren in Zukunft besser machen sollten.

Herr Professor Gehbauer, Sie sind Experte für Bauprojekte. Stuttgart 21, Berliner Flughafen, Hamburger Elbharmonie oder Karlsruher Kombilösung: Großprojekte werden eigentlich immer teurer als ursprünglich geplant. Woran liegt das?

Was allen genannten Projekten gemeinsam ist: Es sind öffentliche Projekte, die ein von einem Gremium, zum Beispiel einem Gemeinderat oder Aufsichtsrat, genehmigtes Budget haben. Dieses ist -  politisch korrekt - knapp gehalten, oftmals aber zu optimistisch. Ohne diesen "Optimismus" wäre die Genehmigung nicht möglich.

Aber warum wird denn so knapp kalkuliert?

Öffentliche Projekte werden unter der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) ausgeschrieben und vergeben. Diese sieht vor, dass dem "günstigsten" Bieter der Vertrag gegeben werden soll. Das muss nicht unbedingt der billigste sein, weitere Kriterien der Bewertung sind erlaubt. Nur fürchten sich die Bauherren davor, durch eine solche Entscheidung besondere Verantwortung und Erklärungsbedarf zu übernehmen. Also wird dem billigsten der Zuschlag erteilt, er liegt ja im Budget. Wenn dieses aber "optimistisch" ist, hat der Bieter unter Marktpreis angeboten. Damit ist der kostentreibende und zeitverlängernde Streit vorbereitet. Der Bauunternehmer wird versuchen, seine fehlenden Deckungsbeiträge durch Nachträge auszugleichen. Streitkosten entstehen, die am Ende höher sind, als wenn man einen Unternehmer mit auskömmlichen Preisen genommen hätte.

Was sollten die Bauherren besser machen?

Richtig wäre, ein Unternehmen zu suchen, das bereit ist, die Ungewissheiten des Projektes gemeinsam zu bewältigen. Hierfür müssen Vergabekriterien herangezogen werden, die weit über die Angebotspreise hinausgehen.

Welche Vorgehensweise empfehlen Sie bei der Durchführung von Großprojekten?

Andere Modelle existieren ja erfolgreich: Alliancing, Integrated Form of Contract (Lean Construction), etc. Neben Vertrauen und gemeinsamer Bewältigung der Zukunft ist in diesen alternativen Projektmodellen noch eine weitere Sache wichtig: Transparenz. Die Partner machen sich gegenseitig auf Störungen, die in der Zukunft gesehen werden, aufmerksam. Auch gibt es dort keine Schuldzuweisungen. Man verwendet die Energie für die Lösungsfindung.

Die Fragen stellte Moritz Damm

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  •   ralf
    (3529 Beiträge)

    08.02.2013 13:12 Uhr
    Wenigstens hat Hamburg mehr Einwohner
    Denen tut es nicht so sehr weh, wenn mal ein paar 100 Millionen Euro mehr in den Sand gesetzt werden. In Karlsruhe spürt man das mehr. Da ist es auch ein schwacher Trost, dass man in Stuttgart für ein noch unsinnigeres Projekt noch mehr Geld in den Sand setzen will - vor allem, wenn Mehrkosten auf das Land und den Bund zukommen.
    Für die Berliner ist das aus dem Ruder laufende BER-Projekt sicherlich ärgerlich, die Stadt ist ohnehin nicht so reich. Aber dennoch bemerkenswert, dass der Stuttgarter Bahnhof dennoch noch teurer ist, als der Hauptstadtflughafen.
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  • unbekannt
    (93 Beiträge)

    06.02.2013 22:46 Uhr
    Schlecht, bis falsche Ausschreibung
    M. E. werden die Ausschreibungen bewußt falsch erstellt, um die Kostenschätzung so gering wie möglich zu halten, damit das Projekt subventioniert wird.
    Daher kommen die exorbitanten Nachtragskosten. Wel schlichtweg die Ausschreibung fehlerhaft ist.
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  • unbekannt
    (172 Beiträge)

    06.02.2013 20:49 Uhr
    alter Hut
    das hat die Bevölkerung schon vor dieser Aussage gewusst. Es war noch nie ein Problem, Geld auszugeben, das einem nicht gehört. Da spielt auch die Summe keine Rolle. Notfalls kann man ja welches drucken!
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  •   timo
    (2961 Beiträge)

    06.02.2013 19:19 Uhr
    fehlenden Deckungsbeiträge durch Nachträge auszugleichen
    Ungerechtfertigte Nachträge kann der Bauherr auch ablehnen. IdR liegt das Problem jedoch schon bei der mangelhaften bis miserablen Ausschreibung, so dass jede Leistung Auslegungssache ist oder Leistungen die essentiell sind aus Zeitgründen, fehlender Fachkompetenz aber auch aus "politischen" Gründen einfach weggelassen wurden.

    Hier muss von den öffentlichen Auftraggebern ein anderer Stil angestrebt werden. Seriosität, Fachwissen und genug Zeit bei der Erstellung des LV und anderer Ausschreibungsunterlagen.
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  •   SimonW
    (69 Beiträge)

    06.02.2013 18:34 Uhr
    Gehbauer
    Von meinem Professor habe ich zu meiner damaligen Studentenzeit schon wenig gehalten und tue es auch nach diesem Artikel nicht. Es ist für mich nur verwunderlich, dass er mittlerweile zu diesem Sprachrohr greift. Ansonsten hört wohl niemand auf seine Ideen - in einem Land indem Menschen belogen werden wollen.

    Ich kann besimmt 20 Punkte aufzählen und nachweisen in denen die Bevölkerung Karlsruhes sich von den wissentlichen Seiten hat belügen lassen.
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  • unbekannt
    (29986 Beiträge)

    06.02.2013 17:57 Uhr
    Die meisten Kosten
    entstehen durch Kompetenzgerangel und weil die Leute nicht miteinander reden und jeder sein eigenes Süpple kocht.
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  • unbekannt
    (10716 Beiträge)

    06.02.2013 13:23 Uhr
    Dazu fällt dem König der Lüfte nur noch die Froschrede von Flip ein.
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  •   vonderVogelweide
    (2791 Beiträge)

    06.02.2013 16:21 Uhr
    dieser Flipsi
    ist ein Riesenfroschkopf zwinkern
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  •   flo-mi
    (415 Beiträge)

    06.02.2013 12:49 Uhr
    Elbphilharmonie
    Auch wenn die Elbphilharmonie nicht gerade um die Ecke liegt, sollte es sich auch bei der KA-News-Redaktion herumgesprochen haben, dass es nicht Elbharmonie nicht der Name des Hamburger Bauprojektes ist.
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  • unbekannt
    (511 Beiträge)

    07.02.2013 14:46 Uhr
    Danke für den Hiwweis
    Soll natürlich Elbphilharmonie heißen. Wurde korrigiert.
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