64  

Karlsruhe Freie Wähler zweifeln: "Kombi-Tunnel ist nicht für Mega-Andrang gewappnet"

Jürgen Wenzel, Stadtrat der Freien Wähler, zweifelt an der Leistungsfähigkeit des Tunnels Kaiserstraße. Ein Gutachten vom BUND, Regionalverein Mittlerer Oberrhein soll zeigen: Das geplante Betriebskonzept für den Kombi-Tunnel ist zur Hauptverkehrszeit nicht einmal im Idealfall realisierbar. Dies geht aus einer Pressemitteilung der Freien Wähler hervor.

Laut Wenzel wurde die Leistungsfähigkeit des Kombi-Tunnels 2006 im Laufe des Planfeststellungsverfahrens erörtert. Für die Kasig erstellte die DB International damals eine betriebswissenschaftliche Untersuchung. Ein Gutachten zur Leistungsfähigkeit wurde 2010 vom BUND, Regionalverband Mittlerer Oberrhein, an die Firma Vieregg-Rössler vergeben.

Hält der Kombi-Tunnel dem Menschen-Andrang künftig stand?

Das Gutachten kam zu dem Ergebnis: "Das geplante Betriebskonzept für den Tunnel Kaiserstraße ist zur Hauptverkehrszeit bei großem Fahrgastandrang nicht einmal im Idealfall realisierbar, die angestrebte Zahl von 33 Zügen pro Stunde und Richtung ist somit nicht einmal theoretisch erzielbar." Und weiter: "Erst recht scheitert dieses Betriebskonzept im alltäglichen Betrieb mit seiner Fülle von zusätzlichen Störeinflüssen." Auch eine Angebotserhöhung oder die Einführung einer neuen Linie ist laut dem Gutachten nicht möglich.

Nun will Wenzel von der Verwaltung wissen, welche Argumente und Fakten aus Sicht der Kasig und der Stadt Karlsruhe gegen diese Aussage des BUND-Gutachters sprechen. In einem Schreiben der damaligen Ministerin Tanja Gönner, Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, wurden dem Gutachten von Vieregg-Rössler laut ihm eine Reihe von "Mängeln und Defiziten" vorgeworfen. Die Gutachter legten daraufhin im Mai 2010, in einer Stellungnahme detailliert dar, dass diese Vorwurf weder sachlich noch fachlich gerechtfertigt sind.

Aufgrund der weiterhin vorhandenen Diskrepanz bezüglich der Leistungsfähigkeit hat der BUND im Dezember 2012 Oberbürgermeister Mentrup schriftlich gebeten, die von der Kasig eingeholten Gutachten verfügbar zu machen, einen direkten Vergleich der unterschiedlichen gutachterlichen Aussagen zu ermöglichen und Klarheit und Transparenz zu schaffen. Der Oberbürgermeister gab bekannt, dass die gewünschte Leistungsfähigkeit gegeben ist und die entsprechenden Gutachten bei der Kasig eingesehen werden können.

Mehr zum Thema
Kombilösung Karlsruhe | ka-news.de: Baufortschritt, Mehrkosten, Sperrungen und Verzögerungen: Mehr Infos und Fotos von der Karlsruher Kombilösung finden Sie in unserem Dossier!
Haben Sie einen Fehler entdeckt?
Unsere Sonderthemen
Das wird gerade bei ka-news heiß diskutiert
Die besten Themen
Kommentare (64)
Hinweis: Kommentare geben nicht die Meinung von ka-news wieder.
Der Kommentarbereich wird 7 Tage nach Publikationsdatum geschlossen.
Bitte beachten Sie die Kommentarregeln und unsere Netiquette!
  •   dipfele
    (5482 Beiträge)

    06.05.2014 11:21 Uhr
    Gotthard- Tunnel...
    ... und andere Projekte werden dort finanziell und technisch für das Wahlvolk so gut vorbereitet, dass es eben nur ein JA oder NEIN geben kann. Am Gotthard werden Kosten und Bauzeit bestens eingehalten. Anders in Karlsruhe, hier wurde den gutgläubigen Bürgern ein Tunnel aufgeschwatzt. Und diese Leute von CDUSPD stellen sich jetzt zur Wiederwahl! Solchen Leuten kann man doch nicht vertrauen!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Schafrichter
    (405 Beiträge)

    05.05.2014 08:46 Uhr
    Wenn schon die Schweiz als Beispiel herhalten muss,
    bitte dann aber darauf hinweisen, dass bei Bürgerentscheiden in der Schweiz die Medien Pro und Contra Gleichberechtigt behandeln. Das Kostenschätzungen in der Regel auch zutreffen und den Bürgern "nicht Sand in die Augen geschüttet wird!"
    Vor dem Bürgerentscheid in Karlsruhe wurde den Bürgern "das Blaue vom Himmel versprochen!" und heute wird dies vergessen!
    Nicht Wenzel ist der Schuldige - sondern die die für die Kombilösung verantwortlich sind. Sie haben die Versprechen nicht eingehalten und gehören abgewählt!
    In der Schweiz hat Wahrhaftigkeit einen hohen Stellenwert!
    Das Versprochene ist einzuhalten und die Einhaltung ist von den gewählten Vertretern einzufordern!
    Einer scheint sich daran zu erinnern - wo aber sind die 47 anderen Stadträte?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   candyman
    (7188 Beiträge)

    05.05.2014 08:39 Uhr
    Ich denke, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte
    Allerdings habe ich das Vertrauen in Karlsruher Bauprojekte verloren. Siehe Europabad. Groß geplant, mit überregionalem Zulauf gerechnet, kleingestutzt und trotzdem mit den überregionalen Besucherzahlen gerechnet, und dann kam fürs gleiche Geld was mickriges raus, das komischerweise keine überregionalen Besucher anzieht... und dann schmeißt man den Bäderchef raus.

    Daher glaube ich nicht, dass die Kombilösung in dem Punkt besser wird. Im Gegenteil, ich bin davon überzeugt, dass das Projekt schöngerechnet und keine Reserven eingeplant wurden. Ich glaube, das ist auf Kante geplant. Ja, schon, die angestrebten Durchsätze werden bestimmt ab und zu erreicht, aber dann darf keine Taube auf die Oberleitung kacken, kein Zehncentstückchen auf die schienen fallen, kein Türstörung bei einer Bahn auftreten, und auch sonst kein Furz passieren, der für eine Minute Verzögerung sorgt und somit den ganzen wackeligen Takt auseinanderpurzeln lässt...
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   mueck
    (10816 Beiträge)

    05.05.2014 10:15 Uhr
    !
    WENIGER als auf Kante gerechnet laut V+R!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Durlacherin
    (274 Beiträge)

    05.05.2014 08:37 Uhr
    Seine Meinung sagen zu dürfen....
    ist Kern jeder Demokratie, sogar in der Schweiz und sogar nach einer Volksabstimmung (heißt übrigens bei uns Bürgerentscheid).

    Bemerkenswert ist in Karlsruhe allerdings, dass die Bürger über ein 496-Millionen-Projekt abgestimmt haben. Inzwischen haben wir fast die doppelte Summe erreicht und es ist kein Ende in Sicht. Mich ärgert es, dass immer wieder Projekte durchgewunken werden, ohne die tatsächlichen Kosten auf den Tisch zu legen. (Kostensteigerungen im Laufe der Bauzeit kann man genauso einkalkulieren - da dürfte in der Verwaltung reichlich Erfahrung vorhanden sein).
    Wenn es teuerer wird, dann "konnte man das nicht absehen". Letztlich wird niemand zur Verantwortung gezogen und der Dumme bleibt der Bürger, der mit maroden Schulen, mangelnder Sicherheit und Sauberkeit als Folge von mangelndem Geld zu leben hat.

    Deshalb darf man schon mal darauf aufmerksam machen, wie Herr Wenzel das tut. Das heißt nicht, Kombilösung stoppen, sondern mehr Ehrlichkeit bei solchen Projekten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (3577 Beiträge)

    05.05.2014 08:54 Uhr
    mehr Ehrlichkeit bedeutet: mehr Schweiz, weniger EU-Europa
    Die Schweiz steht dafür, dass vor Volksabstimmungen die Bürger sehr genau informiert werden. Grob gesagt: Die Schweizer bekommen vor der Abstimmung viele Informationen, wir bekommen viel Werbung.
    EU-Europa steht für ein Neo-Imperium, in dem Volksentscheide ignoriert werden, wenn sie den herrschenden Politikern, Bürokratniks und Lobbyisten nicht passen. Schlimmstes Beispiel: In mehreren Staaten waren die Bürger gegen die EU-Verfassung. In der Folge wurde das ganze von den EU-Herrschern als EU-Vertrag durchgedrückt.

    Die Schweizer schaffen es auch, das Großprojekte ein Jahr früher fertig werden, z.B. der Gotthardbasistunnel. Im Vergleich zu diesem sind die Karlsruher Kombi-Tunnel nur ein Fliegenschiss.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Durlacherin
    (274 Beiträge)

    05.05.2014 09:13 Uhr
    Gotthard-Basis-Tunnel....
    sollte ursprünglich 2010-2012 fertig werden. Geplante Eröffnung ist nun 2016. Geschätzte Baukosten ursprünglich 8 Milliarden Euro - heutige Schätzung zwischen 12 und 15 Milliarden Euro.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  • unbekannt
    (3577 Beiträge)

    05.05.2014 09:20 Uhr
    sollte ein Jahr später eröffnet werden
    das war der Stand nach einer ehrlichen Planung

    Man/frau sollte unterscheiden zwischen der Zeit"planung" in einem Konzept und einer echten Zeitplanung auf Basis einer gründlichen Projektplanung - was Politiker und engagierte "Verkehrsspezialisten" natürlich überfordert. zwinkern

    in KA könnt man auch schon längst eine U-Strab haben.
    Ja und? Wir leben immer noch.

    Meines Erachtens ist es wichtig, den Erwartungsdruck auf Politik und Baufirmen aufrecht zu erhalten.
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   vielfahrer
    (411 Beiträge)

    05.05.2014 08:50 Uhr
    und von wem fordern Sie das?
    Mentrup hat doch die Kosten "hoch" rechnen lassen und sich über die beisherige Rechenmethode beklagt, bei der möglichst viele Kosten (Leitungsverlegungen etc.) "ausgelagert" waren.
    Die Forderung nach mehr Ehrlichkeit ist doch aus heutiger Sicht schon weitgehend umgesetzt und die, denen man etwas vorwerrfen könnte, sind allesamt nicht mehr im Amt.
    Was also soll das alles zu jetzigen Zeitpunkt? Sind etwa Wahlen?
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten
  •   Schafrichter
    (405 Beiträge)

    05.05.2014 10:17 Uhr
    Mentrup hat die Kombilösung zur Chefsache erklärt!
    Somit steht er in der Verantwortung!
    Aber nicht nur was die Fertigstellung des Projektes betrifft, sondern auch was die Versprechungen gegenüber den Bürgern dieser Stadt betreffen, die sich für die Kombilösung ausgesprochen haben.
    Hier ist er schon einmal Wortbrüchig geworden, als der die Kaiserstraße sperren lies!
    Damit hat er mein Vertrauen verloren!
    Bewerten:  Lädt... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet melden antworten

Seite : 1 2 3 4 5 6 7 (7 Seiten)

Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden.